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Der Herbst von oben

BU

Im Hochtal von Bernau

Ich liebe den bunten Herbstwald! Wenn die Buchen rot, gelb und orange in der Sonne leuchten, dann geht mir so richtig das Herz auf. Und im Hochschwarzwald habe ich ihn gefunden: Während in ganz Deuschland graues und nebliges Herbstwetter herrschte, war es dort oben eine ganze Woche lang von morgens bis abends einfach nur sonnig, bei bis zu 15 Grad.

So konnte ich mit Doxi wunderbar wandern und einige Gipfel erklimmen. Wir waren u.a. auf dem Feldberg und dem Herzogenhorn, aber auch in wunderschönen „Abgründen“, wie etwa der Wutachschlucht. Einige der längsten Wanderungen des Jahres haben wir auf dieser achttägigen Tour unternommen.

Im Anschluss an den Schwarzwald waren wir dann noch einige Tage auf der Schwäbischen Alb. Wir haben die Donauquelle, die Donauversinkung und ihren Wiederaustritt an die Oberfläche besucht, waren auf der berühmten Burg Hohenzollern und haben in Böblingen ein indisches Harmonium gekauft – mein Weihnachtsgeschenk vom letzten Jahr.

Eine herrliche Tour, bei der wir insgesamt folgende Orte besucht haben: Bernau, Bonndorf, Furtwangen, Donaueschingen, Emmendingen, Engen, Aachtopf, Burg Hohenzollern und Tübingen. Wir wären sicher noch länger geblieben, wenn uns das schlechte Wetter nicht irgendwann eingeholt hätte. Aber schließlich nähern wir uns dem Jahresende und da darf man natürlich nicht zu viel verlangen.

Alle Beiträge von dieser Tour und viele schöne Fotos gibt es hier.

( MITI / )

Im Kloster Bebenhausen

Kloster Bebenhausen

Kloster Bebenhausen mit Nebegebäuden von Westen gesehen

Auf dem Weg von Tübingen nach Böblingen sind wir durch ein sehr schönes Waldgebiet gefahren, den Naturpark „Schönbuch“, wie ich später herausgefunden habe. Am Rande der Landstraße tauchte dabei ein historischer Baukomplex auf, der nach Burg oder Kirche aussah, und mich neugierig gemacht hat.

Auf dem Rückweg machen wir deshalb dort halt. Es handelt sich um den Ort Bebenhausen und das gleichnamige, perfekt restaurierte Kloster. Der Parkplatz unterhalb des Klosters ist gut gefüllt und nach unserem Besuch dort kann ich das gut verstehen. Die ganze Anlage ist wirklich total hübsch und total mittelalterlich und noch dazu ein wunderbarer Ausgangspunkt für Wanderungen im „Schönbuch“. (siehe unten).

Das Kloster Bebenhausen wurde um 1183 von Pfalzgraf Rudolf von Tübingen am Ort einer älteren Burg als Familiengrablege gegründet. Am Ende des 13. Jahrhunderts umfasste der Konvent bereits über 60 Mönche sowie 130 Konversen. Seine Wirtschaftskraft stieg durch zahlreiche Zuwendungen, so dass es 1301 Stadt und Burg Tübingen kaufen und für kurze Zeit innehaben konnte.

Nach der Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich von Württemberg wurde der Konvent vertrieben. Nach 1800 nahmen die Wirtschaftsgebäude das Oberforstamt Tübingen auf, die Konventsgebäude dienten als königliches Jagdschloss. Hier wohnten nach seiner Abdankung als König im Jahre 1918 Herzog Wilhelm von Württemberg und seine Frau.

Heute ist die gesamte Anlage nach liebevoller Restauration als Museum zugänglich und beherbergt darüber hinaus das Forstamt der Stadt Tübingen. Ein ganz tolles Ensemble, in dem man sich sofort wie im Mittelalter fühlt. Wenn plötzlich ein Mönch oder ein Ritter um die Ecke käme, man würde sich nicht wundern.

( MITI / )

Unterwegs im Schönbuch

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Durch Zufall sind wir auf den Naturpark Schönbuch südwestlich von Stuttgart gestoßen. Das Gebiet ist fast vollständig bewaldet und wurde 1972 wurde zum ersten Naturpark in Baden-Württemberg erklärt. Das Gebiet erstreckt sich zwischen Ostschwarzwald und der Schwäbischen Alb und ist Teil des Keuperberglands.

Zu großen Teilen befindet sich der Naturpark in den Landkreisen Böblingen und Tübingen. Nur der Ort Bebenhausen liegt innerhalb der Naturparkgrenzen. Von dort starten wir nach der Besichtigung des Klosters Bebenhausen unsere Wanderung durch den Schönbuch.

Wir drehen einer Runde durch das Goldersbachtal, wo es einen großen Bestand an alten Buchen und Eichen gibt. Die Buchen kommen mir in ihrem herbstlichen Gelb, Orange und Rot noch farbenprächtiger vor, als wir es zuletzt schon im Schwarzwald erlebt haben. Wunderschön ist das. Leider soll es in den nächsten Tagen heftig und anhaltend regnen. Sonst würden wir noch ein oder zwei Tage verweilen und wandern. Müssen wir unbedingt ein anderes Mal wiederkommen.

( MITI / )

In der Universitätsstadt Tübingen

Blick von einer der zahlreichen Neckarbrücken in Richtung Altstadt

Blick von einer der zahlreichen Neckarbrücken in Richtung Altstadt

Von der Hohenzollernburg sind wir ins 30 Kilometer entfernte Tübingen weitergefahren. Die berühmte Universitätsstadt ist ein Anziehungspunkt für Touristen aus dem Inland und Ausland. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten dieser Größe gibt es dort aber keinen Womo-Stellplatz. Ich habe uns deshalb auf dem zur Zeit leeren Festplatz gegenüber des Tübinger Freibads „eingebucht“. Wir stehen wenige Meter vom Neckar entfernt. Bis zur historischen Innenstadt sind es nur 1,5 Kilometer.

Nach einer kalten Nacht unternehme ich mit Doxi am Morgen bei herrlichem Sonnenschein einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt. Der einzigartige Mix aus alten Fachwerkhäusern und protzigen Villen aus der Gründerzeit ist wirklich beeindruckend. Bemerkenswert finde ich, dass so viele Gründerzeitvillen in allerbester Hanglage über dem Neckar im Besitz von Burschenschaften zu sein scheinen. Da haben die „alten Herren“ ihrem Nachwuchs wohl fleißig vererbt.

Wir steigen zum Schlossberg hinauf, von wo man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt und die umliegenden Hügel hat. Erst wollt ich die Stadt auf unserer Baden-Württemberg-Tour ja auslassen, weil es keinen vernünftigen Womo-Stellpatz gibt. Gut, dass ich mich anders entschieden habe.

( MITI / )

Auf der Burg Hohenzollern

Luftbild der Burg (Foto A. Kniesel)

Luftbild der Burg (Foto A. Kniesel)

Ja, diesen Ort wollte ich schon lange einmal besuchen. Die Burg Hohenzollern ist die Stammburg des Fürstengeschlechts und ehemaligen preußischen Königs- und deutschen Kaiserhauses der Hohenzollern.

Die Gipfelburg liegt weithin sichtbar auf dem 855 Meter hohen alleinstehenden  Bergkegel des Hohenzollern, der der Schwäbischen Alb vorgelagert ist und dieser Region ihren Namen verliehen hat: Zollernalb.

Die Burg hat eine wechselvolle Geschichte. Ihre Errichtung geht vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zur Festung ausgebaut. 1745 wurde sie im Österreichischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen besetzt wurde. Nach dem Abzug der letzten österreichischen Besatzung 1798 verfiel die Burg,

Die Idee zum Wiederaufbau der Burg kam dem damaligen Kronprinzen und späteren Preussischen König Friedrich Wilhelm IV. als er 1819 auf dem Weg zu einer Italienreise auch die Wurzeln seiner Herkunft kennenlernen wollte und den Berg bestieg.

1850 fand die Grundsteinlegung statt. Die Struktur und Ausgestaltung der Anlage spiegelt den romantischen Geistes jener Zeit wider und verkörpert die damalige Idealvorstellung einer mittelalterlichen Ritterburg. Zum anderen ist die Burg Ausdruck des politischen Repräsentationswillens der Herrscher von Preußen, die die Stammburg ihrer Ahnen in prunkvoller Form wiederaufgebaut sehen wollten.

Am 3. Oktober 1867 wurde der Bau unter König Wilhelm I. von Preußen vollendet und eingeweiht. Bei einem Erdbeben am 3. September 1978 wurde die Burg schwer beschädigt, die Restaurierungsarbeiten zogen sich bis in die 1990er Jahre hin.

Die Burg ist nach wie vor Privateigentum. Sie gehört zu zwei Dritteln der brandenburgisch-preußischen Linie des Hauses Hohenzollern, zu einem Drittel der schwäbisch-katholischen Linie.

Jährlich besuchen bis zu 300.000 Menschen die Burg. Heute war auch ich darunter  Weil ich Doxi dabei hatte, konnte ich die prunkvollen Räume, Schatz- und Waffenkammern leider nicht besuchen.  Aber schon die Einblicke von außen und die herrlichen Fernblicke von der Burg in die schwäbische Alb waren den Besuch wert.

( MITI / )

Am Aachtopf

Hier tritt das versunkene Donauwasser wieder an die Oberfläche

In diesem kleinen See sammelt sich das aufgestiegene Donauwasser und fießt von dort in die Aach ab

Hier also kommt das versunkene Donauwasser wieder zum Vorschein: Der Aachtopf bei Aach in Baden-Württemberg ist die wasserreichste Karstquelle Deutschlands. Aus dieser Schüttung entspringt die Hegauer Aach, die nach 32 Flußkilometern km bei Radolfzell in den Bodensee mündet.

Das Wasser der Aachquelle steigt aus einer 18 m tiefen unterirdischen Quellhöhle auf und bildet einen kleinen See. Die Quelle hat eine durchschnittliche Schüttung von 8.600 Litern pro Sekunde. Im Maximum, wenn die Donau Hochwasser führt, erreicht sie bis zu 24.000 l/s.

Das Wasser der Karstquelle stammt hauptsächlich aus der zwischen Immendingen und Möhringen sowie und bei Fridingen versinkenden Donau. Von der Donauversinkung fließt das Wasser unterirdisch etwa 11,7 km bei einer Geschwindigkeit von ca. 195 m/h durch Hohlräume bis zum Aachtopf.

1719 wurde zum ersten Mal die Vermutung geäußert, das Quellwasser stamme aus der Donauversinkung. Ein Nachweis gelang im Oktober 1877, als ein Geologe das Wasser in der Donauversinkung mit eingefärbten Salzen versetzte. Nach 60 Stunden erreichte das prachtvoll grünleuchtende Salzwasser den Achtopf.

Bei meinem Besuch erkenne ich in dem klaren Wasser des Achtopfs verschiedene große Felsspalten, aus denen es verdächtig blubbert. Dort tritt das Wasser an die Oberfläche. Ich bin ganz begeistert über diesen Effekt und besuche mit Doxi anschließend noch die oberhalb gelegene Altstadt von Aach. Ein wunderbarer Vormittag ganz im Zeichen der Wasserkunde 🙂

( MITI / )

Wo die Donau trocken fällt

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Rund 30 Kilometer von ihrer Quelle entfernt kann man im Flussbett der jungen Donau ein bemerkenswertes Naturphänomen beobachten: An bis zu 155 Tagen im Jahr versinkt das gesamte Wasser im unterirdischen Karstgestein.  Zurück bleibt ein trockenes Flussbett, in dem man spazieren kann. So ist es auch an diesem kalten Novembermorgen, als ich mit Doxi den betroffenen Flussabschnitt bei Immendingen besuche.

Nur wenn der Fluss viel Wasser führt, wie beispielsweise nach der Schneeschmelze, bleibt genug Wasser übrig, um das Flussbett weiter zu bedecken. Ansonsten bleibt das Kiesbett am Grund des Flusses über einige Kilometer leer, bevor es sich durch den Zustrom aus verschiedenen Bächen und Flüssen langsam wieder füllt. Die Donau ist dann quasi unterbrochen.

Wie man seit rund 150 Jahren weiß, fließt das versunkene Wasser unterirdisch mit einer Geschwindigkeit von rund 195 m/h über eine Distanz von 12 Kilometern zum Aachtopf bei Aach, wo es wieder an die Oberfläche tritt und den Fluß Aach füllt.

Der Aachtopf ist die größte Karstquelle in Deutschland. Wenn die Donau Hochwasser führt, blubbert und sprudelt es dort regelrecht, so viel Donauwasser tritt dann in jedem Moment an die Oberfläche.

Weil die Aach dem Bodensee und darüber dem Rhein zuströmt, füllt die junge Donau so die Nordsee und nicht etwa das Schwarze Meer, wie in ihrem weiteren Verlauf. Sie überwindet damit die europäische Wasserscheide – was eigentlich paradox ist.

Ich hatte mich schon lange auf diesen Besuch gefreut und bin total happy, dass ich an diesem Morgen tatsächlich trockenen Fußes im Flussbett der Donau spazieren kann. Vom Parkplatz aus wandere ich mit Doxi zwei Kilomenter flussaufwärts, bis wir an die Stelle gelangen, wo das letzte Wasser tatsächlich im Untergrund versinkt. Man sieht es genau: Das Wasser strömt vorwärts und plötzlich versinkt es einfach im Kiesbett des Flussses. Wahnsinn!

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In der Altstadt von Engen

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Wir folgen der Spur des Donauwassers von seiner Versinkung im Flußbett bei Immendingen hin zum Wiederaufstieg im 12 Kilometern entfernten Quelltopf der Aach beim gleichnamigen Ort. Auf halber Strecke kommen wir an der Kleinstadt Engen vorbei, die über eine sehenswerte restaurierte Altstadt verfügt. Spontan machen wir hier für einen mittäglichen Sparziergang Halt.

Engen liegt im Hegau, einem historischen Gau des Herzogtums Schwaben nordwestlich des Bodensees. Heute gehört Engen zum Landkreis Konstanz.

Wir starten unseren Besuch am Krenkinger Schloss und steuern auf die Stadtkirche Mariä Himmelfahrt aus dem 13. Jahrhundert zu. In der Kriche befinden sich die Grabdenkmäler der Grafen von Lupfen und Pappenheim, also zwei waschechte „Pappenheimer“.

Am Marktplatz ziehen mich die imposanten, großflächigen Fassaden im Trompe-l’œil-Stil an Durch die geschickte Anordnung heller und dunkler Farbflächen erzeugen sie die Illuision von Licht und Schatten, die unser Gehirn dreidimensionale Fassadenstrukturen „sehen“ lässt, wo gar keine sind.

Über die gesamte Altstadt sind verschiedene Brunnen verteilt, die von Künstlern ganz unterschiedlich gestaltet wurden. Zwischen den Häusern fällt der Blick immer wieder auf den nahe gelegenen Basaltkegel des Berges Hohenhewen. Hübsch ist das hier. Gut, dass wir nicht daran vorbei gefahren sind.

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Bummel durch Donaueschingen

Das alte Rathaus von Donaueschingen

Das alte Rathaus von Donaueschingen

Nachdem wir gestern fast neun Stunden gewandert sind, lassen wir es heute mal etwas ruhiger angehen. Ganz gemütlich bummele ich mit Doxi durch Donaueschingen.  Die Stadt mit rund 20.000 Einwohnern liegt auf dem Hochplateau der Baar. Sie befindet sich zwischen dem Ostrand des südlichen Schwarzwalds und der westlichen Schwäbischen Alb in der Talung der Brigach. Deren Zusammenfluss mit der Breg am Ortsausgang von Donaueschingen gilt als der eigentliche Beginn der Donau.

Bereits seit dem Mittelalter ist die Geschichte der Stadt eng mit dem Adelsgeschlecht derer von Fürstenberg verbunden. Seit 1488 bewohnen sie das Schloss Donaueschingen. Bis zum Jahr 1806 regierte die Familie eines der größten Territorien des deutschen Südwestens.  Weil sch die Fürsten von Fürstenberg gegen die Reformation aussprachen, blieben Donaueschingen und sein Umland bis ins 19. Jahrhundert überwiegend katholisch. Erst 1875 wurde eine evangelische Kirchengemeinde gegründet.

Die Fürstenbergs sind Gründer und Patron der Donaueschinger Musiktage, der Donaueschinger Reitturniere sowie des Fürstenberg Polo Cup.  Bereits Thomas Mann verewigte Donaueschingen in seinem Roman Doktor Faustus als Zentrum neuer Musik literarisch. Der schöne Brunnen vor dem aten Rathaus zeugt von dieser Verbindung zwischen Stadt und Kultur.

Ich bin ganz angetan von dieser süßen kleinen Stadt. Es riecht ein wenig nach Biedermeier: Viele schöne Häuser, viel Kultur und dieser tolle Schlosspark. Hier waren wir nicht zum letzten Mal.

( MITI / )

An der Donauquelle

Einfassung der Donauquelle neben dem Fürstenbergischen Schloss

Einfassung der Donauquelle neben dem Fürstenbergischen Schloss

Von Furtwangen im Schwarzwald bin ich weitergefahren nach Donaueschingen, das als Quellort der Donau bekannt ist. Mit dem Wohnmobil stehen wir direkt an dem schönen Schlosspark, der über einen prächtigen Baumbestand verfügt. Viele der großen alten Bäume zeigen gerade ihr herbstlich buntes Kleid. Toll sieht das aus.

Keine zweihundert Meter von unserem Stellplatz entfernet befindet sich der Donautempel am Ausfluss des Donaubaches in die Brigach. Der Tempel wurde 1910 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. als Andenken an seine vielen Besuche im Hause Fürstenberg errichtet.

Der Donaubach entspringt wenige Meter weiter am Westflügel des Fürstlich Fürstenbergischen Schlosses (Schloss Donaueschingen) in einer kunstvoll gefassten Karst-Aufstoß-Quelle, die jährlich zehntausende von Besuchern anlockt.  Rund 1,5 km weiter vereinigt sich dann die Brigach mit der Breg zur offiziellen Donau.

Auch auf mich wirkt dieser Ort eine große Anziehungskraft aus  Ich weiß nicht genau, was es ist, aber ich finde es sehr bewegend, den Ursprung eines fast drei tausend Kilomenter langen Flusses an einem solchen Ort festmachen zu können. Von hier ist das Wasser fast fünf Wochen unterwegs und durchfließt zehn Länder, bis es ins Schwarze Meer fließt. Mehr als jeder andere Fluß auf unserem Planeten.

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Eine Nacht in Furtwangen

Blick auf Furtwangen (Foto Flodur63)

Blick auf Furtwangen (Foto Flodur63)

Von der Wutach bei Bonndorf bin ich 30 Kilometer nach Norden gefahren und habe in Furtwangen Halt gemacht. Die Stadt liegt landschaftlich reizvoll in einer Kreuzung von drei Tälern und ist von dicht bewaldeten Bergen umgeben. Aufgrund ihrer Höhenlage beansprucht sie den Titel „höchste Stadt in Baden-Württemberg“ für sich.

Auf dem Schwarzwald-Höhenrücken, der sich durch das Stadtgebiet zieht, verläuft die europäische Wasserscheide. Die nördlichen Orstteile entwässern Richtung Rhein und Nordsee, die südlichen Richtung Donau und Schwarzem Meer.

Am Ortsrand von Furtwangen entspringt der Fluss Breg, der längste Quellfluss der Donau. In Donaueschingen fließt die Breg mit der Brigach zusammen. Im nicht ganz ernst gemeinten Sreit mit Donaueschingen beansprucht Furtwangen deshalb den Donauursprung für sich.

Eine architektonische Perle ist Furtwangen jedoch nicht, wie ich bei einem Abendspaziergang mit Doxi feststelle. Die Stadt ist stark von Industrie und der traditionsreichen Hochschule geprägt.

Eigentlich war für den Morgen eine Wanderung rund um Furtwangen geplant, doch als ich mich gerade fertigmache, beginnt es zu Regnen .Und das Wetterradar verheißt nichs Gutes. Okay, dann beim nächsten Mal, wenn wir wieder einmal in der Gegend sind.

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Hilfe, der Bus kommt nicht

In der Wutachschlucht

In der Wutachschlucht

Ich bin ja so ein richtiger „Rundwandertyp“. Streckenwanderungen, Zurückfahren mit Bus und Bahn, das ist nicht so mein Ding. Aber heute war ich echt Mal soweit. Nach 16 anstrengenden Kilometern durch die Wutachschlucht wollte ich ab Bachheim mit dem Wanderbus zurück zur Schattenmühle, unserem Einstiegspunkt in de Wutachschlucht.

Doch ich wartete vergeblich fast eine Stunde auf den Bus, bis ich noch Mal das Kleingedruckte auf der Fahrplantafel studiert habe. Und dort stand leider in hübschen kursiven Lettern geschrieben: „Betriebszeiten vom 4.6.2016 bis zum 24.10.2016“. Upps, da sind wir wohl genau eine Woche zu spät gekommen. Der Wanderbus ist schon im Winterschlaf.

Also das Ganze Retour. Aber diesmal nicht durch die Schlucht, sondern auf den Höhen, und immer schön der Nase nach, denn mein Navi hatte mittlerweile seinen Akku vollständig leergesaugt. „Nicht noch einer im Winterschlaf“, schoss es mir in diesem Moment durch den Kopf.

Dass die Sonne in der Zwischenzeit den kalten Nebel vertrieben hatte, versüßte mir den langen Rückweg doch gewaltig. Nur die letzten drei Kilometer sind wir dann wieder in einem ständigen Auf und Ab an der Wutach entlang gelaufen.

Aber die Lotenbachklamm habe ich mir am Ende erspart. Nicht noch Mal dieses Gekraxel. Statt dessen bin ich mit Doxi die Landstraße von der Schattenmühle hinauf zur B315 gelaufen. Drei Mal so lang wie der Weg durch die Klamm, aber bei weitem nicht so steil. 31 Wanderkilometer sind so am Ende des Tages zusammengekommen, bei 1.050 Höhenmetern. Gehzeit: 8 Stunden 30.

Aber ich habe es nicht bereut. Die wilde und urwüchsige Wutachschlucht mit ihren wechselnden Gesteinsaufschlüssen und einer vielfältigen Flora ist wirklich etwas ganz Besonderes. Anstrengend zu gehen, aber mit tollen Aussichten und Eindrücken.

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Beim Falkner von Bachheim

Drei Adler gleich hinter dem Zaun

Drei Adler gleich hinter dem Zaun

Oberhalb der Wutachschlucht, am Ortsrand von Bachheim, lege ich eine Rast ein. Ich setze mich auf eine Bank vor einem umzäunten Gelände, während ich auf den Wanderbus warte. Nach wenigen Augenblicken höre ich direkt hinter mir das markante Geschrei eines Greifvogels. Ich schaue über den Zaun und da sitzen tatsächlich – gut angeleint – nur wenige Meter von mir entfernt drei fette Adler in einem kleinen Freigelände: Ein riesiger Weißkopfadler mit schwarzem Federkleid und zwei braungefärbte Greifer vom gleichen Kaliber.

Im Hintergrund sehe ich jemanden mit einem Falken trainieren. Alles klar, das hier ist eine Falknerei. Hatte ich von außen gar nicht gesehen. Mit Neugier und auch etwas Respekt beobachte ich die mächtigen Greifvögel. So nahe bin ich Adlern noch nie gekommen.

Besonders der Weißkopfadler scheint von Doxis Anwesenheit beeindruckt zu sein. Er reckt seinen Hals, breitet seine mächtigen Flügel aus und gibt ganz komische Laute von sich.

Als der Falkner das Gelände verlassen will, kommen wir kurz ins Gespräch. Er meint, die Adler würden sich Doxi sofort greifen, wenn sie könnten, und das Beste aus ihr herauspicken. Okay, das wollen wir natürlich nicht unbedingt. Gut, dass die Drei an kurer Leine gehalten werden. Auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Begegnung. Was man manchmal durch Zufall entdecken kann …

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Durch die Lotenbachklamm

In der Klamm

In der Klamm

Mein Wanderziel heute: Die berühmte Wutachschlucht, eines der meistbesuchten Wanderziele im Hochschwarzwald. Doch dafür müssen Doxi und ich erst Mal von unserem Wanderparkplatz an der B315 durch die Lotenbachklamm in die Schlucht hinabsteigen. Und dieser Weg hat es in sich.

Fast einhundert Meter geht es hinunter bis zum Tal der Wutach und der Schattenmühle. Zunächst noch flach, aber dann immer steiler. Über insgesamt vier Wasserfälle strebt der Lotenbach der Wutach entgegen.

Die Klamm ist eng, feucht, steil und steinig. An vielen Stellen bieten Seile dem Wanderer halt, dennoch muss fast jeder Schritt mit Bedacht ausgeführt werden. Das ist doch schon Mal ein vielversprechender Einstieg in das Abenteuer „Wutachschlucht“.

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Am Oberlauf der Wutach

Stauwehr an der Wutach

Stauwehr an der Wutach in der Herbstsonne

Wir sind am Oberlauf der Wutach („wütende Ach“) unterwegs, einem bemerkenswerten Fluss, der fast die gesamte südöstliche Abdachung des Schwarzwaldes entwässert. Auf kaum 20 Kilometer Luftlinie haben sich die Wutach und einige ihrer Nebenbäche durch fast alle Gesteinsschichten der Süddeutschen Schichtstufenlandschaft gegraben, die hier in enger Scharung nacheinander an der Oberfläche ausstreichen.

Dabei sind drei imposante Schluchten entstanden, von denen insbesondere die erste Wutachschlucht jährlich bis zu einhunderttausend Besucher anzieht. Im Verlauf der Schluchten treten nacheinander die verschiedenen Gesteinsschichten von Granit-Gneisen (das eigentliche Grundgebirge), über Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Brauner Jura, Weißer Jura bis hin zum Schwarzen Jura zutage.

Eine Besonderheit der mittleren Schlucht ist die Versickerung des Flusswassers im Muschelkalk. Bei geringer Wasserführung kann die Wutach auf einer Länge von mehr als einem Kilometern völlig trockenfallen, bis das Wasser kataraktartig wieder zutage tritt.

Wir beginnen unsere Wutach-Erwanderung am Oberlauf im Gemeindegebiet von Bonndorf (was einem echten Rheinländer wie mir natürlich ein wenig merkwürdig vorkommenn muss).  Vom Ortsteil Holzschlag folgen wir zunächst dem Reichenbächle, das der Wutach zufließt und sich dabei sehr schnell schluchtartig immer tiefer in die Landschaft eingräbt.

An der alten Stallegger Brücke, die schon im frühen Mittelalter für die Wutach-Querung von überregionaler Bedeutung war, erreichen wir die Wutach und folgen dem Fluss auf teils schmalen und felsigen Graten.  Wir passieren die rieisige, mehr als zweihundert Jahre alte Stallegger Tanne und kommen an einem der wenigen Stauwehre im Oberlauf der Wutach vorbei.

Der Fluss wird nun immer wilder, die Wege am Flussrand enger, steiler und steiniger. Immer wieder müssen wir über schmale Stege die Flussseite wechseln. Besonders schwierige Passagen sind mit Seilen gesichert.

So wandern wir rund zweieinhalb Stunden an der Wutach entlang, bis wir den Fluss verlassen und uns durch Wälder und die Hochebene auf den Rückweg zu unserem Stellplatz machen.  Morgen geht es am nächsten Flussabschnitt weiter.

( MITI / )