Schlagwort-Archive: Heike

Wintersonne an der Ahr

Wintersonne an der Ahr
Schuld / Ahr, 17. Januar 2026

Blick von den Ahrhöhen hinunter zur Ahrschleife in Schuld. Die leeren Flächen am Fluss waren vor der Flut komplett bebaut.

Nach zwei frostigen Wochen mit Schnee in ganz Deutschland bekommen wir an diesem Wochenende einen ersten Vorgeschmack auf den Frühling. Volle Sonne, acht Grad, das fühlt sich doch schon ganz anders an, als Schneeschaufeln bei Minustemperaturen im Wintersturm.

Wir nutzen das einladende Wetter für den Wanderauftakt 2026, heuer im hinteren Teil der Ahreifel zwischen Schuld, Winnerath und Insul. Hier sieht man den Orten die Beschädigungen durch die Flut von 2021 noch an.

Die meisten der betroffenen Häuser sind längst abgerissen oder wieder aufgebaut, auch relativ nah am Fluss. Doch einige Brücken und Uferbefestigungen wurden immer noch nicht vollständig wiederhergestellt. Dort wird noch gebaut.

Der wunderschöne Schuld-Panoramaweg No 6 führt Heike und mich auf einer Länge von 12 km erst von Schuld entlang des Ahrsteigs steil hinauf auf die Ahrhöhen in Richtung Winnerath. Auf den Feldern zwischen Winnerath und Insul genießen wir die einladenden Strahlen der Wintersonne und weite Fernblicke in die Ahreifel. Bis auf die Schüsse der Jäger und das Gebell ihrer Hunde in der Ferne ist es hier oben ganz still. Nur ab und zu hört man die ersten Vöglein zwitschern.

Vor Insul geht es auf einem schmalen Kammweg von den Höhen wieder hinunter zur Ahr. Dann laufen wir von Insul über den Ahrtalweg zurück nach Schuld. Die Häuser auf dem Bergsporn in der Dorfmitte von Schuld sind von der Flutkatastrophe verschont geblieben, doch unten im Tal, wo die Ahr eine doppelte Schleife schlägt, haben die Wassermassen brutal gewütet. Teile des Dorfes, das sich jahrhundertelang eng an den Fluss schmiegte, werden wohl für die kommenden Jahrzehnte unbewohnt bleiben.

( MITI )

Jazz-Auftakt 2026 ein Hit

Das Clemens Orth-Trio in der Jazz Schmiede

Das erste Jazz-Konzert für Heike und mich in diesem Jahr war gleich ein echter Hit. Das Clemens Orth Trio mit Hendrik Smock an den Drums, Bruno Müller an der Gitarre und Clemens Orth an der Orgel hat in der Jazz-Schmiede in bester Hammond-Jazz-Tradition der 50er- und 60er-Jahre vortrefflich aufgespielt: dynamisch, energetisch, mitreißend und virtuos, jeder auf seinem Instrument.

Clemens Orth, Bruno Müller und Hendrik Smock v.l.n.r

Dabei konnte sich die Kölner Formation einer wunderbar restaurierten Original Hammond-Orgel bedienen, die die Jazz-Schmiede regelmäßig leihweise von einem Sammler zur Verfügung gestellt bekommt. Das Instrument muss klanglich eine solche Perle sein, dass es Orgel-Virtuosen von nah und fern zum Aufspielen in die Jazz-Schmiede lockt.

Die Musiker des Clemens Orth Trios kennen sich seit ihrem Studium an der Musikhochschule Köln und waren schon auf zahlreichen Bühnen im In- und Ausland zu hören. Ihr Repertoire ist geprägt von Ikonen wie Jimmy Smith, Les Strand, Jack McDuff oder Shirley Scott. An diesem Abend waren es aber auch Songs von Earth, Wind & Fire und zeitlose Soul- und RnB-Themen, die die Zuschauer von den Stühlen gerissen haben. Ein tolles Konzert in kleiner Besetzung.

( MITI )

Der Winter ist da

Der Winter ist da
Liedberg, 2. Januar 2026

Winterwolken verdecken die Sonne beim Blick Richtung Dyck

Pünktlich zum Start des neuen Jahres hat auch der Winter in ganz Deutschland Einzug gehalten. In fast allen Landesteilen liegt ein wenig Schnee, nur bei uns, ganz im Westen, ist es lediglich eine dünne Schicht Raureif. Dabei ist es windig und eisig kalt. Daran werden wir uns in den kommenden Wochen wohl gewöhnen müssen.

( MITI )

Junge Kunst aus Belgien

Junge Kunst aus Belgien
Kornelimünster, 13. Dezember 2025

Das Kunsthaus NRW in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster

Immer wieder gerne von mir besucht: Das Kunsthaus NRW in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster vor den Toren von Aachen. Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr sind dort erneut Arbeiten junger belgischer Künstler aus den pulsierenden Kunstmetropolen Brüssel, Gent und Antwerpen zu sehen.

Gerade in der Grenzregion sind die Kunstszenen Deutschlands und Belgiens traditionell eng miteinander verbunden. Diesen Austausch und die Vernetzung der Kunstinteressierten und Kunstschaffenden möchte das Kunsthaus NRW weiter fördern.

Der Schwerpunkt der aktuellen Schau liegt auf der Vielfalt von Bildwerken und thematischen Ansätzen. Zu sehen sind gewebte „flämische“ Wandteppiche, die auf modernen digitalen Entwürfen basieren, Risografien in der Art früher Computergrafiken, treibende Videoinstallationen, szenografische und ortsspezifische Installationen und insbesondere Malerei in all ihren Erscheinungsformen: Als augentäuschende Trompe-l’œil-Malerei, als Bildobjekte und als Anlehnung an folkloristische und volkstümliche Kompositionen.

Das ehrwürdige Haus verwandelt sich in einen sinnlichen Parcours visueller Erlebnisse, dem auch überraschende Klangmomente entspringen. Eine vielfältige und äußerst anregende Schau im lieblichen Tal der Inde, mit einer interessanten Fortführung im Außenbereich des Museums.

( MITI )

Struffeltkopf im Hürtgenwald

Struffeltkopf im Hürtgenwald
Roetgen, 11. Dezember 2025

Staumauer der Dreilägerbachtalsperre im Sonnenuntergang

Schaut mal, ein Sonnenloch am Horizont, da müssen wir hin! Sonne ist bei uns in diesen Wochen dermaßen Mangelware, dass uns die Aussicht auf ein paar Dezemberstrahlen gleich in Wallung versetzt.

Als das Wetterradar für die Deutsch-Belgische Grenzregion im Westen von NRW am späten Vormittag eine größere Wolkenlücke verheißt, streifen wir uns gleich die bunt lackierten Rallye-Overalls über und springen in die Rennwagen (haha). Die Tage vor Weihnachten sind kurz, da gilt es jede Chance sofort zu ergreifen.

Also brechen Heike, Doxi und ich spontan zu einer kleinen Wanderung an den Nordrand der Eifel auf. Wir wollen zum Struffelt bei Roetgen, einem Hochplateau oberhalb der Dreilägerbachtalsperre, auf dem sich ein kleines, naturgeschütztes Venngebiet erhalten hat. Von der Größe her nicht vergleichbar mit den Vennflächen auf belgischer Seite 10 km weiter westlich, aber ebenfalls auf Holzstegen begehbar. Drumherum ein großes Waldgebiet.

Zuletzt waren wir im Juni 2021 dort oben, ist also schon eine Weile her. Leider kann unsere liebe Doxi altersbedingt nicht mehr so, aber für eine feine kleine 7 km-Runde reicht es noch. Die Sonne steht bereits tief, doch wo im Venn keine Bäume den Blick zum Horizont verstellen, dringt sie noch mühelos zu uns durch. So ein starkes, fast waagerecht einstrahlendes Licht, das hatten wir lange nicht mehr. Balsam für die ausgetrocknete Winterseele. Gut, dass wir diesen spontanen Ausflug gewagt haben.

( MITI )

Queere Moderne 1900 bis 1950

Queere Moderne 1900 bis 1950
Düsseldorf, 6. Dezember 2025

Nils Dardel, Der sterbende Dandy, 1918

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt im K20 derzeit eine Ausstellung, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstler*innen zur Moderne thematisiert. Zusätzlich hebt die Schau Kunstrichtungen hervor, die festgeschriebene Rollenmodelle jenseits des Cis-Modells prinzipiell hinterfragen, etwa den Surrealismus.

Erzählt werden Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand am Beispiel von Künstlern wie Claude Cahun, Hannah Höch, Jean Cocteau, Romaine Brooks, Marlow Moss oder Richmond Barthé. Aber auch heterosexuelle Kunstschaffende kommen mit ihren Arbeiten zu Wort, beispielsweise Max Ernst oder Rene Magritte.

Dass man sich mit einer solchen Ausstellung aus vielerlei Richtungen angreifbar machen kann, dokumentiert die Museumsleitung durch die Einbeziehung eines queeren Beirats. Er hat die Ausstellungsmacher kritisch beraten, Vermittlungssituationen konzipiert und Vorschläge zum Rahmenprogramm beigetragen. Mir scheint dieser Ansatz gelungen, denn als Besucher fühlte ich mich in der Ausstellung weder homosexuell bedrängt, noch hatte ich den Eindruck, hier würde etwas künstlich zurückgehalten oder verschwiegen.

Eine echte Neuentdeckung für mich waren die Werke von Anton Prinner, der 1902 als Anna Prinner in Budapest geboren wurde. Insbesondere die Arbeiten aus seiner konstruktivistischen Phase, die Malerei mit dreidimensionalen Holz- und Metallelementen verbinden, haben mir sehr gut gefallen.

( MITI )