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Residenzstadt Bad Arolsen

Residenzstadt Bad Arolsen
Bad Arolsen, 17.06.2017

Frontansicht des Residenzschloss Arolsen

Tag
1
Wir sind mit dem Wohnmobil unterwegs in Kurhessen, dem nördlichen Teil des heutigen Bundeslandes Hessen rund um die Stadt Kassel. Heute besuchen wir die ehemalige Residenzstadt Bad Arolsen, deren Name auf das im Jahre 1131 gegründete ehemalige Augustinerinnen-Stift Aroldessen zurückgeht.

Bad Arolsen war von 1655 bis 1918 Residenzstadt der Grafen und Fürsten von Waldeck-Pyrmont und danach bis 1929 Hauptstadt des Freistaates Waldeck. Anschließend ging sie in die neugeschaffene Preußische-Provinz Kurhessen über.

Die Stadt liegt am Nordrand des nordhessischen Mittelgebirgsraums ungefähr 40 Kilometer nordwestlich von Kassel im Waldecker Land. Die Landschaft hat hügeligen Charakter mit ausgedehnten Laub- und Nadelwäldern.

Bad Arolsen ist seit 1946 Sitz des Internationalen Suchdienstes (ITS). Diese Institution wird vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz geleitet und von der Bundesrepublik Deutschland finanziert. Im Stadtgebiet haben sich mehrere Kliniken angesiedelt, die auf die Behandlung von Tinnitus spezialisiert sind.

Am Morgen besuchen wir die Altstadt rund um das schöne barocke Residenzschloss, das ab 1710 als dreiflügelige Anlage mit ausgedehntem Landschaftspark entstand. Bemerkenswert sind die vielen guterhaltenen Häuser und der barocke Stadtgrundriss rund um das Schloss. Das Straßenraster zeigt das für die damalige Zeit typische Schachbrettmuster.

Eine Besonderheit ist die im Jahre 1670 angelegte Große Allee, die auf etwa 1600 Meter Länge in Ost-West-Richtung verläuft. Sie ist sechsreihig mit rund 880 Eichen bepflanzt.

Unter Fürstin Emma zu Waldeck und Pyrmont wurde 1849 das damals modernste Staatsgrundgesetz in Deutschland erlassen. Ihre Tochter Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont wurde 1858 in Arolsen geboren. Sie wurde 1879 Königin der Niederlande und 1890 Regentin.

Das alles trägt dazu bei, dass sich Bad Arolsen bei Gästen aus Deutschland und den Niederlanden als touristischer Anziehungspunkt etabliert hat. Davon zeugen auch die vielen Restaurants und Gastwirtschafen auf der Schlossstraße. Gut, dass wir früh dran sind und den großen Besucherströmen vorauseilen.

Morgen findet vor dem Schloss ein großes Porsche Treffen statt, doch heute haben wir den Vorplatz des Schlosses fast für uns alleine. Eine gute Gelegenheit, Fotos von der schönen Anlage zu machen, auch wenn das Wetter heute nicht ganz so einladend ist.

( MITI )

Am Twistesee

Am Twistesee
Bad Arolsen, 17. Juni 2017

Der markante Überlauftrichter des Sees mit einem Cafe auf der Spitze

Tag
1
Mit Doxi wandere ich am Morgen von Bad Arolsen zum nahegelegenen Twistesee. Auf der knapp 17 Kilometer langen Wanderung folgen wir der Tour 1 aus dem Rother Wanderführer “Kurhessen”.

Über die baumgesäumte Fürstenallee wandern wir aus dem Ort hinaus und dann durch schönen Wald hinab in einen Talgrund. Gleich darauf steigen wir auf den nächsten Hügel auf und kommen zu einem Waldrandweg, der uns ins Twistetal führen soll.

Der Weg ist wegen des schlechten Streckenzustands gesperrt. Wir versuchen es trotzdem und bereuen es bald, weil der Weg auf langen Passagen dicht mit Brennnesseln bewachsen ist. Ein Ausweichen ist kaum möglich: Links geht es steil ins Tal hinunter, rechts versperren uns Felsen den Weg. Also schlage ich uns mit einem Stock mühevoll den Weg frei und bin froh, als wir endlich den Schotterweg durch das Twistetal erreichen.

Bald schon stehen wir an der Vorsperre zum Twistesee, wo Angel- und Jagdverbot herrscht und der BUND eine schöne Hütte für Vogelbeobachtungen eingerichtet hat. Kurz darauf erreichen wir den Ostrand des Twistesees, der an sonnigen Tagen viele Badefreunde und Wassersportler anzieht. Doch heute ist es dafür zu frisch.

Der Stauanlage am Twistesee wurde nach der Heinrichsflut von 1965 geplant und Anfang der 1980er Jahre in Betrieb genommen, nachdem es im Einzugsgebiet von Twiste und Diemel immer wieder zu schweren Hochwasserschäden gekommen war. Für die Gewässerregulierung wurde ein Staudamm errichtet, der die Twiste zum Stausee aufstaut.

Am Nordrand des Sees wandern wir Richtung Westen. Wir kommen an einem kleinen FKK-Abschnitt, einer Wasserski-Anlage und schließlich am großen Strandbad auf der anderen Seeseite vorbei. Überall das gleiche Bild: Nichts los heute.

Ganz anders dagegen auf dem Womo-Stellplatz am Nordwestrand des Sees. Alle 120 Stellplätze sind an diesem verlängerten Fronleichnams-Wochenende belegt. Das hatte ich schon vermutet und den Platz deshalb gar nicht erst angesteuert. Ist mir auch ein wenig zur viel los hier, um ehrlich zu sein.

Wir erreichen den direkt am See liegenden Ort Wetterburg oberhalb der Twiste, der früher von der gleichnamigen Burg überragt wurde. In dem noch existierenden Gebäudeteil befindet sich heute ein beliebtes Restaurant. Von dort geht es auf einer Strecke von rund vier Kilometern über Felder und durch schönen Wald zurück nach Bad Arolsen, wo wir den Schlossteich auf der Rückseite des Residenzschlosses erreichen.

( MITI )

Im Jagdforst des Grafen

Im Jagdforst des Grafen
Bad Arolsen, 17. Juni 2017

Blick über den Schlossteich zur Rückseite des Residenzschlosses

Tag
1
Nördlich von Bad Arolsen erstreckt sich ein großes Waldgebiet, das früher den Grafen und Fürsten von Waldeck-Pyrmont als Jagdgebiet diente. Von ihrer Residenz verläuft noch heute eine Allee senkrecht zum Hauptflügel des Barockschlosses schnurgerade hinunter ins Tal der Bicke.

Auf der gegenüberliegenden Seite setzt sich die Allee als große Schneise durch den Wald fort. Man kann sich mühelos vorstellen, wie einst die Herren von Waldeck-Pyrmont hier auf der Jagd hoch zu Pferde durch den Wald galoppiert sind.

Diesem Weg folge ich mit Doxi auf unserer Abendwanderung, bis die Schneise mitten im Wald an einem eingezäunten Wildgehege endet. Wir wandern in westlicher Richtung weiter am Rand des Wildgeheges entlang, bis wir irgendwann abdrehen und in einem großen Bogen wieder Richtung Bad Arolsen zurücklaufen, damit wir nicht in die Dunkelheit kommen.

Immer wieder stoßen wir im Wald auf riesengroße Eichen, die mehrere hundert Jahre alt sein müssen. Richtige Baumriesen sind das. Ich staune, denn so etwas gibt es bei uns in den Wäldern am Niederrhein nicht.

Zwischen zwei Waldabschnitten kommen wir auf freiem Feld an einem Steinmetzbetrieb vorbei, der Gartenbrunnen herstellt. In einem Schaugarten sprudeln mehrere Dutzend Brunnen vor sich hin. Doxi ist ganz begeistert und würde am liebsten an jedem Brunnen kosten, aber so viel Zeit haben wir heute leider nicht …

Auf dem Rückweg kommen wir wieder durch das Tal der Bicke. Doxi stapft ein wenig durch den Bach, um anschließend wild über die angrenzende Wiese zu rennen. So macht sie es oft, nachdem sie ihre Füße nassgemacht hat. Bis ich die Kamera aufnahmebereit habe, hat sie bereits die ersten fünf Runden hinter sich. Trotzdem: süß sieht das aus.

Im Jagdforst des Grafen

( MITI )

Auf der Kugelsburg

Auf der Kugelsburg
Volkmarsen, 18. Juni 2017

Blick hinauf zur Ruine der Kugelsburg

Tag
2
An Burgen komme ich einfach schlecht vorbei. Als wir mit dem Womo in Volkmarsen Station machen, laufe ich mit Doxi als erstes zur Kugelsburg hinauf, die sich rund einen Kilometer östlich des Ortszentrums auf der Westkuppe des Kugelsbergs erhebt. Unterhalb der Burg fließt die Erpe vorbei, die hier in die Twiste mündet.

Die romanische Kernburg wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Auftrag des Klosters Corvey zur Sicherung eines Übergangs über die Twiste an der alten Straße Fritzlar – Paderborn errichtet. Der spätere Ausbau der Burg war ein Versuch, die Mainzer Expansionsbestrebungen in dieser Region zu unterbinden. Doch die anhaltende Rivalität der Erzbistümer Köln und Mainz sollte auch in den kommenden Jahrhunderten die wechselvolle Geschichte der Burg bestimmen.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Burg und die Stadt Volkmarsen 1632 von Hessischen Truppen geplündert und gebrandschatzt. Dies wiederholte sich im Siebenjährigen Krieg 1758 durch französische Truppen. Danach verfiel die Ruine und wurde im 19. Jahrhundert teilweise zur Materialgewinnung abgetragen.

Heute bewohnen in der warmen Jahreszeit Hobby-Ritter die Burg. Jedes Wochenende laden sie Groß und Klein zu Ritterspielen ein. Im Wald unterhalb der Burg stoßen wir an verschiedenen Stellen auf Tierattrappen, die Doxi ebenso neugierig wie vorsichtig beschnuppert. Doch von diesen Bären, Panthern und Gämsen geht keine Gefahr mehr aus. Die Ritter und ihre Knappen haben sie mit Pfeil und Bogen längst zur Strecke gebracht. Davon zeugen die vielen Einschusslöcher in ihren Körpern …

( MITI )

Rund um Volkmarsen

Rund um Volkmarsen
Volkmarsen, 18.06.2017

Klatschmohn am Feldrand auf der Scheider-Hochfläche

Tag
2
Von Bad Arolsen sind wir in das zehn Kilometer östlich gelegene Volkmarsen gefahren, wo wir an der Nordhessenhalle einen schönen kostenlosen Womo-Stellplatz direkt an der Twiste gefunden haben. Von dort brechen wir am Morgen zur Wandertour Nummer 2 aus dem Rother Wanderführer “Kurhessen” auf.

Wir laufen zunächst durch das historische Zentrum des kleinen Ortes rund um die Kirche und das Rathaus. Dann geht es in südlicher Richtung hinauf auf das aus Muschelkalk entstandene Hochplateau der Scheid. Viele seltene Pflanzen und Tiere sind auf diesem Höhenrücken beheimatet. Zwischen landwirtschaftlich genutzten Feldflächen und von Insekten umschwärmten Magerrasenwiesen bieten sich uns hier herrliche Fernblicke auf die umliegenden Berge das Waldecker-Hügellandes.

Wir wandern durch den kleinen Ort Lütersheim am Rande der Hochfläche und steigen hinter dem Sportplatz steil in das Tal der Watter hinab. Der kleine Bach hat sich tief in den weichen Sandstein eingegraben und dabei bizarre Felsformationen geschaffen. Auf der gegenüberliegenden Bachseite sehen wir in der Felswand die Höhle “Hollenkammer”, die früher ein germanischer Kultort war und heute von Fledermäusen bewohnt wird.

Wir folgen dem idyllischen Bachlauf durch den Wald und kommen am Talausgang an der markanten Felsenlandschaft „Katte-Kurts-Klippen“ vorbei. Nun geht es über hochliegende Feldflächen wieder zurück nach Volkersheim, wo wir nach knapp 20 Wanderkilometern erneut unseren Startpunkt erreichen. Da es ziemlich heiß ist, kühlen Doxi und ich erst einmal unsere Füße im kühlen Wasser der Twiste. Was für eine Wohltat!

( MITI )

Von Zierenberg auf den Schreckenberg

Von Zierenberg auf den Schreckenberg
Zierenberg, 18.06.2017

Blick vom Schreckenbergturm hinunter nach Zierenberg

Tag
2
Am späten Nachmittag fahren wir von Volkmarsen in das 20 Kilometer entfernte Zierenberg im Warmetal. Dort brechen wir vom Freibadparkplatz zu einer weiteren Wanderung aus dem Rother Wanderführer “Kurhessen” auf.

Die Tour Nummer 3 führt uns zunächst in steilen Serpentinen auf den Schreckenberg hinauf. Dabei passieren wir die “Blauen Steine”, ein imposantes Geröllfeld, das nach der letzten Eiszeit entstanden ist. Oben auf dem Schreckenberg angekommen, erklimme ich den Schreckenbergturm, der 1911 als Ersatz für einen alten Wartturm an dieser Stelle errichtet wurde.

Der Ausblick von der Turmspitze über das Warmetal ist wirklich atemberaubend: Unten liegt Zierenberg, dahinter die Bergkette aus Rohrbeg, Großem Bärenberg und Großem Gudenberg.

Durch schönen Buchenwald geht es anschließend zur Ruine der Burg Schartenberg, eine der ältesten Burgen in Hessen, von der heute nur noch die Reste des imposanten Bergfrieds mit seinen 3,5 Meter dicken Mauern stehen. Weiter führt uns der Weg durch den Laarer Forst, bis wir über eine Strecke von 1,5 Kilometer hinunter ins Warmebachtal absteigen.

Parallel zum Bach führt ein schöner Feldweg mit Blick auf den Kegel des Schreckenbergs durch das Tal zurück nach Zierenberg, wo wir nach 14 Wanderkilometern wieder am Freibad eintreffen. Mehr als 30 Kilometer sind wir heute gewandert. Ganz schön viel, aber es waren auch wirklich zwei sehr schöne Touren.

( MITI )