Maxhaus und Maxkirche

Maxhaus und Maxkirche
Düsseldorf, 13. August 2026

Blick in die barocke Maxkirche, früher Teil des Franziskanerklosters

Das Maxhaus ist eine katholische Begegnungs- und Veranstaltungsstätte im Stadtteil Carlstadt am Rande der Düsseldorfer Altstadt. Es ist nach der benachbarten Maxkirche benannt, mit der es einen Gebäudekomplex bildet. Neben religiösen Veranstaltungen wird im Maxhaus ein gastronomisches, künstlerisches und musikalisches Programm angeboten.

Das Haus befindet sich in den umgebauten Räumen des ehemaligen Franziskanerklosters Düsseldorf. Der architektonische gelungene und mit zahlreichen Architekturpreisen gewürdigte Umbau wurde im Jahr 2006 eingeweiht.

Im Keller des Gebäudes residiert die Dauerausstellung „Das verborgene Kloster“, in der die Baugeschichte des Klosters und die Geschichte der Franziskaner in Düsseldorf dargestellt werden. Dort war der Startpunkt einer hochinteressanten Führung durch die Geschichte des Klosters und der Maxkirche, die ich am vergangenen Wochenende besucht habe.

Die Anlage wurde ursprünglich innerhalb der Zitadelle Düsseldorf, einer im 16. Jahrhundert erbauten Bastion errichtet und 1661 fertiggestellt. Das Grundstück, auf dem zuvor das Anwesen des Festungsgouverneurs von Norprath lag, war den Franziskanern von Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg geschenkt worden, nachdem er ihnen 1651 die Erlaubnis zur Ansiedlung in Düsseldorf erteilt hatte.

Maxhaus und Maxkirche

Niemand wurde in der Kirchengeschichte schneller heiliggesprochen: Franziskanermönch Antonius von Padua mit Jesuskind

Die Maßnahme des zum katholischen Glauben konvertierten Landesherrn zielte darauf ab, in seiner Hauptstadt der Herzogtümer Jülich-Berg, die Rekatholisierung zu fördern.

Im Rahmen der französischen Besetzung des Rheinlands und der unter Napoleon energisch betriebenen Säkularisation verlor das Gebäude 1803 seine Funktion als Kloster. Es wurde in ein Lyzeum umgewandelt, das in den Jahren 1807 bis 1814 auch von Heinrich Heine besucht wurde.

Der überdachte, hell durchleuchtete Innenhof des heutigen Maxhaus wird vom historischen Kreuzgang des Klosters umschlossen, in dem sich noch einige Relikte aus der Klosterzeit erhalten haben. Dazu zählt auch die prächtige Stuckdecke im Antoniussaal, die u.a. das Wappen der Franziskaner und Szenen aus dem Leben des Franziskanerheiligen Antonius von Padua zeigt.

( Michael Tischer )

Historisches Kaiserserswerth

Historisches Kaiserserswerth
Kaiserswerth, 11. August 2026

St. Suibertus-Kirche am Stiftsplatz

Meinen Besuch auf dem Open-Air-Kunstmarkt „klein Montmartre“ habe ich für einen Rundgang durch die historische Altstadt von Kaiserswerth genutzt, einem Nobel-Vorort von Düsseldorf mit langer und traditionsreicher Geschichte, denn hier stand einst eine heute nur noch in Ruinen erhaltene Pfalz von Kaiser-Barbarossa unmittelbar am Rhein.

Aufgrund seines gehobenen, aber immer noch dörflichen Flairs, der Lage direkt am Rhein und einem hervorragenden gastronomischen Angebot ist Kaiserswerth ein beliebtes Ausflugsziel.

Am historischen Markplatz mit vielen Barockhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert entdecke ich an diesem belebten Samstagnachmittag Kfz-Kennzeichen von nah und fern.

Aber auch mit den Ausflugsschiffen der Weißen Flotte kann man von Düsseldorf hierherkommen – wenn der Rhein nicht gerade zu niedrig steht, so wie im Moment.

Am historischen Stiftsplatz, angeblich einer der schönsten baumbestandenen Plätze in NRW, steht die romanische Pfeilerbasilika St. Suitbertus, in der die Gebeine des Heiligen Suitbertus in einem vergoldeten Schrein ruhen.

Wenige Schritte weiter befinden sich die architektonisch markanten Gebäude der 1836 gegründeten Kaiserswerther Diakonie, die heute ein Krankenhaus beherbergen. Das 19. Jahrhundert war auch die Zeit, in der viele der reichen Textilfabrikanten aus dem nahe gelegenen Krefeld hier ihre Villen errichten ließen. Sie prägen bis heute das Stadtbild von Kaiserswerth und verleihen dem Ort stellenweise einen noblen Charakter.

( Michael Tischer )

Klein Montmartre am Rhein

Klein Montmartre am Rhein
Kaiserswerth, 9. August 2026

Historische Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserswerth: Zwei Tage lang ein Openair-Verkaufsort für Kunst.

An diesem Wochenende hat sich die historische Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserswerth in einen Open-Air-Kunstmarkt verwandelt. In Anlehnung an den ikonischen Platz auf einem Hügel in Paris, an dem sich Kunstbegeisterte treffen und fliegende Künstler ihre Werke anbieten, nennt der ausrichtende Verein das Event und sich selbst „Klein Montmartre“.

Dort, wo einst Kaiser Barbarossa herrschte, bieten nun 50 lokale Kunstschaffende ihre Arbeiten an – Originale und Seriegrafien. Besucher können die Kunstwerke in dieser ganz besonderen Kulisse entdecken, mit den Künstlern ins Gespräch kommen oder einfach nur den geschichtsträchtigen Ort vor den Toren der Landeshauptstadt genießen.

Eine wirklich gelungene Veranstaltung, wie ich finde, auch wenn die Künstler an diesem Wochenende bei starkem Sonnenschein und hohen Temperaturen ganz schön ins Schwitzen gekommen sind. Einige der Aussteller waren deshalb auf die schattige Allee hinter dem Burghof ausgewichen.

( Michael Tischer )

So wenig Rhein war nie

So wenig Rhein war nie
Neuss/Düsseldorf, 7. August 2026

Im Neusser Hafen steht das Wasser sonst typischerweise fast zwei Meter höher und niemals ist hier der Beckenboden zu sehen

Durch die anhaltende Trockenheit und Hitze des Sommers 2026 werden gerade an vielen Flüssen in Deutschland historische Niedrigpegel beinahe täglich unterboten.

Die kommerzielle Flussschifffahrt ist auf den großen Wasserstraßen kaum mehr möglich oder zumindest stark eingeschränkt. NRW und Rheinland-Pfalz haben bereits das Sonntagsfahrverbot für LKW aufgehoben, weil derzeit viel weniger Güter auf Flüssen wie dem Rhein oder der Mosel transportiert werden können.

Ich beobachte derzeit täglich den Rheinpegel rund um Neuss und Düsseldorf. Auf den Fotos vom Neusser und Düsseldorfer Hafen, sowie den Rheinstränden drumherum, sieht man jetzt erschreckend viel mehr Ufer und Spundwände als sonst – und viel weniger Schiffe.

Der Mittelwert für die Wasserstände am Pegel Düsseldorf (Rheinkilomter 744) für das Jahrzehnt zwischen 2010 und 2020 betrug 257 cm. Derzeit steht die Anzeige bei 16 cm, Tendenz weiter fallend. Das sind Werte, die man noch nie gesehen hat, seitdem die Pegelmessung im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Echt krass, und hat natürlich nichts mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun.

[P.S.: Der höchste je gemessene Pegel in Düsseldorf betrug 1110 cm beim Winterhochwasser 1926. Das sind 11 Meter mehr als jetzt gerade, was man sich auf den Bildern hier kaum ausmalen kann.]

( Michael Tischer )

Kunst der Naiven

Kunst der Naiven
Neuss, 5. August 2026

Holzskulptur des polnischen Künstlers Adam Zegadlo

Das Clemens-Sels-Museum in Neuss besitzt eine umfangreiche Sammlung von Werken authentisch Naiver Kunst. Die Arbeiten dieser Autodidakten, deren individueller Stil sich frei von akademischen Konventionen entwickelt, bieten eine ursprüngliche, oftmals visionäre Sicht auf die Lebenswelt.

Naive Kunst entsteht als Kunstrichtung im 18. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten. In den Fokus der Kunstkritik gerät sie jedoch erst am Ende des 19. Jahrhunderts. Es ist die Malerei von Henri Rousseau, des „malenden Zöllners“, die großes Interesse der Avantgarde weckt, einschließlich von Malern wie Pablo Picasso.

In Deutschland gilt Adalbert Trillhaase als der „deutsche Rousseau“. Er beginnt im Alter von 60 Jahren zu malen und erlangt große Bedeutung unter den Künstlern des „Jungen Rheinlands“. Viele Künstler sehen in den einfachen und ursprünglichen Darstellungsformen eine Quelle der Inspiration.

( Michael Tischer )

Erich Kästner: Der August

Erich Kästner: Der August
4. August 2026

Nichts bleibt stehen

von Erich Kästner, 1955

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?

In Büchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, –
das Unverständliche bleibt unverständlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

( Michael Tischer )