Schlagwort-Archive: Lüttich

Auf Pfaden um Chaudfontaine

Auf Pfaden um Chaudfontaine
Chaudfontaine, 9. Juni 2018

Installation im sehenswerten Kunstpark von Chaudfontaine

Heute waren wir rund 20 Kilometer südöstlich von Lüttich in Belgiens einzigem Kurort mit Thermalquellen unterwegs. Chaudfontaine liegt an der Vesdre (Werder) im Vorvennland der belgischen Ardennen und lockt schon seit 1676 Gäste mit seinen heißen Quellen.

Wir starten am Kunstpark gegenüber dem Kasino und steigen in engen Serpentinen durch dichten Laubwald auf die vennartige Hochebene oberhalb des Ortes auf. Dabei passieren wir mehrere Bäche, die sich tief ins Kalkgestein eingegraben haben.

Schon bald lassen wir die breiten Waldwege hinter uns. Nun geht es auf schmalen Pfaden durch die Landschaft, vielfach mit Kontakt zum regennassen Gras.

Es ist nicht heiß, aber die Wege sind schwierig zu gehen und die Atmosphäre ist unglaublich feucht. Schnell komme ich so richtig ins Schwitzen. Viele Insekten sind in der Luft unterwegs, und auch am Boden ist eine Menge los. Mehrmals kontrolliere ich Doxi auf Zecken und werde schon bald fündig. Vorsichtshalber behalte ich auch meine halbnackten Beine gut im Auge.

So geht es knapp vier Stunden, bis wir nach 15 Kilometern wieder unseren Startpunkt erreichen. Die Wanderung ist toll geplant, aber das Wetter war heute leider nicht perfekt, um die vielen möglichen Fernblicke auf der Tour richtig genießen zu können. Dafür war es einfach zu diesig. Da müssen wir vielleicht noch ein anderes Mal wiederkommen.

( MITI )

Hoch über Lüttich

Hoch über Lüttich
Lüttich, 2. April 2018

Die 2010 entweihte Kirche Église du Sacré-Cœur auf den Maashöhen im Stadteil Cointe

Weithin sichtbar erhebt sich ein hoher weißer Turm über Lüttich. Er steht im Stadtteil Cointe auf den Höhen über dem Maastal. Es ist das Erhenmal für die Gefallenen verschiedener Nationen bei der Verteidigung Belgiens im Ersten Weltkrieg.

Das Mémorial Interallié wurde seit 1921 geplant und ab dem Jahr 1925 aus Spenden errichtet. Neben dem Ehrenmal wurde auch eine große Kirche gebaut. Die Bauten wurden im Jahre 1937/38 fertiggestellt und im Beisein des belgischen Königs Léopold III. eingeweiht.

Im Mai 1944 wurde die Anlage bei alliierten Luftangriffen auf das von deutschen Truppen besetzte Lüttich schwer beschädigt. Es sollten mehr als 20 Jahre vergehen, bis die Bauwerke im Jahre 1968 vollständig rekonstruiert und vom belgischen König Baudoin I. wieder eingeweiht wurden.

Doch in den letzten Jahren ist vor allem die Kirche komplett verfallen. Sie wurde 2010 entweiht und steht seitdem zum Verkauf. Für mich wirkt sie wie ein Sinnbild für den Zustand der Stadt: Viel Verfall, wenig Substanz.

( MITI )

Der Bahnhof Liège-Guillemins

Der Bahnhof Liège-Guillemins
Lüttich, 2. April 2018

Seitenansicht von der Stadtseite des Bahnhofs

Er ist eines der architektonischen Highlights der Stadt Lüttich: Der 2009 fertiggestellte Bahnhof Liège-Guillemins nach Plänen des internationalen Stararchitekten Santiago Calatrava. Der Bahnhof ist Knotenpunkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz, u.a. halten Thalys- und Intercity-Express-Züge hier.

Der überaus leicht und luftig wirkende Bau besteht aus Stahl, Glas und weißem Beton. Er hat einen monumentalen Baldachin von 200 Meter Länge und 35 Meter Höhe.

Darunter verlaufen neun Gleise. Die Gleise 1 und 2 werden von der ICE International-Linie angefahren. Auf den Gleisen 3 und 4 halten Züge nach Brüssel. Es gibt fünf Mittelbahnsteige mit einer Breite von acht Metern.

Rolltreppen führen zu den Übergängen. Als ich mit Doxi hochfahren will, ist ihr die bewegliche Treppe ganz und gar nicht geheuer. Also nehme ich sie auf den Arm und fahre mit ihr nach oben. Ich hatte schon Bilder des Bahnhofs in verschiedenen Publikationen gesehen. Jetzt hier zu sein, finde ich wirklich toll.

( MITI )

Im Herzen der Wallonie

Im Herzen der Wallonie
Lüttich, 2. April 2018

Blick vom Parc de la Boverie über die Maas zum Hochhaus „Tour Paradis“ in der Nähe des Bahnhofs

Gestern, am Ostersonntag, waren wir in Maastricht. Heute, am Ostermontag, sind wir in Lüttich. Obwohl die beiden Städte an der Mass nur 25 Kilometer trennen, liegt zwischen ihnen eine deutlich spürbare kulturelle und wirtschaftliche Grenze. Und natürlich die Landesgrenze zwischen den Niederlanden und Belgien.

Lüttich ist das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region Belgiens. Hier wird französisch gesprochen.

Die Stadt war bereits in römischer Zeit und dem Namen Leodicum bzw. Vicus Leodicus bekannt. 717 wurde die Stadt zum Bischofssitz und in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einem ein bedeutenden politischen und kulturelles Zentrum.

Achthundert Jahre lang war Lüttich die Hauptstadt eines souveränen Staates, des Fürstbistums Lüttich (985-1789). Dieses erstreckte sich über ein Viertel der Fläche des heutigen Belgiens bis zur französischen, niederländischen und deutschen Grenze.

Sechs Jahre nach der Französischen Revolution wurde Lüttich 1785 von französischen Truppen besetzt und Teil der Französischen Republik. 1815 kam die Stadt nach dem Sturz von Napoleon Bonaparte zum Königreich der Vereinigten Niederlande und wurde 1830 Teil des unabhängigen Königreiches Belgien.

Im Herzen der Wallonie

Der TGV-Bahnhof Liege-Guillemins

Lüttich ist eine Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle- und Stahlindustrie. Bereits 1720 nahm die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland in einer Kohlemine nahe Lüttich ihren Betrieb auf. Von Lüttich aus breitete sich die Industrialisierung ab Anfang des 19. Jahrhunderts über den gesamten Kontinent aus.

Doch mit dem Niedergang des Kohlebergbaus ab den 1960er Jahren und der anschließenden Stahlkrise erlebte die Region schwere Strukturprobleme, die bis heute nicht überwunden sind. Die Arbeitslosenquote liegt bei annähernd 25% und das sieht man der Stadt auch an. Zahlreiche Denkmäler und Statuen erzählen vom Glanz vergangener Zeiten, doch viel ist davon nicht übrig geblieben. Der alte Prunk ist ziemlich angestaubt.

Viele Bauten machen einen vergammelten Eindruck und die Architektur aus der Nachkriegszeit wirkt doch sehr zweckmäßig und wenig ansprechend, um es einmal freundlich auszudrücken. Eines der wenigen Highlights: Der hypermoderne Bahnhof Liège-Guillemins.

Mehr als drei Stunden bin ich an diesem Morgen mit Doxi in der Stadt unterwegs. Fast 14 Kilometer legen wir dabei zurück. Wir starten am herunter gekommenen Kongresspalast auf der Maasinsel im Stadtteil Outremeuse und laufen zunächst durch den öffentlichen Park de la Boverie auf das gleichnamige Museum zu, das in einem prächtigen historischen Bau untergebracht ist.

Im Herzen der Wallonie

Das alte kursürstliche Palais

An der reich verzierten Brücke Pont de Fragnee wechseln wir auf die andere Seite der Maas. Wir laufen durch das etwas herunterkommen wirkende Stadtviertel Guillemins auf den architektonisch beeindruckenden TGV-Bahnhof Liege-Guillemans zu. Hinter dem Bahnhof steigen wir auf die Höhen über dem Maastal zum weithin sichtbaren Memorial Interalle auf, das den Kriegstoten des ersten Weltkriegs gewidmet ist.

Anschließend geht es wieder hinunter in Richtung der Altstadt von Lüttich. Wir laufen durch den Parc d’Avroy, kommen an der Kathedrale Saint-Paul de Liege und am Opernhaus vorbei, queren die Einkaufsstraßen im Zentrum und erreichen schließlich den riesigen früheren Sitz des regierenden Fürstbischofs.

Wir lassen uns noch ein wenig durch die Stadt treiben, schauen links und rechts nach sehenswerten Bauten und Plätzen, aber nach dreieinhalb Stunden strammen Marsches haben wir schließlich genug. Eigentlich hatte ich noch eine Wanderung in den nahegelegenen Ardennen geplant, doch die kommt ein anderes Mal dran. Für heute haben wir erst einmal genug Eindrücke gesammelt.

( MITI )