Kalenderblatt-Beiträge

vor einer Woche:

Einhundert Jahre Tonhalle

Einhundert Jahre Tonhalle
Düsseldorf, 1. Januar 2026

Neujahrskonzert der Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober

Im Jubiläumsjahr der Düsseldorfer Tonhalle komme ich zu meinem ersten symphonischen Neujahrskonzert überhaupt. Meine Schwiegermama ist leider verhindert, und so sitze ich an ihrer statt an der Seite meines Schatzes im Oberrang mit hervorragendem Blick auf das Orchesterpodium (noch einmal besten Dank für die Karte!).

Das 1926 als größtes Planetarium der Welt eingeweihte Haus direkt am Rheinufer gilt heute als wichtiges Bauwerk des Backsteinexpressionismus. Nur durch Zufall hat der markante Kuppelbau des Architekten Wilhelm Kreis den Zweiten Weltkrieg überstanden.

Die vollständige Restauration der Außenfassade inklusive Ausbau des Innenraums zu einem akustisch hervorragend klingenden Konzertgebäude erfolgte in den Jahren 1975 bis 1978.

Heute sind unter dem Dach der grünen Kuppel die Düsseldorfer Symphoniker zu Hause. Außerdem gastiert in dem bis zu 2.000 Besucher fassenden Saal ein breites Spektrum zeitgenössischer Künstler – von Helge Schneider bis Helen Grimault.

Nun höre ich zwar regelmäßig Klassische Musik, aber bei einem Blick auf das Programm das Neujahrskonzerts war ich schon ein wenig skeptischZu viel Operette, zu viel Leicht-Beschwingtes in großer Besetzung. Und so kam es dann auch.

Doch als Laienmusiker habe ich immer großen Respekt vor den Profis. Von daher war es auch für mich ein durchaus interessanter Nachmittag mit viel Tamtam, Musik und Gesang in diesem ehrwürdigen Haus, das nun ein ganzes Jahr lang seinen einhundertjährigen Geburtstag feiert.

vor drei Wochen:

Erich Kästner: Der Dezember

Erich Kästner: Der Dezember
18. Dezember 2025

Weihnachtsbaum vor dem Düsseldorfer Rathaus

von Erich Kästner, 1955 

Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

vor drei Monaten:

Susan Hefuna im MKM

Susan Hefuna im MKM
Duisburg, 8. Oktober 2025

Werk von Susan Hefuna

Das Museum Küppersmühle zeigt derzeit eine große Ausstellung mit verschiedenen Werkgruppen der Künstlerin Susan Hefuna (*1962). Die Deutsch-Ägypterin hat an der Städelschule in Frankfurt am Main studiert und lehrt heute als Professorin für audiovisuelle Medien an der Hochschule Pforzheim. Regelmäßig pendelt sie zwischen Düsseldorf, Kairo und New York.

Hefunas Arbeiten umfassen Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Installation, Video und Performance. Darin kommen ihr deutsches und ihr ägyptisches Erbe zum Ausdruck. Mit ihren vielschichtigen Arbeiten möchte die Künstlerin Brücken zwischen den Kulturen bauen und deren Traditionen und Eigenheiten reflektieren.

Hefuna spielt in ihrem Werk konsequent mit der Absicht und Wirkung von Bildern, indem sie abstrakte Räume und Kontexte kreiert, die der Betrachter mit einem breiten Spektrum an Bedeutungen ausfüllen kann.

Eine wiederkehrende Inspiration für ihre Arbeiten ist die Maschrabiyya, eine filigran aus Holz geschnitzte Gitterpaneele bzw. Fenstergitter, wie man sie in der traditionellen ägyptischen Architektur findet. Die Maschrabiyya trennt innen und außen, schützt und verbirgt Hausbewohner bei ihrem Blick auf die Welt.

Wir hatten das Glück, eine Führung zu Hefunas Ausstellung zu besuchen, die ihr Werke und ihre persönlichen Hintergründe sehr schön beleuchtet hat. Ursprünglich war ich ein wenig skeptisch, ob ich mit ihrem Werk etwas anfangen kann. Dann noch der Führung war ich richtig angetan von Hefunas Schaffen.

vor sechs Monaten:

Alkmaar, die Siegreiche

Alkmaar, die Siegreiche
Alkmaar (NL), 8. Juli 2025

Das prächtigste Gebäude der Stadt: „De Waag“ am Käsemarkt

Immer wieder lohnt es sich, früh aufzustehen. Bereits um halb acht bin ich an diesem Morgen in Alkmaar unterwegs, der drittgrößten Stadt von Nordholland (nach Haarlem und Amsterdam).

Noch sind die Straßen in der historischen Altstadt nahezu menschenleer, bis auf die Händler, die sich gerade schon die besten Plätze für den heute anstehenden Sonntagsmarkt sichern.

Eine halbe Stunde später und ich hätte viele Sehenswürdigkeiten kaum noch fotografieren können, vor lauter Verkaufsständen.

Im Achtzigjährigen Krieg gegen die Spanier wurde Alkmaar 1573 zum Symbol des erfolgreichen niederländischen Freiheitskampfs und erhielt ihr Motto: „Die Siegreiche“,  Alcmaria victrix.

Heute ist die Stadt vor allem für den seit 1365 abgehaltenen Käsemarkt berühmt, der im Sommerhalbjahr jeden Freitag tausende von Besuchern in die sehenswerte Altstadt lockt.

Vor einhundert Jahren wurden an jedem Markttag noch rund 300 Tonnen Käse umgeschlagen und von den in Weiß gekleideten „Käseträgern“ über den Marktplatz bugsiert. Heute sind es nur noch ein Zehntel davon und der Markt hat vor allem touristischen Charakter, auch wenn er jedes Mal ein Großereignis für die Stadt darstellt.

Morgens wird zunächst der gesamte Marktplatz gründlich gesäubert. Anschließend werden die Käselaibe von sogenannten „Setzern“ in lange Reihen über- und nebeneinander gestapelt. Um Punkt 10 Uhr ertönt die Glocke als Startsignal.

Dann laufen die Käseträger – häufig ausgestattet mit großen Tragegestellen aus Holz – eifrig kreuz und quer über den Marktplatz. Die Käselaibe werden ausgiebig getestet und darauf geboten. Feilschen ist ein wichtiger Bestandteil des Kaufs, der immer per Handschlag besiegelt wird. So das uralte Ritual.

Den Markttag am Freitag habe ich zwar verpasst, aber auch ohne dieses Schauspiel gefällt mir Alkmaar mit seinen vielen Grachten und historischen Gebäuden sehr gut.

Wir stehen auf einem kostenlosen Parkplatz außerhalb der Stadt mitten zwischen Windmühlen, die früher der Entwässerung der Polder dienten. Sie sind das Markenzeichen von Nordholland, der großen Landzunge zwischen Nordsee und Zuidersee, dem heutigen Ijsselmeer. Schön ist es hier.

vor drei Jahren:

Julia Stoschek Collection: Worldbuilding

Julia Stoschek Collection: Worldbuilding
Düsseldorf, 8. Januar 2023

Heute habe ich eine bemerkenswerte Ausstellung in den Hallen der Julia Stoschek Collection in Düsseldorf besucht. Die von Hans Ulrich Obrist kuratierte Schau widmet sich dem Genre interaktiver Videospiele und untersucht, wie sich Künstler mit dem Medium auseinandersetzen und es zu einer neuen Kunstform erheben.

Viel mehr als herkömmliche Malerei und Bildhauerei ermöglichen es Videospiele, eigene Welten zu erschaffen und diese lebendig werden zu lassen.

Doch in der Ausstellung sind auch Werke vertreten, die sozio-politische Aspekte des Genres beleuchten und Kritik an den häufig stereotypischen und nicht selten diskriminierenden Darstellungen üben, die die Milliarden-schwerte Gaming-Industrie hervorbringt.

Laut und bunt geht es in der Ausstellung zu, und an den meisten Stationen können die Besucher selbst zum Joystick, Tablet oder Gamepad greifen, um aktiv zu werden und mit der Darstellung zu interagieren. Einige Installationen laden über VR-Brillen zu einem vollkommen immersiven Erlebnis ein.

Die großzügigen Ausstellungsräume in einer alten Fabrik bieten viel Raum für die zahlreichen Exponate, die auf Bildschirmen oder auf großformatigen Leinwänden dargestellt werden. Der Eintritt ist kostenlos, die Ausstellung noch bis Ende des Jahres jeweils Sonntags von 12-18 Uhr geöffnet.

vor acht Jahren:

An der Maas bei Cuijk

An der Maas bei Cuijk
Cuijk (NL), 8. Januar 2018

Blick hinüber nach Cuijk

Wir suchten die Sonne und fanden sie nordwestlich von Kleve gleich hinter der Grenze zu den Niederlanden.

Bei eiskaltem Ostwind starten wir am Wanderparkplatz „De Katerbosch“ bei Mookerplas, einem wasserreichen Naherholungsgebiet, das von der Maas abzweigt.

Hier gibt es mehrere Marinas, Campingplätze direkt am Wasser und einen langen Sandstrand, der im Sommer zum Baden einlädt.

Unter einem strahlend blauen Himmel laufen wir durch Feldflächen auf die Maas zu. Dort überwintern derzeit viele Wildgänse, die sich unter großem Geschrei in die Luft erheben.

Am anderen Ufer blicken wir auf Wasserseite von Cuijk mit ihrer markanten und weithin sichtbaren Sankt-Marinus-Kirche (Sint Martinuskerk). Über mehrere Kilometer folgen wir dem Lauf der Maas nordwärts.

Kurz vor dem Ort Mook drehen wir nach Süden ab und folgen dem Mookkanal in Richtung der Mookerplas zurück zu unserem Startpunkt. Im Gegenwind wird mir ganz schön kalt, doch ich genieße die Sonne. Zu lange schon hat sie sich bei uns nicht mehr gezeigt.

vor acht Jahren:

In der Mookerheide

In der Mookerheide
Cuijk (NL), 8. Januar 2018

Frei laufende Galloway-Rinder am Wegesrand in der Mookerheide

Nach unserer Wanderung an der Maas bei Cuijk drehen wir noch eine Runde durch die angrenzende Mookerheide. Das hügelige Gelände erhebt sich östlich der Maas über die flache Landschaft, sodass sich ein toller Blick hinunter nach Cuijk und die Wasserflächen bei Plasmolen ergibt.

Wo heute frei laufende Galloway-Rinder friedlich in der Heide weiden, fand im Jahre 1574 eine bedeutende Schlacht des Achtzigjährigen Krieges statt. In den von 1568 bis 1648 dauernden Auseinandersetzungen erkämpfte die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone.

Die Schlacht in der Mookerheide stand dabei noch am Anfang des Krieges und ging zugunsten der Spanier aus. Auf Seiten der calvinistischen Niederländer verloren rund 3000 Soldaten und die beiden Kommandeure Ludwig und Heinrich von Nassau ihr Leben. Auf Seiten der katholischen Spanier waren hingegen nur 150 Tote zu beklagen.

Am Rand der Mookerheide steht noch heute eine Marienkapelle, die an das Ereignis erinnert. Eine katholisch-geprägte Legende berichtet, dass nach der Schlacht viele Lichter auf der Mookerheide umhergewandert seien. Es seien die Seelen der Toten gewesen, die keine Ruhe finden konnten. Erst nach dem Bau dieser Kapelle seien die Lichter verschwunden.

vor zehn Jahren:

Vier-Täler-Runde in der Rureifel

Blick in das Kalltal nahe Vossenack
Vossenack, 8. Januar 2016

Blick in das Kalltal nahe Vossenack

Endlich wieder Sonne! Die erste Sichtung seit Beginn des neuen Jahres. Das wollten wir nutzen und sind gleich zu einer Wanderung in die Rureifel aufgebrochen.

Nahe des Hürtgenwalds ging es von Vossenack auf der 4-Täler-Runde immer am Wasser entlang durch die Täler des Bosselbachs, des Richelsbachs, der Kall und des Tiefenbachs.

An vielen Stellen der Wanderung begegneten wir der in der Rureifel typischen Terrassenbildung.

Sie entsteht, wenn ein Fluss seine Geröllfracht in der Talaue ablagert. Vertieft sich der Fluss durch einen Klimawechsel Jahrhunderte oder Jahrtausende später wieder, zerschneidet er die vorher aufgebaute Terrasse.

Außerdem trafen wir immer wieder auf Erinnerungsstücke an die große Schlacht im Hürtgenwald Anfang des Jahres 1945.

So erinnert auf der Kallbrücke bei der Mestrenger Mühle eine Gedenkskulptur an verwundete US-Soldaten, die von einem deutschen Militärarzt behandelt und gerettet wurden. Ein seltener Ausdruck von Menschlichkeit in einer erbarmungslosen Schlacht, die weit mehr als 20.000 Tote forderte.