Fastentour Kloster Langwaden

Fastentour Kloster Langwaden
Münchrath, 16. Januar 2021

Doxi und die süßen Rindviecher auf einer Winterweide an der Erft zwischen Hombroich und Münchrath

Ich möchte essen! Seit drei Tagen sind Heike und ich am Heilfasten. Jetzt gibt es für eine Weile nur noch Wasser, ungesüßten Früchtetee und Gemüsebrühe.

Noch knurrt der Magen und die Gedanken kreisen immer wieder um die Frage, was man denn jetzt gerne Essen würde. Aus Erfahrung weiß ich, das ist bald passé. Dann haben sich Körper und Geist auf die reduzierte Nahrungsaufnahme eingestellt.

Trotz Hunger bin ich heute mit Doxi 27 km gelaufen, von zu Hause über die Skihalle Neuss und die Raketenstation bei Kapellen weiter zur Museumsinsel Hombroich. Dahinter ging es an der Erft entlang zum Schloss Hülchrath und weiter zum Kloster Langwaden. Das war unser Wendepunkt.

Als es auf dem Rückweg dieser fünfeinhalbstündigen Tour mit dem Hunger ärger wurde, habe ich einfach angefangen, immer wieder Mantras aus dem Yoga zu wiederholen. Das hat die Essensgelüste schnell aus dem Geist vertrieben. Und zu Hause gab es dann als Belohnung eine Tasse herrlich warmer Gemüsebrühe 🙂

( MITI )

Nebeltour zur Erftmündung

Nebeltour zur Erftmündung
Neuss, 9. Januar 2021

An der Erftmündung in den Rhein

Meine erste richtig lange Wanderung im neuen Jahr führt mich von zu Hause zur Mündung der Erft in den Rhein bei Neuss-Grimlinghausen. Gemeinsam mit Doxi benötige ich für die 25 km lange Strecke exakt 5 Stunden.

Wir laufen von Büttgen über Lanzerath, den Eselspfad und die Neusser Pomona nach Reuschenberg.

Am Selilkumer Kinderbauernhof treffen wir auf die Erft, der wir anschließend auf ihren letzten Kilometern bis zur Mündung folgen.

Nach einer kurzen Pause am dampfenden Rheinstrom geht es durch den Rheinpark am Neusser Sporthafen weiter zur Neusser Rennbahn mit dem Globe-Theater und anschließend durch die Neusser Innenstadt zum Nordkanal.

Hinter dem Jostenbusch erreichen wir wieder die Feldflächen zwischen Büttgen und Neuss.

Immer mit Fernblick zum Büttger Kirchturm geht es durch die Felder zurück nach Hause. Die Sonne haben wir auf dieser winterkalten Tour nicht gesehen, aber dafür wirkte die Landschaft im Nebel stellenweise sehr poetisch. Richtig schön war das.

( MITI )

Erich Kästner: Der Januar

von Erich Kästner, 1955, gelernt Nov. 2020

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren.
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

( MITI )

F*CK 2020 – aber nur halb :-)

F*CK 2020 – aber nur halb :-)
Büttgen, 31. Dezember 2020

Man, war das ein Jahr: Corona, Corona, Corona. Sonst gab es fast nichts, so kommt es einem im Rückblick vor. Und der Albtraum ist noch nicht vorüber, auch wenn zum Jahreswechsel das Impfen begonnen hat.

Wir haben uns sehr zurückgenommen in den vergangenen 12 Monaten, um nicht angesteckt zu werden. Und das hat bislang auch funktioniert.

Doch der Preis dafür war hoch: Viel zu Hause bleiben, keine Freunde treffen, keine Kulturveranstaltungen, nur wenig Zeit mit dem Wohnmobil unterwegs, Wanderungen zumeist von zu Hause aus.

F*CK 2020 – aber nur halb :-)

Alles wird wieder gut – hoffnungsvolle Pflastermalerei bei uns im Dorf

Aber auch daran kann man sicht natürlich gewöhnen und versuchen, das Beste daraus zu machen. Wir müssen nicht hungern, wir müssen nicht frieren, und wenn die Sonne scheint, ist das Wandern so schön wie immer.

Zahlreiche Gedichte habe ich in diesem Jahr auswendig gelernt, während ich mit Doxi rund 2.200 Kilometer auf Schusters Rappen unterwegs war. Und viel Yoga praktiziert, und musiziert und programmiert und vor allem Zeit mit meinem Schatz verbracht.

Deshalb denke ich zum Jahreswechsel an alle, die unter Corona viel mehr zu Leiden hatten und haben: gesundheitlich, ökonomisch, sozial. Das Leben kann so grausam sein, auch ohne die Pandemie. Möge es allen, die gerade leiden, im kommenden Jahr besser gehen! Dafür bete ich: Om namah shivaya.

Hier meine schönsten Impressionen des Jahres, aufgenommen auf unseren Wanderungen und den 60 Tagen, die wir zwischen den Lockdowns auf Reisen waren. Wenn man sich die Fotos anschaut, könnte man meinen, es wäre ein ganz normales, wunderschönes Jahr gewesen. Aber das ist heuer leider nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

( MITI )

Einsame Heimatrunde im Lockdown

Einsame Heimatrunde im Lockdown
Büttgen, 19. Dezember 2020

Die funktionstüchtige Brauns-Mühle am Ortsrand von Büttgen

Bei herrlichem Sonnenschein und 14 Grad waren wir heute auf großer Heimatrunde durch den Kreis Neuss unterwegs.

Aufgrund des aktuellen Corona-Lockdowns waren alle Attraktionen auf dieser 15 km langen Wanderung komplett verwaist: Die Brauns-Mühle bei Büttgen, der Alpenpark rund um die Skihalle Neuss, die Langen Foundation auf der Raketenstation Hombroich und der Golfplatz Birkhof bei Lüttenglehn.

Auch in den Baumschulen rund um mein Heimatdorf gab’s nicht einmal mehr Blätter an den Bäumen. Aber das ist wohl mehr der Jahreszeit als der aktuellen Corona-Situation geschuldet 🙂

( MITI )

Erich Kästner: Der Dezember

von Erich Kästner, 1955, gelernt Nov. 2020

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, daß man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
“Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.”

( MITI )