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Wunderschönes Thüringen

Erfurt: Blick von der Zitadelle Petersberg auf den Dom und den Domplatz

Nach zwei Jahren war ich jetzt endlich wieder einmal eine Woche mit dem Wohnmobil in Thüringen unterwegs, der Heimat meiner Verwandten väterlicherseits. Ich war in Erfurt, Gotha, Bald Langensalza, Mühlhausen und im Hainich, Deutschlands größtem zusammenhängenden Buchenwald.

Ich bin begeistert, wie schön die noch erhaltene mittelalterliche Baustruktur dieser Städte in den letzten 25 Jahren nach der Wiedervereinigung rekonstruiert und herausgeputzt wurde. Dass Erfurt über einen sehenswerten Alstadtkern verfügt, wußte ich ja bereits. Aber von Mühlhausen, Gotha und insbesondere Bad Langensalza war ich wirklich überrascht.

In Bad Langensalza habe ich auch meinen geschätzten Düsseldorfer Lektor aus Nokia-Zeiten wieder getroffen, den ich neun Jahre nicht mehr gesehen habe. Er hat sich in dem bezaubernden Städtchen ein zweites Zuhause geschaffen und ist im Jahre 2013 bei der Rektonstruktion seines mittelalterlichen Wohnhauses auf einen versteckten Silberschatz gestoßen – der größte solche Fund in Thüringen seit mehr als 200 Jahren. Was für eine Geschichte.

Alle Fotos und Beiträge von dieser herrlichen Tour gibt es hier.

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Die schönsten Türen von Thüringen

Gesehen in Eufurt

Erfurt, Mühlhazsen, Bad Langensalza, Gotha -überall in diesen thüringischen Städten sind mir prächtige historische Türen und Portale begegnet. Einflügelige und zweiflügelige, halbrunde und eckige, barocke, mittelalterliche und solche aus dem Biedermeier. Und die fotografiere ich ja alle so gerne. Ob es wirklich die „schönsten Türen von Thüringen“ sind, wie oben verkündet, weiß ich naürlich nicht. Aber mir haben sie auf jeden Fall sehr gut gefallen. Hier eine kleine Auswahl …

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Reformationsstadt Mühlhausen

Das Frauentor – Eingang zur historischen Altstadt von Mühlhausen

Von Gotha sind wir am Morgen nach Mühlhausen weiter gefahren, unserer letzten Station in Thüringen auf eiser Reise. Im Mittelalter war Mühlhausen nach Erfurt die zweitmächtigste Stadt im Thüringer Raum.

Die Stadt ist bekannt für ihr reichhaltiges historisches Erbe. Hier wirkten Johann Sebastian Bach und Thomas Müntzer, der bedeutende Theologe, Agitator und Revolutionär in der Zeit des Bauernkrieges.

Im Gegensatz zu Luther stand Müntzer für die gewaltsame Befreiung der Bauern. Als Pfarrer an der Marienkirche von Mühlhausen versuchte er, seine Vorstellungen einer gerechten Gesellschaftsordnung umzusetzen: Privilegien wurden aufgehoben, Klöster aufgelöst, Räume für Obdachlose geschaffen, eine Armenspeisung eingerichtet. Doch seine Bestrebungen, als Bauernführer verschiedene Thüringer Freibauern zu vereinigen, scheiterten. Nach der Schlacht bei Frankenhausen wurde er im Mai 1525 gefangen genommen, gefoltert, öffentlich enthauptet und aufgespießt. Zu DDR-Zeiten galt er deshalb als Held.

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Über den Hundsrücken zum Bürgerturm

Der 35 Meter hohe Aussichtsturm auf dem Galberg

Nachdem wir den heißen Nachmittag in Gotha ausgesessen haben, starten wir nach 18:00 zu einer Abendrunde in Richtung des Galbergs nordwestlich von Gotha. Dort steht der 2009 errichtete Bürgerturm, ein 35 Meter hoher stählerner Aussichtsturm mit weitem Blick auf Gotha und in das Thüringer Land.

Wir laufen zunächst rund zwei Kilometer durch Gotha bis zum Orstrand und dann stetig bergauf durch Buchenwald zum Galberg. Bald passieren wir das beliebte Ausflugslokal „Berggarten“, dessen Biergarten an diesem lauen Frühlingsabend gut gefüllt ist. Und dann taucht auch schon der Bürgerturm auf einer Lichtung im Wald auf.

Ich leine Doxi unten am Turm an und steige die 158 Stufen der Wendeltreppe zur Spitze auf. Jede Stufe tragen die Namen ihrer Spender. Oben erwartet mich ein fantastischer Rundblick. Die Aussicht reicht im Norden weit über das Thüringer Becken hinaus. Im Süden kann ich am Horizont den Kamm des Thüringer Waldes erkennen. Dieser Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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Am Schlosspark in Gotha

Blick vom Schlosspark auf die Orangerie

Mit Erfurt habe ich die östlichste Station meiner aktuellen Womo-Tour erreicht. Jetzt arbeite ich mich langsam wieder nach Westen vor. Die nächste Station ist Gotha, rund 30 Kilometer westlich von Erfurt.

Die fünftgrößte Stadt des Freistaats Thüringen befindet sich im Westthüringer Berg- und Hügelland am Übergang zwischen dem Thüringer Becken und dem Einzugsgebiet des Thüringer Waldes. Sie war von 1640 bis 1825 Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und ab 1826 Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha.

Das herzogliche barocke Schloss Friedenstein dominiert bis heute das Stadtbild. Es ist der größte frühbarocke Feudalbau in Deutschland und verfügt über dem ältesten Englischen Garten auf dem europäischen Kontinent. Am Schlosspark befinden sich das Winterpalais, das Prinzenpalais sowie das Herzogliche Museum.

In Gotha wurde im Jahre 1820 mit der Gothaer Versicherung auf Gegenseitigkeit das deutsche Versicherungswesen begründet. Und hier gründete sich 1875 die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, die heutige SPD. Ich befinde mich also an einem geschichtsträchtigen Ort.

Am Vormittag drehe ich mit Doxi bei prächtigem Wetter eine große Runde durch die Stadt. Wir laufen zunächst zum Schloss und von dort mit prächtigem Blick auf die Stadt und die sogenannte „Wasserkunst“ hinunter in die Altstadt zum Markt mit dem Alten Rathaus.

Über den alten Markt verlief die bedeutende mittelalterliche Handelsstraße Via Regia. Sie kreuzte in Gotha mit einer wichtigen Verbindung von Mühlhausen über Bad Langensalza nach Oberhof als Übergang über den Thüringer Wald. So wurde Gotha bereits frühzeitig zu einem wichtigen Marktplatz und Etappenstation auf diesen Handelswegen.

Wir schauen uns die zahlreichen gut erhaltenen Kauf- und Patrizierhäusern in der Altstadt an und laufen dann zur Orangerie mit ihrem schönen Park und den sich daran anschließenden englischen Landschaftsgarten. Eigentlich wollte ich heute noch weiter nach Mühlhausen fahren, aber es gefällt mir wirklich ausnehmend gut hier. Ich glaube, wir bleiben noch etwas in Gotha.

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Bei meinen lieben Verwandten in Erfurt

Blick hinauf zum Dom (links) und der St. Serveri Kirche (rechts)

Von Bad Langensalza bin ich nach Erfurt weitergefahren, wo mich meine Verwandten väterlicherseits bereits erwarten. Mit ihnen verbringe ich ein schönes Wochenende in der thüringischen Landeshauptstadt. Wir erzählen viel, gehen spazieren und genießen das schöne Wetter in ihrer Gartenlaube. Ich werde mit köstlichem Spargel verwöhnt und Doxi mit ganz vielen Leckerchen.

Zwischendurch setzte ich mich auf mein Fahrrad und drehe eine große Runde durch die Stadt. Ich versuche, alle populären Sehenswürdigkeiten anzusteuern, den Dom, die Krämerbrücke, den Anger, die Zitadelle Petersberg und noch vieles mehr.

Da Erfurt im zweiten Weltkrieg nur wenig zerstört wurde und nach der Wiedervereinigung viele Bundesmittel in die Stadt geflossen sind, herrscht an schönen und liebevoll wieder hergerichteten historischen Bauten kein Mangel. Kein Wunder, dass die Stadt viele Touristen anzieht, denn es ist wirklich schön hier. Und die von mir sehr geschätzte Häkel-Guerilla war auch schon da, wo ich an verschiedenen Stellen in der Stadt beobachten kann.

Ich bekomme fast ein wenig Heimatgefühle, da mich meine Besuche hier zu DDR-Zeiten immer sehr beeindruckt und als Kind bzw. Jugendlicher auch in gewisser Weise geprägt haben. Schön ist das, mal wieder bei meinen Leuten zu sein, noch dazu bei diesem herrlichen Wetter.Schade, dass mein Vater nicht mehr erleben kann, wie schön seine alte Heimatstadt wieder geworden ist.

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So ein süßes Arboretum

Lila Puscheln

Am frühen Abend besuche ich das Arboretum von Bad Langensalza. In dem großen Garten wachsen zahlreiche einheimische, aber auch exotische Gehölze; Hier die schönsten Bilder.

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Bezauberndes Bad Langensalza

Straße in Bad Langensalza

Eine große positive Überraschung auf dieser Tour ist Bad Langensalza am Ostrand des Hainich. Die Stadt war mir bislang kein Begriff, doch nach meinem Besuch dort bin ich ein echter Fan!

Die Kurstadt im Unstrut-Hainich-Kreis gehört zu den historisch bedeutendsten Städten im Thüringer Becken. Nach Erfurt und Mühlhausen verfügt sie über die drittgrößte Altstadt in Thüringen mit einer reichhaltigen historische Bausubstanz, die seit der Wiedervereinigung zu einem großen Teil restauriert wurde.

Durch die Nähe zum Hainich war Bad Langensalza im Mittelalter sehr wohlhabend. Davon zeugen große Kirchen und eine mächtige Stadtmauer mit zahlreichen Türmen.  Viele historische Gebäude wurden aus Langensalzaer Travertin errichtet, der direkt im Südwesten der Altstadt abgebaut wurde.

Später wurden in der Stadt Heilquellen erschlossen, die bis heute dem Kurbetrieb dienen. Damit einher ging die Anlage mehrerer Parks, wie Rosengarten, Aboretum, Magnoliengarten und Japanischer Garten.

Ich stehe mit dem Wohnmobil am Rande der Friederiken Therme, in der ich am Abend in die Sauna gehe.Bad Langensalza tut gut. Hier war ich bestimmt nicht zum letzten Mal.

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Im Hainich

Auf dem Baumgipfel-Pfad im Hainich (Foto J.-H. Janßen | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Unsere erste Station in Thüringen ist der Nationalpark Hainich. die größte nutzungsfreie Waldfläche in Deutschland. Der Hainich ist ein bewaldeter Höhenrücken westlich des Thüringer Beckens. Er befindet sich etwa in der Mitte Deutschlands im Dreieck der Städte Eisenach, Mühlhausen und Bad Langensalza.

Mit einer Gesamtfläche von etwa 16.000 Hektar ist der Hainich das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. Zentrale Bereiche des Nationalparks Hainich wurden von der UNESCO 2011 zum Weltnaturerbe erklärt.

Wir steuern das Nationalparkzentrum an der Thiemsburg an. Dort befindet sich der weltweit in seiner Art einzigartige Baumkronenpfad Hainich. Leider ist dort heute so viel los, dass ich auf einen Besuch verzichte. Statt dessen wandere ich mit Doxi drei Stunden durch den Hainich und die angrenzenden Freiflächen bis zum Gänsekropf, einem idyllisch gelegenen Hügel, an dem früher ein Forsthaus existierte.

Der Waldboden dort ist zur Zeit mit blühendem Bärlauch übersät, der intensiv nach mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch duftet. So weit der Blick reicht, überall Bärlauch. Ein toller Anblick.

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