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Rund um Neviges

Auf den Höhen rund um Neviges sind zahlreiche Gestüte und Pferdehöfe angesiedelt

Heute waren wir in schöner Natur rund um Neviges am Nordrand des Bergischen Landes unterwegs. Leider wies die 14 Km lange Tour, die ich aus dem Internet geladen hatte, einige nicht-begehbare Passagen auf. Auf teils langen Umwegen mussten wir diese „umschiffen“.

Insebesondere zwischen den kleinen Siedlungen Schwagerscheidt, Krüdenscheid und Sombeck sollen laut Tourplan mehrere Gehöfte durchquert werden. Die Durchfahrten sind aber eindeutig als Privatweg gekennzeichnet und die Besitzer finden es gar nicht lustig, wenn ihnen Wanderer mitten über den Hof stapfen.

Ganz zu schweigen von den freilaufenden Hofhunden, die sich Doxi gegenüber sehr aggressiv zeigten. Einmal mußte ich und der Hofbesitzer sogar einschreiten, damit aus einer kleinen Beißerei keine große wurde. Das war nicht so toll.

Irgendwann sind wir dadurch so weit vom geplanten Weg abgekommen, dass es keinen Sinn mehr machte, zu diesem zurückzukehren. Wir haben dann ein kleines Stück der geplanten Tour ausgelassen und sind auf direktem Wege zu unserem Startpunkt zurück gelaufen.

Aber wie das manchmal so ist: Auch Unpässlichkeiten können zu schönen Erlebnissen führen. Bei uns in Form eines großen freistehenden Kirschbaums auf einer öffentlichen Wiese, die wir sonst gar nicht durchquert hätten. Der Baum hing voller süßer, praller, roter Kirschen, von denen ich ausgiebig gekostet habe. Und das waren mit Abstand die besten Kirschen, die ich in diesem Jahr bisher hatte. Ein echter Genuß!

( MITI / )

Am Nevigeser Wallfahrtsdom

Vorplatz des Doms mit den Pilgerhäusern, dahinter der Dom

Sie ist ein herausragendes Werk des Brutalismus, jenem neuzeitlichen Architekturstil, der sich vom französischen Begriff des „béton brut“ (roher Beton) herleitet: Die Wallfahrtskirche Maria, Königin des Friedens, auf dem Hardenberg im Velberter Ortsteil Neviges.

Die Marienwallfahrt nach Neviges geht auf eine Erscheinung des Dorstener Franziskaners Antonius Schirley zurück, der im Jahre 1676 beim Beten eine Stimme vernommen haben will.  „Bring mich nach dem Hardenberg, da will ich verehret sein“, soll die Jungfrau Maria zu ihm gesprochen haben.

Als der Fürstbischof von Paderborn und Münster, Ferdinand von Fürstenberg, 1688 nach schwerer Krankheit unerwartet genesen war, unternahm er zum Dank eine Pilgerfahrt nach Neviges. Anschließend finanzierte er die Fertigstellung des dort bereits im Bau befindlichen Franziskanerklosters. Im gleichen Jahr wurde die Pilgerfahrt durch den Kölner Generalvikar offiziell genehmigt. Papst Clemens XII. versprach allen Hardenberg-Pilgern völligen Ablass der Sündenstrafen.

Besonders in Krisenzeiten kamen viele Pilger nach Neviges. So wurden vor dem Ersten Weltkrieg jährlich 100.000 Pilger, 1935 340.000 und 1954 300.000 Pilger gezählt.

Die Wallfahrt wird bis heute von Franziskanern betreut. die die ursrpüngliche Wallfahrtskirche St. Mariä Empfängnis auch weiterhin nutzen. Daneben aber steht seit 1968 der imposante Nevigeser Dom. Er wurde vom Architekten Gottfried Böhm entworfen, der sich bei einem Architekturwettbewerb unter Vorsitz des damaligen Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings durchgesetzt hatte. Das Kirchengebäude ist mit mehr als 6.000 Plätzen nach dem Kölner Dom das zweitgrößte im Erzbistum Köln.

Die äußere Form des Doms erinnert an ein großes Zelt mit glatten Flächen aus Sichtbeton. Im Innern scheint der Hauptaltar im Zentrum eines weiten Marktplatzes zu stehen. Die großen Lampenpfeiler wirken wie Straßenlaternen und die Emporen erinnern an fensterreiche Häuser.

Ein häufig wiederkehrendes Symbol ist die Rose, das Zeichen der Gottesmutter Maria. das die großen Fensterverglasungen dominiert. Das sehr kleine ursprüngliche Gnadenbild, das im Mittelpunkt der Verehrung steht, ist in eine große Marienstele eingelassen, aus der Maria mit dem Kind wie aus einem Lebensbaum herauswächst.

Im September 1978 besuchte Kardinal Karol Wojtyla, ein großer Verehrer der Gottesmutter, mit einer Krakauer Pilgergruppe die Kirche, drei Wochen vor seiner Wahl zum Papst. An diese Begebenheit erinnern eine Gedenktafel nahe der Marienstele.

Ich bin ganz ergriffen von diesem Bauwerk und seiner markanten Architektur. Das ist wirklich ein ganz besonderer Ort zum Beten. Spontan zünde ich ein Kerzlein für meine Mutti und meinen kürzlich verstorbenen Schwager an. Möge er in Frieden ruhen.

( MITI / )