vor einer Woche:
Winter-Weihnachtscamping Eifel

Nicht viel los auf dem Wohnmobilstellplatz in Gemünd, wo es sich sonst regelmäßig knubbelt
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Eigentlich wollte ich die Weihnachtsfeiertage im Ashram von Yoga Vidya bei Detmold verbringen. Nach einem anstrengenden Herbst etwas runterkommen, schön Yoga praktizieren, den Bauch mit lecker Gemüse und veganen Weihnachtskeksen vollschlagen – so hatte ich mir das vorgestellt.
Doch zwei Tage vor Abreise habe ich mir beim Aufstellen des Weihnachtsbaums für meine Mom furchtbar die Hüfte gezogen. Eine falsche Bewegung, schon war an Yoga erst einmal nicht mehr zu denken. Alle Hüftbeugen rechts, einfach nur: aua, aua, aua.Als es nach ein paar Tagen endlich besser wurde, bin ich zumindest noch für zwei, drei Tage zum Wintercamping in die Eifel aufgebrochen. Fast fünf Monate war ich schon nicht mehr mit dem Womo unterwegs.
Erst hatte ich mir übel das Womo-Dach am Kanonenrohr eines niederländischen Kriegsschiffs aufgerissen, dann ging es Doxi nicht gut, schließlich hatte ich anhaltend zu viel mit Arbeit und Studium zu tun. Deshalb war es jetzt echt überfällig. Wenigstens mal wieder woanders lernen, als immer nur zu Hause.
Mein letztes Wintercamping bei Nachts unter minus 5 Grad liegt zwar schon eine Weile zurück, aber was soll schon schief gehen? Wenn es zu kalt wird, trete ich einfach die Heimreise an. Aber bis dahin genieße ich noch ein wenig das herrlich sonnig-kalte Hochdruckwetter.
vor zwei Wochen:
Mehr Glitzer war nie

Weihnachten im TV kann man hier das ganze Jahr haben. Dazu noch etwas Räucherduft gefällig?
Warum die Abendrunden immer durch die stockdunklen Felder rund um mein Heimatdorf drehen? Heute bin ich im Herzen von Düsseldorf zwischen den Adventslichtern der großen und kleinen Weihnachtsmärkte unterwegs.
Von Roncallis romantischer Weihnachtspromenade am Rheinufer gehts zum Riesenrad auf dem Burglatz, weiter zum traditionsreichen Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus und einmal quer durch die Altstadt rüber zum Adventsvergnügen mit Eislauffläche am Kö-Bogen. Die Märkte sind gut besucht, aber jetzt außerhalb des Wochenendes auch nicht übervoll. Was mir auffällt: Viele Touristen aus den Niederlanden sind in der Stadt unterwegs. Eeenendertig, tweeëndertig.
Im Anschluss an meine Zentrumstour unternehme ich noch einen Abstecher zum Weihnachtsmarkt am Benrather Schloss, wo sich die Lichterketten der Verkaufsstände romantisch im Schlossweiher spiegeln. Auf diese Weise kommen auch ein paar Kilometer Strecke zusammen. So viel Lichter und so viel Glitzer habe ich auf meinen Abendrunden sonst jedenfalls nie.
vor drei Monaten:
Erich Kästner: Der Oktober

Die ersten Sträucher und Bäume werden bunt
von Erich Kästner, 1955
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
Geh nur weiter, bleib nicht stehen.
Kehr nicht um, als sei’s zuviel.
Bis ans Ende musst du gehen,
hadre nicht in den Alleen.
Ist der Weg denn schuld am Ziel?
Geh nicht wie mit fremden Füßen
und als hätt’st du dich verirrt.
Willst du nicht die Rosen grüßen?
Lass den Herbst nicht dafür büßen,
dass es Winter werden wird.
Auf den Wegen, in den Wiesen
leuchten, wie auf grünen Fliesen,
Bäume bunt und blumenschön.
Sind’s Buketts für sanfte Riesen?
Geh nur weiter, bleib nicht stehn.
Blätter tanzen sterbensheiter
ihre letzten Menuetts.
Folge folgsam dem Begleiter.
Bleib nicht stehen. Geh nur weiter,
denn das Jahr ist dein Gesetz.
Nebel zaubern in der Lichtung
eine Welt des Ungefährs.
Raum wird Traum. Und Rausch wird Dichtung.
Folg der Zeit. Sie weiß die Richtung.
„Stirb und werde!“ nannte er’s.
vor sechs Monaten:
Europas letztes Schlachtfeld

Frühere Bunker des deutschen Atlantikwalls am Leuchtturm von Texel
Wenn man den Leuchtturm an der Nordspitze von Texel besteigt, erkennt man von innen, dass die schmucke rote Fassade tatsächlich die zweite Außenmauer des Turms darstellt. Darunter befindet sich das ursprüngliche Mauerwerk, das im Zweiten Weltkrieg beim sogenannten „Georgischen Aufstand auf Texel“ stark beschädigt wurde.
Dahinter verbirgt sich eine kuriose Geschichte. In vielen eroberten Ländern hatte die Deutsche Wehrmacht auf ihrem Siegeszug in den Jahren 1939 bis 1941 Hilfstruppen ausgehoben – auch in Georgien, damals Teil der Sowjetunion.Das Georgische Infanteriebataillon 822 „Königin Tamar“, kam unter der Aufsicht deutscher Kommandeure auf Texel zum Einsatz, das seit 1940 einen neuralgischen Punkt im deutschen „Atlantikwall“ bildete.
Als das Ende des Krieges bereits absehbar war, erhoben sich die Georgier in der Nacht vom 5. auf den 6. April 1945 um 1:00 Uhr gegen ihre deutschen Befehlshaber. Viele Wehrmachtssoldaten wurden im Schlaf erstochen.
Den Georgien gelang es jedoch nicht, die Schiffsbatterien im Norden und im Süden der Insel zu übernehmen. Zur deutschen Verstärkung traf das 163. Marine-Schützenregiment ein. Mit Panzern begann vom niederländischen Festland eine Gegenoffensive der Wehrmacht, die über die offizielle deutsche Kapitulation am 8. Mai 1945 hinausreichte.
Große Teile Texels wurden in diesem „Russenkrieg“ in Mitleidenschaft gezogen. Bis zu 2.000 Wehrmachtssoldaten, 560 Georgier und 120 einheimische Niederländer kamen dabei ums Leben. Am 20. Mai gelang es kanadischen Truppen schließlich, „Europas letztes Schlachtfeld“ zu befrieden. Erst danach schwiegen die Waffen.
vor sechs Monaten:
Unterwegs im Eierland

Blick vom Deich bei de Cocksdorp ins Wattenmeer
Der nördlichste Teil von Texel rund um den Ort de Cocksdorp wird Eijerland (dt: Eierland) genannt, weil hier früher in großem Maßstab Möweneier gesammelt und in Amsterdam als Delikatesse verkauft wurden.
Die Gegend ist ein Beispiel für die dynamische Veränderung der Küstenregionen an der Nordsee durch die Kraft der Natur und die Beharrlichkeit des Menschen.Noch bis zum 13. Jahrhundert war Eijerland Teil der nördlich von Texel gelegenen Insel Vlieland. Dann trennten Sturmfluten die Gegend von Vlieland ab, sodass sie zu einer eigenständigen Insel wurde.
Das zwischen Eijerland und Texel befindliche Seegatt begann sich im 16. Jahrhundert durch Sandablagerungen zu schließen. Es entstand eine Sandbank, die nur bei Sturmfluten überspült wurde.
Um eine dauerhafte Verbindung nach Eijerland zu schaffen, errichtete man 1630 einen ersten Sanddeich. Aufwändige Landgewinnungsmaßnahmen und Eindeichungsarbeiten begannen 1835. Sie machten Eijerland zu einem Bestandteil von Texel. Heute gehört die Gegend neben Den Koog zu den wichtigsten Tourismuszentren der Insel.
Weil Eijerland unter dem Meeresspiegel liegt, muss der Polder ständig entwässert werden. Heute übernimmt diese Aufgabe eine elektrische Pumpstation am Ortsrand von de Cocksdorp . Sie pumpt Wasser aus dem Eijerlandkanal und dem Roggeslot (dt: Rachengraben) unter dem Deich hindurch ins Wattenmeer. Ohne diese Maßnahmen stünde die gesamte Gegend bald schon unter Wasser. Und dann gäbe es auch keine Eier mehr zu sammeln …
vor neun Monaten:
KIT – Kunst im Tunnel

Oberirdisch der Eingang, unterirdisch die Kunst
Ein Kunstmuseum in einem ungenutzten Raum zwischen zwei Tunnelröhren, das ist das KIT (Kunst im Tunnel) in Düsseldorf. Oberirdisch befindet sich die belebte Rheinpromenade zwischen dem Landtag und der Düsseldorfer Altstadt, unterirdisch die drei Fahrbahnen des 1993 eröffneten Rheinufertunnels, Teil der Bundesstraße B1.
Und dazwischen das 2007 eröffnete Museum für zeitgenössische Kunst als Außenstelle der Kunsthalle Düsseldorf. Man erreicht den 140 Meter langen, leicht geschwungenen und spitz zulaufenden Ausstellungsraum über ein oberirdisches Gebäude, in dem ein beliebtes Bistro mit Außengastronomie untergebracht ist.
Zwei große Lichtschächte mit Panzerglas bringen von oben Licht in den Ausstellungsraum. Gezeigt werden vor allem Werke junger Künstler, Absolventen der Kunstakademie Düsseldorf, sowie Trägern des Düsseldorfer Kunstpreises – in der Regel vier Ausstellungen pro Jahr. Ein spannendes Konzept, wie ich finde.
vor zwei Jahren:
Blumenkohl-Kartoffel-Curry

Riecht gut und schmeckt sensationell
Das neue Jahr verspricht für mich spicy zu werden, zumindest wenn man den kulinarischen Auftakt zugrunde legen will. Heute habe ich ein wunderbar würziges Blumenkohl-Kartoffel-Curry gekocht.
Der klein geschnittene Blumenkohl und die Kartoffeln werden dabei mit einer Joghurt-Gewürz-Mischung bestrichen und im Ofen 30 Minuten bei 200 Grad gebacken.
Währenddessen wird die Curry-Sauce aus Zwiebeln, Ingwer, Knoblauch, indischen Gewürzen, passierten Tomaten und einem selbstgemachten Cashew-Mus gekocht. Zum Schluss wird das Curry noch mit Sahne und etwas Schmand verfeinert.
Nun das Curry mit dem Gemüse vermischen, noch kurz etwas durchziehen lassen und dann mit Basmati-Reis servieren. Und weil sich das Rezept so gut anhörte, habe ich gleich die doppelte Menge gekocht. Das reicht für die kommenden Tage…
vor drei Jahren:
Der Januar der 72 Türchen

Diese drei prall gefüllten Adventskalender warten noch auf mich
Das Jahr 2022 ist passé, doch für mich gibt es noch etwa Wichtiges nachzuholen, eine große Aufgabe, der ich mich als ganzer Mann stellen muss. Denn ich habe meine Adventskalender nicht angerührt.
Der Grund für diesen Frevel? Weil ich doch am Fasten war, vom ersten bis zum vierten Advent. Deshalb und nur deshalb sind alle Türchen verschlossen geblieben.
Ob ich die Kalender nun einfach liegen lassen soll, bis in elf Monaten ein neuer Advent beginnt? Vielleicht merkt’s ja keiner. Aber nein, das bringt großes Unglück, habe ich mir von namhaften Weihnachtsexperten aus Funk und Fernsehen sagen lassen.
Also muss ich da jetzt durch, ich opfere mich, und so wird dieser Januar der Monat der 72 Türchen. Da heißt es: Mund auf und herzhaft zugebissen. Dreimal täglich. Ganz schrecklich 🙂
vor acht Jahren:
Wasserreiches Gelpe- und Saalbachtal

Blick von der Staumauer der Ronsdorfer Talsperre hinunter ins Saalbachtal
Das neue Jahr startet gleich mit einer feinen Wanderung – auch wenn das Wetter nicht wirklich einladend ist. Wir sind im schönen Gelpe- und Saalbachtal zwischen den Städten Wuppertal und Remscheid unterwegs. Unsere Wanderung beginnt am Rande von Ronsdorf.
Vom Wanderparkplatz steigen wir zur Ronsdorfer Talsperre hinab, einer der kleinsten Talsperren im Bergischen Land. Sie diente früher der Trinkwasserversorgung der eigenständigen Stadt Ronsdorf, heute ein Stadtteil von Wuppertal.
Seit 1899 wird dazu der Saalbach aufgestaut, der unterhalb der Staumauer weiter in das schöne Saalbachtal fließt. Das umgebende Waldgebiet nennt sich „Im Saalscheid“ und bildet eines der beliebtesten Naherholungsgebiete von Wuppertal.
Wir folgen dem Saalbach durch das Tal und begegnen dabei immer wieder Teichen („Siepen“), in denen früher das Wasser für den Betrieb von Schleifkotten und Hämmern aufgestaut wurde.Wie an einer Perlenkette reihten sich diese Anlagen seit dem späten Mittelalter im Tal aneinander. Einige davon wurden bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zu kleinen Fabrikanlagen mit großen Werkhallen und hohen Schornsteinen („Essen“) ausgebaut. Heute ist davon kaum noch etwas zu sehen.
Wir folgen dem Saalbach bis ins Zillertal, wo der Saalbach und der Gelpebach zusammenfließen.
Kurz darauf münden die beiden Gewässer in den Morsbach, einem der größten Zuflüsse der Wupper. Hier im Zillertal haben wir den tiefsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Von nun an geht es ständig aufwärts dem Gelpebach folgend durch das Gelpetal.
Auch dabei begegnen wir wieder zahlreichen Siepen, die früher für den Betrieb von Schleifkotten und Hämmern genutzt wurden. Die Arbeit in diesen Werkstätten war hart und durch den Schleifstaub auf Dauer äußerst schädlich für die Lungen. Nur wenige Arbeiter erlebten zu dieser Zeit ihr fünfzigstes Lebensjahr.
Am Ende des Gelpetals erreichen wir bei der Friedrichshöhe den nördlichsten Punkt unserer Wanderung. Nun drehen wir in südöstlicher Richtung ab. Wir laufen auf Ronsdorf zu und am Ortsrand entlang zurück zu unserem Startpunkt, den wir nach elf Wanderkilometern nach knapp drei Stunden wieder erreichen.
vor 15 Jahren:
Eine Woche mit Bentley
Zwischen Weihnachten und Neujahr hatten wir eine Woche lang den zuckersüßen Bentley zu Gast. Bloxi war über das unerwartete und anhaltende „Herumlungern“ eines Border-Collie-Rüden in ihrem Revier zwar nicht besonders erfreut, musste sich aber fügen.
Wir haben uns intensiv um beide Hunde gekümmert, sodass in dieser Woche niemand zu kurz kam. Im Gegenteil: Bei ausgiebigen Spaziergängen im Schnee und beim Frisbeewerfen im Garten hatten alle Beteiligten viel Spaß. Und am Ende der Woche traute sich der „kleine“ Bentley sogar, sich einfach in Bloxis Körbchen zu legen. Von daher: Alles easy.

