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Alles Mutti, oder was?

Alles Mutti, oder was?
Kunstpalast Düsseldorf, 1. Juni 2025

Publikum bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU 2016 in Nürtingen

„Mama – von Maria bis Merkel“ lautet die Überschrift einer Themenausstellung, die derzeit im Düsseldorfer Kunstpalast läuft. Sie beleuchtet unser Verhältnis zu Müttern und zum Muttersein im Spiegel der Zeit anhand der Bildenden Kunst.

Tatsächlich war Kunst im christlichen Abendland über viele Jahrhunderte fast ausschließlich religiöse Kunst, mit der Mutter Gottes als eines der zentralen Motive.

Doch mit der Renaissance befreite sich die Kultur ein Stück weit aus dem Würgegriff der Kirche und wurde freier – auch in der Darstellung und Behandlung des Themas „Mutter“.

Der Blick der Ausstellung richtet sich deshalb auf die gesellschaftlichen Erwartungen, die seit jeher das Muttersein beeinflussen und die sich in Kunst, Kultur und Alltag niedergeschlagen haben. Schließlich, wer hat oder hatte keine Mutter?

Anhand von rund 120 Werken vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart öffnet sich ein vielschichtiges Panorama. Das Spektrum der Schau umfasst neben Malerei und Skulptur, Videoinstallationen und Fotografie auch Dinge des täglichen Gebrauchs sowie Musik und kommerzielle Bildwelten.

Bezüge zwischen den Werken offenbaren Kontinuitäten, aber auch die Wandlungsfähigkeit von Mutterbildern, die immer wieder angeeignet, neu interpretiert, umkämpft und gefeiert werden. So wie Angela Merkel als Mutti der Nation in den 2010er Jahren.

( MITI )

Sammlung Ringier 1995 – 2025

Sammlung Ringier 1995 – 2025
Neuss, 23. Mai 2025

Ausstellungssaal im Untergeschoss der Langen Foundation

Die Langen Foundation in Neuss zeigt erstmals in Deutschland eine umfassende Auswahl von Werken aus der renommierten Schweizer Sammlung Ringier.

Ringier ist ein großes Schweizer Medienunternehmen mit einer bald 200-jährigen Geschichte, das in Europa und Afrika tätig ist. Zum Unternehmen gehören heute rund 130 Gesellschaften aus den Bereichen Print, Sports Media, Radio, Ticketing und Entertainment sowie führende Online-Marktplätze für Autos, Immobilien und Jobs.

Der Vorstandsvorsitzende Michael Ringier sammelt seit mehr als 30 Jahren zeitgenössische Kunst und hat in dieser Zeit eine eindrucksvolle Sammlung zusammen getragen. Rund 500 Arbeiten von den späten 1960er-Jahren bis heute werden nun in der Langen Foundation gezeigt, deren Gebäude selbst wie ein Kunstwerk moderner Architektur wirken.

Unter dem Titel „Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Video, Sound“ sind Arbeiten aus nahezu allen Bereichen künstlerischer Produktion vertreten. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Ich konnte mit vielen Arbeiten zunächst wenig anfangen, und doch ist es eine absolut faszinierende Zusammenstellung prägender Entwicklungen der Kunstwelt. Man muss sich nur ein wenig darauf einlassen.

( MITI )

Kunst in Aschaffenburg 1945-1976

Kunst in Aschaffenburg 1945-1976
Aschaffenburg, 14. Mai 2025

Skulpturen im Innenhof des ehemaligen Jesuitenklosters

Im ehemaligen Jesuitenkloster im Herzen der Altstadt von Aschaffenburg ist neben dem Schad-Museum auch die „Kunsthalle Jesuitenkirche“ untergebracht. In dem komplett renovierten und absolut sehenswerten Bau zeigt die Stadt regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen.

Die aktuelle Schau unter dem Titel „Woher – Wohin?“ ist dem Wirken herausragender Aschaffenburger Künstlerpersönlichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg gewidmet.

Die Ausstellung geht der Frage nach, ob die bemerkenswerte kulturelle Entfaltung Aschaffenburgs nach dem Ende der Nazi-Herrschaft das Resultat einer glücklichen Fügung ist oder eine tiefere historische Grundlage hat.

Anlass ist der 100. Geburtstag einiger Maler und Skulpturenkünstler aus diesem Kreis: Walter Helm († 1987), Erwin Rager († 1991), Joachim Schmidt († 2017), Wera Schröner († 2019), Gunter Ullrich († 2018) und Ernst Vollmer († 1991).

Die meisten von ihnen waren Teil einer Künstlergruppe, die sich in den beginnenden 50er-Jahren formiert hat, als allgemein eine Aufbruchstimmung in der westdeutschen Kunstszene aufkam. Ihre Stile und Techniken stehen für ganz unterschiedliche Ansätze, und ich finde es spannend, das alles nebeneinander zu sehen. Viele der ausgestellten Werke wirken auf mich auch heute noch aktuell.

( MITI )

Christian Schad Museum

Christian Schad Museum
Aschaffenburg, 14. Mai 2025

Motive im Eingangsbereich des Museums

Christian Schad (1894–1982) zählt zu den bedeutenden deutschen Künstlern der Moderne. Er gilt als Leitfigur der Neuen Sachlichkeit der 1920er-Jahre in Europa. Schad lebte nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tode lange in Aschaffenburg und hatte eine besondere Beziehung zu der Stadt.

Zwei Jahre vor ihrem Tod im Jahre 2002 vermachte seine Witwe Bettina Schad den gesamten Nachlass ihres Mannes der Stadt Aschaffenburg. Aus diesem unschätzbaren Fundus ging das Christian Schad Museum im Herzen der Altstadt hervor, das 2022 eröffnet wurde und das ich heute besucht habe.

Schads Schaffen reflektiert einen großen Teil der bedeutenden Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts vom Dadaismus und Expressionismus bis hin zu den Experimenten in der Kunst nach 1945, dem Magischen Realismus.

Er wuchs in München auf, lebte einige Jahre in der Italien und in der Schweiz, kam 1925 nach Wien und später nach Berlin und schließlich Aschaffenburg, wohin ihn ein großer Auftrag in der NS-Zeit geführt hatte.

Seine Fotogramme oder „Schadographien“, die er in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte und in den 1960er-Jahren wieder aufgriff, begründen neben seinen modernen Ikonen der Neuen Sachlichkeit heute den Weltruhm Christian Schads.

Gemeinsam mit Otto Dix, George Grosz, Rudolf Schlichter, Karl Hubbuch und Richard Ziegler wird Schad zu den wichtigsten Vertretern des Verismus gezählt.

Das Museum stellt nicht nur eine Vielzahl seiner Werke aus, sondern reflektiert auch sein Leben und die verschiedenen Schaffensperioden auf drei Etagen in einer aufwändig kuratierten Ausstellung. Bilder im Stile der Neuen Sachlichkeit sind mir immer wieder begegnet, aber nun habe ich auch etwas mehr über den Kunst- und Kulturhistorischen Hintergrund dazu erfahren. Eine ganz wunderbare Ausstellung und ein wirklich toll inszeniertes Museum, finde ich.

( MITI )

Spiel mit Schwarzwald-Klischees

Spiel mit Schwarzwald-Klischees
Traumfabrik Schwarzwald, 3. Mai 2025

Eine der Ikonen des Schwarzwalds: die berühmte Kirschtorte, hier als Streetart

Bevor wir den Schwarzwald endgültig verlassen, hier noch etwas Streetart, die ich rund um das Schwarzwälder Freilichtmuseum bei Gutach entdeckt habe. Eine sehr kreative Art, mit den etwas überkommenen Klischees der Region umzugehen, wie ich finde. Man beachte die Details.

( MITI )

Sammlung & Kunstgalerie Messmer

Sammlung & Kunstgalerie Messmer
Riegel am Kaiserstuhl, 1. Mai 2025

Skulpturengarten vor dem Museum

Völlig unerwartet treffe ich am Rande des Kaiserstuhl auf eine ambitionierte Kunsteinrichtung, die von dem privaten Sammler und Stifter Jürgen A. Messmer eingerichtet und betrieben wird. Das Museum ist im vorderen Teil der ehemaligen Brauerei Riegel untergebracht.

Es werden dort jährlich bis zu vier Wechselausstellungen mit moderner Kunst präsentiert, außerdem widmet sich eine Galerie dem Verkauf von Werken ausgewählter Künstler.

Im großen Skulpturengarten vor dem Museum werden Plastiken von Gegenwartskünstlern wie Gerald Baschek, Hellmut Bruch, Gerhard Frömel, Friedrich Geiler, Bernhard Licini, Rüdiger Seidt, Michel Jouët und Michael Schwarze präsentiert.

Die aktuelle Wechselausstellung präsentiert u.a. Werke des Künstlers und Kabarettisten Dieter Nuhr, was insofern lustig ist, dass Nuhr aus meiner Heimatregion stammt und ich seine Werke hier im Schwarzwald 500 km von zu Hause entfernt anschauen kann. Ob ich vielleicht deshalb mit meiner Düsseldorfer ArtCard beim Eintritt eine Ermäßigung erhalte? Vermutlich nicht 🙂

( MITI )