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Tour durch Niedersachsen

Am Hafen von Lüneburg

Soeben bin ich von einer knapp dreiwöchigen Wohnmobil-Tour mit Doxi durch Niedersachsen zurückgekehrt. Wir haben viele Orte und Regionen besucht, die mir bis dahin weitgehend unbekannt waren, und sind jeden Tag gewandert, insgesamt rund 250 Kilometer. Das Wetter war zwischendurch ein wenig durchwachsen, aber ich hatte immer meine Regenjacke dabei, und so sind wir stets gut durchgekommen.

Ich hatte gar nicht damit gerechnet, so viele schöne und traditionsreiche Altstädte im Norden Deutschlands vorzufinden. Meine Foto-Sammlung mit historischen Haustüren ist durch diese Reise auf jeden Fall wieder ordentlich angewachsen.

Los ging es in Bad Meinberg am Ostrand von NRW. Dort haben wir drei Tage auf dem Yoga Vidya Musikfestival verbracht und viele mitreißende Konzerte mit yogischer Musik erlebt.

Dann sind wir durch das Bergland von Weser und Aller nordwärts getourt, bis zur Lüneburger Heide, in der wir die Pfingsttage verbracht haben. Anschließend führte unser Weg in südöstlicher Richtung durch Niedersachsen in Richtung des Harzes.

Konkret haben wir in folgenden Orten Station gemacht: Bad Meinberg, Blomberg, Schiedersee, Lügde, Emmerthal, Springe, Salzhemmendorf, Aldorf a.d. Leine, Hildesheim, Celle, Undeloh, Schneverdingen, Niederhaverbeck, Buchholz in der Nordheide, Lüneburg, Uelzen, Gifhorn, Wolfsburg, Wolfenbüttel, Salzgitter, Vienenburg und Bad Harzburg.

Die Tage waren angefüllt mit Wandern, Bloggen, Yoga, Kochen und Reiseorganisation. Es war fast en wenig viel, aber ich wollte so viele Städte entdecken, wie möglich. Auf der Karte meiner Wohnmobil-Reisen enthielt diese Region bislang viele weiße Flecken. Nun nicht mehr 🙂

Hier haben wir haben bei dieser Tour mit dem Wohnmobil gestanden:
OrtBezeichnungAnfahrtPreisSt
Alfeld
Zwei ausgewiesene Stellplätze für Wohnmobile auf einem asphaltierten Großparkplatz für PKW unmittelbar am historischen Zentrum von Alfeld. Keine Infrastruktur vorhanden.
Stellplatz BornstraßeBornstraße
31061 Alfeld/Leine
0€
Bad Harzburg
Stellplatz neben der Sole-Therme an der Radau auf zwei Ebenen. In der oberen Ebene rund um einen kleinen Teich. V/E vorhanden. Bergbahn hinauf zum großen Burgberg direkt neben dem Platz. Viele Wandermöglichkeiten.
Stellplatz an der Sole-ThermeNordhäuser Straße 4
38667 Bad Harzburg
10 €Strom verfügbar
Bad Meinberg
Abgetrennter Bereich für Wohnmobile auf einem großen Asphaltparkplatz. Nur für Gäste von Yoga Vidya.
Stellplatz Yoga VidyaYogaweg 7
32805 Horn-Bad Meinberg
0€
Blomberg/Lippe
Großer Asphaltparkplatz mit abgetrenntem Bereich für Wohnmobile. Altstadt und Marktplatz in wenigen Minunten fußläufig erreichbar. Schöne Wandermöglichkeiten in der Umgebung.
Stellplatz am SchützenplatzAlter Dreschplatz
32825 Blomberg/Lippe
0€Strom verfügbar
Buchholz
Schöner Campingplatz mit großem Badesee in der Mitte. Volständig ausgestattet. Stellplätze für Wohnmobile vor der Schranke.
Campingplatz NordheideWeg zum Badeteich 20-30
21244 Buchholz Holm-Seppensen
15 €Strom verfügbar
Celle
Großer, gut ausgestatteter Stellplatz auf Rasengittersteinen, nur fünf Fußminuten von der historischen Altstadt entfernt. Alles vorhanden, was man braucht.
Wohnmobilstellplatz am Badeland 77er Straße 36
29221 Celle
10 €Strom verfügbar
Emmerthal
Wanderparkplatz direkt am Schloss auf Schotter. Hervorragend geeignet für Wanderungen rund um das Schloss und durch das Tal der Emmer. Keine Infrastruktur.
Wanderparkplatz Schloss Hämelschenburg kein offizizeller StellplatzSchloßstraße 1
31860 Emmerthal
0€
Gifhorn
Stellplatz hinter dem Freibad/Schwimmbad. Abgetrenntes Areal auf Rasengittersteinen im Grünen. Kurze Wege zum Schloss, zum Mühlenmuseum und zur Innenstadt von Gifhorn. V/E vorhanden.
Stellplatz an der AllerwelleZur Allerwelle 1
38518 Gifhorn
5 €Strom verfügbar
Hildesheim
Wunderbarer Platz, um Hildesheim zu entdecken. Direkt am See und Freizeitgelände gelegen. Altstadt in 20 Minuen fußläufig erreichbar, dabei geht es immer durchs Grüne.
Stellplatz am HohnsenseeHohnsen
31134 Hildesheim
0€
Lügde
PKW-Parkplatz am Rande des historischen Altstadt nahe der Emmer. Teilweise unter Bäumen. Keine Infrastruktur.
Stellplatz an den TennisplätzenHöxterstraße 1
32676 Lügde
0€
Lüneburg
Großer Stellplatz am Rande der Innenstadt bei den Sportsätten. Gut ausgestattet. Strom im Preis inklusive. Altstadt fußläufig erreichbar.
Stellplatz SülzwiesenAm Bargenturm
21335 Lüneburg
13 €Strom verfügbar
Salzgitter
Stellplatz auf Aspaltparkplatz direkt am See. Schöne Umgebung, viele Freizeitmöglichkeiten. Schwimmbad gleich nebenan. V/E vorhanden.
Stellplatz am SalzgitterseeZum Salzgittersee
38226 Salzgitter
5 €Strom verfügbar
Salzhemmendorf
Vollständig ausgestatteter Stellplatz auf Schotter/Rasen direkt an der Therme. Guter Ausgangspunkt für Wanderungen auf den Thürs und zum Lönsturm.
Stellplatz an der Ith-Sole-Therme In der Saale Aue 2-5
31020 Salzhemmendorf
7,5 €Strom verfügbar
Schneverdingen
Schöner kleiner Stellplatz auf Rasen direkt vor dem Freibad am Ortsrand. V/E vorhanden. Innenstadt fußläufig erreichbar.
Stellplatz am QuellenbadInseler Straße
29640 Schneverdingen
0€
Springe
Drei ausgewiesene Womo-Stellpätze auf Asphalt am Stadtmuseum gleich neben dem Rathaus. Nur wenige Schritte bis zum Zentrum von Springe. Keine Infrastruktur.
Stellplatz Alter Museumshof Auf dem Burghof 1
31832 Springe
0€
Undeloh
Parkplatz für PKW und Wohnmobile auf Erde/Rasen unter Bäumen am Ortrsrand von Undeloh gegenüber dem Heide-Infomationszentrum. Idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in der Heide. Keine Infrastruktur.
Stellplatz am NaturschutzparkWilseder Straße
21274 Undeloh
9 €
Vienenburg
Einfacher Asphaltparkplatz in Seenähe für vier Wohnmobile unter hohen Bäumen. Keine Infrastruktur.
Stellplatz Vienenburger SeeSchacht I
38690 Goslar
0€
Völlinghausen
Shöner Stellplatz auf Schotter direkt am Rand des Arnsberger Waldes. Keine Infrastruktur.
Stellplatz PferdekampPferdekamp
59519 Möhnesee
0€
Wolfenbüttel
Feiner, guter ausgestatteter Stellplatz am Bad im Grünen. Strom, Dusche und WC im Preis inbegriffen. Schöne Altstadt fußläufig erreichbar.
Wohnmobilpark Stadtbad OkeraueHarztorwall 21
38300 Wolfenbüttel
12 €Strom verfügbar
Wolfsburg
Stellplatz für acht Wohnmobile auf Asphalt. Abgetrenntes Areal neben dem Parkplatz der Autostadt. Kurze Wege zur Autostadt. Innenstandt von Wolfsburg rund 2,5 km entfernt. Anmeldung und Zugang etwas umständlich. Strom und Wasser im Preis inbegriffen.
Stellplatz in der AutostadtBerliner Brücke
38440 Wolfsburg
9 €Strom verfügbar

( MITI )

Rund um Bad Meinberg

Rund um Bad Meinberg
Bad Meinberg, 31.05.2019

Von Wäldern, Wiesen und Hügeln geprägt, die Landschaft östlich von Bad-Meinberg

Tag
1
Schon mehrmals war ich mit dem Wohnmobil zu Ausbildungen im Schulungszentrum von Yoga Vidya in Bad Meinberg. Doch diesmal hatte ich zum ersten Mal Doxi dabei.

Im Vorfeld hatte ich etwas Bedenken, ob das gut funktionieren würde, denn es war klar, dass ich Doxi immer wieder für einige Stunden im Wohnmobil würde zurücklassen müssen. Doch ich habe einen wunderbaren Schattenplatz unter Bäumen erwischt, wodurch es im Wohnmobil nicht zu heiß wurde.

Und das Salvaticum, der “Länderbaumpark”, gleich neben dem Schulungszentrum, erwies sich als ideal, um zwischendurch mal schnell für eine halbe Stunde mit Doxi rauszugehen. Großzügige Wiesenflächen zum Stöckchenwerfen, kühlende Bachläufe und lauschige Rastplätze unter uralten Bäumen – alles vorhanden, was meinen Hund glücklich macht.

In der Mittagspause sind wir dann jeweils zwei bis drei Stunden gewandert, jeden Tag in eine andere Himmelsrichtung. Und ich muss sagen: Die Gegend rund um Bad Meinberg ist wirklich schön. In der leicht hügeligen Landschaft östlich des Eggegebirges wechseln sich Wälder und Feldflächen ab. Immer wieder kann man weite Blicke in die fruchtbare Landschaft genießen. Ich bin sehr froh, dass das alles so gut geklappt hat.

( MITI )

Auf dem Yoga Vidya Musikfestival

Auf dem Yoga Vidya Musikfestival
Yoga Vidya, Bad Meinberg, 2. Juni 2019

Sundaram mit Band on stage

Tag
4
Zum 15. Mal fand in diesem Jahr das große Yoga Vidya Musikfestival statt und zum ersten Mal war ich als Gast mit dabei. Vier Tage lang gab es jede Menge Konzerte mit klassisch-indischer und yogischer Musik, Musik-Workhops und Mantra-Yogastunden.

Ich habe Konzerte des Maharaj-Trios aus Indien, sowie von Judith Maria Günzl, Sundaram, Swami Gurusharananda, Guna Nada, Satyaa und Pari, sowie der Gaiatrees besucht. Es wurde viel gesungen und ekstatisch getanzt. Ein großartiges Erlebnis.

( MITI )

Durch die Wälder bei Blomberg

Durch die Wälder bei Blomberg
Blomberg, 2.06.2019

Am Marktplatz von Blomberg

Tag
5
Es ist immer das Gleiche: Wenn ich erst einmal ein paar Tage in einem der Ashrams von Yoga Vidya verbracht habe, fällt es mir schwer, von dort wieder aufzubrechen. Bis mir wieder einfällt, dass es bei Yoga ja auch darum geht, nicht anzuhaften.

Und so bin ich nach dem Ende des Yoga Vidya Musikfestivals am späten Nachmittag weiter gefahren, ins 12 Kilometer entfernte Blomberg. Dort gibt es einen kostenlosen Womo-Stellplatz am Ortsrand. Von dort breche ich mit Doxi am frühen Abend zu einer 14 km langen Wanderung durch die Wälder rund um Blomberg auf.

Es ist der erste Tag in diesem Jahr mit Temperaturen über 30 Grad, und so passt es, dass diese Wanderung fast vollständig durch dicht bewachsene Waldgebiete führt. Dadurch sind wir fast ausschließlich im Schatten großer Bäume unterwegs. Sehr angenehm ist das. Nur an schönen Aussichten in die umgebende Landschaft mangelt es auf dieser Tour ein wenig, aber man kann schließlich nicht alles haben.

Blomberg liegt im Osten des Kreises Lippe, rund 45 Kilometer östlich von Bielefeld und 20 Kilometer nordöstlich von Detmold, im Zentrum des sogenannten Blomberger Beckens, das von den bewaldeten Bergrücken des Barntruper und Blomberger Stadtwaldes umgeben ist.

Die Stadt besitzt eine gut erhaltene historische Altstadt rund um den Marktplatz mit dem historischen Rathaus. Die bekannteste noch lebende Persönlichkeit aus dem Gemeindegebiet ist der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, geboren im Ortsteil Mossenberg-Wöhren.

( MITI )

Wanderung zum Schiedersee

Wanderung zum Schiedersee
Schieder-Schwalenberg, 3. Juni 2019

Blick vom Waldrand hinunter zum Schiedersee

Tag
5
Nach der Hitze des gestrigen Tages sollen heute ab der Mittagszeit heftige Gewitter für Abkühlung sorgen. Vorher möchte ich noch eine größere Wanderung unternehmen. Deshalb breche ich mit Doxi schon in aller Herrgottsfrühe von unserem Stellplatz in Blomberg in Richtung des Schiedersees auf.

Der beschauliche See liegt am Fuße der Stadt Schieder-Schwalenberg im Weserbergland im Kreis Lippe. Er ist auch als Emmerstausee bekannt, weil er die Emmer als Hochwasserschutz für die Stadt Lüdge aufstaut. Deren Altstadt wurde früher bei Hochwassern der Emmer regelmäßig überflutet.

Mit einer Länge von rund 3 km und einer Breite von etwa 350 m ist der Schiedersee ein beliebtes Naherholungsgebiet. Mehrere Segelvereine unterhalten kleine Marinas am See und es gibt ein größeres Passagierboot, das verschiedene Ziele am See ansteuert.

Da der See durch massive Sedimenteintragungen der Emmer immer wieder zu verlanden drohte, wurde im Jahr 2015 eine Umflut errichtet. Durch diesen Kanal am Nordufer des Sees kann die Emmer bei normalen Pegelständen ganz oder teilweise am See vorbei geführt werden.

Als ich mit Doxi nach rund zweieinhalb Stunden das Seeende am Nordufer erreiche, sind bereits dunkle Wolken aufgezogen und in der Ferne grummelt es. Ich mache mir etwas Sorgen, denn unser Rückweg führt durch ausgedehnte Waldgebiete mit wenig Schutzmöglichkeiten. Aber das Wetterradar signalisiert, daß die Gewitterfront noch ein gutes Stück entfernt liegt.

Auf halber Strecke des Rückwegs beginnt es dann aber tatsächlich zu regnen. Ich beschleunige meinen Schritt, damit wir nicht gar zu nass werden, und das funktioniert auch. Als wir nach etwas mehr als vier Stunden und knapp 19 Wanderkilometern wieder am Wohnmobil eintreffen, bin ich mehr verschwitzt, als vom Regen durchnässt. Das hat doch gut gepasst 🙂

( MITI )

Die Türen von Lügde

Die Türen von Lügde
Lügde, 3. Juni 2019

Villa Hachel hinter dem ehemaligen Augistiner-Stift mit schönem Hauseingang

Tag
5
In Lügde gibt es viele interessante Hauseingänge zu bestaunen. Die ehemaligen Bauernhäuser im Ort haben meist doppelflügelige Tore. die von einem halbkreisförmigen Bogen überspannt werden, und genügend Platz zur Durchfahrt eines Pferdegespanns bieten. Diese Tore sind meist schlicht und funktional gehalten, beeindrucken aber durch ihre Größe.

Die Bürgerhäuser aus der Biedermeierzeit weisen dagegen schmuckvolle, farbige Türen auf, die dem Haus eine individuelle Note verleihen. Hier eine kleine Auswahl.

( MITI )

Lügde – Die Stadt der Osterräder

Lügde – Die Stadt der Osterräder
Lügde, 3.06.2019

Idylle an den Emmerauen westlich des historischen Ortskerns

Tag
5
Nachdem das Mittagsgewitter vorüber gezogen ist, fahren wir von Blomberg weiter ins 18 Kilometer entfernte Lügde. Die Stadt liegt wenige Kilometer südlich von Bad Pyrmont im Weserbergland im Tal der Emmer.

Lügde verfügt über eine sehenswerte Altstadt, die zu den am besten erhaltenen historischen Stadtkernen Nordrhein-Westfalens zählt. Das Straßenbild im Bereich der Altstadt östlich der Emmer wird von ehemaligen Bauernhäusern und Bürgerhäusern im Lippischen-Fachwerkstil geprägt .

Seit 2012 trägt Lügde offiziell den Titel “Stadt der Osterräder”. Dies geht auf den Jahrhunderte alten und noch heute praktizierten Brauch zurück, anlässlich des Osterfestes wassergetränkte und mit Stroh ausgestopfte brennende Eichenräder mit einem Durchmesser von 1,7 Metern und 270 kg Gewicht von einem der umliegenden Berge herunter rollen zu lassen.

Die erste bekannte Erwähnung von Lügde datiert aus dem Jahre 784 in den Fränkischen Reichsannalen, als Karl der Große hier sein erstes Weihnachtsfest im damaligen Herzogtum Sachsen feierte. Die ursprüngliche Stadtname lautet Liuhith bzw. Liuhidi. Unter diesem Titel wird heute jährlich im Juni ein Mittelalterfest in der Stadt abgehalten.

Lügde – Die Stadt der OsterräderEtwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich die Mär vom “Hylligen Born”, dessen Wasser angeblich jedes Gebrechen heilen sollte. Aus Deutschland und weit darüber hinaus kamen daraufhin Menschenmassen in die Gegend um die Lügde. Tausende mussten im Wald oder auf freien Feld übernachten, weil die Stadt so viele Menschen gar nicht aufnehmen konnte.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde Lügde von zahlreichen Brand- und Hochwasserkatastrophen heimgesucht. Bis zum Bau des Emmerstausees (Schiedersee) in den 2000er Jahren lebten die Bürger in der ständigen Gefahr, vom Hochwasser der Emmer überflutet zu werden.

Während ich mit Doxi durch die Altstadt laufe überlege ich, woher ich den Namen “Lügde” kenne. Dann fällt es mir ein: Bundesweit in die Schlagzeilen geriet der kleine Ort Anfang 2019, nachdem der sexuelle Missbrauch von mindestens 31 Kindern auf einem Campingplatz bekannt geworden war. Alles klar!

Aber der Schönheit des Ortes und der umgebenden Natur tut das natürlich keinen Abbruch. Mir gefällt es sehr gut hier, noch dazu gibt es einen kostenlosen Womo-Stellplatz am Rande der Altstadt.  Also bleiben wir gerne eine Nacht in Lügde.

( MITI )

Rund um den Osterberg von Lügde

Rund um den Osterberg von Lügde
Lügde, 4. Juni 2019

Von dieser Wiese aus rollen die Osterräder hinunter nach Lügde

Tag
6
Wir haben die Nacht in Lügde verbracht und beginnen den Tag mit einer Wanderung hinauf zum Osterberg westlich der Emmer. Von dort rollen jedes Jahr in der Nacht zum Ostersonntag sechs brennenden Eichenräder ins Tal. Das hat Lügde den Namen “Stadt der Osterräder” eingetragen. Der Morgen ist feucht und diesig, was der Landschaft einen gewissen Zauber verleiht.

Wir starten an der romanischen Kilianskirche aus dem 12. Jahrhundert und laufen bald hinein in das romantische Tal des Eschenbachs. Entlang des Bachlaufs steigen wir auf und wenden uns anschließend in Richtung des Golfplatzes auf der Rückseite des Osterbergs. Von dort hat man einen guten Blick auf Bad Pyrmont, das jenseits der Landesgrenze zu Niedersachsen nur vier Kilometer von Lügde entfernt liegt.

Nach einer Umrundung des Bergs erreichen wir den Startplatz der Osterräder. Von dort geht es hinunter nach Lügde immer mit Blick auf die historische Brücke über die Emmer. Wir laufen bis zur Promenade und dann weiter entlang der Emmerauen bis zu unserem Womo-Stellplatz. Eine kleine, aber feine Morgenwanderung.

( MITI )

Schloss Hämelschenburg

Schloss Hämelschenburg
Emmerthal, 4.06.2019

Schlosstor, Ostflügel. Ehrenhof und Westflügel von Schloss Hämelschenburg

Tag
6
Es gilt als Perle aus der wirtschaftlichen Blütezeit des Weserberglands zwischen 1520 und 1620: Das Wasserschloss Hämelschenburg zwischen Bad Pyrmont und Hameln. Das Schloss trohnt am Fuße eines bewaldeten Höhenzugs oberhalb des Tales der Emmer, die wenige Kilometer weiter in die Weser mündet.

Auf unserem Weg von Lügde nach Springe machen wir am Schloss halt und wandern rund acht Kilometer durch das Emmertal und den Höhenzug hinter dem Schloss. Die Landschaft ist malerisch und lädt an zahlreichen Aussichtspunkten immer wieder zum Verweilen ein.

Schloss Hämelschenburg bildet mit seinen Kunstsammlungen, Gartenanlagen, einer Wassermühle, den Wirtschaftsgebäuden sowie der Kirche ein Hauptwerk der Weserrenaissance. Der Bau begann im Jahre 1588 und verschlang fast 30 Jahre.

Im Dreißigjährigen Krieg gelang es der Schlossherrin Anna von Holle, die Anlage durch geschickte Allianzen zu schützen. Die couragierte Burgfrau fuhr den anrückenden Truppen unter Tilly entgegen und handelte mit dem General einen Schutzvertrag aus.

Bis heute wurde die Anlage niemals zerstört, so dass sie sich trotz Renovierungs- und Umbaumaßnahmen im 19. und 20. Jahrhundert weitgehend in ihrer ursprünglichen Pracht präsentiert. Ich bin total angetan von der schönen Anlage und ihrer liebreizenden Umgebung. Gut, dass wir hier nicht einfach vorbeigefahren sind.

( MITI )

Über den Deister gegangen

Über den Deister gegangen
Springe, 5.06.2019

Blick vom Südrand des Deisters

Tag
6
Unsere letzte Station an diesem Tag ist Springe. Wir parken mit dem Wohnmobil auf dem kostenlosen Stellplatz am Heimatmuseum gleich neben dem Rathaus.

Die Stadt liegt an der Deisterpforte, einem flachen Talpass zwischen den südlichen Ausläufern des Deisters und dem Kleinen Deister. Hier ist die Grenze zwischen dem Flachland und dem Bergland, in das die Deisterpforte hineinführt.

Außerdem liegt Springe auf der Mitte zwischen den wirtschaftlichen Zentren Hannover und Hameln. Das hat im Mittelalter maßgeblich zur Entstehung und zum Wachstum des Ortes beigetragen.

Der Deister liegt rund 20 km südwestlich von Hannover. Er erstreckt sich zwischen Bad Nenndorf im Nordwesten und Springe im Südosten auf einer Länge von etwas mehr als 21 km. Seine Breite liegt im Mittel bei vier Kilometern. Der Kamm des Gebirges ist bis zu 400 m hoch.

Der steil aufragende Höhenzug bildet seit Urzeiten eine natürliche Grenze zwischen den Siedlungsgebieten zu seinen Füßen. Er liegt im Grenzbereich alter germanischer Gaue, mittelalterlicher Hoheitsgebiete und neuzeitlicher Landkreise. Das hat sich auch in Redenswendungen niedergeschlagen, die weit über diese Region hinaus gebräuchlich sind.

Einen Menschen, mit dem man nichts mehr zu tun haben will, würde man am liebsten „über den Deister schicken“. „Über den Deister gehen“ kann so viel bedeuten wie sich aus dem Staub machen“ oder „den Bach runter gehen“. „Der ist über den Deister“ steht für „verschwunden“, aber auch „verstorben“ .

Über den Deister gegangen

Das Petersche Haus am Markt

Am frühen Abend breche ich mit Doxi auf, um die Innenstadt zu besichtigen, die sich bis zur Deisterpforte am Fuße des steilen Bergzugs erstreckt. Anschließend steigen wir die steilen Hänge zum Hauptkamm des Deisters hinauf, die dicht mit Buchen bewaldet sind. Darunter wächst großflächig Bärlauch, der jetzt im Juni bereits verblüht ist, aber immer noch intensiv duftet.

Auf dem Hauptkamm kommen wir an einem großen Funkmast vorbei und erreichen bald die abgesperrte Grenze zu einem aufgelassenen Steinbruch am Ebersberg. Deistersandstein wurde vom Mittelalter bis in die Neuzeit abgebaut und für Bauzwecke verwendet. Wir laufen am steil abfallenden Rand des Steinbruchs entlang und erhaschen dabei einige schöne Blick in die Ebene unterhalb des Deisters. Eine wirklich sehr schöne, aber auch schweißtreibende Abendtour.

( MITI )

Hinauf zum Lönsturm

Hinauf zum Lönsturm
Salzhemmendorf, 5.06.2019

Blick vom Lönsturm ins Leine-Weser-Bergland

[Von Springe fahren wir am Morgen rund 30 km in südöstlicher Richtung nach Salzhemmendorf am Fluss Ith. Dort gibt es eine Therme mit angeschlossenem Womo-Stellplatz.

Gleich nach der Ankunft starten wir zu einer 15 km langen Wanderung auf die Spitze des Thüster Bergs. Mit seiner Hauptkuppe, dem Kanstein, erstreckt er sich auf etwa 7 km Länge im Dreieck der Ortschaften Eime, Duingen und Salzhemmendorf.

Der Thüster Berg ist eine Auffaltung aus Thüster Kalkstein. An der steil abfallenden Nordflanke befinden sich im Wald mehrere Kalksteinklippen, die wir bei unserer Wanderung auf steilen Pfaden durchqueren.

Wir kommen an einem ehemaligen Steinbruch vorbei und erreichen auf dem Hauptkamm den 1928 erbauten und nach mehreren Aufstockungen nun 26 m hohen Lönsturm. Von der Spitze hat man einen fantastischen Blick auf die umliegenden Berge und Täler.

Der Rückweg ist weit weniger steil, führt aber am Fuße des Thüsters durch die angrenzenden Felder. Schatten gibt es dort keinen. In der starken Juni-Sonner wird es Doxi und mir richtig heiß. Ich glaube, wir sind beide froh, als wir nach knapp vier Stunden wieder das Wohnmobil erreichen und uns ein wenig ausruhen können. Ich bin auf jeden Fall total durchgeschwitzt.

( MITI )

Die Lateinschule von Alfeld

Die Lateinschule von Alfeld
Alfeld / Leine, 5.06.2019

Die Lateinschule von 1610

Tag
7
Von Salzhemmendorf sind wir nach unserer schönen Wanderung auf den Thüster weiter gefahren nach Alsfeld an der Leine. Dort gibt es in der historischen Altstadt ein bemerkenswertes Gebäude, das ich unbedingt einmal aus eigener Anschauung erleben möchte: Die Alte Lateinschule von 1610.

Der rot-gelbe Fachwerkbau ist mit zahlreichen Schnitztafeln verziert, deren Motive ein umfassendes Bild der Bildungsinhalte des Späthumanismus im frühen 17. Jahrhundert vermitteln.

Unter anderem sind die Allegorien für die sieben freien Künste mit Symbolen für Grammatik, Dialektik , Rhetorik, Musik, Arithmetik, Geometrie und Astronomie dargestellt. Außerdem ist jeder Jünger Jesus mit einer eigenen Tafel abgebildet. Das Gebäude beherbergt heute das Stadtmuseum von Alfeld.

Anschließend schaue ich mir mit Doxi viele weitere Fachwerkbauten in der Altstadt an, die unübersehbar von einem Produkt der Moderne überragt wird: Dem 150 Meter hohen Schornstein der Papierfabrik am Rand der Altstadt.

Es ist unheimlich heiß an diesem Nachmittag. Doxi steigt gleich einmal komplett in den großen, mittelalterlichen Brunnen auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Doch auch nach dieser Abkühlung verströmt sie wenig Lust, weiter zu laufen.

Und weil der Womo-Stellplatz am Rande der Altstadt auch nicht unbedingt zum Verweilen einlädt, beschließe ich, weiterzufahren nach Nordstemmen. Das ist der nächste Ort auf meiner Liste mit einem Womo-Stellplatz direkt am Freibad. Vielleicht finde ich dort ja etwas Abkühlung ….

( MITI )

Die Türen von Hildesheim

Die Türen von Hildesheim
Hildesheim, 6. Juni 2019

Eingang zur Stadtschänke am Markt gegenüber vom Rathaus

Tag
8
Bei meinem Bummel durch das Fachwerkviertel von Hildesheim rund um die Basilika St. Godehard begegnen mir viele auffallend bunte Türen an den historischen Häusern. Hier eine kleine Auswahl meiner persönlichen Favoriten.

( MITI )

Das Nürnberg des Nordens

Das Nürnberg des Nordens
Hildesheim, 6.06.2019

Prächtige Fachwerkbauten am Moritzberg. Links das Wernersche Haus von 1606.

Tag
8
Puh, für heute habe ich mir vorgenommen, mal etwas langsamer zu machen. Nachdem wir auf unserer Tour durch Niedersachsen in den letzten Tag teilweise dreimal täglich den Standort gewechselt haben, bleiben wir jetzt mal 24 Stunden in einer Stadt: In Hildesheim.

Wir stehen mit dem Wohnmobil auf dem kostenlosen Womo-Stellplatz am Hohnsensee mit herrlichem Blick direkt auf den See und den Uferweg. Die Innenstadt mit dem historischen Fachwerkviertel ist von dort fußläufig in rund 20 Minunten erreichbar, und dabei geht es nur durchs Grüne und am Wasser entlang. Herrlich!

Hildesheim wurde einst wegen seiner vielen Fachwerkhäuser in der Innenstadt als das “Nürnberg des Nordens” gepriesen – bis in der Endphase des Zweiten Weltkriegs die englischen und US-amerikanischen Bomber kamen und rund 80% der Innenstadt zerstörten.  Aber auch, was heute noch steht, ist absolut sehenswert. Davon kann ich mich auf einem dreistündigen Spaziergang mit Doxi durch die Innenstadt überzeugen.

Hildesheim liegt rund 30 km südöstlich der Landeshauptstadt Hannover am Fluß Innerste und hat heute mehr als 100.000 Einwohner. Im frühen Mittelalter bestand Hildesheim lange aus drei separaten Siedlungen mit jeweils eigenem Rat. Unmittelbar neben der Altstadt entstanden 1196 die bischöfliche Dammstadt und wenig später die dompröpstliche Neustadt. Beides waren im Gegensatz zur Altstadt planmäßige Gründungen, deren Regelmäßigkeit man noch heute im Straßenbild erkennen kann.

Das Nürnberg des Nordens

Schmales Häuschen: Der “Umgestülpte Zuckerhut” am Andreasplatz

Nach jahrhundertelangen – teilweise sogar bewaffneten – Streitigkeiten wurde erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine Union geschaffen und in der Folge die Mauer zwischen den Siedlungen niedergelegt. Endgültig zu einer Stadt vereinigt wurden Alt- und Neustadt aber erst 1806 unter preußischer Herrschaft.

Diese Entwicklungsgeschichte ist der Grund, warum es im heutigen Hildesheim mehrere historisch bedeutsame Kirchenbauten gibt. So zählen die beiden Kirchen Dom St. Mariä Himmelfahrt und St. Michaelis zu den bedeutendsten Bauwerken der Vorromanik und sind seit 1985 UNESCO-Weltkulturerbe.

Obwohl die erhaltenen historischen Bauten nur kleine Inseln zwischen vielen relativ langweiligen Nachkriegsbauten darstellen, gefällt mir Hildesheim sehr gut. Viel Grün, viel Wasser, eine gute städtische Infrastruktur und dabei doch nicht zu groß. Hier kommen wir bestimmt in Zukunft wieder einmal hin, wenn wir in Norddeutschland unterwegs sind.