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In der Zitadelle Jülich

Das Residenzschloss mit der Schlosskapelle im Ostflügel

Nach unserer Wanderung entlang der Rur bei Jülich besuche ich die Zitadelle Jülich, das Wahrzeichen der Stadt. Die Zitadelle war einst Bestandteil der Festung Jülich und gilt heute als eine der am besten erhaltenen Festungen in Deutschland. Sie wurde in den Jahren nach 1545 als Bestandteil einer „idealen Stadt“ im Stile der Renaissance erbaut und ist die älteste Zitadelle nördlich der Alpen. Ihr Baumeister war Alessandro Pasqualini.

Die vierzackige bastionierte Festung hat einem Umfang von rund 1200 Metern und ist umgeben von einem 10 Meter tiefen und 20 bis 30 Meter breiten Graben, der teilweise mit Wasser gefüllt ist. Die Anlage grenzte unmittelbar an die ebenfalls mit einem Befestigungswall gesicherte Stadt Jülich.

Bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. befand sich an dieser Stelle ein befestigtes Kastell zum Schutz des strategisch bedeutenden Rurübergangs an der Römerstraße Boulogne – Heerlen – Köln.  Diese Befestigung geriet beim Rückzug der Römer im 5. Jahrhundert in fränkische Hand und wurde zur Keimzelle des Jülichgaus, aus dem später erst die Grafschaft und im 14. Jahrhundert das Herzogtum Jülich hervorgingen.

In der Zitadelle befindet sich heute ein Gymnasium, das die Gebäude des ehemaligen herzoglichen Residenzschlosses mit nutzt. Das Schloss im Stil der italienischen Hochrenaissance wurde mangels geeigneter Steinbrüche in der Umgebung aus Ziegeln gemauert. Die vierflügelige Anlage besaß zwei Etagen, vier Ecktürme, sowie eine Kapelle in der Mitte des Ostflügels. Sie bildete den architektonischen Höhepunkt der Anlage. Der damalige Herzog als Bauherr sympathisierte stark mit reformatorischen Ideen. Deshalb könnte die Kapelle der erste evangelische Kirchenbau im gesamten Rheinland gewesen sein.

Die hervorragend erhaltene Anlage leidet heute unter den Grundwasserabsenkungen durch die vielen umliegenden Braunkohle-Tagebaue. Sie haben die Gründung der Festung trockenfallen lassen und erzeugen erhebliche Bergschäden, weil die Zitadelle in weiten Teilen lediglich auf Sand steht, der nun ins Fließen gerät. Eine stetig wachsende Verwerfung läuft von Nordwesten nach Südosten quer durch die Zitadelle. Bereits in den 1980er Jahren musste der Südflügel des Schlosses aufwendig gesichert werden. Der Niveauunterschied zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil des Südflügels beträgt inzwischen fast 50 cm.

Bei unserem Besuch werden die Grünanlagen rund um das Residenzschloss für die Ausstellung zahlreicher Stahlstelen des Künstlers Ren Rong genutzt. Der deutsche Künstler chinesischer Herkunft lebt und arbeitet vorwiegend in Bonn und in Peking. Er gilt als einer der international bekanntesten Künstler chinesischer Herkunft der Gegenwart. Die Stelen fügen sich ganz wunderbar in die Anlage ein. Ein tolles Bild!

( MITI / )

Von der Rur zum Haus Overbach

Haus Overbach

Zweiter Testtag für meine neue Wanderregenjacke. Heute sind wir im Regen an der Rur bei Jülich unterwegs. Wir starten am Brückenkopfpark, der nach einer Festungsanlage aus napoleonischer Zeit benannt ist, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und die Stadt von Westen her schützen sollte.

Die Anlage befand sich an einer bereits in der Antike bedeutenden Stelle. Hier kreuzte die Römerstraße „Boulogne – Heerlen – Köln“ an einem der wenigen gangbaren Rurübergänge den wilden Fluss und eröffnete damit den Zugang ins Rheinland. Wir wandern in nördlicher Richtung an der Rur entlang und laufen durch die Rurauen, in denen sich der Fluss bei Hochwasser ungestört ausdehnen kann.

Bald passieren wir den kleinen Ort Broich und biegen dahinter in Richtung Westen zum Barmener Baggersee ab, einer ehemaligen Kiesgrube, die heute als Naherholungsgebiet dient. Wir umrunden den See auf ufernahen Pfaden und laufen anschließend auf das Haus Overbach zu, einer früheren Wasserburg im Jülicher Stadtteil Barmen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Haus Overbach als Rittersitz datiert aus dem Jahre 1341 in einer Urkunde von Johannes de Overbach. Der Gebäudekomplex ist heute im Besitz der Ordensgemeinschaft der Oblaten des hl. Franz von Sales. Die Gebäude werden als Verwaltungsgebäude des Ordens, als Kloster und auch für ein kirchliches Gymnasium genutzt. Zwei meiner Jugendfreunde haben hier vor 30 Jahren ihren Zivildienst abgeleistet und so lange war ich nicht mehr hier. Ich bin überrascht, so unvermittelt auf die Anlage zu stoßen und bekomme ein wenig nostalgische Gefühle. Damals waren wir noch jung …

Durch schönen Wald geht es auf einem Waldlehrpfad weiter in südöstlicher Richtung nach Jülich-Koslar, das wir entlang eines Baches mit dem schönen Titel „Altdorf-Kirchberg-Koslaer-Mühlenteich“ durchlaufen. Bald erreichen wir die Rurauenstraße, eine prächtige Allee mit alten Kastanien, die uns zurück zu unserem Startpunkt am Brückenkopfpark bringt.

Dreieinhalb Stunden waren wir heute größtenteils im Regen unterwegs und haben 13 Kilometer zurückgelegt. Unter meiner neuen Jacke plus Regenhose bin ich schön trocken geblieben. So soll es sein 🙂

( MITI / )

Entlang der Indeaue

Die Inde wenige hundert Meter vor ihrer Mündung in die Rur

Heute waren wir mit Doxi in einer sehr interessanten Landschaft unterwegs. Am Nordwestrand des Braunkohletagebaus Inden zwischen Jülich, Aldenhoven und Eschweiler wurde der Fluss Inde vor rund zehn Jahren in ein neues Bett geleitet. Die Inde kommt aus der Eifel, fließt über Kornelimünster (bei Aachen) und Eschweiler bis an den Westrand von Jülich, wo sie in die Rur mündet.

Der Fluss, der sich heute mäandernd durch die Jülicher Börde schlängelt, durchzog zuvor als begradigter Kanal die Fläche des heutigen Tagebaus. So ist hier ein kleines Naturparadies entstanden, in dem es sich vortrefflich wandern lässt.

( MITI / )

Auf der Sophienhöhe

Die Sophienhöhe: ein weithin sichtbarer Buckel in der flachen Landschaft – von Menschen erschaffen

Puh, ist das kalt! Am bislang kältesten Tag dieses Winters bin ich bei -5 Grad mit Doxi auf der Sophienhöhe, östlich von Jülich, unterwegs. Die rieisge rekultivierte Abraumhalde des angrenzenden Hambacher Braunkohletagebaus erhebt sich weithin sichtbar aus der flachen Landschaft der Jülicher Börde.

Glücklicherweise scheint die Sonne und es weht kein Wind. Überall in der Ebene rund um die Höhe sieht man in nah und fern riesige Windräder, Zeugen der „modernen“ Energiegewinnung – doch keines bewegt sich. Die Landschaft erscheint total still, und ohne den Wind lassen sich auch die kalten Temperaturen gut ertragen, sofern man zügig unterwegs ist.

Die Höhe bedeckt rund 13 km² Fläche. Aufgrund ihrer zahlreichen gut ausgebauten Wanderwege ist sie ein beliebtes Ziel für Wanderer und MTB-Fahrer. Ihr Name leitet sich aus den ehemals in der Nähe gelegenen Gutsbetrieben Sophienwald und Sophienerde ab.

Am Fuße der heutigen Höhe stand einst die Höllermühle, die jedoch im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals abbrannte und im 19. Jahrhundert nicht wiedererrichtet wurde. Dort befindet sich heute ein Wanderparkplatz, von dem wir unseren Aufstieg zum höchsten Punkt der Höhe bei 301,8 m ü.N.N starten.

Die Seitenhänge und die Höhe selbst sind mit Mischwald bedeckt. Immer wieder treffen wir auf kleinere und größere „Bergseen“, die derzeit in eisiger Kälte erstarrt sind. Regelmäßig hält Doxi ihre Nase neugierig in den Wald hinein. Keine Frage, hier hat sich viel Wild angesiedelt.

Auf dem höchsten Punkt der Sophienhöhe, dem Steinstraßer Wall, erreichen wir einen kleinen Aussichtsturm. Der sogenannte „Römerturm“ verkörpert den Nachbau eines römischen Wachturms. Von dort kann man im Osten bis Düsseldorf, im Westen bis zur Eifel und im Süden bis nach Köln und zum Siebengebirge schauen.

Zweitausend Jahre bevor die Sophienhöhe in den 1970er Jahren entstand, befand sich hier in der flachen Landschaft die Via Belgica, eine Heerstraße, die das römische Köln über Jülich (Iuliacum), Heerlen (Coriovallum), Maastricht (Trajectum ad Mosam), Tongeren (Aduatuca Tungrorum) und Bavay (Bagacum) mit der Atlantikküste verband.

Ein Stück weiter südöstlich erreichen wir am zweithöchsten Punkt der Höhe das „Höller Horn“ bei 291 m ü.N.N. Das Horn erinnert mich an die berühmte Kugelbake bei Cuxhaven. Die Landschaft ist an dieser Stelle total sandig und nur mäßig bewachsen. Für einen Augenblick könnte man meinen, man befände sich am Rande einer Dünenlandschaft kurz hinter dem Meer.

Bis vor wenigen Jahren konnte man von hier direkt in den gigantischen Hambacher Tagebau blicken. Seit dessen Erweiterung ist das nicht mehr möglich. Langsam beginnen wir unseren Abstieg und erreichen nach insgesamt 12 KM reichlich durchgefroren wieder unseren Startpunkt. Gut, dass in eine Kanne mit warmen Tee dabeihabe. Das tut jetzt richtig gut …

( MITI / )