Schon lange habe ich nicht mehr so viele historische Türen und Portale zu Gesicht bekommen, wie heute in Duderstadt. Der letzte Beitrag zu diesem Thema liegt bereits mehr als sechs Monate zurück und entstand im luxemburgischen Echternach.
Passend zu dem hervorragenden Erhaltungszustand vieler Fachwerkhäuser von Duderstadt machen auch die Türen richtig was her. Ich bin begeistert.
Heute habe ich einen langen Weg vor mir. Von Horn-Bad Meinberg in Ostwestfalenbis in die sächsische Oberlausitz sind es mehr als 500 Kilometer. Ich schaue, ob ich auf dem Weg Richtung Osten eine interessante Stadt ausmachen kann, dich ich noch nicht kenne, und werde tatsächlich fündig.
Meine erste Station heute soll Duderstadt sein, eine Fachwerkidylle im südlichen Harzvorland an der ehemaligen Deutsch-deutschen-Grenze, kurz vor dem Übergang von Niedersachsen nach Thüringen.
Duderstadt liegt im katholisch geprägten Untereichsfeld. Wegen seiner fruchtbaren Böden wird das Umland bereits seit dem Mittelalter auch als Goldene Mark bezeichnet.
Das überwiegend mittelalterliche Stadtbild wird geprägt von rund 600 Bürgerhäusern verschiedener Stilepochen und den beiden großen Stadtkirchen St. Cyriakus und St.Servatius mit ihren mächtigen Türmen.
Unbedingt sehenswert ist auch das prächtige mittelalterliche Rathaus, und der Westerturm an der restaurierten Stadtmauer mit seiner auffällig gedrehten Spitze. Wer historische Kulissen mag, der kommt hier voll auf seine Kosten. Eine wirklich schöne Stadt im Herzen von Deutschland, am Übergang von West nach Ost.
Marktplatz von Horn mit dem historischen Rathaus von 1865
Sonntagnachmittag, das Wochenendseminar bei Yoga Vidya ist vorüber. Zeit sich endlich einmal etwas zu entspannen, bevor ich am nächsten Morgen mit dem Womo in Richtung Oberlausitz weiterfahren will.
In der letzten Woche ist weltpolitisch viel geschehen, deshalb würde ich gerne den aktuellen SPIEGEL lesen. Doch das erweist sich als unmöglich, obwohl ich alle Tankstellen in Horn und Bad-Meinberg abklappere. Kioske gibt es auch nicht, und die Supermärkte öffnen erst wieder am Montagmorgen.
Das war also nix, außer vielleicht eine yogische Übung in Demut. Aber immerhin bin ich bei dem schönen Wetter ein wenig mit dem Fahrrad gecruised und habe mir die Gemeinde Horn angeschaut, die ich bislang noch gar nicht kannte.
Vorne Heike, hinten links der Bernd, ganz links Seminarleiter Christian Bliedtner
Das Ende meines ersten Studiensemesters feiere ich mit einem Besuch im großen Ashram von Yoga Vidya. Kaum 60 Minuten nach der Semesterabschlussklausur sitze ich im Wohnmobil und breche nach Bad Meinberg in Ostwestfalen auf. Gemeinsam mit Heike und meinem Kumpel Bernd habe ich für dieses Wochenende ein Seminar bei Christian Bliedtner gebucht.
Der Kurs mit dem schönen Titel „Yoga für die gute Laune“ passt wie die Faust aufs Auge. Denn die letzten sieben Wochen mit totalem Fokus auf die Klausurvorbereitung waren echt ein bisschen freudlos. Da gab es nicht viel zu lachen.
Doch das wird jetzt nachgeholt. Z.B. mit Lachyoga, stimmungsvollen Kirtans und ganz viel Yoga-Praxis. Es ist schön mal wieder im Ashram zu sein, dort, wo ich auch meine Yogalehrer-Ausbildung absolviert habe. Und Christian Bliedtner ist ein wirklich netter und sehr versierter Kursleiter.
Die totale Entspannung will sich allerdings nicht unmittelbar einstellen, dafür gibt es bei einem solchen kompakten Wochenendseminar zu viele Termine. Man hetzt ein wenig zwischen Workshop, Yoga-Stunde, Satsang und den Mahlzeiten hin und her. Und Doxi will zwischendurch ja auch noch bewegt werden. Aber egal, zum Erholen habe ich in den kommenden drei Wochen der Semesterferien noch genug Zeit. Jetzt wird erst einmal ausgiebig gelacht, bis das Bauchfell schmerzt, und positive Energie getankt.
Die 15 Kapitel des Kurses „Einführung in die Psychologie“, zusammen mehr als 800 Seiten, die wir quasi auswendig können sollen.
Heute ist es soweit. Ich schreibe zum ersten Mal im Leben eine Semesterabschlussklausur. Man sagt ja gerne: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Aber hier muss es wohl heißen: Diesem Anfang wohnt ein Zittern inne.
Mehr als 750 Stunden habe ich in den vergangenen sechs Monaten für das erste Studiensemester aufgewandt und in den letzten sieben Wochen noch einmal intensiv mit meiner Studienkollegin Susanne gebüffelt. Trotzdem habe ich das Gefühl, es war nicht genug.
Aber egal, jetzt wird geschrieben. Es ist die einzige Open-Book-Klausur in diesem Studium, d.h. man darf in seinen Unterlagen nachschlagen. Bei mir sind das mehr als 1.400 Begriffe und Erklärungen aus den drei Kursen „Einführung in die Psychologie“, „Psychologie und kulturelle Vielfalt“, sowie „Forschungsmethoden der Psychologie“.
Doch was nützt das Nachschlagen, wenn dafür gar keine Zeit bleibt?200 Fragen gilt es in 90 Minuten zu beantworten. Wenn man da nicht 80 oder 90 Prozent fast unmittelbar aus dem Kopf oder dem Bauch beantworten kann, kommt man sowieso nicht hin.
Allgemein herrscht bei meinen Kommilitonen das Gefühl vor, mit dieser Klausur soll ordentlich ausgesiebt und abgeschreckt werden. Ich bin ja sonst durchaus ehrgeizig, aber hier wäre ich einfach froh, wenn ich die Klausur bestünde. Note fast schon egal!
[Update 21.03.2025: Hurra, ich habe bestanden! Sogar ein klein wenig besser als der Durchschnitt. Da fällt mir ein Stein vom Herzen, dass ich dieses schwere Modul hinter mir habe und nicht im kommenden Semester erneut angehen muss.]