Stippvisite in Bramsche

Stippvisite in Bramsche
Bramsche, 26.06.2021

Das Rathaus von Bramsche an der Hase

Bramsche, muss man das gesehen haben? Nicht unbedingt! Aber ich wollte es wissen, und nun weiß ich es. Bereits der offizielle Womo-Stellplatz am Hase-Bad ist gut gemeint, aber fürchterlich: Einfach ein abgetrennter Teil des PKW-Parkplatzes mit dem Blick ins grau gepflasterte Nichts.

Die Stadt liegt an der Hase im Norden des Landkreises Osnabrück. Jahrhundertelang wurde das historische Zentrum immer wieder von Hochwassern der Hase heimgesucht. Seit der Erweiterung einer Flutmulde östlich Altstadt zum Naherholungsgebiet Hasesee im Jahr 2011 wurde die Überschwemmungsgefahr jedoch drastisch reduziert.

Läuft man vom Hasesee in die Innenstadt, so begegnet man zunächst vielen hässlichen Profanbauten. Und auch die Haupteinkaufsstraße ist nicht wirklich einladend. Aber wenn man sich etwas Zeit nimmt, entdeckt man hier und dort doch einige liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser und spannende Industrierelikte, wie das Tuchmachermuseum. Wie gesagt, ich wollte es wissen, und nun weiß ich es 🙂

( MITI )

Bezauberndes Bad Essen

Bezauberndes Bad Essen
Bad Essen, 26.06.2021

Außengastronomie am Marktplatz von Bad Essen

Eigentlich wollte ich die Nacht in Bad Essen am Mittellandkanal verbringen. Der Womo-Stellplatz dort liegt direkt am viel befahrenen Kanal. Ich hatte gehofft, man könnte aus dem Womo heraus die vorbeiziehenden Schiffe beobachten. Doch das funktioniert leider nicht, ein schmaler Grünstreifen versperrt den Blick. Deshalb suche ich mir lieber einen anderen Stellplatz.

Aber vorher schaue ich mir mit Doxi noch das historische Zentrum des kleinen Ortes 25 km nordöstlich von Osnabrück an. Bad Essen liegt an der Deutschen Fachwerkstraße am Fuße des Wiehegebirges, das hier den Übergang zur norddeutschen Tiefebene bildet.

Seit 1902 darf Bad Essen offiziell den Titel einer Bäderstadt tragen. Dies geht auf eine Solequelle 800 m unter der Erdoberfläche zurück. Deren Salzgehalt ist angeblich höher als der des Toten Meeres.

Mich interessieren vor allem die vielen schönen Fachwerkhäuser im Ortskern. Offensichtlich ist der kleine Ort im Zweiten Weltkrieg kaum in Mitleidenschaft gezogen worden, denn rund um die St. Nikolai-Kirche sieht es aus, als könnte man hier ohne große Anstrengung jederzeit einen Mittelalter-Film drehen. Ganz bezaubernd ist das.

( MITI )

Die Gärten von Schloss Ippenburg

Die Gärten von Schloss Ippenburg
Bad Essen, 26.06.2021

Schloss Ippenburg, Südostansicht (Foto Dominik Bartsch | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Irgendwie habe ich es gut drauf, mir für den Besuch von kostenpflichtigen Parks und Gartenanlagen die falschen Tage, das falsche Wetter oder einfach die falschen Uhrzeiten auszusuchen.

Heute wollte ich die bekannten Gartenanlagen von Schloss Ippenburg bei Bad Essen besuchen. Aber die sind in den Zeiten von Corona nur sonntags geöffnet. Bin ich leider genau 24 Stunden zu früh dran.

Na, dann laufe ich mit Doxi doch wenigstens einmal um den Park herum, in der Hoffnung, den ein oder anderen Blick auf die gerühmten Grünanlagen zu erhaschen. Aber viel ist nicht zu sehen. Klar, die Besitzer wollen mit ihrem schönen Garten auch ein wenig Geld verdienen. Schade, morgen bin ich schon nicht mehr in der Region. Habe ich für dieses Mal leider Pech gehabt.

( MITI )

Rund um Schloss Neu Barenaue

Rund um Schloss Neu Barenaue
Kalkriese, 26. Juni 2021

Schloss Neu Barenaue im englischen neoromanischen Landhaus-Stil, Nordfassade

Nach unserem Besuch des Parks am vermuteten Ort der Varusschlacht in Kalkriese starten wir zu einer acht Kilometer langen Wanderung durch das flache Land am Fuße des Kalkrieser Berges. Unser Ziel ist das pittoreske Schloss Neu Barenaue am Mittellandkanal.

Dabei passieren wir mehrere typische Fachwerk-Bauernhöfe der Region und genießen schöne Blicke über die reifen Kornfelder hinweg auf die sanften Hügel jenseits des Kanals.

Das zweigeschossige Herrenhaus im neoromanischen Stil ließ die Familie von Bar in den Jahren 1857 bis 1862 im englisch-herrschaftlichen Landhaus-Stil erbauen. Nachkommen der Erbauer leben immer noch dort.

Die Familie von Bar besaß eine Sammlung römischer Fundmünzen, die Bauern in der Umgebung gefunden hatten. Sie war der Ausgangspunkt für die Vermutung, dass hier der Ort der Varusschlacht liegen könnte. So haben auch die von Bars zur Entstehung dieses Mythos beigetragen.

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Varusschlacht Kalkriese

Varusschlacht Kalkriese
Kalkriese, 26.06.2021

Museum am vermuteten Ort der Varusschlacht

Es ist nicht ganz klar, wo dieses Ereignis exakt stattgefunden hat, aber dass es von großer historischer Bedeutung war, ist unbestritten:  Im Jahre 9 n. Chr. verlor die römische Besatzungsarme in der Varusschlacht drei vollständige Legionen im Kampf gegen die Germanen – immerhin fast ein Achtel der gesamten römischen Armee zu dieser Zeit. Das war das Ende aller römischen Bestrebungen, in Germanien auch rechts des Rheines Fuß zu fassen.

Der Ort der Metzelei ist unter Historikern bis heute strittig. Funde von Münzen, Ausrüstung und Skeletten legen den Ort Kalkriese östlich von Bramsche nahe. Restlos überzeugt ist die historische Forschung jedoch nicht.

Dennoch entstand im Rahmen eines Projekts zur Weltausstellung Expo 2000 der Museumspark Varusschlacht, der im Jahr 2001 durch einen Museumsbau ergänzt wurde. Das Museum erfreut sich seitdem großer Beliebtheit und zieht jährlich rund 100.000 Besucher an.

Mit Doxi besuche ich am Morgen den öffentlich zugänglichen Park, zwei Stunden, bevor das Museum öffnet. Obwohl der Park groß ist, kann er nicht den gesamten Schauplatz der Schlacht abbilden. Denn der römische Zug mit mehr als 20.000 Fußsoldaten und 5.000 Reitern soll 15 bis 20 Kilometer lang gewesen sein.

Das Gelände zeigt unter anderem die Rekonstruktion einer Wallanlage, die die Germanen zur Durchführung ihres aufwändig vorbereiteten Angriffs errichtet haben sollen. Es braucht eine Menge Fantasie, um sich an diesem friedlichen Ort ein derartiges Gemetzel vorzustellen. Aber so ist das mit Geschichte ja häufig. Wollen wir mal dran glauben …

( MITI )

Auf dem Kirschlehrpfad

Auf dem Kirschlehrpfad
Hagen am Teutoburger Wald, 25.06.2021

Am Kirschlehrpfad beim Schulten Holz in Hagen

Jetzt bin ich mitten im Teutoburger Wald angekommen. Die kleine Gemeinde Hagen am Teutoburger Wald trägt das Mittelgebirge sogar im Namen. Sie liegt in einem Talkessel, der von drei Seiten von Wald umgeben ist.

Ich stehe mit dem Wohnmobil auf dem beliebten Stellplatz beim Schulten Holz unmittelbar am Kirschlehrpfad, wo 41 Sorten von Kirchbäumen derzeit Früchte tragen. Einige Sorten sind bereits reif, und Besucher dürfen sich bedienen.

Nur mit Leitern in die Bäume zu steigen, das ist tabu. Schade eigentlich, wo ich im Womo doch immer einer Leiter dabei habe. Man weiß ja nie, wo gerade ein reifer Obstbaum wartet 😉

Hagen knüpft mit dem Kirschlehrpfad an eine alte Tradition an: Bereits für das 16. Jahrhundert ist belegt, dass dort in großem Umfang Kirschen angebaut wurden. Noch um 1900 war Hagen eines der größten Kirschanbaugebiete Deutschlands.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Kirschenanbaus, der auf großkronigen Obstbäumen betrieben wurde, ging jedoch stetig zurück. Einfach, weil sich in Deutschland immer mehr der intensive Plantagenobstbau durchsetzte.

Heute stehen auf dem Gebiet der Gemeinde Hagen noch etwa 2.000 Süßkirschenbäume, davon 365 am Kirschlehrpfad am Schulten Holz. Dort befindet sich die größte Ansammlung von Süßkirschen in Deutschland, wie ich hier lese.

Ich bin ganz begeistert, dass ich mit dem Womo einen Platz direkt bei den Kirschbäumen erwischt habe. Mit Doxi laufe ich erst den Lehrpfad ab und dann weiter durch die umliegenden Hügel, wo am Straßenrand ebenfalls alte Kirchbäume stehen. Toll ist das.

( MITI )