Dreiländerwanderung bei Schengen

Dreiländerwanderung bei Schengen
Schengen, 17.05.2019

Blick von der Moselbrücke hinüber nach Schengen und zum Europa-Museum am Ufer.

Lange schon wollte ich einmal nach Schengen, jenem kleinen Winzerort im Länderdreieck von Deutschland, Luxemburg und Frankreich, der durch das Schengener Abkommen von 1985 zum Synonym für die Reisefreiheit in Europa geworden ist.

Meine erste bewusste Grenzerfahrung als Kind war eine traumatische bei der Einreise in die DDR in den 1970er Jahren, als wir unsere Verwandten in Erfurt besuchen wollten: Die martialisch gesicherten Grenzanlagen, die strenge Ansprache der DDR-Grenzbeamten und mein armer Papa, nahe am Herzinfarkt, weil wir verbotene West-Propaganda (einige Ausgaben des SPIEGEL und des STERN) dabei hatten – das alles hat meine Vorstellungen von Landesgrenzen nachhaltig geprägt.

Wie schön, dass ich heute mit Doxi entlang der Mosel von einem Land ins andere laufen kann – ohne Passkontrollen, Grenzschilder oder Schranken . Herrlich ist das!

Wir parken im deutschen Grenzort Perl am Schwimmbad und laufen von dort nach Schengen hinunter. Die Mosel bildet hier die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg. Gleich hinter der Moselbrücke liegt Schengen mit dem Europa-Musuem und zwei angemalten Betonsegmenten der ehemaligen Berliner-Mauer.

Wir wandern durch den Ort und steigen in die Weinberge auf. Nach einer Weile passieren wir die Grenze zu Frankreich. Aber würde mein Handy jetzt nicht eine Willkommen-SMS des Netzbetreibers empfangen – ich würde es gar nicht bemerken. Erst im nächsten Dorf an der Mosel fallen dann die Unterscheide auf: eine leicht andere Architektur und Wohlstandsniveau, veränderte Strommasten und Straßenlaternen und natürlich die französischen Kfz-Kennzeichen.

Im Weinort Contz-les-Bains wechseln wir wieder zurück auf die andere Seite der Mosel und laufen am Ufer entlang nach Sierck-les-Bains. Der Ort wird vom Chateau der Herzöge von Lorraine überragt.

Weiter geht es nach Apach, dem alten französischen Grenzort zu Deutschland. In den Weinbergen hinter dem Ort wechseln wir fast unmerklich über die grüne Grenze und sind am Ortsrand von Perl wieder in Deutschland. So einfach ist das heute. Eine echte Errungenschaft der europäischen Idee, finde ich.

( MITI )