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Mehr Licht!

Mehr Licht!
Düsseldorf, 7. März 2023

Nach der tollen Christo-Werkschau zeigt der Kunstpalast Düsseldorf nun eine Ausstellung unter dem Titel „Mehr Licht“.

Es ist eine Zusammenstellung von 170 Werken verschiedener Künstler, die ab etwa 1820 entstanden. Die oft kleinformatigen Ölbilder verbindet, dass darin erstmals in der Kunstgeschichte das Flüchtige der Natur mit schnell trocknenden Farben direkt vor Ort festgehalten wurde.

„Raus aus den Ateliers“, war damals die Parole der Zeit. Es ging um einen neuen Blick auf die Natur. Plötzlich wurde das Beiläufige abbildungswürdig, die Bäume am Wegesrand, Gräser im Wind, sprudelnde Bäche. Aber auch die Architektur von Römern und Griechen, dem romantisierenden Zeitgeist folgend, war ein beliebtes Motiv,

Stets ist es das Spiel von Licht und Schatten, das im Mittelpunkt steht und auf vielen Bildern fasziniert. Zu ihrer Zeit wurden diese Studien von den Künstlern nur für den privaten Gebrauch genutzt. Erst zweihundert Jahre später werden sie aufgrund der veränderten Sehgewohnheiten als eigenständige Kunstwerke geschätzt. So, wie in dieser Ausstellung.

( MITI )

Truth is Dead

Truth is Dead
Düsseldorf, 5. März 2023

Gemütliches Beisammensein auf Windsor Castle

Eine köstlich amüsante Ausstellung präsentiert derzeit das NRW-Forum mit gestellten Fotomotiven von prominenten Politikern, Künstlern und Medienstars.

Die englische Künstlerin Alison Jackson inszeniert mit Unterstützung von Schauspieler*innen und Doppelgänger*innen vermeintliche Paparazzi- oder Dokumentaraufnahmen aus dem Intimleben zeitgenössischer Promis.

Politiker wie Donald Trump, George Bush, Bill Clinton und Angela Merkel werden ebenso aufs Korn genommen, wie Pop-Stars à la Kanye West, Michael Jackson oder die Rolling Stones. Doch vor allem die Mitglieder der englischen Royal Family haben es der Künstlerin angetan.

In ihren Werken täuscht, fälscht, provoziert Jackson und demonstriert damit, dass man sich in der Fotografie nicht auf die eigene Wahrnehmung verlassen kann.

Damit knüpft sie an das an, was in unserer Promi-geilen Medienwelt täglich geschieht: Geschichten bekannter Persönlichkeiten werden inszeniert und konsumierbar gemacht, um die Sehnsüchte und Illusionen von Lesern und Zuschauern zu befriedigen.

Alisons Fotografien sind Parodien, manchmal hyperreal und obszön, manchmal rütteln sie auf, aber viele Motive sind einfach nur lustig. Um es in den Worten der Künstlerin zu sagen: „Die Wahrheit ist tot. Nichts, was uns gezeigt wird, ist vertrauenswürdig, alles kann gefälscht sein und nichts ist authentisch. Was macht dieses Wissen mit uns?“

( MITI )

Rundgang Kunstakademie 23/I

Rundgang Kunstakademie 23/I
Düsseldorf, 12. Februar 2023

Düsseldorf komprimiert – ein Wimmelbild

Am Ende jedes Semesters gibt die Kunstakademie Düsseldorf ihren Studierenden die Möglichkeit, ihre Arbeiten vor einem interessierten Publikum zu präsentieren.

Der Eintritt ist kostenlos, und vielleicht liegt auch darin einer der Gründe, warum am letzten Semester-Wochenende regelmäßig Menschenmassen in den ehrwürdigen Hallen am Rheinufer unterwegs sind, um staunend neue Kunst von jungen Menschen zu entdecken.

Es wird vor allem Malerei gezeigt, aber auch Plastiken, ein wenig Architektur und Videokunst. Sogar Performances sind dabei. Eine große Experimentierfreude hinsichtlich der verwendeten Materialien, Techniken und Konzepten zeichnet die Arbeiten aus. Man spürt: Es ist nicht leicht, in der Masse der Studierenden ein ganz eigenes und unverkennbares Profil zu gewinnen.

Ich war nach meinem zweistündigen Rundgang in dichtem Gedränge fast ein wenig erschlagen von so vielen Menschen und mit Herzblut geschaffener Kunst. Manche Exponate wirken auf mich noch ein wenig unfertig, vieles dagegen höchst durchdacht, kunstfertig und absolut präsentationswürdig. Hier die Werke, die mir am besten gefallen haben.

( MITI )

Norbert Kricke – Bewegung im Raum

Norbert Kricke – Bewegung im Raum
Duisburg, 5. Februar 2023

Einem Düsseldorfer Künstler, der heuer einhundert Jahre alt geworden wäre, ist eine Sonderausstellung im Neubau des MKM im Duisburger Innenhafen gewidmet.

Kricke ist in seinem Hautpwerk über viele Jahre dem Konzept von metallischen Linien, die den Raum dynamisch durchfahren, treu geblieben. So entstanden zahllose Plastiken, die ein Gefühl von Bewegung und Freiheit ausdrücken.

Das zentrale Gestaltungsmittel für Krickes Arbeiten bilden biegsame Drahtgestelle, die er als „Raumplastiken“ bezeichnete.

Die beinahe schwerelos wirkenden Gebilde stehen im Kontrast zu traditionellen Plastiken aus Stein, Marmor oder Bronze, die geschlossene Oberflächen ausbilden und damit den umgebenden Raum ausgrenzen. Mit diesem Konzept steht Kricke auch für den Aufbruch in der Kunst der 1960er und 1970er Jahre.

Seit 1964 war der Künstler als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf aktiv und ab 1972 zehn Jahre deren Direktor. Auf mich wirken die Plastiken auch mehrere Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch äußerst modern. Ich habe mich schon gefragt, ob man ein solches Werk nicht nachbauen oder sich zumindest davon inspirieren lassen kann. Na, mal sehen…

( MITI )

Moderne Kunst im MKM

Moderne Kunst im MKM
Duisburg, 29. Januar 2023

Unverkennbar: Ein großformatiges Werk (12m x 4m) von A.R. Penck aus der Nach-Wende-Zeit

Genau vor einer Woche war ich zum ersten Mal im MKM Museum Küppersmühle für moderne Kunst in Duisburg. Heute bin ich wieder hier, weil mich das Gebäude und die Sammlung so begeistertet haben und es Sonntagnachmittags immer eine öffentliche Führung gibt. Und die war nicht nur hochinteressant, sondern auch von einer kompetenten Museumspädagogin wunderbar präsentiert und geleitet.

Und weil wir rund 20 Teilnehmer mit Kopfhören ausgestattet waren, konnte man sich zwischendurch auch einmal links und rechts vom Tross zusätzliche Bilder anschauen und dennoch weiter zuhören. Denn natürlich konnten auf der 80-minütigen Tour nicht alle ausgestellten Objekte besprochen werden.

Viele große Namen der deutschen und europäischen Nachkriegskunst sind im MKM vertreten, teilweise gleich mit mehreren prominenten Werken, darunter Richter, Lüppertz, Penck, Arp, Baumeister, Dubuffet, Götz, Kiefer, Kricke, Nay, Vedova und weitere.

Präsentiert werden auch einige großformatige Werke – und ich meine richtig großformatig – die in den hohen, lichtdurchfluteten Räumen des MKM eindrucksvoll zu Geltung kommen.

Am Ende war ich ganz beseelt von der vielen tollen Kunst, die dort hängt. Alle paar Monate gibt es zusätzlich zur großen Sammlung Wechselaustellungen im Haus, dann komme ich bestimmt noch einmal wieder.

( MITI )

Martin Assig: Weil ich Mensch bin

Martin Assig: Weil ich Mensch bin
Duisburg, 25. Januar 2023

Kleinformatige Papierarbeiten von Martin Assig aus den 1990er-Jahren

Die aktuelle Wechselausstellung im Erdgeschoss des MKM ist Martin Assig aus Schwelm (heute: Berlin) gewidmet. Der frühere Meisterschüler von Hans-Jürgen Diehl arbeitet mit einer besonderen Maltechnik, der Enkaustik.

Mit dem Verfahren kann die Zusammensetzung und die Dichte des Farbpigments durch die Verwendung von flüssigem Wachs gesteuert werden. Auf diese Weise lässt sich die Farbintensität beeinflussen und reliefartige Oberflächen erzeugen. Assig nutzt dies, um Bilder von starker Intensität und einer besonderen Art der Farbigkeit zu schaffen.

Viele seiner Werke zeigen Körperteile oder Frauen in Korsagen und Kleidern. Oft wirken die Motive ornamental oder organisch. Teilweise scheinen körpereigene Netzwerke von Blut- und Nervenbahnen nach außen abgebildet zu sein.

Assig selbst betont: „Es gibt immer wieder die Vorstellung, unmögliche Bilder zu malen. Die Dinge, die im Bild abzulesen sind, sind Bekenntnisse und Absichten. Bruchstücke, Dissonanzen, Unvereinbarkeiten. Jegliche Vorstellung von Handlung in Bildern ist mir zuwider. Meine Bilder müssen sich von mir lösen und mir fremd werden.“

( MITI )