Gemeinsame Klassenarbeit: Gerüstkonstruktion zur flexiblen Präsentation von Malerei
In der ersten Februarwochezeigen die rund 500 Studenten der Kunstakademie Düsseldorf traditionell ihre Semesterarbeiten. Viele der Klassenateliers des ehrwürdigen Gründerzeitbaus sind dann für Besucher geöffnet. Wir gehörten heute zu den ersten Neugierigen, die bei herrlichem Sonnenschein durch die lichtdurchfluteten Etagen geschlendert sind. Und anders als an den Wochenenden war auch noch nicht übermäßig viel los. Hier kommen einige Arbeiten, die uns spontan angesprochen oder neugierig gemacht haben.
Kaum zu glauben, dass sich die angesehene Düsseldorfer KünstlervereinigungMalkastenerst im Jahre 1977 auch für Künstlerinnen geöffnet hat,129 Jahre nach ihrer Gründung. Bis dahin war der Malkasten ein exklusiver Männerclub.
Eines der ersten weiblichen Mitglieder war damals die Malerin, Grafikerin und Illustratorin Helga Radener-Blaschke, die sich in den 1950er und 1960er Jahren deutschlandweit einen Namen mit Kunst-am-Bau-Projekten gemacht hatte.
Knapp 50 Jahre nach der entscheidenden Satzungsänderungwürdigt der Verein die Arbeiten seiner Mitgliederinnen in einer Ausstellung unter dem Titel „HER. un/seen. Künstlerinnen im Malkasten 1977-1997″.
Ausstellungsplakat
Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck von der großen Bandbreite weiblicher Positionen im Malkasten in den ersten zwei Jahrzehnten nach der wegweisenden Satzungsänderung. Gezeigt werden die Werke von rund 40 ausgewählten Künstlerinnen, unter ihnen viele Neu- und Wiederentdeckungen.
Die Exponate – Gemälde und Fotografien, Zeichnungen, Collagen und Druckgrafiken, Skulpturen, Videoarbeiten und Installationen – stammen von den Künstlerinnen selbst, aus deren Nachlässen, aus Museen und Privatsammlungen sowie aus dem Archiv des Künstlerverein Malkasten. Zusätzlich belebt wird die Ausstellung durch Video-Interviews mit Künstlerinnen, die eigens aus diesem Anlass geführt wurden.
Während die Ausstellung einerseits die Vergangenheit des Vereins aufarbeitet, zeigt sie andererseits die aktuelle künstlerische Praxis von Frauen. Drei junge Künstlerinnen, Malkästnerinnen aus dem Umfeld der Kunstakademie, haben neue Arbeiten entwickelt, die Bezug nehmen auf drei der älteren Positionen in der Ausstellung.
Künstlerinnen der Ausstellung, die mit Werken und/oder Interviews vertreten sind: Ulrike Arnold, Ulrike Beckmann, Alice Blumberg, Dorothee Bouchard, Charlotte Buck-Bliesener, Adina Caloenescu, Antonia Dombrowski, Ilna Ewers-Wunderwald, Karin Flörsheim, Gretel Gemmert, Lenore Gerber-Sporleder, Maren Heyne, Nan Hoover, Setsuko Ikai-Kottmann, Anna Jocham, Ruth van Kampen, Claudia van Koolwijk, Elisabeth Köhler-Burtscheidt, Herma Körding, Kim-Camille Kreuz, Silke Leverkühne, Julia Lohmann, Marianne Mangold-Nienhaus, Edith Oellers, Elly Ohms-Quennet, Jeanette Plücken, Gerhild Poos, Lu Possehl, Helga Radener-Blaschke, Natascha Schmitten, Ina Seeberg, Brigitte Seeling-Fassbender, Hannelore Strohbach, Nobuko Sugai, Sabine Tschierschky, Ruth Weber, Brigitte Wiegmann, Annette Wimmershoff.
Upps, beim Aufräumen der Festplatte habe ich noch einige sehenswerte KI-Bilder im Stile von Pablo Picasso (1881-1973) gefunden, die ich bei meiner großen KI-Session im Herbst 2024 hatte produzieren lassen. Viel zu schade, um einfach im digitalen Nirvana zu entschwinden. Stecken bestimmt 20 Teraflops an KI-Leistung drin 😉
Das Kunsthaus NRW in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster
Immer wieder gerne von mir besucht: Das Kunsthaus NRW in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster vor den Toren von Aachen. Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr sind dort erneut Arbeiten junger belgischer Künstler aus den pulsierenden Kunstmetropolen Brüssel, Gent und Antwerpen zu sehen.
Gerade in der Grenzregion sind die Kunstszenen Deutschlands und Belgiens traditionell eng miteinander verbunden. Diesen Austauschund die Vernetzung der Kunstinteressierten und Kunstschaffenden möchte das Kunsthaus NRW weiter fördern.
Der Schwerpunkt der aktuellen Schau liegt auf der Vielfalt von Bildwerken und thematischen Ansätzen. Zu sehen sind gewebte „flämische“ Wandteppiche, die auf modernen digitalen Entwürfen basieren, Risografien in der Art früher Computergrafiken, treibende Videoinstallationen, szenografische und ortsspezifische Installationen und insbesondere Malerei in all ihren Erscheinungsformen: Als augentäuschende Trompe-l’œil-Malerei, als Bildobjekte und als Anlehnung an folkloristische und volkstümliche Kompositionen.
Das ehrwürdige Haus verwandelt sich in einen sinnlichen Parcours visueller Erlebnisse, dem auch überraschende Klangmomente entspringen. Eine vielfältige und äußerst anregende Schau im lieblichen Tal der Inde, mit einer interessanten Fortführung im Außenbereich des Museums.
Neu aus der KI auf meiner Festplatte: Frisch imaginierte Bilder in der Art von Christopher Wool (*1955).
Schwarze Linien und Flächen auf weißem Grund – das zeichnet die aktuellen Arbeiten des New Yorker Künstlers Christopher Wool aus. Der Sohn eines Biologie-Professors und einer Psychiaterin wuchs in Chicago auf und gehörte in den späten 1980er Jahren zu einer New Yorker-Künstlergruppe rund um Jeff Koons, Haim Steinbach und Robert Gober.
Seine Stile und Motive durchliefen seitdem mehrere Wandlungen. In seinen neueren Arbeiten zeichnet Wool mit einer Sprühpistole spontan lineare Formen auf die Malfläche, die er anschließend mithilfe von Lösungsmitteln partiell wieder auswischt.
Wool war 1992 auf der documenta in Kassel vertreten und wurde bereits in zahlreichen renommierten Museen ausgestellt.
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt im K20 derzeit eine Ausstellung, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstler*innen zur Moderne thematisiert. Zusätzlich hebt die Schau Kunstrichtungen hervor, die festgeschriebene Rollenmodelle jenseits des Cis-Modells prinzipiell hinterfragen, etwa den Surrealismus.
Erzählt werden Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand am Beispiel von Künstlern wie Claude Cahun, Hannah Höch, Jean Cocteau, Romaine Brooks, Marlow Moss oder Richmond Barthé. Aber auch heterosexuelle Kunstschaffende kommen mit ihren Arbeiten zu Wort, beispielsweise Max Ernst oder Rene Magritte.
Dass man sich mit einer solchen Ausstellung aus vielerlei Richtungen angreifbar machen kann, dokumentiert die Museumsleitung durch die Einbeziehung eines queeren Beirats. Er hat die Ausstellungsmacher kritisch beraten, Vermittlungssituationen konzipiert und Vorschläge zum Rahmenprogramm beigetragen. Mir scheint dieser Ansatz gelungen, denn als Besucher fühlte ich mich in der Ausstellung weder homosexuell bedrängt, noch hatte ich den Eindruck, hier würde etwas künstlich zurückgehalten oder verschwiegen.
Eine echte Neuentdeckung für mich waren die Werke von Anton Prinner, der 1902 als Anna Prinner in Budapest geboren wurde. Insbesondere die Arbeiten aus seiner konstruktivistischen Phase, die Malerei mit dreidimensionalen Holz- und Metallelementen verbinden, haben mir sehr gut gefallen.
Dame Ethel Walker, The Excursion of Nausicaa, 1920
Nils Dardel, Besuch bei einer exzentrischen Dame, 1921
Marie Laurencin, Frau mit Hut, 1924
Romaine Brooks, Die traurige Venus, 1917
Romaine Brooks, Portrait der Markgräfin Casati, 1920
Louise Janin, Flug, 1955
Jacoba van Heemskerck, Bild no. 105, 1920
Leonor Fini, Die Fremden, 1968
Max Ernst, Die Carmagnole der Liebe, 1926
Marlow Moss, Weiß mit gebogener Kordel, 1936
Jeanne Mammen, Der Würgeengel, 1939
Jeanne Mammen, Der Sonntagsjäger, 1939
Max Ernst, Die schwankende Frau, 1923
Louise Janin, Aufstrebende Pflanzen, 1934
Rene Magritte, Die gigantischen Tage, 1928
Toyen, Der Ursprung der Wahrheit, 1952
Pavel Techlitchew, Innere Landschaft, 1947
Anton Prinner, Plastische Spiralen, 1935
Anton Prinner, Die Bullaugen, 1932
Anton Prinner, Ohne Titel, 1933
Anton Prinner, Die Balancekünstlerin/Doppelte Figur, 1937/42
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