
Was für eine Pracht! Eine solche Vielfalt von schönen Türen und Portalen habe ich auf dieser Reise bislang nur im dänischen Ribe entdeckt. Aber Stade kommt da voll ran 🙂

Einer der vier Elbefähren zwischen Wischhafen und Glückstadt
Westlich von Hamburg gibt es auf den letzten 70 Flusskilometern der Elbe bis zu ihrer Mündung keine Brücke mehr und nur wenige Fährverbindungen.
Die wichtigste davon ist die Elbfähre Wischhafen Glücksburg, die die Lücke in der Bundesstraße 495 schließt.Die Elbe ist hier 3,5 Kilometer breit, die Überfahrt dauert rund 25 Minuten. Obwohl vier Fähren gleichzeitig auf der Strecke verkehren, kommt es auf beiden Seiten regelmäßig zu langen Staus. Wir mussten heute knapp eine Stunde warten, bis wir auf die Fähre durften.
Doch immer noch schneller, als den Umweg über Hamburg zu nehmen, wenn man vom westlichen Schleswig-Holstein ins westliche Niedersachsen übersetzen möchte.
Ich bin fasziniert, wie breit und mächtig die Elbe hier ist. Sogar die riesigen Containerschiffe auf ihrem Weg Richtung Hamburg wirken da aus der Entfernung gar nicht mehr so groß.

Das Schleusentor (rechts, schwarz) schließt sich
Für Schiffe, die von der Nordsee kommend zur Ostsee wollen, beginnt in Brunsbüttel der Einstieg in den Nordostsee-Kanal. Das wollte ich gerne einmal sehen.
Historisch gibt es in Brunsbüttel vier Schleusen am Übergang zwischen der Elbe und dem Kanal: zwei kleine aus dem Jahr 1895 und zwei große aus dem Jahr 1914.Doch selbst die großen Schleusen mit einer Länge von 320 m einer Breite von 42 m sind längst nicht mehr ausreichend für die riesigen Schiffe, die heute auf den Weltmeeren verkehren.
Deshalb baut man auf der Schleuseninsel von Brunsbüttel zwischen den kleinen und den großen Schleusen seit 2014 an einer fünften Schleuse.
Statt der veranschlagten sieben Baujahre bei 485 Millionen Euro Kosten ist man mittlerweile bei mindestens zehn Baujahren und 800 Millionen Euro angekommen. Aber 2024/205 solle die neue Schleuse tatsächlich in Betrieb gehen, so sieht es derzeit aus. Man darf gespannt sein.

Weiher im Klosterhof
Selbst die hässlichsten Städte haben schöne Ecken. Man muss sie nur finden, auch wenn das manchmal etwas dauert.
In Itzehoe bin ich eine halbe Stunde durch die wirklich trostlose Haupteinkaufstraße im 1950er Jahre-Look geirrt, bis ich hinter der St. Laurenti Kirche den alten Klosterhof entdeckt habe.Und der ist wirklich bezaubernd, auch einige Häuser drumherum. Die Anlage geht auf ein 1256 gegründetes Zisterzienserinnenkloster zurück, das innerhalb der Stadt ein eigenes Recht besaß.
1541 wurde das Kloster im Zuge der Reformation in ein adliges evangelisches Damenstift umgewandelt, das noch heute existiert.
Der noch bestehende Klosterhof gehört zu den ältesten erhaltenen Bereichen in Itzehoe. Die übrige mittelalterliche Bausubstanz wurde 1657 von schwedischen Soldaten fast völlig zerstört.
Als komplettes Ensemble vermittelt der Bereich einen sehr schönen Eindruck davon, wie es im (spät-) mittelalterlichen Itzehoe wohl ausgesehen haben mag.
Die Stadt am Fluss Stör in einer hügeligen und stark bewaldeten Umgebung war damals eine der reichsten in Holstein. Schön, dass ich das noch entdeckt habe.

Die Fähre an der Ablegestelle
Die Schwebefähre von Rendsdorf ist etwas ganz Besonderes: Als einzige von nur acht Schwebefähren weltweit hängt sie unter einer Eisenbahnbrücke.
12 Steilseile verbinden die Fähre mit einer elektrisch angetriebenen Rollkonstruktion, die den Untergurt der Brücke U-förmig umfasst. Pro Fahrt kann die Fähre bis zu vier Fahrzeuge und 100 Fußgänger/Radfahrer über den Nordostsee-Kanal befördern.
Seit der Eröffnung am 2. Dezember 1913 gilt der gleiche Fahrplan: Von 5 Uhr bis 23 Uhr wird viertelstündlich gefahren. Das Übersetzen ist kostenlos, so hat es der Kaiser bestimmt!?Als ich vor acht Jahren schon einmal Rendsburg besuchte, war der Betrieb eingestellt, nachdem die alte Fähre bei einer Kollision mit einem Schiff schwer beschädigt worden war. Nach einigen zwischenzeitlichen Pannen und Defekten ist die neue Fähre erst seit Januar 2023 wieder im dauerhaften, regulären Betrieb.
Ich freue mich darauf, jetzt einmal mit der Schwebefähre übersetzen zu können. Mit Doxi laufe ich von unserem Stellplatz am Kanal drei Kilometer zur Fähre, doch die hat gerade Frühstückspause: Täglich von 10:30 bis 11:00, wie seit mehr als einhundert Jahren 🙂
Als wir anschließend auf die andere Kanalseite bei Rendsburg übersetzen, bekomme ich endlich einmal die Begrüßungsanlage zu sehen. Vom Restaurant Brückenterrassen am Ufer unterhalb der Brücke werden seit 1997 ankommende Schiffe täglich von 10 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit durch das Dippen der jeweiligen Nationalflagge und das Anspielen der Nationalhymne begrüßt.
Ich warte, bis das nächste Schiff begrüßt wird,und frage mich, wie man das als Anwohner wohl aushalten kann. Dann laufe ich mit Doxi am Kanal zurück Richtung Schacht-Audorf, wo wir mit der regulären Schiffsfähre wieder zu unserem Stellplatz übersetzen. Acht Kilometer sind wir auf diese Weise unterwegs, und da uns die Sonne ordentlich einheizt, soll das für diesen Morgen auch erst einmal genug sein.