Über den Deister gegangen

Blick vom Südrand des Deisters

 Springe, 5. Juni 2019

Unsere letzte Station an diesem Tag ist Springe. Wir parken mit dem Wohnmobil auf dem kostenlosen Stellplatz am Heimatmuseum gleich neben dem Rathaus.

Die Stadt liegt an der Deisterpforte, einem flachen Talpass zwischen den südlichen Ausläufern des Deisters und dem Kleinen Deister. Hier ist die Grenze zwischen dem Flachland und dem Bergland, in das die Deisterpforte hineinführt.

Außerdem liegt Springe auf der Mitte zwischen den wirtschaftlichen Zentren Hannover und Hameln. Das hat im Mittelalter maßgeblich zur Entstehung und zum Wachstum des Ortes beigetragen.

Der Deister liegt rund 20 km südwestlich von Hannover. Er erstreckt sich zwischen Bad Nenndorf im Nordwesten und Springe im Südosten auf einer Länge von etwas mehr als 21 km. Seine Breite liegt im Mittel bei vier Kilometern. Der Kamm des Gebirges ist bis zu 400 m hoch.

Der steil aufragende Höhenzug bildet seit Urzeiten eine natürliche Grenze zwischen den Siedlungsgebieten zu seinen Füßen. Er liegt im Grenzbereich alter germanischer Gaue, mittelalterlicher Hoheitsgebiete und neuzeitlicher Landkreise. Das hat sich auch in Redenswendungen niedergeschlagen, die weit über diese Region hinaus gebräuchlich sind.

Einen Menschen, mit dem man nichts mehr zu tun haben will, würde man am liebsten „über den Deister schicken“. „Über den Deister gehen“ kann so viel bedeuten wie sich aus dem Staub machen“ oder „den Bach runter gehen“. „Der ist über den Deister“ steht für „verschwunden“, aber auch „verstorben“ .

Das Petersche Haus am Markt

Am frühen Abend breche ich mit Doxi auf, um die Innenstadt zu besichtigen, die sich bis zur Deisterpforte am Fuße des steilen Bergzugs erstreckt. Anschließend steigen wir die steilen Hänge zum Hauptkamm des Deisters hinauf, die dicht mit Buchen bewaldet sind. Darunter wächst großflächig Bärlauch, der jetzt im Juni bereits verblüht ist, aber immer noch intensiv duftet.

Auf dem Hauptkamm kommen wir an einem großen Funkmast vorbei und erreichen bald die abgesperrte Grenze zu einem aufgelassenen Steinbruch am Ebersberg. Deistersandstein wurde vom Mittelalter bis in die Neuzeit abgebaut und für Bauzwecke verwendet. Wir laufen am steil abfallenden Rand des Steinbruchs entlang und erhaschen dabei einige schöne Blick in die Ebene unterhalb des Deisters. Eine wirklich sehr schöne, aber auch schweißtreibende Abendtour.

( MITI )