Das Beste an Gießen

Das Beste an Gießen
Gießen, 21.05.2022

Kirchenplatz mit Turm der ehemaligen Stadtkirche

Ich beende diesen ereignisreichen Tag in Gießen. Die umliegenden Universitätsstädte Mittelhessens, Marburg und Göttingen, hatte ich bereits auf früheren Touren besucht, nun ist die 90.000-Einwohner-Stadt im Lahn-Dill-Kreis an der Lahn mein Ziel.

Mittags ist ein Gewitter-Sturmtief bei uns durchs Rheinland gezogen, gegen 19 Uhr soll es von Südwesten kommend Mittelhessen erreichen. Ich muss mich auf meiner Stadterkundung mit Doxi deshalb ein wenig ranhalten.

Als wir von unserem Stellplatz am Freibad ins Zentrum der Stadt laufen, bin ich zunächst ein wenig ernüchtert: Historische Bausubstanz entdecke ich nur ganz vereinzelt.

Wie ich auf einer Infotafel erfahre, wurde nahezu der gesamte historische Stadtkern Gießens durch einen Feuersturm im Anschluss an einen massiven alliierten Luftangriff im Dezember 1944 vernichtet.

Aber die Tafel zeigt auch, wo es noch erhaltene und wiederaufgebaute historische Gebäude zu entdecken gibt, und die schauen wir uns an, soweit sie nicht zu weit vom Zentrum entfernt liegen.

Mittelalterliches Fachwerk ist bis auf wenige Ausnahmen kaum erhalten geblieben. Unter den historischen Gebäuden dominieren Gründerzeit und Klassizismus.

Aber die meiste Bausubstanz ist im Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden. Alles den Erfordernissen dieser Zeit unterworfen und keine architektonischen Perlen, wie etwa die bereits wieder abgerissene Behördenhochhaus am Berliner Platz oder die Kongresshalle, sowie das ebenfalls schon wieder abgerissene Stadthaus.

Außerdem wurden die wenigen von den Bombenangriffen verschont gebliebenen Straßenzüge des Stadtkerns im Wiederaufbau zerstört, ebenso wie das durchaus wiederaufbaufähige 500 Jahre alte Rathaus. Heute gelten diese Maßnahmen als Bausünden der fünfziger und sechziger Jahre, damals sah man sie optimistisch als Aufbruch in die Moderne.

Eines der Highlights in der Innenstadt ist sicher der botanische Garten, der 1609 nur zwei Jahre nach der Gründung der Universität entstand. Aber da darf ich mit Doxi nicht rein. Und mein Mädchen am Tor anleinen und mir den Park allein anschauen, ist unter den strengen Augen der ehrenamtlichen Aufpasserinnen auch nicht gestattet. Schade!

( MITI )

Die Türen von Lauterbach

Die Türen von Lauterbach
Lauterbach, 21. Mai 2022

Hof am Rande der Altstadt

Viele schöne alte Häuser, das bedeutet in der Regel auch: viele schöne alte Türen. So wie im hessischen Lauterbach am Randes des Vogelsbergmassivs. Hier die Ausbeute eines knapp zweistündigen Stadtspaziergangs.

( MITI )

Am schönen Lauterbach

Am schönen Lauterbach
Lauterbach, 21. Mai 2022

Der Lauterbach im Stadtzentrum

Mit dieser Stadtbesichtigung ist ein trauriges Ereignis verbunden. Bei der Suche nach weiteren lohnenswerten Zielen im Vogelsbergkreis hatte ich diese Stadt entdeckt, die den gleichen Namen trägt, wie ein guter Bekannter von mir.

„Da musst du unbedingt hinfahren und dem Dirk eine nette Nachricht senden“, dachte ich. Gesagt, getan, doch just am nächsten Morgen schickt mir meine Mutter eine Todesanzeige aus unserer Lokalzeitung. Unsere Eltern waren viele Jahrzehnte befreundet. Nun ist mein Bekannter vor wenigen Tagen an Krebs verstorben. Schock! Lieber Dirk, ruhe in Frieden.

Das alles wusste ich natürlich noch nicht, als ich mir ganz unschuldig das schöne Lauterbach in Mittelhessen angeschaut habe.

Die Stadt liegt am Fluss Lauter am nordöstlichen Rand des Vogelsbergs am Fuße des Hainigs. 25 km südöstlich befindet sich Fulda, 35 km westlich die Universitätsstadt Gießen.

Wie viele Orte der Region, die auf „bach“ enden, wurde Lauterbach in der fränkischen Rodungs- und Siedlungszeit zwischen 400 und 800 n. Chr. gegründet.

Im späten Mittelalter kam der Ort unter die Herrschaft der Herren von Riedesel, die auf der nahegelegenen Burg Eisenbach residierten. Bis 1806 bildete deren Gebiet einen selbständigen Kleinstaat mitten in Hessen.

Lauterbach wurde von den Kriegen der Neuzeit verschont und verfügt deshalb über eine sehenswerte Altstadt und viele gut erhaltene Baudenkmäler. Davon konnte ich mir auf meinem knapp zweistündigen Stadtspaziergang mit Doxi einen lebhaften Eindruck verschaffen. Es ist wirklich hübsch hier und vor allem gibt es in der Bäckerei am Markt wunderbaren Zwiebelkuchen 🙂

Sollte ich zukünftig noch einmal im Vogelsbergkreis unterwegs sein, werde ich hier gerne erneut Station machen.

( MITI )

Schloss Eisenbach

Schloss Eisenbach
Lauterbach, 21. Mai 2022

Seitlicher Blick auf Kapelle und Kernburg mit dem fünfeckigen Bergfried

Etwa drei Kilometer südlich von Lauterbach besuche ich mit Doxi die auf einem Bergsporn über dem Lautertal liegende Burg Eisenbach. Ich hatte das imposante Bauwerk bei der Anfahrt auf Lauterbach entdeckt und wollte sie unbedingt einmal aus der Nähe sehen.

Die erstmals 1217 urkundlich erwähnte Anlage am Nordostrand des Vogelsbergs weist beim Anblick von der Ostseite eine gewisse Ähnlichkeit mit der Wartburg bei Eisenach auf. Sie wird deshalb auch als die „Wartburg Oberhessens“ bezeichnet.

Seit mehr als 500 Jahren befindet sich die im 16. Jahrhundert zum Schloss umgestaltete Anlage im Besitz der Riedesel Freiherrn zu Eisenbach, Erbmarschalle zu Hessen.

Sie präsentiert sich heute als vierflügelige Kernburg mit einem westlich vorgelagerten Wirtschaftshof. Darin befinden sich Kapelle, Scheune, Wohnbau, Torbau und weitere Wirtschaftsgebäuden. Hinzu kommen zwei Gutshöfe vor der Burg. Für Burgenfans eine absolut sehenswerte Anlage in schöner landschaftlicher Umgebung.

( MITI )

Auf dem Hoherodskopf

Auf dem Hoherodskopf
Schotten, 21. Mai 2022

Weithin sichtbar: Der Funk- und Fernsehturm auf dem Hoherodskopf

Bevor ich den hoch gelegenen Teil des Vogelsbergkreises verlasse, möchte ich noch einmal ganz nach oben, zum Hoherodskopf, dem zweithöchsten Berg der Region auf einer Höhe von 763 Meter ü.n.N.

Das Gipfelplateau ist gut erschlossen. Hoch in den Himmel ragt dort ein Funk- und Fernmeldeturm, der noch in Dutzenden von Kilometern Entfernung sichtbar ist.

Außerdem gibt es dort eine Sommerrodelbahn, Gastronomie, Skilift, Wetterstation, Segelflugplatz, Kletterwald sowie viele Wanderwege und im Winter gespurte Loipen.

Bei einer kurzen Gipfelrunde mit Doxi genieße ich die fantastischen Fernblicke bis in das Rhein-Main-Gebiet und zum Taunus.

Vor einer Stunde hat es noch geregnet, doch nun ist die Sicht frei. Über den Städten in der Ebene liegen noch Dunstwolken, was toll aussieht, sich jedoch mit dem Handy nur unzureichend einfangen lässt – schade.

( MITI )

Rennen vor dem Gewitter

Rennen vor dem Gewitter
Ulrichstein, 19. Mai 2022

Eine Gewitterfront zieht über Ulrichstein auf

Ui, jetzt mussten wir aber wirklich rennen, damit Doxi und ich im Wald bei Ulrichstein nicht ins Gewitter geraten. Am Mittag ist die Front bei uns zu Hause im Westen durchgezogen, für 19:00 war sie an unserem aktuellen Stellplatz in der Mitte von Hessen angekündigt.

Ich dachte, wir seien rechtzeitig um 16:45 zu unserer Abendwanderung nordöstlich von Ulrichtstein aufgebrochen, um bis zum Gewitterbeginn wieder im Wohnmobil zu sein.

Aber dann wurde die Tour länger und länger und ich sah die Gewitterfront von Westen dunkel heranziehen.

Als die ersten Blitze zuckten, und wir noch zwei Kilometer vor uns hatten, habe ich die Beine in die Hand genommen.

Nur auf den letzten 500 Meter bis zum Womo sind wir dann voll in die Böenwalze vor dem Gewitter und in die ersten Hagelkörner gekommen. Aber die ganze Wucht der Front konnten wir geschützt im Wohnmobil über uns durchziehen lassen. Und das war heftig.

Schlagartig ist es draußen abgekühlt, während es im Womo noch schwül warm war. Doxi wollte unbedingt raus und sich unter dem Wohnmobil verstecken, aber das war mir angesichts der Heftigkeit des Gewitters zu gefährlich.

Na, ja, wir haben es überstanden. Nach zwei Stunden war die Front durchgezogen und dahinter kam noch die untergehende Sonne heraus. Das war ein richtiges Schauspiel.

( MITI )