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Jüdisches Leben in Frankfurt

Jüdisches Leben in Frankfurt
Frankfurt, 9. März 2024

Modell der ehemaligen großen und von den Nationalsozialisten zerstörten Frankfurter Synagoge

Unter den vielen Frankfurter Museen ist das Jüdische das am besten gesicherte – nicht ohne Grund. Vor dem Gebäude gibt es dauerhaft Polizeipräsenz, man wird von den Museumsmitarbeitern einzeln eingelassen und muss sich einer Taschenkontrolle unterziehen.

Das Museum residiert in einem Neubau am Mainufer und bezieht das ehemalige Palais-Rothschild ein, in dem ein Großteil der Ausstellung untergebracht ist.

Es wurde am 9. November 1988, dem 50. Jahrestag des Novemberpogroms, von Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnet und widmet sich religiösen, gesellschaftlichen und sozialen Aspekten der Jüdischen Gemeinde seit dem 18. Jahrhundert.

Frankfurt besaß seit dem Mittelalter eine bedeutende jüdische Gemeinde, die im Lauf ihrer Geschichte immer wieder Anfeindungen und Pogromen ausgesetzt war.

Zwischen 1462 und 1796 durften sich die Frankfurter Juden ausschließlich in der engen Judengasse an der ehemaligen stauferzeitlichen Stadtmauer ansiedeln. Es war das erste und eines der letzten jüdischen Ghettos in Deutschland vor der Epoche der Emanzipation im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Bis zum Beginn des Nationalsozialismus lebte hier die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. Im Zuge der NS-Judenverfolgung wurden 11.134 Juden aus Frankfurt deportiert. Nur 367 von ihnen überlebten den Holocaust.

Auch davon berichtet das jüdische Museum, das aber vor allem über eine umfangreiche und herausragende Sammlung an zeremoniellen Objekten und wertvollen Textilien aus dem 17. bis 20. Jahrhundert verfügt.  Außerdem werden zahlreiche Objekte und Dokumente zu jüdischem Alltagsleben und zur jüdischen Wirtschaftsgeschichte Frankfurts präsentiert.

Da ich mich aufgrund unserer Geschichte dem jüdischen Volk verbunden fühle, wollte ich diese Ausstellung unbedingt sehen. Und ich muss sagen, das hat sich absolut gelohnt.

( MITI )

Hip-hop-Culture in der Schirn

Hip-hop-Culture in der Schirn
Frankfurt, 9. März 2024

Black Power, please smile

Irgendwie scheint es gerade ein Trend zu sein, dass sich renommierte Kunsteinrichtungen Aspekten der zeitgenössischen Massenkultur zuwenden, um auch junge Leute ins Museum zu locken. So zeigt die Schirn Kunsthalle noch bis Mai unter dem Titel „The Culture“ den tiefgreifenden Einfluss von Hip-Hop auf die zeitgenössische Kunst und Kultur der Gegenwart.

Den Anlass dazu liefert der 50. Geburts­tag dieses Genres, das in der New Yorker Bronx in den 1970er-Jahre als kultu­relle Bewe­gung unter Schwar­zen und Latein­ame­ri­ka­ni­schen Jugend­li­chen begann.

Es fing mit DJ-ing, Graf­fiti und Break­dance an. Von Beginn an verstand sich die Bewegung auch als Kritik an vorherr­schen­den Struk­tu­ren und weißen kultu­rel­len Normen.

Heute hat sich Hip-Hop zu einem globa­len Phäno­men entwi­ckelt, das zahl­rei­che Inno­va­tio­nen in Musik, Mode, Tech­no­lo­gie sowie bilden­der und darstel­len­der Kunst angeregt hat. Und auf diesem langen Weg hat der Kommerz den Widerstand längst besiegt, scheint mir.

Die Schirn legt den Fokus auf Kunst und Musik der letz­ten 20 Jahre und zeigt mehr als 100 Gemälde, Foto­gra­fien, Skulp­tu­ren und Videos sowie Fashion und Vinyl von inter­na­tio­nal bekann­ten Künst­ler*innen der Gegen­wart. Zudem werden zeit­ge­nös­si­sche Themen und Debat­ten wie Iden­ti­tät, Rassis­mus, Femi­nis­mus und Empower­ment aufgegriffen.

Unter den Besuchern an diesem Morgen zählte ich eindeutig zu den Ältesten. Ich würde deshalb meinen: Das Konzept geht auf.

( MITI )

Museum für Angewandte Kunst

Museum für Angewandte Kunst
Frankfurt, 9. März 2024

Moderner Bau: Das Museum für angwandte Kunst

Als angewandte Kunst bezeichnet man die Disziplinen der Kunst, die sich mit der Gestaltung von Alltagsgegenständen beschäftigen. In einem wunderschönen Museumsbau am Mainufer widmet sich das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt diesem Themenkomplex mit wechselnden Ausstellungen.

Die Sammlungen des Museums umfassen mehr als 65.000 Objekte aus fünf Jahrtausenden. Ihre Schwerpunkte liegen im europäischen Kunsthandwerk und Design vom 12. bis zum 21. Jahrhundert.

Das Museumsgebäude integriert sich in den bestehenden Park der Villa Metzler und bezieht auch die historische Villa mit ein. Die drei miteinander verbundenen weißen Kuben des Neubaus sind den Proportionen der klassizistischen Villa nachempfunden.

Ich habe mir dort drei Ausstellungen angeschaut: „Was wir sammeln“, „Elementarteile. Aus den Sammlungen.“ und „Wohnkultur aus zweihundert Jahren“.

Was wir sammeln

Von banalen Alltagsgegenständen wie bunten Spülschwämmen und Einwegbesteck bis hin zu Leuchtreklamen von bekannten Marken: In dieser Ausstellung lässt das Museum Gestalter aus dem Großraum Frankfurt zu Wort kommen und zeigt, was diese privat sammeln.

Elementarteile

Das Museum verfügt über einen riesigen Fundus an Objekten. Hier werden herausragende Exponate gezeigt, die nicht einem bestimmten Interpretationsansatz oder stilgeschichtlichen Gattungsbegriffs folgen. Vielmehr geht es darum, die Objekte selbst zum Erzählen zu bringen.

Stilräume aus zwei Jahrhunderten

In der historischen Villa Metzler wird in neun Stilräumen die Wohnkultur aus über zweihundert Jahren sinnlich erfahrbar, mit nachempfundenen Interieurs aus erlesenen Möbeln, Tapeten, Fayencen und Porzellanen. Jede der historischen Raumcollagen erzählt von dem sich wandelnden Geschmack und Zeitgeist und lässt die Besucher eintauchen in Wohngefühl und Lebensstil vergangener Zeiten.

( MITI )

Jetzt wird’s floral

Jetzt wird’s floral
Städel Museum Frankfurt, 9. März 2024

Das Städel Museum Frankfurt zeigt aktuell als Wechselausstellung noch bis zum April 2024 rund 20 Aquarelle des deutsch-rumänischen Künstlers Miron Schmückle (*1966).

Es sind surreale Mischwesen aus Pflanzen und Tierwelt, die Schmückle mit feinem Pinselstrich zu Papier bringt. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Hyperrealismus, präziser Naturbeobachtung und einer fast barocken, überbordenden Vorstellungskraft.

Man könnte die Darstellungen für Anleihen aus der Kunstgeschichte halten, doch hinter seinen Bildkompositionen steckt viel mehr: hier verschmelzen Schönheit und Vergänglichkeit, Anatomie und Sexualität.  Wer ausschließlich Blumen sieht, hat vielleicht noch nicht genau hingeschaut …

( MITI )

Klassische Moderne am Main

Klassische Moderne am Main
Städel Museum Frankfurt, 9. März 2024

Das Städel-Museum am Main-Ufer. Links und rechts des Aufgangs: Zwei Werke von Max Ernst.

Das große Kunstmuseum der Stadt Frankfurt ist das „Städel“, offiziell „Städelsche Kunstinstitut und Städtische Galerie“. Es geht auf eine Stiftung zurück, die der Sammler und Mäzen Johann Friedrich Städel bei seinem Tod 1815 großzügig bedachte.

Die Sammlung präsentiert Meisterwerke europäischer Kunst aus sieben Jahrhunderten, beginnend mit dem frühen 14. Jahrhundert über die Spätgotik, über Renaissance und Barock zur Goethezeit, vom 19. Jahrhundert und der klassischen Moderne bis hin zur Gegenwart. Insgesamt umfasst die Sammlung heute rund 3.100 Gemälde.

Für deren Präsentation wurde 1833 ein erstes eigenes Ausstellungsgebäude geschaffen. Der heutige, im Stil der Neorenaissance errichtete Neubau am Museumsufer, wurde 1878 bezogen und ab 2008 noch einmal erheblich erweitert.

Mich interessieren weniger die mittelalterlichen Meister, dafür umso mehr die Moderne, die im ersten Obergeschoss gezeigt wird. Alle bedeutenden Stilrichtungen zwischen 1880 und 1945 sind dort vertreten: Kubismus, Fauvismus, Impressionismus, Expressionismus, Jugendstil, Art-Deco, Abstrakte Kunst und vieles mehr.

( MITI )

Gegenwartskunst im Städel

Gegenwartskunst im Städel
Städel Museum Frankfurt, 9. März 2024

Sohn der Stadt: Goethe im Porträt von Andy Warhol

Das 1878 eröffnete Museumsgebäude des Städels am südlichen Ufer des Mains wurde zwischen 2008 und 2012 um 3000 Quadratmeter erweitert. Es wurde eine großzügige Museumshalle angelegt und Räume im Kellergeschoss unter dem Städelgarten geschaffen.

Darin wird seitdem eine umfangreiche Sammlung mit Gegenwartskunst (ab 1945) gezeigt. Es sind dort Werke von Bacon, Warhol, Baselitz, Immendorff, Kippenberger, Richter, Polke, Meese und vieler weiterer Künstler zu sehen. Nicht mit allem kann ich etwas anfangen, doch bei einigen dieser Werke komme ich regelrecht ins Schwärmen.

( MITI )