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Von Wevelinghoven in den Bend

Von Wevelinghoven in den Bend
Grevenbroich, 8. November 2018

Herbstidylle an der Erft mitten in Grevenbroich

Eine äußerst kurzweilige Wanderung habe ich heute an der Erft zwischen Wevelinghoven und Grevenbroich unternommen. Der Startpunkt lag gerade einmal 13 Kilometer von meinem Zuhause entfernt, am Sportplatz von Wevelinghoven. Wieder einmal durfte ich feststellen, dass ich bei uns in der Gegend noch längst nicht jede Ecke kenne – trotz ungezählter Wanderungen und Fahrradtouren in den letzten als 25 Jahren.

Vom Startpunkt ging es direkt zur träge dahinfließenden Erft, in der sich zur Zeit die herbstlich bunten Laubbäume spiegeln. Heute sogar unter einem fast makellos blauen Himmel.

Obwohl der weitere Weg durch Grevenbroich führt, bleiben wir fast die gesamte Zeit im Grünen. Wir laufen durch Parks und Grünflächen, die zur Landesgartenschau 1995 entstanden sind und weiterhin gepflegt werden. So hatte ich die “Schloss-Stadt” am Rande der großen Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf und Neurath noch gar nicht kennen gelernt

Hinter Grevenbroich kommen wir in den Bend, ein Waldgebiet, in dem ein großes Wildgehege mit Rotwild, Schwarzwild, Kühen und Gänsen beheimatet ist. Wir laufen bis kurz vor die Autobahn A540 und folgen dann wieder der Erft zurück in Richtung des Zentrums.

Dabei passieren wir die Wildwasser-Kajak-Strecke an der Erft, das Alte Schloss und die Innenstadt rund um die Kirche. Dann geht es auch schon wieder ins Grüne und an der Erft entlang zurück nach Wevelinghoven, das wir nach zweieinhalb Stunden und elf Wanderkilometern wieder erreichen. So eine schöne Tour, so nah bei uns zu Hause. Die werden wir bestimmt im Winter oder im Frühling noch einmal laufen.

( MITI )

Von Konzen ins Venn

Von Konzen ins Venn
Konzen, 6. November 2018

Auf schmalen Holzstegen geht es durch die feuchte Moorlandschaft des Venns

Anfang November, und im Hohen Venn südlich von Aachen an der Deutsch-Belgischen-Grenze zeigt das Thermometer zur Mittagszeit 18 Grad an. Wahnsinn! Nur die Gelbfärbung des Venngras und der Rotstich in den Heidesträuchern verrät, dass es Herbst ist und nicht etwa Frühling.

Ich laufe mit Doxi eine 18 Kilometer lange Runde, die bei Konzen an der ehemaligen Strecke der Vennbahn beginnt. Zunächst geht es durch den Wald stetig bergauf bis auf eine Höhe von 658 M.ü.N.N. am Berg Stelling. Wir folgen dem Kaiser-Karl-Weg, der die historische Route des Herrschers von einem karolingischen Königshof in Konzen zur Kaiserkrönung in Aachen nachzeichnet.

Dann geht es auf Holzstegen durch das Nahtsief, eines der zahlreichen Feuchtmoore, die sich in dieser Region mit Waldgebieten abwechseln. Die Stege sind teilweise rutschig und geben auch schon einmal ein wenig nach. Ein Teilstück ist komplett gesperrt, weil der Steg tief in den feuchten Boden eingesunken ist.

Von Konzen ins Venn

Hier wurde 1935 ein Schmuggler von einem belgischen Zöllner erschossen

Die Landschaft wird von offenen Flächen mit Venngras und Heidesträuchern bestimmt, dazwischen immer wieder Birken und andere Laubbäume. An einigen Stellen ist die offene Fläche gezielt abgebrannt worden, um die weitere Ausbreitung von Bäumen zu unterdrücken.

In der Region wurde zwischen den beiden Weltkriegen sehr viel geschmuggelt – Kaffee, Tee und weitere Waren in kleinen Mengen auf dem Rücken der Schmuggler von Belgien ins Deutsche Reich. Wir passieren einen ausgewiesenen Schmugglerpfad und ein Holzkreuz, das an einen 1935 von belgischen Zöllnern erschossenen Schmuggler erinnert.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass wir zuletzt in diesem Bereich des Hohen Venn unterwegs waren. Damals, im Januar, lag noch richtig viel Schnee. Schön ist das, diese Landschaft heute einmal im Herbst zu erleben. Da wirkt sie ganz anders als im tiefen Winter.

( MITI )

Bummel durch Gent

Bummel durch Gent
Gent, 4. November 2018

An der Graslei hinter dem Kornmarkt und der Alten Post legen die Ausflugsschiffe für Grachtenfahrten ab

Huch, ist das noch dunkel. Der erste Sonntag im November beginnt für uns schon vor dem Sonnenaufgang. Wir wollen ins belgische Gent, rund 250 Kilometer von Büttgen entfernt. Auf den Autobahnen ist um diese Uhrzeit kaum Verkehr. Wir fahren über Maastricht, Genk, Brüssel, und sind nach rund zweieinhalb Stunden am Ziel.

Gent liegt 50 Kilometer westlich von Brüssel im Gebiet des Zusammenflusses von Schelde und Leie. Durch den blühenden Tuchhandel wuchs Gent im Mittelalter zu einer der bedeutendsten Städte Europas heran. Bis etwa 1550 war sie die größte Stadt der Niederlande, noch größer war außerhalb Italiens lediglich Paris. Viele prächtige Bauten zeugen noch heute vom Reichtum dieser Epoche.

Im sechzehnten Jahrhundert spielte Gent eine wichtige Rolle beim Aufstieg des Calvinismus. Die Stadt gehörte von 1522 bis 1714 zu den Spanischen Niederlanden, danach bis 1795 zu den Österreichischen Niederlanden.

Vom Ende des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verfiel Gents Wirtschaft, die Bevölkerung ging von über 50.000 bis 1650 auf 31.000 zurück. Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt dann eine zweite Blüte, als Gent zu einer der ersten industrialisierten Städte auf dem europäischen Festland wurde.

Ich habe für uns eine Stadtwanderung heraus gesucht, die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Wir starten an der Ruderstrecke im Westen von Gent und laufen an der Schelde entlang in Richtung Zentrum.

Bummel durch Gent

Graffiti am Stadmuseum STAM

Als erstes historisches Areal begegnet uns die ehemalige Zisterzienserabtei Bijloke, die einem ganzen Stadtteil ihren Namen verliehen hat. Auf dem riesigen Abteigelände sind seit 2010 das Stadtmuseum von Gent, ein Konzertsaal und weitere kulturelle Einrichtungen untergebracht.

Anschließend geht es am prachtvollen Gerichtsgebäude aus dem 19. Jahrhundert vorbei in das historische Zentrum. Ein Großteil der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bausubstanz ist erhalten geblieben, wobei die Stadtsilhouette durch drei Türme dominiert wird, die  als „de drie torens“ bekannt sind. Es sind dies der 95 m hohe Genter Belfried, der Turm der St.-Bavo-Kathedrale und der Turm der Sint-Niklaaskerk am Kornmarkt.

Wir laufen am prächtigen Alten Rathaus vorbei, passieren die Alte Post und stehen bald vor der Burg Gravensteen (Grafenstein), der Residenz der Grafen von Flandern aus dem 12. Jahrhundert. Weiter geht es am Wasser entlang zur Gracht des alten Hafens, der Graslei und der Korenlei mit ihren alten Giebelhäusern. Es gibt so viel zu sehen hier. Ich glaube, wir müssen demnächst noch einmal mit dem Wohnmobil wiederkommen und hier ein paar Tage verbringen.

( MITI )

In der schönen Brunssumerheide

In der schönen Brunssumerheide
Brunssum, 3. November 2018

Heidelandschaft durchsetzt mit Eichen, Tannen und Kiefern zwischen Brunssum und Landgraaf

Herbstzeit ist Heidezeit. Wenn sich die Laubbäume bunt färben und die Heidesträucher blühen, verströmt die Heidelandschaft ihre ganz besondere Magie. Das konnten wir heute wieder in der Brunssumerheide auf der holländischen Seite der Deutsch-Niederländischen-Grenze nördlich von Aachen erleben.

Die Brunssumerheide ist Teil einer Kette kleinflächiger Heidegebiete, die sich in der niederländischen Provinz Limburg auf den urzeitlichen Sandablagerungen von Rhein und Mass erhalten haben.

Auf dem sandigen Untergrund gedeihen neben Eichen vor allem Tannen und Kiefern. Die Beweidung mit Schafen sorgt dafür, dass die Flächen offen bleiben. Die Landschaft ist nicht komplett flach, sondern immer wieder mit kleinen Hügeln durchsetzt. Von deren Spitze hat man einen wunderbaren Überblick über die Landschaft.

Auf einer elf Kilometer langen Wanderung laufen wir bei sonnigem Herbstwetter kreuz und quer durch die Heide. Am Eingang, beim Naturparkinformationszentrum, knubbelt sich der Besucherstrom noch ein wenig, doch im hinteren Bereich der Heide sind nur noch vereinzelt Wanderer unterwegs.

Richtig schön ist das bei diesem herrlichen Wetter und Doxi liebt es, auf den sandigen Flächen nach Stöckchen zu jagen. So kann man den Herbst richtig genießen.

( MITI )

20 km barfuß durch Nürnberg

20 km barfuß durch Nürnberg
Nürnberg, 12.10.2018

Das mittelalterliche Heilig-Geist.Spital, in dem früher auch die Reichsinsignien aufbewahrt wuren

Nach zweieinhalb Wochen im südlichen Bayern geht es für Doxi und mich so langsam wieder in Richtung Heimat. Als letzte große Stadt südlich des Mains besuchen wir Nürnberg. Mit dem Wohnmobil stehen wir an einem kostenlosen Stellplatz in der Nähe des innerstädtischen Wöhrder See, rund drei Kilometer von der historischen Altstadt entfernt.

Von dort unternehmen wir am Morgen und am Nachmittag bei herrlichem Sonnenschein zwei ausgedehnte Stadtwanderungen durch Nürnberg. Bei unserer ersten Tour lasse ich mich ein wenig durch die Stadt treiben, bei unserer zweiten Tour versuche ich dann, der sogenannten “historischen Meile” zu folgen, was mir jedoch nur teilweise gelingt. Barfuß war bei diesen beiden Touren übrigens nur Doxi unterwegs, ich hatte meine geliebten Wanderschuhe an  🙂

Mit mehr als einer halben Million Einwohner ist das moderne Nürnberg hinter München die zweitgrößte Stadt im Freistaat Bayern. Sie erstreckt sich in einem flachen Tal auf beiden Seiten der Pegnitz, die die Stadt von Ost nach West durchquert.

Erstmalige urkundliche Erwähnung fand die Stadt bereits in der Sigena-Urkunde aus dem Jahr 1050. Ihre erstes großes Wachstum erlebte sie als eigenständige Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs ab 1219.

Von 1424 bis 1796 wurden im Heilig-Geist-Spital zu Nürnberg die Reichsinsignien bestehend aus Reichskrone, Heiliger Lanze und das Reichsschwert aufbewahrt. Alle deutschen Könige und Kaiser weilten in diesen Jahrhunderten zumindest zeitweilig in Nürnberg, darunter auch Karl IV., der 1356 in Nürnberg die Goldene Bulle erließ.

Die Jahre zwischen 1470 und 1530 gelten als die Blütezeit von Nürnberg. Der Reichtum der Stadt kam durch das ausgezeichnete Handwerk sowie die günstige Lage als Handelsplatz in der Mitte Europas zustande. Gemeinsam mit Köln und Prag zählte Nürnberg In dieser Zeit zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches.

20 km barfuß durch Nürnberg

Der Adler, Deutschlands erste Eisenbahnlokomotive für den Personenverkehr

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Nürnberg zu einem der industriellen Zentren in Bayern. So fuhr 1835 als erste Eisenbahn für den Personenverkehr in Deutschland der „Adler“ von Nürnberg nach Fürth.

Unrühmliche Zeiten erlebe die Stadt im Nationalsozialismus als Stätte der NS-Reichsparteitage, durch die “Nürnberger Rassengesetze” und der NS-Kriegsverbrecherprozesse der Alliierten Siegermächte.

Heute ist Nürnberg unter anderem für seine nach starken Kriegszerstörungen in Teilen wiederaufgebaute mittelalterliche Altstadt, den weihnachtlichen Christkindlesmarkt und die einzigartigen Nürnberger Lebkuchen bekannt.

Als wir die Stadt am nächsten Morgen wieder verlassen, mache ich erst  einmal am Fabrikverkauf eines namhaften Lebkuchenherstellers halt. Dort decke ich mich für die kommende Weihnachtszeit ordentlich mit Lebkuchen ein. Ob meine Einkäufe das Weihnachtsfest aber tatsächlich erleben werden, da bin ich nicht ganz sicher. Denn dafür lachen sie mich einfach zu verlockend an  …

( MITI )

In Wasserburg am Inn

In Wasserburg am Inn
Wasserburg am Inn, 10.10.2018

Blick von der Inn-Brücke auf die Altstadt von Wasserburg

Viele Menschen haben ja irgendwo im Hinterkopf einen ganz persönlichen Sehnsuchtsort, der mit starken Emotionen verbunden sind. Für mich ist Wasserburg am Inn ein solcher Ort. Vor vielen Jahren habe ich eine Dokumentation über den Inn und die Städte an seinen Ufern gesehen. Und weil Wasserburg damals so ganz besonders romantisch auf mich wirkte, hat mich das irgendwie zum Träumen gebracht.

Jetzt habe ich Wasserburg endlich einmal besucht – und ich bin nicht enttäuscht worden. Am Morgen lag noch eine dicke Nebeldecke über der Stadt und ließ alles grau erscheinen. Aber am Mittag kam die Sonne heraus und brachte die vielen farbig angestrichenen Häuser so richtig zum strahlen.

Die Altstadt von Wasserburg liegt auf einer fast vollständig vom Inn umflossenen Halbinsel, die nur über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Vom gegenüberliegenden Steilufer, der Innleiten, überblickt man aus 70 Meter Höhe die gesamte Altstadt mit ihrer bis ins Mittelalter zurückreichenden Bausubstanz.

Schon zur Römerzeit bildete der Inn eine wichtige politische und kulturelle Grenze. Im frühen Mittelalter entstand eine erste Burg oberhalb des Flusses. Durch den Salzhandel, die Innschifffahrt und die damit verbundenen Einnahmen gelangte die Siedlung am Fuße der Burg zu Wohlstand.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt Wasserburg Stadtrechte. Zu deren Absicherung errichtete man eine Ringmauer mit Graben. Die strategisch günstige Lage sorgte dafür, dass die Stadt auch in den kriegerischen Wirren des Mittelalters nicht erobert oder zerstört wurde.

Die Halbinsel ist im Lauf der Jahrhunderte stetig nach Norden und Osten gewachsen, während der Inn das gegenüberliegende Steilufer abgetragen hat. Dieser Prozess kam erst mit der Befestigung der Ufer im Rahmen des Kraftwerksbaus am Inn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Stillstand.

In der warmen Mittagssonne strahlen die vielen belebten Plätze und Cafes zwischen den bunten Häusern ein fast mediterranes Flair aus. Es herrscht ein geschäftiges Treiben. Wie schön das hier ist. Ich bin ganz begeistert.

( MITI )

Der Prinzenweg zum Tegernsee

Der Prinzenweg zum Tegernsee
Schliersee, 6. Oktober 2018

Blick hinunter auf den Tegernsee

Ein beliebter Wanderweg am Schliersee ist der Prinzenweg, der durch die Berge zum Tegernsee führt. Als wir früh am Morgen von unserem Stellplatz aufbrechen, liegt der Schliersee noch ganz ruhig und verschlafen da.

Wir laufen am See entlang und verlassen den Ort Schliersee in nordwestlicher Richtung. Kurz hinter dem Ortsrand treffen wir auf den Stauweiher an der Hennererstraße, der vom Breitenbach gespeist wird. Ein Stück dahinter erreichen wir den Wanderparkplatz an der Hennerer Au.

Dort verlassen wir den Asphaltweg und beginnen unseren Aufstieg durch den dichten Wald. Jetzt sind wir auf dem Prinzenweg, der lange dem Breitenbach bergaufwärts folgt.

Immer höher geht es hinauf, doch erst mit dem Erreichen der Kreuzbergalm verlassen wir den Wald und können wir die ersten fantastischen Fernblicke hinunter zum Schliersee und auf die umgebenden Berge genießen.

Die Almhütte ist bereits geschlossen, die Kühe wieder im Tal. Doch es stehen noch mehrere Kästen Bier und Saft zur Selbstbedienung bereit. Ich gönne mir eine erfrischende Apfelschorle, dann geht es einen steilen Pfad durch die Almwiesen hinab und anschließend direkt wieder hinauf, bis wir am Gindelalmschneid den höchsten Punkt der Wanderung erreichen.

Von dort blickt man nach Süden zum Schliersee und nach Norden in die Ebene vor dem Oberland. Weit entfernt am Horizont kann man sogar den Großraum München erkennen.

Weiter geht es mehrere Kilometer durch den Wald auf der Hochebene. Wir folgen dem Gindelalmweg bis zur Gindelalm auf dem Berg Neureuth. Dort befindet sich der beliebte Burggasthof Neureuth, der jezt am Mittag bereits gut mit Gästen gefüllt ist. Von der Terrasse hat man einen fantastischen Blick hinunter zum südlichen Teil des Tegernsees.

In rund 90 Minuten kann man von dort oben zum Tegernsee hinabsteigen. Da wir bereits dreieinhalb Stunden unterwegs sind, will ich darauf jedoch heute verzichten und es beim schönen Blick auf den See belassen.

Also treten wir den Rückweg an, wobei wir auf der Kreuzbergalm noch einmal eine Rast in der warmen Nachmittagssonne einlegen. Diesmal gönne ich mir eine Johannisbeerschorle – auch sehr lecker!

Nach rund sieben Stunden, 24 Wanderkilometern und 680 Höhemetern im Aufstieg erreichen wir am Nachmittag wieder unser Wohnmobil. Das war eine tolle Tour mit herrlichen Fernblicken in das Alpenvorland. Gut, dass wir auf den Abstieg und Wiederaufstieg von und nach Tegernsee verzichtet haben, denn ich bin auch so schon ganz schön k.o. Und Doxi auch. Sie verkriecht sich in den Schatten unter dem Wohnmobil und schläft sofort ein.

( MITI )

Am schönen Schliersee

Am schönen Schliersee
Schliersee, 5.10.2018

Blick von der Oberleitenalm hinunter auf den See und den Ort Schliersee

Von Bad Tölz sind wir an den Schliersee weitergefahren, wo es einen kleinen kostenlosen Womo-Stellplatz mitten im Ort gibt. Wir haben Glück, dass wir unmittelbar vor dem Beginn des Wochenendes noch einen der nur vier Stellplätze ergattern können. Man steht dort sehr eng und es gibt keine Infrastruktur, aber die Lage ist wunderbar – in vier Minuten ist man am See.

Der Schliersee liegt etwa 50 Kilometer südöstlich von München in den Bayerischen Voralpen, zwischen dem Tegernseer Tal und dem Inntal. Er hat eine Fläche von 2,3 km² und ist größtenteils von Bergen umgeben. Im See befindet sich die kleine Insel Wörth. Sie ist Teil eines massiven, in ost-west Richtung verlaufenden Querdamms, der den See in zwei Becken gliedert.

Früher hatte der See regelmäßig mit einer starken Algenblüte zu kämpfen, die das Wasser blutrot erscheinen ließ. Ursache war die windgeschützte Lage des Sees und seine lange Eisbedeckung im Frühjahr. Sie hemmten die natürliche Umwälzung des Wassers.

Anfang der 1980er Jahre installierte man deshalb in beiden Seebecken Druckluftleitungen, die das Seewasser in drei bis vier Tagen komplett umwälzen. Seitdem ist die Algenblüte verschwunden und das Wasser des Sees wieder vollkommen klar.

Am späten Nachmittag breche ich mit Doxi zu einer ersten Tour auf. Wir laufen zum Kurpark am See und folgen ein Stück weit dem Uferseeweg in südlicher Richtung. Am Ortsrand verlassen wir den See und beginnen unseren Aufstieg zur Alm Oberleiten. Dahinter befindet sich der Berg Hirschgrohrkopf, an dessen Fuße die Ruine der Burg Hohenwaldeck über dem See thront. Dort wollen wir hin.

Am schönen Schliersee

Zwei neugierige Kühe vefolgen uns

Doch erst einmal haben wir auf der Alm Oberleiten beim Weg durch die Wiesen Kontakt mit neugierigen Kühen. Zwei davon verfolgen uns und sind besonders an Doxi interessiert  Vorsichtig beschnuppert man sich. Als wir die Alm verlassen wollen, wird Doxi von einem Teil der Herde eingekreist. Das ist ihr ganz schön unheimlich – und mir auch. Doch mit einem kleinen Sprint gelingt es ihr, der Herde zu entwischen.

Hinter dem Weidezaun setzen wir ungestört von den Kühen unseren Weg zur Burgruine fort. Unsere Seeseite liegt noch voll in der langsam untergehenden Sonne, während die andere Seeseite bereits in den Schatten der Berge gehüllt ist. Je höher wir kommen, desto schöner wird der Rückblick hinunter zum See.

Nach dem Erreichen der Burgruine beschließe ich deshalb, nicht weiter den See zu umrunden und die schattige Seite auszulassen. Statt dessen laufen wir den gleichen Weg hinunter nach Schliersee zurück – diesmal jedoch ohne Kontakt mit den Kühen, die mittlerweile auf ihrer großen Almwiese weiter gezogen sind.

( MITI )

Von Partenkirchen zum Eibsee

Von Partenkirchen zum Eibsee
Grainau, 4. Oktober 2018

Blick vom glasklaren Eibsee hinauf zur Zugspitze

Heute habe ich mit Doxi bei herrlichem Sonnenschein eine fast 30 km lange Wanderung von Partenkirchen zum Eibsee und zurück unternommen.

Eigentlich hatte ich geplant, mit der Zugspitzbahn hinauf auf die Zugspitze zu fahren. Doch nach dem Seilbahnabenteuer vorgestern wollte Doxi partout nicht mehr in den Bus und den Zug einsteigen. Sie hat vor Angst so sehr gezittert, dass ich das Vorhaben abgebrochen habe.

Statt dessen sind wir durch eine herrliche Wiesen- und Berglandschaft bis zum Fuße der Zugspitze am Eibsee gewandert, immer die Berge links und rechts des Partnach-Tals im Blick. Etwas mehr als dreieinhalb Stunden haben wir jeweils für den Hin- und den Rückweg benötigt.

Am Ufer des glasklaren Eibsees haben wir dann eine Rast mit Blick auf die Zugspitze eingelegt. Es dauert nicht lange, da kamen ein paar Enten angeflogen und landeten vor meinen Füßen im Wasser, in der Hoffnung, etwas von meiner Brotzeit abzubekommen. Einfach traumhaft dieser Blick über den See und auf die Berge. Schöner wird’s nimmer.

( MITI )

In der Partnachklamm

In der Partnachklamm
Garmisch-Partenkirchen, 3. Oktober 2018

Laut tosend stürzt das Wasser der Partnach durch die Klamm. Auf der linken Seite befindet sich der künstlich angelegte Steg.

Neben der Zugspitze ist die Partnachklamm die größte Touristenattraktionen in Garmisch-Partenkrichen. Mehr als 300.000 Menschen besuchen jährlich die enge, 700 Meter lange Schlucht, in der sich die wilde Partnach bis zu 80 Meter tief in das Gestein eingeschnitten hat.

In den Spitzenzeiten sind ganze Menschenmassen vom Parkplatz an der Olympiaschanze zum Eingang der Klamm unterwegs. Wir sind jedoch so früh dran, dass wir das Naturschauspiel gemeinsam mit einem japanischen Ehepaar für uns allein haben.

Die Schlucht wurde schon im 18. Jahrhundert von Einheimischen begangen, die unter Lebensgefahr gefällte Bäume und Brennholz aus dem Reintal auf dem Wasser der Partnach nach Partenkirchen transportierten. Beim Lösen verkeilter Baumstämme sind immer wieder Männer ums Leben gekommen. Davon berichten Bildtafeln an einem Wegkreuz zwischen dem Olympiastadion und dem Eingang zur Klamm.

Seit 1912 ist die Schlucht touristisch erschlossen. Sofern kein Hochwasser nach starken Regenfällen oder der Schneeschmelze den Weg versperrt, kann sie zu festgelegten Öffnungszeiten begangen werden.

Der Weg führt immer am linken Ufer der Partnach entlang, wenn man stromaufwärts blickt. Er wurde teilweise als Tunnel in den Fels gesprengt und ist selten mehr als 1,8 Meter hoch. An vielen Stellen ist es darin richtig dunkel. Daneben rauscht die Partnach unter unglaublichem Getöse talwärts.

Mehrfach schon habe ich TV-Dokumentationen über die Klamm gesehen, aber das Naturschauspiel live zu erleben, ist doch noch etwas anderes. Die Wildheit des Wassers, die Geräuschkulisse und der Regen, den Bäche von oben in die Klamm herabstürzen lassen, machen die Durchquerung zu einem richtigen Erlebnis. Gut, dass wir dafür so früh aufgestanden sind.

( MITI )

Rauf auf den Wank

Rauf auf den Wank
Garmisch-Partenkirchen, 2.10.2018

Blick hinunter nach Garmisch beim Aufstieg auf den Wank. Links über dem Ort: Die Zugspitze.

Wir sind in Garmisch-Partenkirchen angekommen und stehen auf dem großen terrassierten Womo-Stellplatz an der Talstation der Wank-Bergbahn. Direkt neben uns erhebt sich der 1.780 Meter hohe Berg.

Ich bin zwar schon tausende von Kilometern gewandert, meine Bergefahrung hält sich bislang jedoch sehr in Grenzen. Von daher freue ich mich zu erfahren, dass man den Wank relativ mühelos begehen kann. Also laufe ich gleich mit Doxi los.

Rund drei Stunden benötigen wir für die 1.000 Höhenmeter bis zum Gipfel bei einer Wegstrecke von rund 8 Kilometern. Unterwegs eröffnen sich uns immer wieder fantastische Fernblicke hinunter nach Garmisch und weiter zum Zugspitz-Massiv.

Oben auf dem Berg liegt ein klein wenig Schnee und Doxi stürzt sich gleich voller Begeisterung in die ersten Schneeflächen. Sie rollt sich im Schnee ab und schleckt fleißig daran herum, wie wir es von ihr kennen. Ganz süß ist das.

Auf dem Gipfel ist deutlich kälter als unten im Tal, aber das hätte ich mir natürlich denken können. Da ich vom Aufstieg ordentlich verschwitzt bin, will ich nicht lange im kalten Wind verweilen. Spontan entschließe ich mich, dass wir für den Abstieg die Bergbahn nutzen.

Mit Doxi besteige ich eine der kleinen Viererkabinen. Madame ist die Sache nicht geheuer. Sie ist ganz schön aufgeregt und hechelt herum. Insbesondere beim Passieren der Seilmasten, wenn die Kabine ein wenig durchgeschüttelt wird, drückt sie sich ängstlich an mich.

Als wir an der Mittelstation die Kabine wechseln müssen, will Doxi gar nicht erst einsteigen.  Aber sie wird nicht gefragt und von mir einfach in die Kabine geschubst. Dafür gibt es unten an der Talstation aber auch eine feine Belohnung: Eine ganze Leberkässemmel für Doxi allein. Da hat sich der Stress doch richtig gelohnt 🙂

( MITI )

Hier wohnte der Märchenkönig

Hier wohnte der Märchenkönig
Ettal, 2. Oktober 2018

Fontäne über dem Teich

Südlich von Oberammergau befinden sich auf dem Gemeindegebiet von Ettal zwei kulturhistorische Sehenswürdigkeiten ersten Ranges: Das Schloss Linderhof und die Bendiktinerabtei Ettal.

Wir besuchen früh am Morgen zunächst das Schloss Linderhof und haben das Glück, noch vor den ersten Bussen mit Touristen aus aller Welt dort einzutreffen.Das Schloss ist ein fester Bestandteil vieler Bayern- und Deutschland-Rundreisen und verzeichnet jährlich annähernd eine halbe Million Besucher.

Es ist das kleinste der drei Schlösser des “Märchenkönigs” Ludwigs II. und das einzige, das noch zu seinen Lebzeiten vollendet wurde. Linderhof gilt als das Lieblingsschloss Ludiwgs, in dem er sich mit Abstand am häufigsten aufhielt.

Das Schloss zitiert in seiner Gestalt französische Lustschlösser des 18. Jahrhunderts. Außerdem werden Motive des bayerischen Rokokos aufgegriffen. Man sieht es dem Bau nicht an, aber das Schloss wurde komplett aus Holz errichtet und nur mit Putz verkleidet.

Mit dem Bau des Schlosses wurde zwischen 1874 und 1880 auch der Schlossgarten angelegt, der mich besonders beeindruckt. Neben Anleihen aus Barock- und Rokkokogärten folgt der Park im Graswangtal den Vorbildern englischer Landschaftsgärten mit Baumgruppen, prächtigen Solitärbäumen und verschlungenen Wegen.

Hier wohnte der Märchenkönig

Englischer Landschaftsgarten vor Bergkulisse

Das großflächige Gelände ist mit zahlreichen Zierbauten und Follies durchsetzt. Unmittelbar vor dem Schloss befindet sich eine Terrassenanlage mit großem Teich und Wasserspielen, dahinter auf einer durch Treppen zu erreichenden Anhöhe ein kleiner Venustempel.

Daneben gibt es exotische Parkbauten wie den Maurischen Kiosk, das Marokkanische Haus, die sogenannte Einsiedelei des Gurnemanz und eine künstliche Venusgrotte, die Bezug auf Richard Wagners Tannhäuser nimmt. Die Grotte war bei unserem Besuch leider nicht zugänglich, weil sie gemeinsam mit anderen Teilen der Anlage derzeit renoviert wird.

Eigentlich sind wir auf dem Weg nach Garmisch-Partenkirchen. Ich bin froh, dass wir diesen Abstecher unternommen haben. Wirklich eine tolle Anlage, dieses Schloss Linderhof. Gefällt mir persönlich viel besser als das völlig überkitschte Schloss Neuschwanstein.