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Museum Abteiberg

Museum Abteiberg
Mönchenbladbach, 24. Juli 2020

Calder-Skulptur auf derm Dach des Museums

Wenn man sich Kunstfreund schimpft, sollte man vielleicht die Museen in seiner unmittelbaren Umgebung kennen. Wie peinlich, dass ich mehr als dreißig Jahre benötigt habe, um das wunderschöne Museum für Moderne Kunst der Stadt Mönchengladbach am Abteiberg zu besuchen. Aber besser spät als nie.

Das Museum liegt an einem steilen Südhang gleich hinter dem Gladbacher Münster und in unmittelbarer Nähe zum Alten Markt.

Es wurde 1982 nach zehnjähriger Bau- und Planungszeit unter großer öffentlicher Anteilnahme eingeweiht.

Und Heike war als 18-Jährige dabei, wie ich heute erfahren habe, und hat damals Joseph Beuys live erlebt. Ich hatte damals – als pickeliger 15-jähriger Computer-Freak – (fast) nur meinen Commodore 64 im Kopf 🙂 Kunst auf jeden Fall noch nicht.

Der lichtdurchflutete Bau gilt heute als eines der Hauptwerke des Wiener Architekten Hans Hollein.

Rückblickend markiert das Museum Abteiberg den Beginn einer Entwicklung in der internationalen Museumsarchitektur, in der das Gebäude selbst zum Kunstobjekt wurde. Der Architekt Frank O. Gehry sagte dazu: „Ohne das Museum Abteiberg wäre das von mir entworfene Guggenheim–Museum in Bilbao nicht denkbar gewesen.“

Museum Abteiberg

Museumsbesuch in Corona-Zeiten: Alles nur mit Maske!

So mitten in der Woche und noch dazu in Corona-Zeiten haben Heike und ich an diesem Morgen viel Raum, um uns die zahlreichen sehenswerten Exponate namhafter zeitgenössischer Künstler und vielversprechender Newcomer anzuschauen.

Uecker, Polke, Warhol, Tinguely, Calder, Marck – einige Werke erkenne ich auf Anhieb, bei anderen wundere ich mich: Was, von dem/der ist das?

Wie so oft bei Museumsbesuchen fühle mich am Ende unseres 90-minütigen Rundgangs richtig beseelt. Es muss einem ja nicht alles gefallen, aber Kunst ist auf jeden Fall etwas ganz Großartiges, das denke ich immer wieder.

( MITI )

Streetart Neuss

Streetart Neuss
Neuss, 17. Juli 2020

08/15 einmal anders interpretiert

Eine der beliebtesten Flächen für Streetart in Neuss ist die Hammer Eisenbahnbrücke auf den Rheinwiesen in Richtung Düsseldorf. Der Zufall will es, dass ich hier bei einer Radtour Unterschlupf suche, um einem überraschenden Starkregen aus dem Weg zu gehen.

Auf Neusser Seite ist jeder der zwölf massiven Brückensockel aus Beton beidseitig bemalt, und ich staune nicht schlecht beim Anblick der aktuellen Motive. Denn vor einigen Jahren wirkten die Graffitis noch viel fröhlicher und strahlten richtig viel Lebensfreude aus.

Die alten Motive sind längst übermalt, mehrfach vermutlich. Die aktuellen „Paintings“ haben eine eher dystopische, teilweise verstörende Anmutung. Zwei Arbeiten bringen es auf den Punkt: Endzeit.

Ja, so ändert sich der Zeitgeist und mit ihm die Motive und Inspirationen der Streetart-Künstler. Sogar das Thema Corona hat hier bereits seinen Niederschlag gefunden. Interessant.

[Update 19.07.2022: Weitere Streetart aus dem Neusser Stadtgebiet aufgenommen.]

( MITI )

Autostadt Wolfsburg

Autostadt Wolfsburg
Wolfsburg, 11.06.2019

Zwei Türme mit Neuwagen, die auf ihre Abholung warten

Als Wohnmobilfahrer bin ich natürlich ein Nutznießer moderner Mobilität, die ich als etwas ganz Wunderbares erlebe. Ein Autonarr bin ich jedoch nicht. Dafür sind mir Autos zu sehr Gebrauchsgegenstand.

Dennoch wollte ich mir unbedingt einmal die Autostadt von VW anschauen, in der es ganz wesentlich um die Verherrlichung des Automobils geht, insbesondere jener aus den Konzernmarken VW, Audi, Seat, Porsche und Lamborghini.

Das Gelände der Autostadt liegt vor dem Stammwerk von VW, mit den vier emblematischen Schloten des dazugehörigen Kraftwerks. Mich hat vor allem das Konzept und die Art der Präsentation interessiert und ich muss sagen, dieses ist wirklich sehr geschickt und nach meinem Empfinden auch gelungen.

Über das Gelände sind mehrere Ausstellungshallen und zwei gläserne Rundtürme verteilt, in denen Neufahrzeuge vor ihrer Abholung computergesteuert geparkt und bei Bedarf herausgefahren werden.

Die einzelnen Konzernmarken werden in separaten Pavillons präsentiert, deren Architektur und Design von der jeweiligen Marke inspiriert ist. Eingebettet ist das Ganze in eine schöne und ultragepflegte Naturkulisse aus leicht gewellten Rasenflächen, Bäumen und spiegelnden Wasserflächen. Wildgänse haben das Areal erobert und weiden sich auf dem Rasen. Ganz offenbar soll hier der Eindruck erweckt werden, Natur und Automobilität, das gehe perfekt Hand in Hand.

Das Ganze ist super organisiert und durchgestylt. Überall wird man von freundlichen Service-Kräften begrüßt. Für Kinder gibt es eine große Spielhalle, Motorsport-Fans werden mit Rennsimulatoren verwöhnt und für Design-Fans gibt es eine große Ausstellung mit Ikonen der Automobilgeschichte, darunter vor allem Modelle, die nicht aus dem VW-Konzern stammen.

An vielen Stellen werden E-Modelle präsentiert und der Eindruck erweckt, die elektrische Zukunft des Automobils habe bereits begonnen, was zumindest für Deutschland ja definitiv nicht stimmt. Und auch vom Abgasskandal ist nirgendwo die Rede, dafür viel von Verantwortung und Umwelbewusstsein.

Das Ganze ist eben eine riesengroße Werbe- und Image-Veranstaltung, aber wie gesagt, sehr geschickt gemacht. Auch ich als Fan von Design, Architektur und Gartenkunst bin hier voll auf meine Kosten gekommen.

( MITI )

Haus Lange/Haus Esters Krefeld

Haus Lange/Haus Esters Krefeld
Krefeld, 14. März 2018

Haus Lange, erbaut im Jahre 1928 von Ludwig Mies van der Rohe für einen Krefelder Seidenfabrikanten

Mit großer Begeisterung habe ich vor zwei Jahren die Häuser aus der Bauhaus-Zeit in Dessau besucht. Damals war ich mit dem Wohnmobil auf großer Elbe-Tour von der Sächsischen Schweiz bis zur Nordsee.

Allerdings hätte ich gar nicht so weit reisen müssen, um herausragende Architektur aus dieser Epoche zu entdecken. Auch bei uns am Niederrhein stehen zwei bemerkenswerte Bauten im Bauhaus-Stil: Der berühmte Architekt Ludwig Mies van der Rohe hat diese Bauten zwischen 1928 und 1930 als Wohnhäuser für reiche Unternehmer aus Krefeld errichtet.

Haus Lange und Haus Esters an der noblen Wilhelmshofallee sind heute im Besitz der Stadt Krefeld und werden als Lokation für Wechselaustellungen genutzt. Zwischen 1998 und 2000 sind beide Häuser umfassend saniert worden. Zwei Jahre später wurden auch die Gärten dem ursprünglichen Zustand wieder angenähert. Die beiden Häuser sind selbst als Museum für Baugeschichte anzusehen.

Ihr Urheber Mies van der Rohe gilt als einer der bedeutendsten und prägendsten Architekten der Moderne. Seine Baukunst gilt dem Ausdruck konstruktiver Logik und räumlicher Freiheit in klassischer Form. Dafür entwickelte er moderne Tragstrukturen aus Stahl, die eine hohe Variabilität der Nutzflächen und eine großflächige Verglasung der Fassaden ermöglichten.

Dieses Konzept war so rational und universal, dass es auf viele zeitgenössische Architekten einen außerordentlich großen Einfluss ausübte und bis heute immer weiterentwickelt wurde. Berühmt wurde er auch als Vertreter des Minimalismus in der Architektur, ausgedrückt durch die Formel „Weniger ist mehr“.

Neben Haus Lange und Haus Esters steht in Krefeld auch das einzige Industriegebäude, das van der Rohe zu seinen Lebzeiten entworfen hat. Das Verwaltungs- und Produktionsgebäude der Vereinigten Seidenwebereien AG (Verseidag) Krefeld wurde 1931 errichtet und steht seit 1999 unter Denkmalschutz. Es beherbergt heute den Business-Parke Krefeld, der unter dem Slogan „Business trifft Bauhaus“ auftritt.

Die Konstruktion der klaren kubischen Baukörper ist offen ablesbar. Durch sorgfältig ausgewogene Proportionierung der Wand- und Fensterflächen erzielen sie eine besondere Wirkung. Beispielhaft zeigt dieses Ensemble die grundlegende Idee einer neuen Industriearchitektur, die richtungsweisend für das 20. Jahrhundert geworden ist. Wenn man sich diese Bauten anschaut, mag man gar nicht glauben, dass sie vor bald einhundert Jahren entstanden sind. Wirklich beeindruckend.

( MITI )

Kunst im Museum Schloss Moyland

Kunst im Museum Schloss Moyland
Bedburg-Hau, 25. Februar 2018

Eröffnungsstück der Ausstellung „Die zweite Haut“

Das Schloss und der Park Moyland sind absolut sehenswert, aber fast noch mehr strahlt die Kunst, die hier im Schloss und im umgebenden Park präsentiert wird.

Das Schlossgebäude beherbergt die Kunstsammlung der Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten, die diese in mehr als 50 Jahren zusammengetragen und in die Stiftung Museum Schloss Moyland eingebracht haben.

Die Sammlung enthält Exponate aus dem 19. und 20. Jahrhundert, unter anderem Werke von Erwin Heerich, Willem den Ouden, Rudolf Schoofs und Hermann Teuber.

Einen wesentlichen Schwerpunkt bildet der weltweit größte Bestand an Werken von Joseph Beuys. Außerdem werden mehr als 200.000 Archivalien und Dokumente zu Leben, Werk und Wirken des Künstlers aufbewahrt, der im nahegelegenen Kleve aufwuchs.

Beuys setzte sich in seinem umfangreichen Werk mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie auseinander. Er gilt als einer der bedeutendsten Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts und war ein „idealtypischer Gegenspieler“ zu Andy Warhol.

In der Vorburg vor dem Schloss werden Wechselausstellungen präsentiert, bei meinem Besuch ist es die Ausstellung „Zweite Haut“. Die Ausstellung untersucht, was es bedeuten kann, sich eine „zweite Haut” überzustreifen, um sich von der Natur abzugrenzen oder mit ihr zu verbinden. Die ausgestellten Werke wirken auf mich teils anmutig, teils verstörend und bringen das Thema aus unterschiedlicher Perspektive sehr gekonnt auf den Punkt.

Noch mehr faszinieren mich aber die Werke von Joseph Beuys. Meine Eltern haben sich in meiner Jugendzeit fürchterlich über den Künstler aufgeregt, so wie viele Deutsche damals. Für mich war er aufgrund seines Engagements in der Friedensbewegung und für die Grünen ein Held. Und das ist er bis heute geblieben.

( MITI )

Urban Art Biennale 2017

Urban Art Biennale 2017
Völklingen, 16. August 2017

Eines von mehr als 150 Ausstellungsstücken der Urban-Art-Biennale 2017

Vor zwei Jahren habe ich mit großer Begeisterung von der Urban-Art-Biennale 2015 in der Völklinger Hütte berichtet. Jetzt bin ich wieder hier zur Urban-Art-Biennale 2017.

Diesmal werden in dem ehemaligen Stahlwerk 150 Werke von 100 Künstlern aus 17 Ländern präsentiert. Sogar ein echter „Banksy“ ist darunter, gut bewacht von einer Videokamera.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden diesmal UrbanArt-Werke aus Südamerika und der interventionalen „UrbanArt 2.0“. Die meisten Bilder und Objekte sind in der 10.000 Quadratmeter großen Möllerhalle ausgestellt. In den halboffenen Betonbunkern wurden früher die Erze für die Verhüttung gelagert.

Darüber hinaus sind auf dem Hüttengelände mehr als 20 ortsfeste Installationen geschaffen worden, die man bei einem Rundgang über das riesige Areal entdecken kann.

Beim letzten Mal war ich mit Doxi und dem Wohnmobil im Rahmen einer ausgedehnten Saarland-Reise hier. Diesmal sind Jutta und ich extra für diese Ausstellung 300 Kilometer aus dem Rheinland angereist.

Die Anfahrt war recht lang, hat sich aber absolut gelohnt. Viele der ausgestellten Werke gefallen uns ausnehmend gut und ihre Präsentation im Rahmen der Völklinger Hütte ist absolut gelungen. Mein Ausstellungs-Highlight 2017!

( MITI )