Jazz: Düsseldorf/Palermo

Plakat zum 6. Deutschen Amateur Jazz-Festival in Düsseldorf 1960

 Düsseldorf, 26. März 2026

Jazz in Düsseldorf, das sind für mich vor allem die mitreißenden Konzerte in der Jazz-Schmiede, wo ich seit bald 20 Jahren Vereinsmitglied bin, aber auch die kostenlosen Hofgarten-Konzerte im Sommer oder die pulsierende Jazz-Rallye. Dass die Geschichte viel länger zurückreicht, zeigt derzeit eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf, die den Jazz in den Partnerstädten Düsseldorf und Palermo feiert.

Vor der Naturkulisse des Speeschen Grabens erzählen zahlreiche Exponate aus Malerei, Grafik, Fotografie, Musikinstrumente, Video und Audio urbane Jazz-Geschichten. Kostenlose Live-Konzerte jeweils donnerstags 18:00 machen die Ausstellung einmal im Monat zur Bühne.

Jazz war in Düsseldorf seit Mitte der 1920er Jahre präsent und stieß als musikalische Revolution in der live-gespielten Tanzmusik vor allem beim jungen Publikum auf enthusiastische Begeisterung.

In den Wilden Zwanzigern hieß das vor allem Feiern, Tanzen, Alkohol, Drogen und sich gehen lassen, wie es auch in den Bildern des italienischen Malers Alessandro Bazan zum Ausdruck kommt.

Doch nach 1933 verschwand der von den Nazi als ‚undeutsch‘, ‚entartet‘ und ‚Negemusik‘ diffamierte Jazz wieder aus der Öffentlichkeit, um erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wiederzukehren.

Bereits im Januar 1948 wurde der Hot Club Düsseldorf ins Leben gerufen, in dem Jazz gespielt und über Jazz diskutiert wurde. Bald machten auch die amerikanischen Stars bei ihren Europatourneen Station in der Landeshauptstadt.

Mit dem 1955 begründeten Amateur Jazz-Festival legte Düsseldorf den Grundstein für eine bis heute anhaltende Tradition regelmäßiger Veranstaltungsformate im Jazz. Dazu gehört der kostenlose Jazz im Hofgarten (seit 1988) oder die eng mit Klaus Doldinger verbundene Jazz-Rally (ab 1993).

Seit 1995 hat der Jazz in der mit Unterstützung der Stadtverwaltung begründeten Jazz-Schmiede auch von Amts wegen eine feste Adresse in Düsseldorf. In der Spielzeit bin ich ganz oft einmal in der Woche dort, um einem live-Konzert zu lauschen. Ich liebe es!

( MITI )

Mein erster Houellebecq

Deutsche Hardcover-Ausgabe aus dem Dumont-Verlag von 2019

 Büttgen, 24. März 2026

Obwohl ich gerade Semesterferien habe, bin ich schon wieder am Vor-Lernen. Doch parallel treibt mich das Gefühl, ich müsse die nur scheinbar freie Zeit ebenfalls nutzen, um endlich Mal wieder ein wenig Belletristik zu lesen – damit mir nicht immer nur dieser ganze „fachspezifischen Kram“ vor die Linse kommt (pardon).

Meine Wahl ist auf „Serotonin“ von Michel Houellebecq gefallen, einem viel diskutierten französischen „Skandalautor“, der nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch international hohe Auflagen erzielt und bereits zahlreiche Literaturpreise gewonnen hat. Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. So muss es bei einem guten Schriftsteller sein, finde ich 🙂

Ich habe die Lektüre von Serotonin in weiten Teilen genossen, denn Houellebecqs Sprache und Erzählweise ist schön drastisch und explizit, sein 47-jähriger Protagonist radikal in der Ablehnung seines bisherigen Lebens und dem Streben, die bürgerliche Existenz hinter sich zu lassen und in die vollständige Bezugslosigkeit zu entschwinden. Nur das Antidepressiva Captorix muss bleiben, sonst geht sein Serotonin zu stark runter.

Parallelen zu Houellebecq selbst sind dabei unverkennbar. Im Mittelteil hätte der Autor die Handlung nach meinem Geschmack etwas mehr vorantreiben können, doch das sei ihm verziehen. Ich glaube, ich werde demnächst auch seinen Romane „Elementarteilchen“, „Karte und Gebiet“ und „Unterwerfung“ eine Chance geben, denn ich bin neugierig geworden. Aber erst, wenn ich das nächste Mal wieder Semesterferien habe. Bis dahin muss ich „Serotonin“ erst einmal verdauen.

( MITI )

Narzissenweg Brüggen

Narzissenweg in Höhe des Borner Sees

 Brüggen, 22. März 2026

Während Heike mit einer Freundin über das Wochenende die Ewige Stadt Rom heimsucht 😉 , halte ich die Stellung am Niederrhein und nutze den wunderbaren Frühlingssonntag für eine ausgedehnte Wanderung rund um Brüggen. Das beliebte Ausflugsziel nahe der niederländischen Grenze in Höhe von Roermond hat mit seiner Altstadt, der historischen Burg und der angrenzenden Wassermühle viele pittoreske Ecken zu bieten.

Vor allem wird der Ort von der Schwalm und ihren Nebenarmen durchflossen, die in mehreren Seen aufgestaut werden.

Ich laufe vom Ortszentrum zunächst in östlicher Richtung zum Nachbardorf Born und dem Borner See. Dabei folge ich dem Narzissenweg, der jetzt, kurz vor Ostern, von unzähligen gelb blühenden Narzissen gesäumt wird.

Anschließend orientiere ich mich entlang der Schwalm in westlicher Richtung zurück zum Ortskern und laufe darüber hinaus. Diesmal leitet mich der Planetenweg über den Dahmensee zum Venekotensee, nur wenig Kilometer vor der Deutsch-niederländischen Grenze.

Der hübsche See ist heute mein Wendepunkt. Anschließend geht es durch die Felder zurück zu meinem Startpunkt an der Burg Brüggen, den ich nach 16 km Strecke und etwas weniger als drei Stunden wieder erreiche. Eine ganz bezaubernde Wanderung, gerade zu dieser Jahreszeit mit den vielen Narzissen am Wegesrand.

( MITI )

Frühlingsrunde bei Burscheid

Blick hinunter zum naturbelassenen und noch winterlich verschlafenen Wald-Campingplatz im Wersbachtal

 Burscheid, 21. März 2026

Den Frühlingsanfang heute wollte ich keinesfalls ohne eine schöne Wanderung verstreichen lassen. Meine Wahl fällt auf eine 11 km lange Runde bei Burscheid zwischen Solingen und Leverkusen, 60 km von meinem Zuhause entfernt. Hier zeigt das Bergische Land bereits sein markantes Landschaftsbild.

Bei frischer Luft und herrlichem Sonnenschein führt mich die Tour durch mehrere lauschige Bachtäler und über die Höhen, die sie trennen. Los geht es am mäandernden Murbach nördlich von Burscheid.

Ich laufe zunächst stromaufwärts in östlicher Richtung durch das Murbachtal bis zur Classmühle und schwenke dort nach Norden ein.

Am Naturschutzgebiet Herkensiefen führt mich der Weg erst auf die Höhen mit weiten Fernblicken und anschließend hinunter in das Wersbachtal, dem ich nun in westlicher Richtung folge.

Bald erreiche ich den hübschen kleinen Wersbachstausee und dahinter einen naturbelassenen Campingplatz im Talgrund.

Es folgen die hübschen kleinen Siedlungen Oberwetsche und Unterwetsche, bevor ich wieder auf den Murbach treffe. In den Dörfern dominiert die typische bergische Architektur mit Fachwerk und schieferverkleideten Fassaden, sowie den markanten Hauseingängen, das alles in Schwarz, Weiß und Grün.

Dem Murbach stromaufwärts folgend, gelange ich über die Siedlung Grünscheid und die Mummekampsmühle wieder zu meinem Startpunkt. Obwohl die Tour nur 200 Höhenmeter im Aufstieg abruft, bin ich am Ende überraschend k.o. Vielleicht, weil ich in den letzten Tagen intensiv körperlich an Haus und Garten gearbeitet habe. Aber kein Problem, trotzdem eine herrliche Tour.

( MITI )

Edith Oellers im Maxhaus

Werk von Edith Oellers

 Düsseldorf, 20. März 2026

Nicht immer sollte man sich vollkommen unkritisch auf ein erstes Urteil verlassen. Manchmal wird ein zweiter Blick belohnt, wie ich heute an mir selbst erlebt habe – beim Besuch der Kunstausstellung von Edith Oellers im Maxhaus, Düsseldorf.

Oellers Bilder zeigen Menschen in Alltagssituationen, naturalistisch gemalt, teilweise in Aquarell. Eigentlich repräsentieren derartige Motivwelten und der Malstil eher nicht meinen persönlichen Kunstgeschmack. Doch bald schon mischte sich ein leichtes Störgefühl in diese initiale Zurückweisung und schließlich wurde es zur Gewissheit: In den Kompositionen der ehemaligen Studentin der Kunstakademie Düsseldorf steckt weit mehr hinter einer auf den ersten Blick vielleicht harmlos-naiven, idealtypischen Fassade.

Oellers Werke verbindet eine Sphäre des Unbestimmbaren und Entrückten. Die abgebildeten Menschen erscheinen ruhig, oft in sich gekehrt, vor sich hinträumend oder in stille Tätigkeiten vertieft.

Auch wenn sich die Protagonisten physisch nahe sind, so bleiben sie doch bei sich, in ihrer eigenen Welten. Sie wirken der Zeit entrückt und ziehen den Betrachter hinein in diese besondere Sphäre, ohne sich näher mitzuteilen oder Erklärungen abzugeben. Und so ist es auch mit den dargestellten Orten.

Je länger man schaut, desto unergründlicher scheinen Oellers Bilder und desto heterogener wirkt ihre Malweise. Die in Düsseldorf ansässige Künstlerin erreicht das u. a. durch einen feinen Umgang mit Schärfe und Unschärfe, Nähe und Distanz, farblich pointierter Akzentuierung und ruhiger Ausweitung von Farbflächen.

Oft existiert in ihren Bildern eine zweite Ebene, die sich inhaltlich der vordergründigen Darstellung entzieht. Die zuvor aus der Distanz verspürte, etwas naiv wirkende „Idealität“ zerfällt. Und das gefällt mir alles richtig gut. Da habe ich mich bei meinem ersten Urteil wohl getäuscht.

( MITI )

Die Magnolie blüht 2026

Bei uns im Garten

 Büttgen, 19. März 2026

Wenn die große Magnolie bei uns im Garten vollständig erblüht, ist dies ein sicheres Zeichen: Der Winter ist vorüber. In diesem Jahr acht Tage später als im vergangenen. Und man sieht auch, dass die Elstern den schönen Baum für den Nestbau 2025 ordentlich gerupft haben. Viele kleine Zweige in der Mitte fehlen, und dadurch wirkt das rosafarbene Prachtexemplar nun etwas lichter. Das Nest in der Baumkrone ist noch da, doch die Elstern haben es nicht erneut belegt. Scheinbar hat es ihnen kein Glück gebracht. Werden die Äste aus dem Nest wohl nach und nach auf dem Rasen darunter landen – bei jedem Starkwindereignis ein wenig mehr.

( MITI )