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Von Wevelinghoven in den Bend

Von Wevelinghoven in den Bend
Grevenbroich, 8. November 2018

Herbstidylle an der Erft mitten in Grevenbroich

Eine äußerst kurzweilige Wanderung habe ich heute an der Erft zwischen Wevelinghoven und Grevenbroich unternommen. Der Startpunkt lag gerade einmal 13 Kilometer von meinem Zuhause entfernt, am Sportplatz von Wevelinghoven. Wieder einmal durfte ich feststellen, dass ich bei uns in der Gegend noch längst nicht jede Ecke kenne – trotz ungezählter Wanderungen und Fahrradtouren in den letzten als 25 Jahren.

Vom Startpunkt ging es direkt zur träge dahinfließenden Erft, in der sich zurzeit die herbstlich bunten Laubbäume spiegeln. Heute sogar unter einem fast makellos blauen Himmel.

Obwohl der weitere Weg durch Grevenbroich führt, bleiben wir fast die gesamte Zeit im Grünen. Wir laufen durch Parks und Grünflächen, die zur Landesgartenschau 1995 entstanden sind und weiterhin gepflegt werden. So hatte ich die „Schloss-Stadt“ am Rande der großen Braunkohlekraftwerke Frimmersdorf und Neurath noch gar nicht kennengelernt

Hinter Grevenbroich kommen wir in den Bend, ein Waldgebiet, in dem ein großes Wildgehege mit Rotwild, Schwarzwild, Kühen und Gänsen beheimatet ist. Wir laufen bis kurz vor die Autobahn A540 und folgen dann wieder der Erft zurück in Richtung des Zentrums.

Dabei passieren wir die Wildwasser-Kajak-Strecke an der Erft, das Alte Schloss und die Innenstadt rund um die Kirche. Dann geht es auch schon wieder ins Grüne und an der Erft entlang zurück nach Wevelinghoven, das wir nach zweieinhalb Stunden und elf Wanderkilometern wieder erreichen. So eine schöne Tour, so nah bei uns zu Hause. Die werden wir bestimmt im Winter oder im Frühling noch einmal laufen.

( MITI )

Von Konzen ins Venn

Von Konzen ins Venn
Konzen, 6. November 2018

Auf schmalen Holzstegen geht es durch die feuchte Moorlandschaft des Venns

Anfang November, und im Hohen Venn südlich von Aachen an der Deutsch-Belgischen-Grenze zeigt das Thermometer zur Mittagszeit 18 Grad an. Wahnsinn! Nur die Gelbfärbung des Venngras und der Rotstich in den Heidesträuchern verrät, dass es Herbst ist und nicht etwa Frühling.

Ich laufe mit Doxi eine 18 Kilometer lange Runde, die bei Konzen an der ehemaligen Strecke der Vennbahn beginnt. Zunächst geht es durch den Wald stetig bergauf bis auf eine Höhe von 658 M.ü.N.N. am Berg Stelling. Wir folgen dem Kaiser-Karl-Weg, der die historische Route des Herrschers von einem karolingischen Königshof in Konzen zur Kaiserkrönung in Aachen nachzeichnet.

Dann geht es auf Holzstegen durch das Nahtsief, eines der zahlreichen Feuchtmoore, die sich in dieser Region mit Waldgebieten abwechseln. Die Stege sind teilweise rutschig und geben auch schon einmal ein wenig nach. Ein Teilstück ist komplett gesperrt, weil der Steg tief in den feuchten Boden eingesunken ist.

Von Konzen ins Venn

Hier wurde 1935 ein Schmuggler von einem belgischen Zöllner erschossen

Die Landschaft wird von offenen Flächen mit Venngras und Heidesträuchern bestimmt, dazwischen immer wieder Birken und andere Laubbäume. An einigen Stellen ist die offene Fläche gezielt abgebrannt worden, um die weitere Ausbreitung von Bäumen zu unterdrücken.

In der Region wurde zwischen den beiden Weltkriegen sehr viel geschmuggelt – Kaffee, Tee und weitere Waren in kleinen Mengen auf dem Rücken der Schmuggler von Belgien ins Deutsche Reich. Wir passieren einen ausgewiesenen Schmugglerpfad und ein Holzkreuz, das an einen 1935 von belgischen Zöllnern erschossenen Schmuggler erinnert.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass wir zuletzt in diesem Bereich des Hohen Venn unterwegs waren. Damals, im Januar, lag noch richtig viel Schnee. Schön ist das, diese Landschaft heute einmal im Herbst zu erleben. Da wirkt sie ganz anders als im tiefen Winter.

( MITI )

Bummel durch Gent

Bummel durch Gent
Gent (B), 4. November 2018

An der Graslei hinter dem Kornmarkt und der Alten Post legen die Ausflugsschiffe für Grachtenfahrten ab

Huch, ist das noch dunkel. Der erste Sonntag im November beginnt für uns schon vor dem Sonnenaufgang. Wir wollen ins belgische Gent, rund 250 Kilometer von Büttgen entfernt. Auf den Autobahnen ist um diese Uhrzeit kaum Verkehr. Wir fahren über Maastricht, Genk, Brüssel, und sind nach rund zweieinhalb Stunden am Ziel.

Gent liegt 50 Kilometer westlich von Brüssel im Gebiet des Zusammenflusses von Schelde und Leie. Durch den blühenden Tuchhandel wuchs Gent im Mittelalter zu einer der bedeutendsten Städte Europas heran. Bis etwa 1550 war sie die größte Stadt der Niederlande, noch größer war außerhalb Italiens lediglich Paris. Viele prächtige Bauten zeugen noch heute vom Reichtum dieser Epoche.

Im sechzehnten Jahrhundert spielte Gent eine wichtige Rolle beim Aufstieg des Calvinismus. Die Stadt gehörte von 1522 bis 1714 zu den Spanischen Niederlanden, danach bis 1795 zu den Österreichischen Niederlanden.

Vom Ende des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verfiel Gents Wirtschaft, die Bevölkerung ging von über 50.000 bis 1650 auf 31.000 zurück. Ende des 18. Jahrhunderts erlebte die Stadt dann eine zweite Blüte, als Gent zu einer der ersten industrialisierten Städte auf dem europäischen Festland wurde.

Ich habe für uns eine Stadtwanderung herausgesucht, die an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Wir starten an der Ruderstrecke im Westen von Gent und laufen an der Schelde entlang in Richtung Zentrum.

Bummel durch Gent

Graffiti am Stadtmuseum STAM

Als erstes historisches Areal begegnet uns die ehemalige Zisterzienserabtei Bijloke, die einem ganzen Stadtteil ihren Namen verliehen hat. Auf dem riesigen Abteigelände sind seit 2010 das Stadtmuseum von Gent, ein Konzertsaal und weitere kulturelle Einrichtungen untergebracht.

Anschließend geht es am prachtvollen Gerichtsgebäude aus dem 19. Jahrhundert vorbei in das historische Zentrum. Ein Großteil der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bausubstanz ist erhalten geblieben, wobei die Stadtsilhouette durch drei Türme dominiert wird, die  als „de drie torens“ bekannt sind. Es sind dies der 95 m hohe Genter Belfried, der Turm der St.-Bavo-Kathedrale und der Turm der Sint-Niklaaskerk am Kornmarkt.

Wir laufen am prächtigen Alten Rathaus vorbei, passieren die Alte Post und stehen bald vor der Burg Gravensteen (Grafenstein), der Residenz der Grafen von Flandern aus dem 12. Jahrhundert. Weiter geht es am Wasser entlang zur Gracht des alten Hafens, der Graslei und der Korenlei mit ihren alten Giebelhäusern. Es gibt so viel zu sehen hier. Ich glaube, wir müssen demnächst noch einmal mit dem Wohnmobil wiederkommen und hier ein paar Tage verbringen.

( MITI )

In der schönen Brunssumerheide

In der schönen Brunssumerheide
Brunssum (NL), 3. November 2018

Heidelandschaft durchsetzt mit Eichen, Tannen und Kiefern zwischen Brunssum und Landgraaf

Herbstzeit ist Heidezeit. Wenn sich die Laubbäume bunt färben und die Heidesträucher blühen, verströmt die Heidelandschaft ihre ganz besondere Magie. Das konnten wir heute wieder in der Brunssumerheide auf der holländischen Seite der Deutsch-Niederländischen-Grenze nördlich von Aachen erleben.

Die Brunssumerheide ist Teil einer Kette kleinflächiger Heidegebiete, die sich in der niederländischen Provinz Limburg auf den urzeitlichen Sandablagerungen von Rhein und Maas erhalten haben.

Auf dem sandigen Untergrund gedeihen neben Eichen vor allem Tannen und Kiefern. Die Beweidung mit Schafen sorgt dafür, dass die Flächen offen bleiben. Die Landschaft ist nicht komplett flach, sondern immer wieder mit kleinen Hügeln durchsetzt. Von deren Spitze hat man einen wunderbaren Überblick über die Landschaft.

Auf einer elf Kilometer langen Wanderung laufen wir bei sonnigem Herbstwetter kreuz und quer durch die Heide. Am Eingang, beim Naturparkinformationszentrum, knubbelt sich der Besucherstrom noch ein wenig, doch im hinteren Bereich der Heide sind nur noch vereinzelt Wanderer unterwegs.

Richtig schön ist das bei diesem herrlichen Wetter und Doxi liebt es, auf den sandigen Flächen nach Stöckchen zu jagen. So kann man den Herbst richtig genießen.

( MITI )

20 km barfuß durch Nürnberg

20 km barfuß durch Nürnberg
Nürnberg, 12.10.2018

Das mittelalterliche Heilig-Geist.Spital, in dem früher auch die Reichsinsignien aufbewahrt wuren

Nach zweieinhalb Wochen im südlichen Bayern geht es für Doxi und mich so langsam wieder in Richtung Heimat. Als letzte große Stadt südlich des Mains besuchen wir Nürnberg. Mit dem Wohnmobil stehen wir an einem kostenlosen Stellplatz in der Nähe des innerstädtischen Wöhrder See, rund drei Kilometer von der historischen Altstadt entfernt.

Von dort unternehmen wir am Morgen und am Nachmittag bei herrlichem Sonnenschein zwei ausgedehnte Stadtwanderungen durch Nürnberg. Bei unserer ersten Tour lasse ich mich ein wenig durch die Stadt treiben, bei unserer zweiten Tour versuche ich dann, der sogenannten „historischen Meile“ zu folgen, was mir jedoch nur teilweise gelingt. Barfuß war bei diesen beiden Touren übrigens nur Doxi unterwegs, ich hatte meine geliebten Wanderschuhe an  🙂

Mit mehr als einer halben Million Einwohner ist das moderne Nürnberg hinter München die zweitgrößte Stadt im Freistaat Bayern. Sie erstreckt sich in einem flachen Tal auf beiden Seiten der Pegnitz, die die Stadt von Ost nach West durchquert.

Erstmalige urkundliche Erwähnung fand die Stadt bereits in der Sigena-Urkunde aus dem Jahr 1050. Die erste anhaltende Wachstumsphase erlebte sie als eigenständige Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs ab 1219.

Von 1424 bis 1796 wurden im Heilig-Geist-Spital zu Nürnberg die Reichsinsignien bestehend aus Reichskrone, Heiliger Lanze und das Reichsschwert aufbewahrt. Alle deutschen Könige und Kaiser weilten in diesen Jahrhunderten zumindest zeitweilig in Nürnberg, darunter auch Karl IV., der 1356 in Nürnberg die Goldene Bulle erließ.

Die Jahre zwischen 1470 und 1530 gelten als die Blütezeit von Nürnberg. Der Reichtum der Stadt kam durch das ausgezeichnete Handwerk sowie die günstige Lage als Handelsplatz in der Mitte Europas zustande. Gemeinsam mit Köln und Prag zählte Nürnberg in dieser Zeit zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches.

20 km barfuß durch Nürnberg

Der Adler, Deutschlands erste Eisenbahnlokomotive für den Personenverkehr

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Nürnberg zu einem der industriellen Zentren in Bayern. So fuhr 1835 als erste Eisenbahn für den Personenverkehr in Deutschland der „Adler“ von Nürnberg nach Fürth.

Unrühmliche Zeiten erlebe die Stadt im Nationalsozialismus als Stätte der NS-Reichsparteitage, durch die „Nürnberger Rassengesetze“ und der NS-Kriegsverbrecherprozesse der Alliierten Siegermächte.

Heute ist Nürnberg unter anderem für seine nach starken Kriegszerstörungen in Teilen wiederaufgebaute mittelalterliche Altstadt, den weihnachtlichen Christkindlesmarkt und die einzigartigen Nürnberger Lebkuchen bekannt.

Als wir die Stadt am nächsten Morgen wieder verlassen, mache ich erst einmal am Fabrikverkauf eines namhaften Lebkuchenherstellers halt. Dort decke ich mich für die kommende Weihnachtszeit ordentlich mit Lebkuchen ein. Ob meine Einkäufe das Weihnachtsfest aber tatsächlich erleben werden, da bin ich nicht ganz sicher. Denn dafür lachen sie mich einfach zu verlockend an  …

( MITI )

In Wasserburg am Inn

In Wasserburg am Inn
Wasserburg am Inn, 10.10.2018

Blick von der Inn-Brücke auf die Altstadt von Wasserburg

Viele Menschen haben ja irgendwo im Hinterkopf einen ganz persönlichen Sehnsuchtsort, der mit starken Emotionen verbunden sind. Für mich ist Wasserburg am Inn ein solcher Ort. Vor vielen Jahren habe ich eine Dokumentation über den Inn und die Städte an seinen Ufern gesehen. Und weil Wasserburg damals so ganz besonders romantisch auf mich wirkte, hat mich das irgendwie zum Träumen gebracht.

Jetzt habe ich Wasserburg endlich einmal besucht – und ich bin nicht enttäuscht worden. Am Morgen lag noch eine dicke Nebeldecke über der Stadt und ließ alles grau erscheinen. Aber am Mittag kam die Sonne heraus und brachte die vielen farbig angestrichenen Häuser so richtig zum Strahlen.

Die Altstadt von Wasserburg liegt auf einer fast vollständig vom Inn umflossenen Halbinsel, die nur über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Vom gegenüberliegenden Steilufer, der Innleiten, überblickt man aus 70 Meter Höhe die gesamte Altstadt mit ihrer bis ins Mittelalter zurückreichenden Bausubstanz.

Schon zur Römerzeit bildete der Inn eine wichtige politische und kulturelle Grenze. Im frühen Mittelalter entstand eine erste Burg oberhalb des Flusses. Durch den Salzhandel, die Innschifffahrt und die damit verbundenen Einnahmen gelangte die Siedlung am Fuße der Burg zu Wohlstand.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhielt Wasserburg Stadtrechte. Zu deren Absicherung errichtete man eine Ringmauer mit Graben. Die strategisch günstige Lage sorgte dafür, dass die Stadt auch in den kriegerischen Wirren des Mittelalters nicht erobert oder zerstört wurde.

Die Halbinsel ist im Lauf der Jahrhunderte stetig nach Norden und Osten gewachsen, während der Inn das gegenüberliegende Steilufer abgetragen hat. Dieser Prozess kam erst mit der Befestigung der Ufer im Rahmen des Kraftwerksbaus am Inn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Stillstand.

In der warmen Mittagssonne strahlen die vielen belebten Plätze und Cafés zwischen den bunten Häusern ein fast mediterranes Flair aus. Es herrscht ein geschäftiges Treiben. Wie schön das hier ist. Ich bin ganz begeistert.

( MITI )