Klein Montmartre am Rhein

Klein Montmartre am Rhein
Kaiserswerth, 9. August 2026

Historische Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserswerth: Zwei Tage lang ein Openair-Verkaufsort für Kunst.

An diesem Wochenende hat sich die historische Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserswerth in einen Open-Air-Kunstmarkt verwandelt. In Anlehnung an den ikonischen Platz auf einem Hügel in Paris, an dem sich Kunstbegeisterte treffen und fliegende Künstler ihre Werke anbieten, nennt der ausrichtende Verein das Event und sich selbst „Klein Montmartre“.

Dort, wo einst Kaiser Barbarossa herrschte, bieten nun 50 lokale Kunstschaffende ihre Arbeiten an – Originale und Seriegrafien. Besucher können die Kunstwerke in dieser ganz besonderen Kulisse entdecken, mit den Künstlern ins Gespräch kommen oder einfach nur den geschichtsträchtigen Ort vor den Toren der Landeshauptstadt genießen.

Eine wirklich gelungene Veranstaltung, wie ich finde, auch wenn die Künstler an diesem Wochenende bei starkem Sonnenschein und hohen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen gekommen sind. Einige der Aussteller waren deshalb auf die schattige Allee hinter dem Burghof ausgewichen.

( Michael Tischer )

So wenig Rhein war nie

So wenig Rhein war nie
Neuss/Düsseldorf, 7. August 2026

Im Neusser Hafen steht das Wasser sonst typischerweise fast zwei Meter höher und niemals ist hier der Beckenboden zu sehen

Durch die anhaltende Trockenheit und Hitze des Sommers 2026 werden gerade an vielen Flüssen in Deutschland historische Niedrigpegel beinahe täglich unterboten.

Die kommerzielle Flussschifffahrt ist auf den großen Wasserstraßen kaum mehr möglich oder zumindest stark eingeschränkt. NRW und Rheinland-Pfalz haben bereits das Sonntagsfahrverbot für LKW aufgehoben, weil derzeit viel weniger Güter auf Flüssen wie dem Rhein oder der Mosel transportiert werden können.

Ich beobachte derzeit täglich den Rheinpegel rund um Neuss und Düsseldorf. Auf den Fotos vom Neusser und Düsseldorfer Hafen, sowie den Rheinstränden drumherum, sieht man jetzt erschreckend viel mehr Ufer und Spundwände als sonst – und viel weniger Schiffe.

Der Mittelwert für die Wasserstände am Pegel Düsseldorf (Rheinkilomter 744) für das Jahrzehnt zwischen 2010 und 2020 betrug 257 cm. Derzeit steht die Anzeige bei 16 cm, Tendenz weiter fallend. Das sind Werte, die man noch nie gesehen hat, seitdem die Pegelmessung im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Echt krass, und hat natürlich nichts mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun.

[P.S.: Der höchste je gemessene Pegel in Düsseldorf betrug 1110 cm beim Winterhochwasser 1926. Das sind 11 Meter mehr als jetzt gerade, was man sich auf den Bildern hier kaum ausmalen kann.]

( Michael Tischer )

Kunst der Naiven

Kunst der Naiven
Neuss, 5. August 2026

Holzskulptur des polnischen Künstlers Adam Zegadlo

Das Clemens-Sels-Museum in Neuss besitzt eine umfangreiche Sammlung von Werken authentisch Naiver Kunst. Die Arbeiten dieser Autodidakten, deren individueller Stil sich frei von akademischen Konventionen entwickelt, bieten eine ursprüngliche, oftmals visionäre Sicht auf die Lebenswelt.

Naive Kunst entsteht als Kunstrichtung im 18. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten. In den Fokus der Kunstkritik gerät sie jedoch erst am Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist die Malerei von Henri Rousseau, des „malenden Zöllners“, die großes Interesse der Avantgarde weckt, einschließlich von Malern wie Pablo Picasso.

In Deutschland gilt Adalbert Trillhaase als der „deutsche Rousseau“. Er beginnt im Alter von 60 Jahren zu malen und erlangt große Bedeutung unter den Künstlern des „Jungen Rheinlands“. Viele Künstler sehen in den einfachen und ursprünglichen Darstellungsformen eine Quelle der Inspiration.

( Michael Tischer )

Erich Kästner: Der August

Erich Kästner: Der August
4. August 2026

Nichts bleibt stehen

von Erich Kästner, 1955

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?

In Büchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, –
das Unverständliche bleibt unverständlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

( Michael Tischer )

Müngstener Brücke, Schloss Burg

Müngstener Brücke, Schloss Burg
Solingen, 2. August 2026

Blick über das Wuppertal zur Müngstener Brücke von 1897, der höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands

Ich versuche ja regelmäßig, neue Wanderziele in NRW zu entdecken, aber wenn man eine schöne Tour sechs Jahre nicht mehr gelaufen ist, darf man sich ja auch ruhig einmal wiederholen. So geschehen an diesem Wochenende im Tal der Wupper zwischen Solingen und Remscheid.

Auf einer Länge von 13 km sind wir erst in südlicher Richtung auf den Wupperhängen zur Müngstener Brücke und anschließend weiter zu Schloss Burg gelaufen. Danach ging es auf der anderen Seite der Wupper und etwas näher am Talgrund zurück. Mehr als 400 Höhenmeter galt es dabei zu bewältigen.

Zum ersten Mal bin ich auf halber Strecke der Tour mit dem Sessellift gefahren, der einen von der Wupper, die gerade sehr wenig Wasser führt, ganz bequem hinauf zu Schloss Burg bringt.

Oben am Schloss war natürlich eine Menge los, doch auf den umgebenden Waldwegen hielt es sich noch in Grenzen, insbesondere im ersten Teil der Tour. Eine wirklich reizende Wanderung mit viel bergischem Flair bei schönem Wetter und hohen Temperaturen, aber angenehm frischem Talwind.

( Michael Tischer )

Park-Chillen mit Jazz

Park-Chillen mit Jazz
Düsseldorf, 1. August 2026

Im Schatten der mächtigen alten Bäume im Hofgarten lässt es sich aushalten

Eigentlich wollte ich dieses Wochenende mit dem Wohnmobil unterwegs sein, doch es ist leider schon wieder zu heiß für Doxi und mich. Da passt es, dass derzeit wieder die kostenlosen Konzerte meiner geliebten Jazz-Schmiede mit Weltmusik und Modern-Jazz am Musikpavillon im Hofgarten stattfinden – insgesamt viermal in den Sommerferien, jeweils am Samstagnachmittag.

Vor der Bühne wird in der prallen Sonne ordentlich geschwitzt, daneben im Schatten der Bäume gemütlich gechillt. Viele Besucher haben ihre Camping-Decken mitgebracht und nehmen die Musik bei kühlen Getränken und angeregten Gesprächen eher im Hintergrund wahr. Auch ich bekomme von den schönen Klängen nur die Hälfte mit, aber egal, ist trotzdem angenehm lauschig hier.

( Michael Tischer )