Idyllische Bachwanderung Simmern

Idyllische Bachwanderung Simmern
Simmern, 16. Oktober 2021

Doxi am Simmernsee, dem Startpunkt der Bachwanderung

Nicht so sehr die Geschichte des Schinderhannes, sondern der gute Ruf einer Wanderung hat uns nach Simmern gelockt: Am Simmernsee nördlich der Altstadt startet die 10 km lange „Bachwanderung“, die von Wanderfreunden sehr gute Kritiken erhalten hat.

Die Wanderung folgt in großen Teilen des Simmerbachs durch die Landschaft zwischen Simmern, Pleizenhausen und Altweidelbach. Es ist ein schöner Wechsel zwischen Wald und offenen Feldlandschaften, plätschernden Bächen und aussichtsreichen Höhen.

Auch mir hat die Streckenführung sehr gut gefallen und das goldene Oktoberwetter heute hat ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen.

( MITI )

Beim Schinderhannes

Beim Schinderhannes
Simmern, 16. Oktober 2021

Markantes Gebäude in der Marktstraße von Simmern, der Haupteinkaufsstraße

Von unserem Übernachtungsplatz im Soonwald bei Argenthal sind wir früh am Morgen weiter gefahren in die 10 km entfernte Kreisstadt Simmern. Die Stadt liegt in einer Mulde innerhalb der Hunsrücker Hochfläche, die vom Simmerbach durchflossen wird.

Simmern war bereits zur Römerzeit besiedelt. Im Mittelalter überstand die Stadt den Dreißigjährigen Krieg relativ unbeschadet, wurde aber im Pfälzischen Erbfolgekrieg schwer verwüstet. Am 17. September 1689 brandschatzten französische Truppen die Stadt und das Schloss.

Zwanzig Jahre später entstand das Neue Schloss Simmern, das heute den Marktplatz im Herzen der Stadt dominiert.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit von Simmern ist aber der Schinderhannesturm, der als eines von wenigen Gebäuden den großen Stadtbrand von 1689 überstand.

In dem ehemaligen Pulvermagazin und Gefängnisraum an der äußeren Stadtmauer war unter anderem der Räuberhauptmann Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, gefangen.

Heute ist eine Ausstellung im Turm der Realität und dem Mythos des Schinderhannes gewidmet. Auf dem Platz davor erinnert eine Skulptur an einen Schweinediebstahl des Schinderhannes‘ und eines Kumpans im Jahre 1797.

( MITI )

Zur Eremitage Reizenborn

Zur Eremitage Reizenborn
Argenthal, 15.10.2021

Dort, wo bis ca. 1794 die Eremitage Reizenborn im Soonwald stand, hat man nun ein kleines Freiluft-Gotteshaus errichtet

Seit etwas mehr als einer Woche bin ich nun schon mit Doxi im Hunsrück und an der Nahe unterwegs. Wir haben viele interessante Städte und schöne Natur gesehen, doch eins fehlt noch: Der große Soonwald.

Er stellt das östlichste Kammgebiet des Hunsrück dar und setzt sich jenseits des Rheindurchbruchs an der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen im Hohen Taunus fort.

Als erste Annäherung an den Soonwald sind wir an den Nordostrand des Hunsrücks in die Gemeinde Argenthal gefahren. Von dort unternehme ich mit Doxi eine Wanderung in den Soonwald zur Eremitage Reizenborn.

Im späten Mittelalter lebte dort erst ein, später zwei Eremiten einsam und in Abgeschiedenheit mitten im Wald, wo sie eine kleine Kapelle mit Unterkunft errichteten.

Lange war davon nichts mehr zu sehe, doch nach archäologischen Ausgrabungen in den 1980er Jahren entstand dort eine Art Freiluftkirche.

Vom Parkplatz an der Freizeitanlage am Rande von Argenthal laufen wir zunächst zum hübschen Waldsee, der im Sommer als Waldbad dient. Dort startet auch die Traumschleife „Waldschleife Schanzenkopf Tour“. Der folgen wir zunächst ein Stück weit auf naturbelassenen Pfaden durch den Wald bis zu einem großen Steinbruch.

Dahinter wechseln wir auf den „Argenthaler Quarzit-Adventstrail“ und folgen später den Hinweisschildern zur Eremitage Reizenborn. Anschließend lasse ich mich von meinem Wander-Navi zurück zu unserem Startpunkt führen.

So sind wir zwar keine der genannten Touren vollständig gelaufen, haben aber doch schon einmal einen interessanten ersten Eindruck vom dichten und großen Soonwald bekommen.

( MITI )

Nibelungenstadt Alzey

Nibelungenstadt Alzey
Alzey, 15.10.2021

Rossmarkt mit Bronzepferd „Max“, dem Pferd von Volker von Alzey, erschaffen von Gernot Rumpf

Nach unserer Wanderung zum Schillerhain in Kirchheimbolanden fahren wir weiter in die 15 km entfernte Nachbarstadt Alzey. Die „heimliche Hauptstadt von Rheinhessen“ liegt in einem Talkessel im Alzeyer Hügelland und ist von Weinbergen und Feldflächen umgeben.

Alzey zählt zu den Nibelungenstädten, da die Stadt im Nibelungenlied durch den Volker von Alzey erwähnt wird. Deshalb wird Alzey zuweilen auch „Volkerstadt“ genannt. Sein Pferd Max ziert heute als Bronzeskulptur den Rossmarkt.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs entging die Stadt nur knapp ihrer Zerstörung. Eine Schwadron US-Bomber sollte eine Eisenbahnbrücke angreifen, traf aber bei schlechtem Wetter und aufgrund eines Navigationsfehlers nur den nahe gelegenen Wartberg.

Dadurch sind in der Altstadt heute noch viele schöne historische Bauten präsent. An einigen Stellen findet man noch Reste der mächtigen mittelalterlichen Stadtmauer.

Am Rande der Altstadt liegt das imposante Schloss Alzey, das um 1100 n. Chr. aus einer staufischen Reichsburg hervorgegangen ist und im 16. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut wurde.

Die Anlage wurde 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört und erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Großherzogtum Hessen wieder aufgebaut. Es beherbergt heute das Amtsgericht von Alzey sowie das Mädcheninternat des Alzeyer Kunstgymnasiums.

Eigentlich wollte ich nach unserer Stadtbesichtigung den Rest des Tages in Alzey verbringen. Doch auf dem kostenlosen Womo-Stellplatz am Rande der Altstadt ist es durch die unmittelbare Nähe zu einer viel befahrenen Durchgangsstraße einfach brutal laut. Deshalb brechen wir bald wieder auf.

( MITI )

Morgentour zum Schillerhain

Morgentour zum Schillerhain
Kirchheimbolanden, 15. Oktober 2021

Morgenstund hat Gold im Mund. Bei den ersten Sonnenstrahlen ziehen wir los zum Schillerhain.

Wir haben die Nacht in Kirchheimbolanden verbracht und beginnen den Tag mit einem Aufstieg zum Schillerhain oberhalb der Stadt. Als wir losgehen, steht die aufgehende Sonne noch unter den Wolken und taucht die große Malzfabrik am Rande der Altstadt in ein unwirkliches Licht.

Der Schillerhain liegt am Wartberg, dem Übergang zwischen dem Stadtgebiet im Tal und den nordöstlichsten Ausläufern des Nordpfälzer Gebirges.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Schillerhain eine öde Anhöhe, der als Ziegenweide und zum Sandsteinabbau genutzt wurde.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Friedrich von Schiller im Jahre 1859 wurden in ganz Deutschland zu Ehren des freiheitsliebenden Dichters Feiern abgehalten.

Zur Erinnerung an dieses Fest wollten die Bürger von Kirchheimbolanden eine Parkanlage mit Aussichtsturm gestalten.

So entstand der Schillerhain, der heute größtenteils mit einem Hotel und einer Klinik bebaut und nicht mehr vollständig als Park zu erkennen ist. Dennoch: Für einen Morgenspaziergang ein lohnendes Ziel.

( MITI )

In der Altstadt von Kirchheimbolanden

In der Altstadt von Kirchheimbolanden
Kirchheimbolanden, 14.10.2021

Das alte Schloss Kirchheim, heute eine Seniorenresidenz

Jeder kennt sie, diese Orte, die auf Autobahn-Hinweisschildern ein ums andere Mal vorbeihuschen und deren Namen umso klangvoller wird, je öfters man sie links oder rechts liegen lässt, ohne sie jemals gesehen zu haben. Die Stadt Kirchheimbolanden war für mich bislang ein solcher Fantasieort.  Jetzt nicht mehr.

Denn meine aktuelle Womo-Tour durch Rheinland-Pfalz hat mich auch dorthin geführt, ganz an den Ostrand des Nordpfälzer Gebirges, an den Übergang zum Alzeyer Hügelland.

Kirchheimbolanden hieß bis ins 19. Jahrhundert nur Kirchheim, wie ich jetzt erfahren habe. Dann aber erwuchs der Wunsch, sich von anderen „Kirchheims“ in Deutschland abzugrenzen.

So kam der Zusatz „Bolanden“ hinzu, nach dem Adelsgeschlecht, das hier in dieser Region seit Jahrhunderten den Ton angab.

Die Stadt überrascht mich mit einer gut erhaltenen Altstadt, in der Barockbauten und Fachwerkhäuser eine interessante Mixtur eingehen. Dazwischen gibt es auch einige teils baufällige, teils heruntergekommene Ecken, doch die sind ganz klar in der Minderheit.

Wir stehen auf dem großen Parkplatz an Rathaus, Kreishaus und Stadthalle, gleich neben dem Schlossgarten und dem ehemaligen Schloss, das heute als Seniorenresidenz genutzt wird.

Unmittelbar dahinter beginnt die Altstadt, die auf der Westseite noch von einer mächtigen, gut erhaltenen Stadtmauer geschützt wird. Das gesamte Areal läuft den Kupferberg hinauf, von dessen höchsten Bauten man unter guten Bedingungen sogar die Frankfurter Skyline erkennen kann.

Mehr als zwei Stunden bin ich mit Doxi in der Altstadt unterwegs. Wir entdecken einen hübschen Straßenzug nach dem anderen, und am Ende habe ich das Gefühl, ich habe immer noch nicht alles gesehen. Aber zumindest kann ich mir jetzt etwas unter dem Namen „Kirchheimbolanden“ vorstellen 🙂

( MITI )