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Zehn Tage in der Hohenlohe

Zehn Tage in der Hohenlohe
24. Mai 2017

Vom Rand der Löwensteiner Berge bieten sich fantastische Fernsichten

Auf diese Womo-Tour mit Doxi hatte ich mich lange schon gefreut: Zehn Tage waren wir im Nordosten von Baden-Württemberg zwischen Heilbronn und Rothenburg ob der Tauber unterwegs. Die Hohenlohe ist die Kornkammer des Landes, eine fruchtbare Region zwischen den Flüssen Jagst und Kocher mit vielen Burgen, Klöstern, mittelalterlichen Städten und wunderschönen Wäldern und Weinbergen. Leider ist es auch eine äußerst zeckenreiche Gegend, aber das ist ein anderes Thema.

Wir waren in Möckmühl, Widdern, Jagsthausen, Forchtenberg, Waldenberg, Vellberg, Ellwangen, Pfedelbach, Öhringen, Untersteinbach, Löwenstein, Beilstein, Heilbronn und im Zentrum des Bausparglaubens: in Schwäbisch Hall.

Bei wunderschönem, teilweise fast zu warmen Wetter, sind wir 270 Kilometer gewandert, haben so manchen Berg bestiegen und viele Bäche gequert, was nicht immer ganz einfach war.

Hier haben wir haben bei dieser Tour mit dem Wohnmobil gestanden:

OrtBezeichnungAnfahrtPreisSt
Beilstein
Zehn Tage in der HohenloheParkbuchten an der Straße gegenüber des Fußballplatzes.
Parkplatz am Fußballplatz Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzAlbert-Einstein-Str. 20
71717 Beilstein
0€Zehn Tage in der HohenloheStrom verfügbar
Ellwangen
Zehn Tage in der HohenloheKostenloser Parkplatz am Wellenbad nahe des Festplatzes und der Innenstadt.
Parkplatz am Wellenbad Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzRotenbacher Str. 37
73479 Ellwangen (Jagst)
0€
Forchtenberg
Zehn Tage in der HohenloheGroßer PKW-Parkplatz am Rande der Innenstadt direkt an der Koche mit schönem Blick ins Grüne.
Parkplatz an der Kocher Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzAm Bahnhof 5
74670 Forchtenberg
0€
Heilbronn
Zehn Tage in der HohenloheToller kostenloser Stellplatz direkt am schönen Wertwiesenpark. Nicht weit zur Innenstadt.
Stellplatz am WertwiesenparkNeckarhalde/Wertwiesenpark
74074 Heilbronn
0€Zehn Tage in der HohenloheStrom verfügbar
Jagsthausen
Zehn Tage in der HohenloheBusparkplatz an der Gützenburg. Abends stören Womos dort nicht. Alternative: Parkplatz am Tennisplatz/Sportplatz (In den Steinäckern 3, 74249 Jagsthausen)
Busparkplatz am Ortsausgang / Götzenburg Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzIm Mirabellengarten 10
74249 Jagsthausen
0€
Löwenstein
Zehn Tage in der HohenloheGroßer Asphaltparkplatz an einer Bundesstraße. Bikertreff mit Imbiss. Nicht weit vom Ortszentrum entfernt. Dahinter ein Schotterparkplatz mit traumhaften Ausblick in die Ebene unterhalb von Löwenstein.
Parkplatz Löwensteiner Platte an der B39 Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzPlateauweg
74245 Löwenstein
0€
Möckmühl
Zehn Tage in der HohenloheSchulparkplatz oberhalb von Möckmühl mit schönem Blick hinunter in den Ort. Einige Parkplätze für Womos reserviert.
Stellplatz am HallenbadJohann-Sebastian-Bach-Str 3
74219 Möckmühl
0€
Pfedelbach
Zehn Tage in der HohenloheÖffentlicher Parkplatz an Sportplatz und Schule. Nicht für lange Womos geeignet.
Parkplatz am Sportplatz Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzWeststr 37
74629 Pfedelbach
0€
Schwäbisch Hall
Zehn Tage in der HohenloheGroßer Schotterplatz am Rande der Altstadt direkt an der Kocher und unterhalb des Klosters Großcomberg.
Festplatz an den KocherauenSteinbacher Str. 57
74523 Schwäbisch Hall
0€
Untersteinbach
Zehn Tage in der HohenloheKostenloser Stellplatz auf dem Freibad-Parkplatz am Ortsrand im Grünen.
Parkplatz am FreibadFreibadweg 15
74629 Pfedelbach
0€
Vellberg
Zehn Tage in der HohenloheSchöner kleiner Stellplatz unterhalb der historischen Stadtmauer direkt an der Altstadt.
Stellplatz am BurggrabenAm Zwinger
74541 Vellberg
0€Zehn Tage in der HohenloheStrom verfügbar
Waldenburg
Zehn Tage in der HohenloheÖffentlicher Parkplatz hinter Mehrzweckhalle und kleinem Park. An Wochenenden und in den Schulferien nicht viel los.
Parkplatz hinter Mehrzweckhalle Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzHauptstraße 101
74638 Waldenburg
0€
Widdern
Zehn Tage in der HohenloheParkplatz auf Rasenfläche direkt an der Jagst hinter der ev. Kirche.
Parkplatz hinter der ev. Kirche Zehn Tage in der Hohenlohekein offizizeller StellplatzHauptstraße 2
74259 Widdern
0€
( MITI )

Michi in Möckmühl

Michi in Möckmühl
Möckmühl, 24.05.2017

Blick über die Jagst zum Burgberg von Möckmühl

Tag
1
Heute beginnt meine lange geplante Tour durch die Hohenlohe. Erste Station ist das romantische Möckmühl nördlich von Heilbronn am Zusammenfluss von Seckach und Jagst. Der Ortsname bedeutet “Mühle der Mechita” und nimmt Bezug auf eine fränkische Fürstin zur Zeit der Ortsgründung im 7. Jahrhundert n.Chr.

Möckmühl blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Weithin sichtbar thront die alte Burg hoch oben über der Altstadt. 1519 verteidigte der berühmte Götz von Berlichingen die Stadt und ihre Burg gegen den Schwäbischen Bund, wurde dabei gefangengenommen und in Heilbronn 3½ Jahre unter Arrest gestellt. Heute befindet sich die Burg im Besitz einer Religionsgemeinschaft aus dem Umfeld der Hare-Krishna-Bewegung und kann leider nicht besichtigt werden.

Während des Dreißigjährigen Krieges starben 1627 und 1635 fast 80% der Bevölkerung an der Pest und den Folgen des Krieges. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt vor größeren Zerstörungen bewahrt, da es den Möckmühler Bürgern kurz vor Kriegsende gelang, den Abzug der deutschen Verteidigungstruppen zu erreichen. Dadurch sind viele historische Bauten im Herzen von Möckmühl erhalten geblieben, darunter auch große Teile der mittelalterlichen Stadtmauer.

Mit dem Wohnmobil stehe auf den Höhen gegenüber der Stadt mit herrlichem Blick auf die Jagst und den Burgberg. Ein perfekter Start in das verlängerte Wochenende rund um Christi Himmelfahrt.

( MITI )

Im Tal der blauen Blumen

Im Tal der blauen Blumen
Möckmühl, 24. Mai 2017

Blumenwiese im Jagst-Tal mit Blick auf die Jagst-Autobahnbrücke im Hinterrgrud

Tag
1
Meine erste Wanderung in der Hohenlohe folgt der Jagst durch das Jagsttal von Möckmühl zum Nachbarort Widdern. Die Jagst zählt gemeinsam mit dem Kocher und der Enz zu den drei größten Nebenflüssen des Neckars. Anders als viele ähnlich große Flüsse in Deutschland wurde die Jagst wenig durch bauliche Maßnahmen eingedämmt und kanalisiert. Dadurch hat sich eine reiche Flora und Fauna erhalten

Besonders hier im Mittellauf der Jagst weist das Jagsttal einen ausgesprochen ländlichen Charakter auf und gilt dadurch als landschaftlich besonders reizvoll. Mir fallen die vielen blauen Blumen verschiedener Arten in den Wildwiesen entlang des Flusses auf. So viel blau habe ich in der Natur lange nicht gesehen. Schön ist das.

( MITI )

Zwischenstopp in Widdern

Zwischenstopp in Widdern
Widdern, 24.05.2017

Wir machen Pause mit schönem Blick auf die Jagst

Tag
1
Nach unserer Wanderung durch des Jagsttal und dem Besuch von Möckmühl fahre ich in östlicher Richtung auf der Bundesstraße, die dem Verlauf der Jagst folgt. In Widdern entdecke ich hinter der Kirche einen kleinen Parkplatz im Grünen direkt an der Jagst. Wenige Meter davor mündet der Kessbach in die Jagst. Ein schöner Ort, um eine Pause einzulegen und die angestrengten Füße im Wasser der Jagst zu kühlen.

( MITI )

Abends in Jagsthausen

Abends in Jagsthausen
Jagsthausen, 24.05.2017

Schöner Biergarten neben der Jocubuskirche in Jagsthausen

Tag
1
Unsere letzte Station an diesem langen ersten Tag in der Hohenlohe ist Jagsthausen, fünf Kilometer östlich von Widdern. Von hier sind es noch rund 50 Kilometer bis die Jagst in den Neckar mündet.  Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Römer an dieser Stelle etwa 160 n. Chr. ein Kastell zur Überwachung eines Abschnittes des Obergermanisch-Raetischen Limes errichteten.

Die mittelalterliche Geschichte von Jagsthausen ist eng mit dem Geschlecht derer von Berlichingen verknüpft. Nach der Aufspaltung in verschiedene Familienlinien entstanden mehrere Herrensitze im Ort. Noch heute sind drei Schlösser erhalten: Neben der bedeutenden Burg Jagsthausen sind dies das Rote Schloss aus dem 16. Jahrhundert sowie das Weiße Schloss aus dem späten 18. Jahrhundert.

Am Abend unternehme ich mit Doxi einen Spaziergang durch den Ort, wobei wir insbesondere die Burg Jagsthausen umkreisen , die auch als “Altes Schloss” und als “Götzenburg” bekannt ist. Sie geht auf die historische Burg aus dem 14. und 15. Jahrhundert zurück, auf der Götz von Berlichingen einige Jahre seiner Kindheit verbrachte und die später vor allem durch Goethes Drama Götz von Berlichingen bekannt wurde. Seit 1950 dient das Gebäude als Kulisse für das sommerliche Freilichttheater der Burgfestspiele Jagsthausen.

Wie schön, dass es jetzt im Mai noch so lange hell ist, denke ich, während wir durch den Ort flanieren. So können wir auch spät am Abend noch Fotos von den historischen Gebäuden im Ort aufnehmen. Gefällt mir gut, dieses kleine Städtchen.

( MITI )

Von Jagsthausen ins Kessachtal

Von Jagsthausen ins Kessachtal
Jagsthausen, 25. Mai 2017

Blick vom Storchenberg hinunter zum Kloster Schöntal

Tag
2
Puh, das war mal eine richtig anstrengende, aber auch absolut lohnenswerte Wanderung. Fast sechs Stunden waren wir unterwegs, um von Jagsthausen über das Kloster Schöntal in das schöne Kessachtal zu wandern. Wir folgten dabei der Tour 46 aus dem Rother Wanderführer “Hohenlohe”.

Zunächst ging es entlang der Jagst und der früheren Grenze des römisch-germanischen Limes nach Berlichingen, dem Ursprungsort des gleichnamigen Rittergeschlechts. Dabei kreuzten wir mehrmals die verfallenen Gleise der ehemaligen Jagsttalbahn und liefen an einem großen Natursteinwerk mit angeschlossenem Steinbruch vorbei.

Von Berlichingen ging es auf einem schmalen Pfad durch einen steilen Hang oberhalb der Jagst zum Kloster Schöntal. Dort überquerten wir die Jagst auf einer alten Steinbrücke und stiegen auf der anderen Flussseite den Storchenberg hinauf, wo wir am Storchenturm einen herrlichen Blick hinunter zum Kloster genießen konnten.

Durch schönen Buchenwald wanderten wir anschließend auf einem Höhenweg nach Rossach, wo wir am Ortseingang auf das etwas außerhalb gelegene Schloss Rossach blickten, das von Götz von Berlichingen erbaut wurde. Weiter ging es über gut ausgebaute Feldwege nach Oberkessbach, wo wir auf den Grünkern-Radweg einbogen, der durch das malerische Kessachtal führt. Diesem Weg folgten wir für mehrere Kilometer, immer am fröhlich plätschernden Kessachbach entlang.

Kurz vor Unterkessbach ging es hinein in den “Birkenwald” und entlang des Limeswanderweges wieder hinauf auf die Höhen. Vorbei am Bauernhof Lauterstal und dem Riedenhof konnten wir in der Ferne erneut den Steinbruch und das Kloster Schöntal erkennen. Nun waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Startpunkt, den wir glücklich und auch ein wenig erschöpft nach 22 Wanderkilometern erreichten.

( MITI )

Was für eine barocke Pracht

Was für eine barocke Pracht
Schöntal, 25. Mai 2017

Der prachtvolle barocke Hochaltar im Kloster Schöntal

Tag
2
Auf halber Strecke unserer heutigen Wanderung liegt das imposante Kloster Schöntal, eine ehemalige Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert mit einer kunstvollen Barockkirche. Die Klosteranlage bildet mit den umliegenden Wohnhäusern den Ortsteil “Kloster Schöntal” der Gemeinde Schöntal.

Das Gelände für den Klosterbau stellten im Mittelalter die Herren von Berlichingen zur Verfügung, die im Gegenzug das Recht der Grablege innerhalb des Klosters erhielten. So kommt es, dass im Ostflügel des Kreuzgangs auch der berühmte Götz von Berlichingen begraben ist.

Das Kloster stand ursprünglich unter dem Schutz des Bischofs von Würzburg. Nach einer wechselvollen Geschichte im Zuge der Bauernkriege, des Dreißigjährigen Krieges, der Reformation und der späteren Säkularisation im 18 Jahrhundert wird das Kloster heute von der Einrichtung “Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg” betreut. Es zählt zu den landeseigenen Monumenten.

Eine wirklich beeindruckende Anlage in total schöner Umgebung. Ich bin hin und weg von so viel Pracht und Kunstfertigkeit.

( MITI )

Wo Sophie Scholl geboren wurde

Wo Sophie Scholl geboren wurde
Forchtenberg, 26.05.2017

Blick von der Kocherbücke hinüber zur Altstadt von Forchtenberg

Tag
3
Von Jagsthausen sind wir 15 Kilometer weiter nach Süden nach Forchtenberg am Kocher gefahren. In der hübschen mittelalterlichen Stadt im Hohenlohekreis war der Vater von Sophie Scholl von 1929 bis 1935 Bürgermeister. Im heutigen Rathaus der Stadt wurde Sophie Scholl im Jahre 1921 geboren. Heute ehrt die Stadt die 1943 hingerichtete Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime durch einen Rundweg, der verschiedene Stationen im Leben der Sophie Scholl und ihrer Familie beleuchtet.

Forchtenbergs mittelalterliche Altstadt verfügt über zahlreiche schöne Fachwerkbauten sowie eine teilweise erhaltene bzw. wiederaufgebaute Stadtmauer mit Wehrgang und mehreren Türmen. Im historischen Stadtkern befinden sich u. a. die um 1300 erbaute Stadtkirche, das Rathaus und das Backhaus mit der Turmuhr Forchtenberg, der ältesten noch funktionierenden Turmuhr weltweit. Im Untergrund unter dem Stadtkern befindet sich das ehemalige Gipsbergwerk.

Oberhalb der Altstadt erhebt sich die Ruine Forchtenberg. Die einstige Burg wurde bis 1234 unter Konrad von Dürn errichtet, war dann Residenz und Witwensitz der Herren von Hohenlohe-Weikersheim und später Sitz hohenlohischer Amtmänner. Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört und ist heute eine der flächemäßig größten Burgruinen in Deutschland.

Mit Doxi unternehme ich am frühen Morgen einen Spaziergang durch die Stadt, nachdem wir uns mit dem Wohnmobil an einem schönen Parkplatz direkt an der Kocher eingerichtet haben. Heute soll wieder ein heißer Tag werden. Aber am Wasser lässt es sich bestimmt gut aushalten. Der Anfang ist auf jeden Fall schon einmal vielversprechend. So stehen wir gerne.

( MITI )

Abenteuerliche Wanderung an der Kupfer

Abenteuerliche Wanderung an der Kupfer
Forchtenberg, 26. Mai 2017

Mündung der Kupfer in den Kocher am Rande von Forchtenberg

Tag
3
Von Forchtenberg starten wir am Morgen zu einer Wanderung durch das Tal der Kupfer, die bei Forchtenberg in den Kocher mündet. Wir folgen dabei der Tour 43 aus dem Rother Wanderführer “Hohenlohe”. Der Begleittext zur Wanderung weist bereits auf mögliche Schwierigkeiten im Mitteteil der Tour hin, wo wir den Bach in einem schmalen Tal insgesamt sechs Mal ohne Brücke queren müssen. Und so kommt es dann auch …

Doch zunächst geht es durch schönen Wald und über Feld bis zu einem hübschen und augenscheinlich aufwändig renovierten Wasserschloss mitten in der Landschaft. Die Pferdeställe, Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude rund um das ehemalige Jagschloss Hermesberg sehen total herausgeputzt aus.

Erst nach der Tour erfahre ich bei der Recherche, dass hier einer der reichsten Deutschen lebt, der Unternehmer und Kunstmäzen Reinhold Würth, dessen Vermögen auf mehr als acht Milliarden Euro geschätzt wird. Ein junger Mann bittet mich freundlich, eines der Wohnhäuser nicht zu fotografieren, das gebe nur “Geschwätsch”. Nun verstehe ich, was er gemeint hat.

Von Hermersberg wandern wir weiter am Zimmerbach entlang hinunter ins Tal der Kupfer und folgen dieser dann flussaufwärts in Richtung der alten Neurather Sägemühle. Überall am Wegesrand türmen sich nun meterhohe Stapel aus geschnittenem Holz auf. Je mehr wir uns dem Sägewerk nähern, desto größere Flächen nehmen die Stapel ein. Ich glaube, ich habe noch nie so viel verarbeitetes Holz gesehen. Unser lokaler Holzgroßhandel zuhause wirkt total lächerlich dagegen.

Nun beginnt der schwierige Teil der Wanderung. Der schmale Trampelpfad in der engen Schlucht der Kupfer endet am Ufer und geht auf der anderen Seite weiter. Laut Wanderführer soll es Trittsteine im Bach geben, auf denen man den Bach bei Niedrigwasser mühelos queren könne. Vielleicht hat das letzte Hochwasserereignis im Herbst 2016 die Steine wegegespült, auf jeden Fall ist hier nichts.

Große und schwere Steine gibt es am Ufer genug. Ich schleppe mühsam einen nach dem anderen heran und lasse sie unter großem Gespritze ins Wasser fallen. Nach einer Viertelstunde gelingt es mir, denn rauschenden Bach auf diesen Steinen trockenen Fußes zu queren.

Keine zweihundert Meter weiter endet der Pfad wieder am Ufer. Jetzt soll es auf die andere Seite zurückgehen. Und wieder keine Trittsteine zu sehen. Diesmal ziehe ich mir die Wanderschuhe aus und stapfe barfuß durch den Bach, was auch gar nicht einfach ist, denn im Bachbett liegen viele spitze Steine und die Strömung ist auch nicht ohne.

Noch vier weitere Mal kann ich diese Querung nicht unternehmen. Also beginne ich den Aufstieg durch den mit blühenden und stark duftenden Bärlauch bewachsenen Steilhang, um abzukürzen. Der Bärlauch wächst hier so gut, weil der Hang total erdig, steil und nass ist. Ich rutsche beim schwierigen Aufstieg mehrmals aus und komme nur auf allen Vieren voran. Als ich endlich einen lange nicht mehr genutzten Waldpfad erreiche, ist der großflächig mit meterhohen Brennnesseln bewachsen.

Mit einem Stock schlage ich Schritt für Schritt die Brennnesseln vor mir beiseite und bahne mir mühevoll einen Weg, bis ich endlich wieder eine asphaltierten Wirtschaftsweg erreiche, der uns zurück zum Sägewerk führt.

Oberhalb der Kupfer geht es nun über mehrere Kilometer zurück nach Forchtenberg. Unterwegs versperren uns mehrmals umgestürzte Bäume den Weg und zweimal müssen wir Hangabbrüche umgehen. Das letzte Hochwasserereignis muss hier wirklich schlimm gewütet haben.

Ich bin froh, als ich nach sechs Stunden und 19 Wanderkilometern wieder am Wohnmobil eintreffe. Doxi fand das alles gar nicht so schlimm, aber sie hat ja auch Vierradantrieb und immer gerne nasse Füße …

( MITI )

Auf dem Balkon der Hohenlohe

Auf dem Balkon der Hohenlohe
Waldenburg, 27.05.2017

Blick auf Waldenburg bei der Annäherung aus der Hochebene

Tag
4
Wow, ist das eine fantastische Aussicht! Wir sind in Waldenburg, das malerisch auf einem Bergsporn oberhalb der Hohenloher-Hochebene liegt. Ganz vorne am Schloss Waldenburg blickt man nach drei Seiten über die Landschaft hinweg. Waldenburg wird deshalb als “Balkon der Hohenlohe” bezeichnet.

Der teils als Renaissanceschloss ausgeführte Bau befindet sich im Besitz des Hauses Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Die erste urkundliche Erwähnung einer Burg stammt aus dem Jahr 1253. Der Umbau zum Schloss erfolgte im 16. Jahrhundert, wobei Teile der Veränderungen im 18. Jahrhundert wieder rückgängig gemacht wurden. Der Bergfried, auch als Männlesturm bezeichnet, erhielt 1576 seine heutige Gestalt.

Um die Burg entstand früh eine Siedlung, die im Jahr 1330 Stadtrechte erhielt und bis ins 20. Jahrhundert bäuerlich geprägt blieb. In den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkriegs wurde Waldenburg, das ursprünglich gar nicht verteidigt werden sollte, von einer einrückenden deutschen Einheit zur „Festung“ erklärt und infolgedessen von amerikanischen Artillerieeinheiten beinahe gänzlich zerstört. Waldenburg wurde daraufhin in den Nachkriegsjahren unter Berücksichtigung moderner Aspekte wieder im historischen Gewand aufgebaut.

Heue ist der hübsche Ort aufgrund seiner Lage und der sehenswerten Burg ein touristischer Anziehungspunkt. Auch mich hat die tolle Aussicht hierhin gelockt. Mit dem Wohnmobil stehen wir auf dem großen Parkplatz vor der Mehrzweckhalle, wo wir an diesem Wochenende niemanden stören. Schön ist es hier auf dem Balkon der Hohenlohe.

( MITI )

Von Waldenburg zum Neumühlsee

Von Waldenburg zum Neumühlsee
Waldenburg, 27. Mai 2017

Am einsamen Rößlesmahdsee

Tag
4
Auf gehts zur nächsten Wanderung. Nachdem wir uns Schloss Waldenburg und den Ortskern von Waldenburg angeschaut haben, starten wir zu einer großen 18 km langen Wanderung durch die Waldgebiete rund um den Ort Waldenburg. Wir laufen viel durch schönen Wald, an blühenden Wildwiesen vorbei und passieren mehrere kleine Seen. Als erstes machen wir am Rößlesmahdsee halt, wo gerade ein einsamer Angler seine Rute ins Wasser schwingt. Doxi lässt es sich natürlich nicht nehmen, die Wasserqualität zu testen …

Anschließend geht es zum Goldbachsee und dann entlang des beiderseits von Bäumen gesäumten Goldbachs durch das schöne Goldbachtal. Kurz darauf erreichen wir den Neumühlsee. Der beliebte Bade- und Anglersee wird von der Bibers und dem Goldbach gespeist. Die ersten Badenden sind bereits im Wasser. Am liebsten würde ich mich meiner Klamotten entledigen und hinterherspringen, Und Doxi gleich mit, denn in der Sonne es ist doch ganz schön warm.

Wir wandern weiter an grün glänzenden Kornfeldern vorbei und erreichen am Rande des Naturschutzgebietes “Obere Weide” den naturbelassenen Jagdhaussee, an dem fleißig die Frösche quaken. Hier machen wir Rast, um ein wenig Schatten zu tanken und die emsigen Wasserläufer zu bestaunen. Wahnsinn, wie schnell sie über das Wasser flitzen, ohne unterzugehen.

Jetzt sind es nur noch fünf Kilometer bis nach Waldenburg. Der Weg geht auf weichen Rasenwegen durch den Wald, doch leider steht die Sonne so hoch, dass wir auch hier kaum Schatten finden. Als wir schließlich unseren Startpunkt erreichen, krabbelt Doxi gleich unters Wohnmobil. Sie will endlich Schatten. Und ich auch.

( MITI )

Im Herzen des Bausparlandes

Im Herzen des Bausparlandes
Schwäbisch Hall, 27.05.2017

Die Altstadt von Schwäbisch Hall am Kocher

Tag
4
Zum Abend verlassen wir das schöne Waldenburg und fahren ins 20 Kilometer entfernte Schwäbisch Hall weiter. Wir stehen mit dem Wohnmobil auf dem Festplatz direkt an der Kocher und unterhalb des ehemaligen Klosters Großcomberg. Bis zur Altstadt von Schwäbisch Hall sind es weniger als einen Kilometer.

Bekannt ist die Stadt durch den nach ihr benannten Heller, wie auch für die Salzsieder, die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die Freilichtspiele auf der großen Treppe vor St. Michael. Als wir die Innenstadt besuchen wird dort gerade für die kommenden Aufführungen geprobt, Der Bereich vor dem mächtigen Kirchenbau ist abgesperrt. Auf der Treppe spielen zwei Schauspieler eine Szene, davor sitzt der Regisseur mit seiner Assistenz und erteilt lautstark Anweisungen.

An diesem sonnendurchfluteten Samstagnachmittag sind die Cafés, Restaurants und Biergärten in der Innenstadt und entlang des Kochers gut gefüllt. Die Leichtigkeit eines vergnügten Sommerabends liegt in der Luft.

Ich bin ganz beeindruckt von den vielen schönen und liebevoll gepflegten historischen Bauten in der Altstadt. Eigentlich bin ich nach der langen und anstrengenden Wanderung am Vormittag ziemlich k.o. Aber ich möchte mir gerne so viel wie möglich ansehen. Wirklich sehr hübsch und anheimelnd dieses Schwäbisch Hall. Ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

( MITI )

Kloster Großcomburg

Kloster Großcomburg
Schwäbisch Hall, 27. Mai 2017

Großcomburg von unserem Stellplatz am Festplatz aus gesehen

Tag
4
Oberhalb von Schwäbisch Hall thront auf einem Hügel auf der gegenüberliegenden Seite der Kocher das ehemalige Benediktiner-Kloster Comburg. Die Anlage wird im Volksmund auch als “Großcomburg” bezeichnet in Abgrenzung zu der in Sichtweite gelegenen kleinen Comburg. Die gesamte Klosteranlage wird von einer Ringmauer mit Wehrtürmen aus dem 16. Jahrhundert umschlossen, die der Gesamtanlage einen wehrhaften, burgartigen Charakter verleiht.

Die Grafen von Comburg-Rothenburg stifteten um 1078 ein der Diözese Würzburg unterstehendes Benediktinerkloster an der Stelle ihrer Burg, in das einer der Gründer, Graf Burkhard, als Mönch eintrat. Die ersten Mönche kamen aus der Abtei Brauweiler im Rheinland.

Nach einer auch an zahlreichen Bauten abzulesenden Blütezeit kam es im 13. Jahrhundert zu einem Niedergang des Klosters, der 1326 zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führte. Hinzu kamen innere Spannungen und Streitigkeiten zwischen Abt und Konvent um die Nutzung der Klostergüter.

Friedrich I. von Württemberg ließ 1802 das Reichsstift Comburg im Zuge der allgemeinen Säkularisation besetzen und es 1803 aufheben. Der Kirchenschatz wurde in der Ludwigsburger Münze eingeschmolzen. 1817 bis 1909 diente die Comburg als Garnison für das aus dienstunfähigen Soldaten gebildete Ehreninvalidenkorps. 1926 entstand hier eine der ersten Heimvolkshochschulen in Württemberg, die im Zeichen der Reformpädagogik der 1920er Jahre stand. Seit 1947 ist die Comburg Sitz einer Staatlichen Akademie für Lehrerfortbildung.

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Mittelalterliches Vellberg

Mittelalterliches Vellberg
Vellberg, 28.05.2017

Häuser am Marktplatz von Vellberg, im Hintergrund der Torturm, die einzige Zufahrt in die Altstadt

Tag
5
Elf Kilometer vor den Toren von Schwäbisch Hall liegt in südöstlicher Richtung das mittelalterliche Städtchen Vellberg auf einem Bergsporn.

Der malerische Stadtkern wird von einer vollständig erhaltenen hohen Schutzmauer mit Wehrgang und vier Schutztürmen umschlossen. Der einzig mögliche Zugang erfolgt durch den früher gut gesicherten Torturm.
Die Familie von Vellberg wird in einer Urkunde vom 3. Mai 1102 mit Heinrich von Vellberg erstmals erwähnt. Im Jahre 1500 erteilte Kaiser Maximilian die Marktrechte für Vellberg und bereits 6 Jahre später erhielt die Stadt das Stadtrecht zugesprochen.

Bevor wir von hier zu einer Wanderung durch das Bühlertal aufbrechen, schaue ich mir am Morgen das hübsche Stadtzentrum an. Wir sind früh dran und dadurch die ersten in dem vielbesuchten “Städle”, wie die Einheimischen ihren schmucken Ort gerne nennen.

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Durch das Tal der Bühler

Durch das Tal der Bühler
Vellberg, 28. Mai 2017

Uferpfad an der Bühler

Tag
5
Von Vellberg steigen wir am Morgen in das wildromantische Tal der Bühler hinab. Die Bühler ist eines der wenigen größeren Fließgewässer, die sich zwischen den Flüssen Kocher und Jagst bilden konnten. Ihr Name leitet sich vom keltischen “bilerna” (die Schimmernde) ab.

Der Uferpfad ist schmal und teilweise schwierig zu gehen. Trittsteine sorgen dafür, dass man keine nassen Füße bekommt. An einer Stelle geht es nur über eine steile Leiter hinauf auf einen Felsvorsprung weiter. Ich habe Glück, dass ich Doxi motivieren kann, den Steilhang mit Anlauf mehrere Meter hochzusprinten, denn die Leiter kann sie nicht nehmen.

Am Ufer sind viele Schmetterlinge und Libellen unterwegs. Mit ein wenig Glück gelingt es mir, eine blau schimmernde Libelle zu fotografieren. Links und rechts vom Wasser blüht der Bärlauch. Es riecht entsprechend intensiv.

Am früheren Weiler Rappolder verlassen wir den Talgrund und steigen auf die Höhen hinauf. Anschließend geht es nach Anhausen, wo wir noch einmal die Bühler an einer ehemaligen Mühle queren.

Weiter geht es über offenes Feld nach Sulzdorf. Die Sonne setzt uns mittlerweile ganz schön zu. Bei einer Schattenpause entdecke ich mehrere Zecken in Doxis dichtem Haarkleid. Kein Wunder, denke ich, denn nach jedem Kontakt mit einem Fließgewässer wälzt sich Madame erst mal ausgiebig in der nächstgelegenen Wiese. Auch knapp über ihrem Auge haben sich zwei Zecken festgebissen. Mit geübtem Griff entferne ich die bösen Plagegeister, bevor sie sich vollsaugen können.

Am Horizont taucht nun der Wald am Hallberg auf. Instinktiv beschleunige ich meine Schritte, damit wir bald wieder in den Schatten kommen. Bis zum Golfplatz kurz vor Vellberg geht es dann tatsächlich auf bequemen Waldwegen durch schattigen Buchenwald.

Die letzten drei Kilometer der 18 km langen Tour müssen wir allerdings noch einmal über offenes Feld. Doxi läuft voraus und bleibt bei jedem kleinen Schatten liegen, bis ich aufgeschlossen habe. Ich glaube, wir sind beide froh, als wir wieder das Wohnmobil erreichen. Ich weiß gar nicht, wann es zuletzt im Mai so heiß war. Schwitz, schwitz, schwitz 🙂

( MITI )