Eine Nacht in Tauberbischofsheim

Eine Nacht in Tauberbischofsheim
Tauberbischofsheim, 8.05.2022

Das kurmainzische Schloss mit dem Türmersturm

Tauberbischofsheim – dieser Name hatte für mich als Jugendlicher in den 1980er Jahren einen fast magischen Klang, weil all die deutschen Goldmedaillen-Fechter von dort kamen und ich Fechten damals unheimlich cool fand.

Das war noch in den Zeiten vor dem Internet und vor Google Maps und Wikipedia und so habe ich mich damals vergeblich gefragt, wo Tauberbischofsheim wohl liegen und wie es dort aussehen mag.

Mehr als dreißig Jahre später bin ich endlich in der Stadt an der Tauber, und das sogar ein wenig aus Zufall, weil es mir an meinem geplanten Übernachtungsplatz in Marktheidenfeld nicht so gut gefallen hat.

Und sofort fallen mir all die Namen von damals wieder ein, der berühmte Trainer Emil Beck, die Fechter Matthias Behr, Anja Fichtel und Alexander Pusch.

Kurz vor Sonnenuntergang unternehme ich mit Doxi einen Abendspaziergang durch die Fechterstadt, die eine Zeitlang einen Ruf als „Tauberbischofsheimer Goldschmiede“ genoss.

Tauberbischofsheim ist die Kreisstadt des Main-Tauber-Kreises im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs und liegt im unteren Tal der Tauber. In der Stadt mündet der Brehmbach in den Fluss.

Die Stadt wurde im Jahre 836 in der Lebensbeschreibung der Heiligen Lioba als „Biscofesheim“ erstmals erwähnt. Wie man heute weiß, existierte zu diesem Zeitpunkt bereits seit einhundert Jahren das Benediktinerinnenkloster Tauberbischofsheim, eines der ersten deutschen Frauenklöster in Deutschland.

Im Mittelalter stand die Stadt lange unter der Herrschaft der Herzogbischöfe von Mainz. Im Stadtbild hat diese Periode viele Spuren hinterlassen, darunter das kurmainzische Schloss mit dem Türmersturm als Wahrzeichen der Stadt, oder die St. Martin-Kirche. Nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt in das Fürstentum Leiningen eingegliedert.

Die großen Erfolgt der Deutschen Fechter sind längst Geschichte, aber irgendwie bringt mein Aufenthalt hier lange vergessene Träume und Gefühle zurück. Wie spannend.

( MITI )

Die Türen von Tauberbischofsheim

Die Türen von Tauberbischofsheim
Tauberbischofsheim, 8. Mai 2022

Die Türen und Portale von Tauberbischofsheim – es gibt bestimmt noch viel mehr sehenswerte Exemplare, aber wir hatten auf unserem Abendspaziergang nicht so viel Zeit, weil es bereits dunkel wurde. Deshalb mussten wir uns wenig beeilen. Hier unsere Ausbeute.

( MITI )

Maimarkt in Marktheidenfeld

Maimarkt in Marktheidenfeld
Marktheidenfeld, 8.05.2022

Viel los am verkaufoffnene Sonntag in der Innenstadt

Der Zufall will es, dass wir in Marktheidenfeld eintreffen, als dort gerade der große Maimarkt mit verkaufsoffenem Sonntag abgehalten wird. Das passt doch.

Entsprechend voll ist es in der Stadt und auf dem großen Parkplatz am Main, auf dem auch Wohnmobile stehen können.

Marktheidenfeld liegt am Mainviereck an der Ostseite des Spessarts. Dort trifft der Rotsandstein des Spessarts auf den Muschelkalk der Fränkischen Platte.

Wir mischen uns unter die Besucher des Maimarkts und schauen uns ein wenig die Innenstadt oberhalb der Mainpromenade an.

Eine der Sehenswürdigkeiten in der Altstadt ist das 1745 errichtete, smalteblaue und reich verzierte Franckhaus aus der Barockzeit, heute ein Museum und Veranstaltungshaus.

Sehenswert auch die St.-Laurentius-Kirche im Zentrum der Altstadt, in der sich romanische, gotische, barocke und neubarocke Stile auf harmonische Weise treffen.

Eine wichtige Rolle in Marktheidenfeld spielte im Mittelalter und der frühen Neuzeit die Mainfischerei. Die schmucken Bürgerhäuser an der Mainpromenade geben Zeugnis vom Wohlstand einiger Fischerfamilien. Heute sind darin Hotels und Gaststätten untergebracht.

Nachdem die Stadt heute bereits unsere vierte Station am Main ist, wollte ich eigentlich die Nacht dort verbringen. Doch auf dem Womo-Stellplatz ist mir zu viel los. Kurzentschlossen mache ich das Womo wieder reisefertig und es geht weiter nach Tauberbischofsheim.

( MITI )

Die kleinste Stadt Bayerns

Die kleinste Stadt Bayerns
Rothenfels, 8. Mai 2022

Blick von der Burgtreppe hinunter nach Rothenfels. Links das alte Rathaus.

Sieben Kilometer südlich von Neustadt am Main liegt Rothenfels, die kleinste Stadt Bayerns. Eingezwängt zwischen dem Fluss und einem Steilhang besteht die Stadt aus wenig mehr als einer Hauptstraße und einer darüber liegenden mittelalterlichen Gasse. Auf der anderen Mainseite liegt der deutlich größere und modernere Ort Zimmern.

Oben auf dem Steilhang über dem Ort thront die Burg Rothenfels, die dort vor rund 850 Jahren errichtet wurde. Beeindruckend ist nicht nur der mächtige Bergfried, sondern auch die tolle Aussicht hinunter in das Maintal.

Heute ist die Burg eine christliche Jugend- und Erwachsenenbildungsstätte mit Jugendherberge in freier Trägerschaft und ein beliebtes Ausflugsziel zwischen Würzburg und Aschaffenburg.

Vom Ort führt eine endlos erscheinende Treppe hinauf zur Burg. Während ich mit Doxi im prallen Sonnenschein aufsteige, bekomme ich immer mehr das Gefühl, das will ich meinem kleinen Fellmonster nicht in Gänze zumuten.

Auf halber Strecke leine ich Doxi im Schatten an und steige alleine weiter auf. Sie wartet dort ganz brav auf mich, bis ich nach einer kurzen Besichtigung der Burg wieder bei ihr bin.

( MITI )

Neustadt am Main

Neustadt am Main
Neustadt am Main, 8. Mai 2022

Kloster Neustadt am Main

Wir folgen weiter dem Main und fahren von Lohr in das 8 km südlich gelegene Neustadt am Main. Der Ort liegt malerisch zwischen den Hängen des Bergs Klosterkuppel und dem Main.

Bekannt ist der Ort für seine ehemalige Benediktinerabtei, die von der karolingischen Zeit bis zur Säkularisation 1803 bestand.

Von den ursprünglichen Bauten sind nur wenige Mauerreste erhalten. Der größte Teil der großen Anlage mit der Klosterkirche St. Peter und Paul stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Von der Klosteranlage wandere ich mit Doxi hinauf in die Hänge der Klosterkuppel. Die Landschaft unterhalb des Waldes ist lieblich. Die Wiesen sind mit blühenden Wildblumen und Obstbäumen durchsetzt.

Eigentlich will ich mit Doxi rund 8 km zum nächsten Ort Rothenfels und zurück wandern. Aber es ist schon so warm, dass wir beim Aufstieg zur Klosterkuppel ordentlich ins Schwitzen geraten. Also drehen wir um und laufen zurück nach Neustadt, denn wir haben heute noch einiges mehr vor.

( MITI )

Schneewittchenstadt Lohr am Main

Schneewittchenstadt Lohr am Main
Lohr am Main, 8.05.2022

Schloss Lohr am Main

Von Gemünden sind wir in südwestlicher Richtung weiter gefahren nach Lohr am Main. Die Stadt am Ostabhang des Spessarts liegt auf halber Strecke zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Der Main nimmt hier eine Biegung und schwenkt nach Süden ein. Damit beginnt das Mainviereck, das den Südteil des Spessarts bildet.

Seit 2012 nennt sich Lohr „Schneewittchenstadt“. Dies geht auf die Nachforschungen eines Heimatforschers zurück.

Sie legen nahe, dass es sich bei historischen Vorbild um die 1725 in Lohr geborene Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal handelt. Sie lebte als Tochter eines Amtsmanns auf dem Schloss und starb kurz vor der ersten Niederschrift des Märchens durch die Brüder Grimm.

Lohr verfügt über eine große und sehenswerte historische Altstadt, die vom Schloss überragt wird, das 1389 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Den Grundstein legt um 1340 Graf Gerhard V. von Rieneck, der in der Region eine beherrschende Rolle spielte.

Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt bildet der im 14. Jahrhundert errichtete Bayersturm am Zugang zum Fischerviertel am Main. Er ist der letzte erhaltene Turm der ehemaligen Stadtbefestigung in Lohr am Main und 39 Meter hoch.

Rund um die Altstadt und das Schloss gibt es viele Cafés, Biergärten und Außengastronomie, die sich an diesem Morgen schnell füllen – kein Wunder, es ist Muttertag.

( MITI )