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Der Herbst von oben

BU
26. Oktober 2016

Im Hochtal von Bernau

Ich liebe den bunten Herbstwald! Wenn die Buchen rot, gelb und orange in der Sonne leuchten, dann geht mir so richtig das Herz auf. Und im Hochschwarzwald habe ich ihn gefunden: Während in ganz Deutschland graues und nebliges Herbstwetter herrschte, war es dort oben eine ganze Woche lang von morgens bis abends einfach nur sonnig, bei bis zu 15 Grad.

So konnte ich mit Doxi wunderbar wandern und einige Gipfel erklimmen. Wir waren u.a. auf dem Feldberg und dem Herzogenhorn, aber auch in wunderschönen “Abgründen”, wie etwa der Wutachschlucht. Einige der längsten Wanderungen des Jahres haben wir auf dieser achttägigen Tour unternommen.

Im Anschluss an den Schwarzwald waren wir dann noch einige Tage auf der Schwäbischen Alb. Wir haben die Donauquelle, die Donauversinkung und ihren Wiederaustritt an die Oberfläche besucht, waren auf der berühmten Burg Hohenzollern und haben in Böblingen ein indisches Harmonium gekauft – mein Weihnachtsgeschenk vom letzten Jahr.

Eine herrliche Tour, bei der wir insgesamt folgende Orte besucht haben: Bernau, Bonndorf, Furtwangen, Donaueschingen, Emmendingen, Engen, Aachtopf, Burg Hohenzollern und Tübingen. Wir wären sicher noch länger geblieben, wenn uns das schlechte Wetter nicht irgendwann eingeholt hätte. Aber schließlich nähern wir uns dem Jahresende und da darf man natürlich nicht zu viel verlangen.

Hier haben wir haben bei dieser Tour mit dem Wohnmobil gestanden:

OrtBezeichnungAnfahrtPreisSt
Aach
Der Herbst von obenParkplatz für Busse und PKW unmittelbar am Aachtopf.
Parkplatz am Aachtopf Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzHauptstraße 24
78267 Aach
0€
Bebenhausen
Der Herbst von obenPKW-Parkplatz am Kloster. Für große Wohnmobile nicht geeignet.
Parkplatz am Kloster Bebenhausen Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzEinfahrt gegenüber
Schönbuchstraße 46
72074 Tübingen
0€
Bernau-Dorf
Der Herbst von obenMein Lieblingsplatz im Schwarzwald. Tolle Umgebung, wunderbare Wanderziele in der Nähe, 15 km bis zum Feldberg. Noch dazu kostenlos.
Stellplatz am Spitzenberg Sportplatzstraße 5
79872 Bernau
0€Der Herbst von obenStrom verfügbar
Bissingen
Der Herbst von obenPKW-Asphaltparkplatz unterhalb der Burg. Wohnmobile dürfen dort auch bis zum nächsten Morgen stehen. Ausgangspunkt zur Besichtigung der Burg Hohenzollern und für Wanderungen in der Umgebung.
Parkplatz P1 Burg HohenzollernParkplatz P1 an der K7110
72379 Bisingen
(48°19'34.1"N 8°57'52.3"O)
3€
Bonndorf im Schwarzwald
Der Herbst von obenEinfacher Wanderparkplatz an der Bundesstraße.
Parkplatz Lotenbachklamm Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzB318 zwischen Gündelwangen und Bonndorf
(47°50'08.0"N 8°18'31.8"O)
0€
Donaueschingen
Der Herbst von obenSchöner kostenloser Stellplatz am Schlosspark mit wunderschönem alten Baumbestand. Innenstadt und Donauquelle nur wenige Fußminuten entfernt.
Stellplatz am Schlosspark Prinz-Fritzi-Allee
78166 Donaueschingen
0€Der Herbst von obenStrom verfügbar
Engen
Der Herbst von obenSchotterparkplatz am Rande der Altstadt. Wohnmobile stören dort nicht.
Parkplatz Vögtleshalde Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzVögtleshalde
78234 Engen
( 47°51'00.6"N 8°46'18.6"O)
0€
Furtwangen
Der Herbst von obenGroßer Schotterparkplatz. Wohnmobile stören dort nicht. Nahe am Zentrum.
Parkplatz am Fußballstadion Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzAm Niegenhirschwald 6
78120 Furtwangen
0€
Holzschlag
Der Herbst von obenFeiner kleiner Stellplatz an der Bundesstraße, aber dennoch nicht laut. Guter Ausgangspunkt für Wanderungen an der Wutach.
Stellplatz auf dem DorfplatzSchulstraße
79848 Bonndorf/Schwarzwald
5€Der Herbst von obenStrom verfügbar
Immendingen
Der Herbst von obenParkplatz an der Kreisstraße K5944 zwischen Möhringen und Hattingen. Von dort wenige hundert Meter Fußweg zur Donauversinkung.
Parkplatz an der Kreisstraße Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzK5944
78532 Tuttlingen
( 47°56'09.3"N 8°45'58.8"O)
0€
Tübingen
Der Herbst von obenWenn dort gerade keine Veranstaltungen sind, können LKWs und Wohnmobile auf dem Festplatz neben dem Sportplatz und dem Freibad stehen. Zehn Fußminuten bis zur Innenstadt. Schöner Weg durch Park und am Neckar entlang.
Festplatz Tübingen Der Herbst von obenkein offizizeller StellplatzQuerstraße hinter Freibad 1
72072 Tübingen
(48°30'30.7"N 9°02'23.0"O)
0€
( MITI )

Rauf in den Hochschwarzwald

Stellplatz an der Sport- und Freizeitanlage in Bernau
Bernau-Dorf, 28.10.2016

Stellplatz an der Sport- und Freizeitanlage in Bernau

Tag
1
Der Oktober strebt seinem Ende entgegen und so richtig “gülden” war er in diesem Jahr nirgendwo in Deutschland. Die einzige Ecke, wo derzeit schönes Wetter herrscht, ist der Hochschwarzwald. Und dorthin bin ich heute mit dem Womo unterwegs.

Im Rheinland ist es während der Fahrt noch einigermaßen klar, doch zwischen Koblenz und Freiburg will der Nebel gar nicht mehr enden. Ich bin froh, dass wir auf den 500 Kilometern Fahrstrecke ohne Unfälle und Staus durchkommen. Erst beim Aufstieg in den Hochschwarzwald lichtet sich der Nebel und die Sonne kommt zum Vorschein. Herrlich!

Nur dass mich mein Navi heute mal nicht über die relativ einfach zu befahrene Bundesstraße 31 auf die Höhen des Schwarzwaldes führt, sondern über die enge und kurvenreiche Serpentinenstraße von Freiburg hinauf zum Schauinsland.

Mehrmals unterqueren wir die starken Zugseile der Schauinsland-Seilbahn. Die Aussicht hinunter in die Ebene ist teilweise atemberaubend, aber man kann auf dieser Strecke nirgendwo anhalten, und das andauernde Gekurve und Geschalte scheint gar kein Ende zu nehmen. Das mache ich nicht nochmal, auch wenn man dadurch einige wenige Kilometer auf dem Weg nach Bernau spart.

Dort auf dem beliebten Stellplatz angekommen, lacht uns die Sonne so richtig ins Gesicht. Sauber, so hatte ich mir das vorgestellt. Brechen wir gleich Mal zu einer schönen kleinen Wanderung entlang des Bernauer Hochtalsteigs auf.

( MITI )

Auf Blößling und Hochkopf

Gipfelluxus auf dem Blößling: Eine drehbare Relxliege für die Wanderrast
Bernau-Dorf, 29. Oktober 2016

Gipfelluxus auf dem Blößling: Eine drehbare Relxliege für die Wanderrast

Tag
2
Ich liebe es, mir vielversprechende Wanderstrecken als GPX-Tracks aus dem Internet herunterzuladen und mich von meinem Wandernavi entlang dieser Tracks führen zu lassen. Da weiß ich immer, was mich erwartet und muss mich dennoch nicht um den Weg kümmern. Mehrere tausend Kilometer habe ich auf diese Weise schon zurückgelegt.

Aber heute ist mal Freestyle angesagt. Ich habe beschlossen, einfach dem erstbesten Wanderwegweiser zu folgen, der mir begegnet. Und der führt mich auf den Blößling, einem der Gipfel im Bernauer Hochtal.

Als ich mit Doxi nach anderthalb Stunden Aufstieg das Gipfelkreuz des Blößlings erblicke, breitet sich vor uns ein herrlicher Blick in das Hochtal aus. Am Horizont erkennen wir den Nebel und die Wolken über dem Tiefland, doch hier oben ist das Wetter heute wieder ideal zum Wandern: volle Sonne, 15 Grad und ein leichter, angenehm milder Wind.

Vom Blößling geht es weiter zum nächsten Gipfel. Rund fünf Kilometer sind es bis zum Hochkopf, und auch dieser Weg ist perfekt ausgeschildert. Oben erwartet uns auf 1.256 Meter ein feiner Aussichtsturm mit Rundumblick. Eine Wandergruppe aus der Schweiz klärt mich auf, dass man von hier bis in ihre Heimat blicken kann. In der Gegenrichtung erkenne ich den Feldberg und das Herzogenhorn. Da wollen wir auch noch rauf, aber nicht heute, denn wir sind nun bereits mehr als vier Stunden an unterwegs. Zeit, den Rückweg anzutreten.

Beim Aufstieg zum Hochkopf habe ich Wanderwegweiser in Richtung Bernau Dorf gesehen, unserem Startpunkt. Wir laufen ein Stück zurück und folgen dann der Beschilderung. Am Waldrand entlang führt uns der Weg in der warmen Nachmittagssonne zurück nach Bernau.

Nach 18 Kilometern und 800 Höhenmetern erreichen wir wieder das Womo. Das Wetter ist so schön, ich könnte einfach immer weiterlaufen. Aber für heute ist es genug. Morgen gehts weiter.

( MITI )

Herzogenhorn, Feldberg, Spießhorn

Blick vom Feldberg Richtung Alpen
Bernau-Dorf, 30. Oktober 2016

Blick vom Feldberg Richtung Alpen

Tag
3
Heute war ich mit Doxi auf der höchsten Erhebung aller deutschen Mittelgebirge, auf dem 1.493 Meter ü.N.N hohen Feldberg im Schwarzwald. Von unserem Stellplatz in Bernau Dorf ging es zunächst hinauf auf das Herzogenhorn, dem mit 1.415 Meter zweithöchsten Gipfel im Schwarzwald. Da wir ganz früh am Morgen gestartet sind, waren wir auf dem Weg dorthin noch fast alleine unterwegs.

Oben auf dem Gipfel erwartete uns eine fantastische Fernsicht. In südlicher Richtung zeichnete sich der nördliche Rand der Alpen als langes Gipfelband am Horizont ab: Von der Zugspitze im Osten über die Allgäuer Alpen, den Silvretta, die Glamer und Berner Alpen bis hin zum Mont Blanc reichte der Blick. Nach Norden blickten wir direkt hinüber zum Feldberg, der mit dem Herzogenhorn über einen drei Kilometer langen Sattel verbunden ist.

Auf dem Weg zum Feldberg wurde es an diesem herrlichen Sonntagvormittag dann schon etwas voller auf den Wanderwegen. Viele Menschen waren mit der Seilbahn zum Feldberg hinauf gekommen und strebten von dort hinüber zum Herzogenhorn. Wir waren in der umgekehrten Richtung unterwegs und stiegen hinauf zum höchsten Punkt des Feldbergs bei der großen Funk- und Sendestation.

Nach Norden und Westen hatten wir von dort einen wunderbar klaren Blick in das Breisgau und dahinter auf die Vogesen. Richtung Süden sahen wir das Herzogenhorn und dahinter wieder die Alpenkette. Den Aussichtsturm, der seit 2013 ein Schwarzwälder-Schinken-Museum beherbergt, ließen wir links liegen. Da war mir an diesem Morgen einfach zu viel los.

Bis zu diesem Punkt waren wir bereits 4 Stunden unterwegs und hatten auf einer Strecke von 14 Kilometern 1.100 Höhenmeter zurückgelegt. Auf dem Rückweg stand uns also noch eine gute Strecke bevor (puh). Doch wir konnten ein wenig abkürzen, indem wir den Gipfel des Herzogenhorns rechts liegen ließen und an dessen Nordflanke zum Spießhorn hinabztiegen, das etwas tiefer liegt. Von dort ging es dann zurück nach Bernau Dorf, wo wir nach rund 7 Stunden, 27 Kilometern Strecke und 1.380 aufgestiegenen Höhenmetern wieder ankamen.

Es war unsere bisher längste Wandertour in diesem Jahr und eine, die sich absolut gelohnt hat. Endlich war ich mal auf dem Feldberg. Ein tolles Erlebnis war das. Anschließend haben Doxi und ich erst Mal ein kleines Päuschen eingelegt. Das hatten wir uns aber auch verdient 🙂

( MITI )

Am Oberlauf der Wutach

Stauwehr an der Wutach
Bonndorf, 31.10.2016

Stauwehr an der Wutach in der Herbstsonne

Tag
4
Wir sind am Oberlauf der Wutach („wütende Ach“) unterwegs, einem bemerkenswerten Fluss, der fast die gesamte südöstliche Abdachung des Schwarzwaldes entwässert. Auf kaum 20 Kilometer Luftlinie haben sich die Wutach und einige ihrer Nebenbäche durch fast alle Gesteinsschichten der Süddeutschen Schichtstufenlandschaft gegraben, die hier in enger Scharung nacheinander an der Oberfläche ausstreichen.

Dabei sind drei imposante Schluchten entstanden, von denen insbesondere die erste Wutachschlucht jährlich bis zu einhunderttausend Besucher anzieht. Im Verlauf der Schluchten treten nacheinander die verschiedenen Gesteinsschichten von Granit-Gneisen (das eigentliche Grundgebirge), über Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Brauner Jura, Weißer Jura bis hin zum Schwarzen Jura zutage.

Eine Besonderheit der mittleren Schlucht ist die Versickerung des Flusswassers im Muschelkalk. Bei geringer Wasserführung kann die Wutach auf einer Länge von mehr als einem Kilometern völlig trockenfallen, bis das Wasser kataraktartig wieder zutage tritt.

Wir beginnen unsere Wutach-Erwanderung am Oberlauf im Gemeindegebiet von Bonndorf (was einem echten Rheinländer wie mir natürlich ein wenig merkwürdig vorkommen muss).  Vom Ortsteil Holzschlag folgen wir zunächst dem Reichenbächle, das der Wutach zufließt und sich dabei sehr schnell schluchtartig immer tiefer in die Landschaft eingräbt.

An der alten Stallegger Brücke, die schon im frühen Mittelalter für die Wutach-Querung von überregionaler Bedeutung war, erreichen wir die Wutach und folgen dem Fluss auf teils schmalen und felsigen Graten. Wir passieren die riesige mehr als zweihundert Jahre alte Stallegger Tanne und kommen an einem der wenigen Stauwehre im Oberlauf der Wutach vorbei.

Der Fluss wird nun immer wilder, die Wege am Flussrand enger, steiler und steiniger. Immer wieder müssen wir über schmale Stege die Flussseite wechseln. Besonders schwierige Passagen sind mit Seilen gesichert.

So wandern wir rund zweieinhalb Stunden an der Wutach entlang, bis wir den Fluss verlassen und uns durch Wälder und die Hochebene auf den Rückweg zu unserem Stellplatz machen. Morgen geht es am nächsten Flussabschnitt weiter.

( MITI )

Durch die Lotenbachklamm

In der Klamm
Bonndorf, 1.11.2016

In der Klamm

Tag
5
Mein Wanderziel heute: Die berühmte Wutachschlucht, eines der meistbesuchten Wanderziele im Hochschwarzwald. Doch dafür müssen Doxi und ich erst Mal von unserem Wanderparkplatz an der B315 durch die Lotenbachklamm in die Schlucht hinabsteigen. Und dieser Weg hat es in sich.

Fast einhundert Meter geht es hinunter bis zum Tal der Wutach und der Schattenmühle. Zunächst noch flach, aber dann immer steiler. Über insgesamt vier Wasserfälle strebt der Lotenbach der Wutach entgegen.

Die Klamm ist eng, feucht, steil und steinig. An vielen Stellen bieten Seile dem Wanderer halt, dennoch muss fast jeder Schritt mit Bedacht ausgeführt werden. Das ist doch schon Mal ein vielversprechender Einstieg in das Abenteuer “Wutachschlucht”.

( MITI )

Beim Falkner von Bachheim

Drei Adler gleich hinter dem Zaun
Bachheim, 1. November 2016

Drei Adler gleich hinter dem Zaun

Tag
5
Oberhalb der Wutachschlucht, am Ortsrand von Bachheim, lege ich eine Rast ein. Ich setze mich auf eine Bank vor einem umzäunten Gelände, während ich auf den Wanderbus warte. Nach wenigen Augenblicken höre ich direkt hinter mir das markante Geschrei eines Greifvogels. Ich schaue über den Zaun und da sitzen tatsächlich – gut angeleint – nur wenige Meter von mir entfernt drei fette Adler in einem kleinen Freigelände: Ein riesiger Weißkopfadler mit schwarzem Federkleid und zwei braungefärbte Greifer vom gleichen Kaliber.

Im Hintergrund sehe ich jemanden mit einem Falken trainieren. Alles klar, dies hier ist eine Falknerei. Hatte ich von außen gar nicht gesehen. Mit Neugier und auch etwas Respekt beobachte ich die mächtigen Greifvögel. So nahe bin ich Adlern noch nie gekommen.

Besonders der Weißkopfadler scheint von Doxis Anwesenheit beeindruckt zu sein. Er reckt seinen Hals, breitet seine mächtigen Flügel aus und gibt ganz komische Laute von sich.

Als der Falkner das Gelände verlassen will, kommen wir kurz ins Gespräch. Er meint, die Adler würden sich Doxi sofort greifen, wenn sie könnten, und das Beste aus ihr herauspicken. Okay, das wollen wir natürlich nicht unbedingt. Gut, dass die Drei an kurzer Leine gehalten werden. Auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Begegnung. Was man manchmal durch Zufall entdecken kann …

( MITI )

Hilfe, der Bus kommt nicht

In der Wutachschlucht
Bachheim, 1. November 2016

In der Wutachschlucht

Tag
5
Ich bin ja eher so der “Rundwandertyp”. Streckenwanderungen, Zurückfahren mit Bus und Bahn, das ist nicht so mein Ding. Aber heute war ich echt Mal soweit. Nach 16 anstrengenden Kilometern durch die Wutachschlucht wollte ich ab Bachheim mit dem Wanderbus zurück zur Schattenmühle, unserem Einstiegspunkt in de Wutachschlucht.

Doch ich wartete vergeblich fast eine Stunde auf den Bus, bis ich noch Mal das Kleingedruckte auf der Fahrplantafel studiert habe. Und dort stand leider in hübschen kursiven Lettern geschrieben: “Betriebszeiten vom 4.6.2016 bis zum 24.10.2016”. Upps, da sind wir wohl genau eine Woche zu spät gekommen. Der Wanderbus ist schon im Winterschlaf.

Also das Ganze Retour. Aber diesmal nicht durch die Schlucht, sondern auf den Höhen, und immer schön der Nase nach, denn mein Navi hatte mittlerweile seinen Akku vollständig leergesaugt. “Nicht noch einer im Winterschlaf”, schoss es mir in diesem Moment durch den Kopf.

Dass die Sonne in der Zwischenzeit den kalten Nebel vertrieben hatte, versüßte mir den langen Rückweg doch gewaltig. Nur die letzten drei Kilometer sind wir dann wieder in einem ständigen Auf und Ab an der Wutach entlanggelaufen.

Aber die Lotenbachklamm habe ich mir am Ende erspart. Nicht noch Mal dieses Gekraxel. Stattdessen bin ich mit Doxi die Landstraße von der Schattenmühle hinauf zur B315 gelaufen. Drei Mal so lang wie der Weg durch die Klamm, aber bei weitem nicht so steil. 31 Wanderkilometer sind so am Ende des Tages zusammengekommen, bei 1.050 Höhenmetern. Gehzeit: 8 Stunden 30.

Aber ich habe es nicht bereut. Die wilde und urwüchsige Wutachschlucht mit ihren wechselnden Gesteinsaufschlüssen und einer vielfältigen Flora ist wirklich etwas ganz Besonderes. Anstrengend zu gehen, aber mit tollen Aussichten und Eindrücken.

( MITI )

Eine Nacht in Furtwangen

Blick auf Furtwangen (Foto Flodur63)
Furtwangen, 2.11.2016

Blick auf Furtwangen (Foto Flodur63 | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Tag
5
Von der Wutach bei Bonndorf bin ich 30 Kilometer nach Norden gefahren und habe in Furtwangen Halt gemacht. Die Stadt liegt landschaftlich reizvoll in einer Kreuzung von drei Tälern und ist von dicht bewaldeten Bergen umgeben. Aufgrund ihrer Höhenlage beansprucht sie den Titel “höchste Stadt in Baden-Württemberg” für sich.

Auf dem Schwarzwald-Höhenrücken, der sich durch das Stadtgebiet zieht, verläuft die europäische Wasserscheide. Die nördlichen Ortsteile entwässern Richtung Rhein und Nordsee, die südlichen Richtung Donau und Schwarzem Meer.

Am Ortsrand von Furtwangen entspringt der Fluss Breg, der längste Quellfluss der Donau. In Donaueschingen fließt die Breg mit der Brigach zusammen. Im nicht ganz ernst gemeinten Streit mit Donaueschingen beansprucht Furtwangen deshalb den Donauursprung für sich.

Eine architektonische Perle ist Furtwangen jedoch nicht, wie ich bei einem Abendspaziergang mit Doxi feststelle. Die Stadt ist stark von Industrie und der traditionsreichen Hochschule geprägt.

Eigentlich war für den Morgen eine Wanderung rund um Furtwangen geplant, doch als ich mich gerade fertigmache, beginnt es zu Regnen. Und das Wetterradar verheißt nichts Gutes. Okay, dann beim nächsten Mal, wenn wir wieder einmal in der Gegend sind.

( MITI )

An der Donauquelle

Einfassung der Donauquelle neben dem Fürstenbergischen Schloss
Donaueschingen, 2.11.2016

Einfassung der Donauquelle neben dem Fürstenbergischen Schloss

Tag
6
Von Furtwangen im Schwarzwald bin ich weitergefahren nach Donaueschingen, das als Quellort der Donau bekannt ist. Mit dem Wohnmobil stehen wir direkt an dem schönen Schlosspark, der über einen prächtigen Baumbestand verfügt. Viele der großen alten Bäume zeigen gerade ihr herbstlich buntes Kleid. Toll sieht das aus.

Keine zweihundert Meter von unserem Stellplatz entfernet befindet sich der Donautempel am Ausfluss des Donaubaches in die Brigach. Der Tempel wurde 1910 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. als Andenken an seine vielen Besuche im Hause Fürstenberg errichtet.

Der Donaubach entspringt wenige Meter weiter am Westflügel des Fürstlich Fürstenbergischen Schlosses (Schloss Donaueschingen) in einer kunstvoll gefassten Karst-Aufstoß-Quelle, die jährlich zehntausende von Besuchern anlockt. Rund 1,5 km weiter vereinigt sich dann die Brigach mit der Breg zur offiziellen Donau.

Auch auf mich wirkt dieser Ort eine große Anziehungskraft aus. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber ich finde es sehr bewegend, den Ursprung eines fast drei tausend Kilometer langen Flusses an einem solchen Ort festmachen zu können. Von hier ist das Wasser fast fünf Wochen unterwegs und durchfließt zehn Länder, bis es ins Schwarze Meer fließt. Mehr als jeder andere Fluss auf unserem Planeten.

( MITI )

Bummel durch Donaueschingen

Das alte Rathaus von Donaueschingen
Donaueschingen, 2. November 2016

Das alte Rathaus von Donaueschingen

Tag
6
Nachdem wir gestern fast neun Stunden gewandert sind, lassen wir es heute mal etwas ruhiger angehen. Ganz gemütlich bummele ich mit Doxi durch Donaueschingen. Die Stadt mit rund 20.000 Einwohnern liegt auf dem Hochplateau der Baar. Sie befindet sich zwischen dem Ostrand des südlichen Schwarzwalds und der westlichen Schwäbischen Alb in der Talung der Brigach. Deren Zusammenfluss mit der Breg am Ortsausgang von Donaueschingen gilt als der eigentliche Beginn der Donau.

Bereits seit dem Mittelalter ist die Geschichte der Stadt eng mit dem Adelsgeschlecht derer von Fürstenberg verbunden. Seit 1488 bewohnen sie das Schloss Donaueschingen. Bis zum Jahr 1806 regierte die Familie eines der größten Territorien des deutschen Südwestens. Weil sich die Fürsten von Fürstenberg gegen die Reformation aussprachen, blieben Donaueschingen und sein Umland bis ins 19. Jahrhundert überwiegend katholisch. Erst 1875 wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.

Die Fürstenbergs sind Gründer und Patron der Donaueschinger Musiktage, der Donaueschinger Reitturniere sowie des Fürstenberg Polo Cup. Bereits Thomas Mann verewigte Donaueschingen in seinem Roman Doktor Faustus als Zentrum neuer Musik literarisch. Der schöne Brunnen vor dem alten Rathaus zeugt von dieser Verbindung zwischen Stadt und Kultur.

Ich bin ganz angetan von dieser süßen kleinen Stadt. Es riecht ein wenig nach Biedermeier: Viele schöne Häuser, viel Kultur und dieser tolle Schlosspark. Hier waren wir nicht zum letzten Mal.

( MITI )

Wo die Donau trocken fällt

hdr
Immendingen, 3.11.2016

Das Flussbett ist trocken. Die Donau ist weg!

Tag
7
Rund 30 Kilometer von ihrer Quelle entfernt kann man im Flussbett der jungen Donau ein bemerkenswertes Naturphänomen beobachten: An bis zu 155 Tagen im Jahr versinkt das gesamte Wasser im unterirdischen Karstgestein. Zurück bleibt ein trockenes Flussbett, in dem man spazieren kann. So ist es auch an diesem kalten Novembermorgen, als ich mit Doxi den betroffenen Flussabschnitt bei Immendingen besuche.

Nur wenn der Fluss viel Wasser führt, wie beispielsweise nach der Schneeschmelze, bleibt genug Wasser übrig, um das Flussbett weiter zu bedecken. Ansonsten bleibt das Kiesbett am Grund des Flusses über einige Kilometer leer, bevor es sich durch den Zustrom aus verschiedenen Bächen und Flüssen langsam wieder füllt. Die Donau ist dann quasi unterbrochen.

Wie man seit rund 150 Jahren weiß, fließt das versunkene Wasser unterirdisch mit einer Geschwindigkeit von rund 195 m/h über eine Distanz von 12 Kilometern zum Aachtopf bei Aach, wo es wieder an die Oberfläche tritt und den Fluss Aach füllt.

Der Aachtopf ist die größte Karstquelle in Deutschland. Wenn die Donau Hochwasser führt, blubbert und sprudelt es dort regelrecht, so viel Donauwasser tritt dann in jedem Moment an die Oberfläche.

Weil die Aach dem Bodensee und darüber dem Rhein zuströmt, füllt die junge Donau so die Nordsee und nicht etwa das Schwarze Meer, wie in ihrem weiteren Verlauf. Sie überwindet damit die europäische Wasserscheide – was eigentlich paradox ist.

Ich hatte mich schon lange auf diesen Besuch gefreut und bin total happy, dass ich an diesem Morgen tatsächlich trockenen Fußes im Flussbett der Donau spazieren kann. Vom Parkplatz aus wandere ich mit Doxi zwei Kilometer flussaufwärts, bis wir an die Stelle gelangen, wo das letzte Wasser tatsächlich im Untergrund versinkt. Man sieht es genau: Das Wasser strömt vorwärts und plötzlich versinkt es einfach im Kiesbett des Flusses. Wahnsinn!

Wo die Donau trocken fällt

( MITI )

In der Altstadt von Engen

In der Altstadt von Engen
Engen, 3.11.2016

Hübsche bunte Häuser in der Straße hinauf zum Markt

Tag
7
Wir folgen der Spur des Donauwassers von seiner Versinkung im Flussbett bei Immendingen hin zum Wiederaufstieg im 12 Kilometern entfernten Quelltopf der Aach beim gleichnamigen Ort. Auf halber Strecke kommen wir an der Kleinstadt Engen vorbei, die über eine sehenswerte restaurierte Altstadt verfügt. Spontan machen wir hier für einen mittäglichen Sparziergang Halt.

Engen liegt im Hegau, einem historischen Gau des Herzogtums Schwaben nordwestlich des Bodensees. Heute gehört Engen zum Landkreis Konstanz.

Wir starten unseren Besuch am Krenkinger Schloss und steuern auf die Stadtkirche Mariä Himmelfahrt aus dem 13. Jahrhundert zu. In der Kirche befinden sich die Grabdenkmäler der Grafen von Lupfen und Pappenheim, also zwei waschechte “Pappenheimer”.

Am Marktplatz ziehen mich die imposanten, großflächigen Fassaden im Trompe-l’œil-Stil an Durch die geschickte Anordnung heller und dunkler Farbflächen erzeugen sie die Illusion von Licht und Schatten, die unser Gehirn dreidimensionale Fassadenstrukturen “sehen” lässt, wo gar keine sind.

Über die gesamte Altstadt sind verschiedene Brunnen verteilt, die von Künstlern ganz unterschiedlich gestaltet wurden. Zwischen den Häusern fällt der Blick immer wieder auf den nahegelegenen Basaltkegel des Berges Hohenhewen. Hübsch ist das hier. Gut, dass wir nicht daran vorbeigefahren sind.

( MITI )

Am Aachtopf

Hier tritt das versunkene Donauwasser wieder an die Oberfläche
Aach, 3.11.2016

In diesem kleinen See sammelt sich das aufgestiegene Donauwasser und fießt von dort in die Aach ab

Tag
7
Hier also kommt das versunkene Donauwasser wieder zum Vorschein: Der Aachtopf bei Aach in Baden-Württemberg ist die wasserreichste Karstquelle Deutschlands. Aus dieser Schüttung entspringt die Hegauer Aach, die nach 32 Flusskilometern km bei Radolfzell in den Bodensee mündet.

Das Wasser der Aachquelle steigt aus einer 18 m tiefen unterirdischen Quellhöhle auf und bildet einen kleinen See. Die Quelle hat eine durchschnittliche Schüttung von 8.600 Litern pro Sekunde. Im Maximum, wenn die Donau Hochwasser führt, erreicht sie bis zu 24.000 l/s.

Das Wasser der Karstquelle stammt hauptsächlich aus der zwischen Immendingen und Möhringen sowie und bei Fridingen versinkenden Donau. Von der Donauversinkung fließt das Wasser unterirdisch etwa 11,7 km bei einer Geschwindigkeit von ca. 195 m/h durch Hohlräume bis zum Aachtopf.

1719 wurde zum ersten Mal die Vermutung geäußert, das Quellwasser stamme aus der Donauversinkung. Ein Nachweis gelang im Oktober 1877, als ein Geologe das Wasser in der Donauversinkung mit eingefärbten Salzen versetzte. Nach 60 Stunden erreichte das prachtvoll grünleuchtende Salzwasser den Achtopf.

Bei meinem Besuch erkenne ich in dem klaren Wasser des Achtopfs verschiedene große Felsspalten, aus denen es verdächtig blubbert. Dort tritt das Wasser an die Oberfläche. Ich bin ganz begeistert über diesen Effekt und besuche mit Doxi anschließend noch die oberhalb gelegene Altstadt von Aach. Ein wunderbarer Vormittag ganz im Zeichen der Wasserkunde 🙂

( MITI )

Auf der Burg Hohenzollern

Luftbild der Burg (Foto A. Kniesel)
Bissingen, 3.11.2016

Luftbild der Burg (Foto A. Kniesel | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Tag
7
Also diesen Ort wollte ich schon lange einmal besuchen. Die Burg Hohenzollern ist die Stammburg des Fürstengeschlechts und ehemaligen preußischen Königs- und deutschen Kaiserhauses der Hohenzollern.

Die Gipfelburg liegt weithin sichtbar auf dem 855 Meter hohen alleinstehenden Bergkegel des Hohenzollern, der der Schwäbischen Alb vorgelagert ist und dieser Region ihren Namen verliehen hat: Zollernalb.

Die Burg hat eine wechselvolle Geschichte. Ihre Errichtung geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zur Festung ausgebaut. 1745 wurde sie im Österreichischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen besetzt wurde. Nach dem Abzug der letzten österreichischen Besatzung 1798 verfiel die Burg,

Die Idee zum Wiederaufbau der Burg kam dem damaligen Kronprinzen und späteren Preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als er 1819 auf dem Weg zu einer Italienreise auch die Wurzeln seiner Herkunft kennenlernen wollte und den Berg bestieg.

1850 fand die Grundsteinlegung statt. Die Struktur und Ausgestaltung der Anlage spiegelt den romantischen Geist jener Zeit wider und verkörpert die damalige Idealvorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg. Zum anderen ist die Burg Ausdruck des politischen Repräsentationswillens der Herrscher von Preußen, die die Stammburg ihrer Ahnen in prunkvoller Form wiederaufgebaut sehen wollten.

Am 3. Oktober 1867 wurde der Bau unter König Wilhelm I. von Preußen vollendet und eingeweiht. Bei einem Erdbeben am 3. September 1978 wurde die Burg schwer beschädigt, die Restaurierungsarbeiten zogen sich bis in die 1990er Jahre hin.

Die Burg ist nach wie vor Privateigentum. Sie gehört zu zwei Dritteln der brandenburgisch-preußischen Linie des Hauses Hohenzollern, zu einem Drittel der schwäbisch-katholischen Linie.

Jährlich besuchen bis zu 300.000 Menschen die Burg. Heute war auch ich darunter Weil ich Doxi dabeihatte, konnte ich die prunkvollen Räume, Schatz- und Waffenkammern leider nicht besuchen.  Aber schon die Einblicke von außen und die herrlichen Fernblicke von der Burg in die Schwäbische Alb waren den Besuch wert.

( MITI )