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Eine Woche in Kurhessen

Kurz vor der Sommersonnenwende war ich jetzt eine Woche mit Doxi in Nordhessen unterwegs. Zwischen Habichtswald und Werratal sind wir rund 120 Kilometer gewandert, teilweise mehr als 30 Kilometer am Tag.

Wir haben imposante Schlösser und Burgruinen besucht, interessante Städte entdeckt und viel schöne Natur erlebt. Die Tage Ende Juni sind lang und so konnten wir sowohl am Morgen wie auch am Abend jeweils eine vollständige Wanderung unternehmen.

Wir waren in Bad Arolsen, Volkmarsen, Zierenberg, Kassel-Wilhelmshöhe, Bad Sooden-Allendorf, Eschwege, Fritzlar und an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Lindewerra.

Zum Abschluss haben wir noch einen schönen Badetag am Möhnesee eingelegt. Nach den heißen und teilweise doch recht anstrengenden Wandertagen war das eine echte Wohltat. Alle Beiträge von dieser Tour gibt es hier.

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Allendorf – Die Perle des Werratals

Stadtkirche an der Werra

Von Lindewerra sind wir in südlicher Richtung nach Bad Sooden-Allendorf weitergefahren. Eigentlich liegt die Verbandsgemeinde nur acht Kilometer südlich von Lindewerra in einem Talkessel an der Landesgrenze zu Thüringen.

Doch weil eine Brücke gesperrt ist und es aufgrund der langjährigen Trennung durch den Eisernen Vorhang wenig grenzüberschreitende Straßen gibt, müssen wir einen riesigen Umweg nehmen. Nachdem ich mich auch noch zwei Mal verfahre und anschließend erst den Umleitungsschildern und dann meinem Navi misstraue, benötigen wir für das eigentlich kurze Stück fast anderthalb Stunden. Wahnsinn!

Allendorf und Bad Sooden waren über Jahrhunderte zwei getrennte Gemeinden links und rechts der Werra, die von der Salzgewinnung und dem Salzhandel lebten. Sooden war der Standort des Salzwerks und nur ein kleiner Flecken, in dem die Salinenarbeiter wohnten,

Im stolzen Allendorf, das bereits 1218 die Stadt- und Marktrechte erhielt, lebten hingegen die reichen Eigentümer der Siedepfannen,  Im Jahre 1929 wurden die beiden Orte zur Verbandsgemeinde Bad Sooden-Allendorf zwangsvereinigt.

Aufgrund seiner schönen Lage am Fluss und der vielen guterhaltenen Fachwerkhäuser gilt Allendorf als die „Perle des Werratals“. Wir beginnen unseren Besuch mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die wirklich absolut sehenswerte Altstadt von Allendorf. Anschließend laufen wir hinüber nach Bad Sooden und brechen von dort zu einer Wanderung auf den nahegelegenen Roßkopf auf.

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Als es dunkel wird in Fritzlar

Am Brunnen auf dem Marktplatz

So langsam müssen wir uns auf den Heimweg machen, weil an diesem Wochenende in meinem Heimatort das jährliche Schützenfest stattfindet. Und ich bin wie immer als Schütze fest eingeplant. Doch eine Stadt in Kurhessen möchte ich unbedingt noch sehen: Fritzlar.

Also fahren wir am späten Abend von Eschwege in die 80 Kilometer westlich gelegene Domstadt, wo wir kurz vor Beginn der Dunkelheit eintreffen – gerade noch rechtzeitig für einen Abendspaziergang. Das Licht ist nicht mehr so gut, um schöne Fotos zu machen. Aber dafür ist die Stadt um diese Uhrzeit bereits schön leer. Man kann eben nicht alles haben …

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In der Großen Kreisstadt Eschwege

Das Brückenviertel an der Werra

Als wir nach unserer Wanderung bei Bad Sooden-Allendorf im Ort keinen Schattenplatz für das Wohnmobil finden und die Temperatur im Inneren die 30-Grad-Marke erreicht, beschließe ich spontan, in das 20 Kilometer entfernte Eschwege weiter zu fahren. Auf dem großen Festplatz an der Werra kann man kostenlos parken und das mit etwas Glück sogar im Schatten großer Bäume.

Doch bei der Annäherung an Eschwege sehe ich am Straßenrand schon großflächig die Ankündigung für das jährliche Volksfest plakatiert. Start ist an diesem Wochenende … genau wie bei uns zu Hause.

Mir schwant nichts Gutes, und tatsächlich ist der Festplatz bereits gesperrt und vollständig mit Fahrgeschäften belegt. Doch ich habe Glück und finde nur wenige hundert Meter weiter an einem Seitenarm der Werra einen Schattenplatz auf einem kleinen öffentlichen und kostenlosen Parkplatz. Und hier, am Rande des Flusses, weht sogar ein leichter Wind.

Von dort starten wir am späten Nachmittag zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die historische Altstadt von Eschwege. Die Stadt hat im Zweiten Weltkrieg nur wenig gelitten und verfügt deshalb viel historische Bausubsanz. Fast 1000 Fachwerkhäuser sollen es im Innenstadtbereich noch sein. Wie sich bald zeigt, sind nicht so viele Perlen darunter wie in Allendorf, aber es sind wirklich sehr sehr viele Fachwerkhäuser hier.

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Von Bad Sooden auf den Roßkopf

Die Saline in Bad Sooden

Sooden war über Jahrhunderte nur ein kleines Nest mit einem Salzbergwerk und den dort beschäftigten Arbeitern. Doch im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus der dazugehörigen Solequelle ein lebhafter Kurtourismus mit allem, was zu damaligen Zeit dazugehörte: Saline, Therme, Kurpark, Flaniermeile und vielen schmucken Pensionen in der zeitgenössischen Bäderarchitektur. Aus Sooden wurde Bad Sooden.

Gleich hinter dem Ortsrand beginnt am Ahrenberg ein ausgedehntes Waldgebiet mit dem Roßkopf als höchsten Punkt. Dort hinauf folge ich mit Doxi der Tour 23 aus dem Rother Wanderführer „Kurhessen“.

Nach wenigen Kilometern endet der Wanderweg am Ahrenberg abrupt vor der überdachten und um diese Uhrzeit gut besuchten Terrasse des gleichnamigen Waldhotels. Ich schaue ein wenig verdutzt, aber die Wanderschilder sagen eindeutig: Es geht geradeaus über die Terrasse. Also laufe ich mit Doxi verschwitzt wie ich bin zwischen den Gästen an ihren Tischen hindurch und auf der Vorderseite des Gebäudes wieder aus dem Hotel heraus. So etwas habe ich auch noch nicht erlebt, Aber das soll hier wohl so sein!?

Da es sehr heiß ist und die Wanderstrecke im zweiten Teil den Wald verlässt, kürzen wir nach der Besteigung des Roßkopfes ein wenig ab, um im Schatten des Waldes zu verbleiben. Statt der avisierten 20 Wanderkilomer werden es dann nur knapp 17, aber das reicht ja bei diesem schweißtreibenden Wetter ja eigentlich auch 🙂

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Große Runde durch den Habichtswald

Seitenansicht auf den Herkules

Nach knapp zwei Jahren bin ich wieder am Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel. Wir starten kurz nach sieben Uhr am Morgen und sind so früh dran, dass wir den Park fast für uns alleine haben. Doch leider sind die schönsten Bauwerke wie etwa der imposante Herkules und die romantische Löwenburg derzeit mit Gerüsten zugestellt. Hier wird fleißig renoviert und das noch bis zum Jahr 2018.

Aber der Park ist für uns heute ohnehin nur Durchgangsstation auf einer großen Wanderung durch den angrenzenden Habichtswald. Wir folgen dabei der 19 Kilometer langen Tour 9 aus dem Rother Wanderführer „Kurhessen“.

Nachdem wir vom Herkules zum Schloss Wilhelmshöhe hinabgestiegen sind, verlassen wir den Park an der Löwenburg in südlicher Richtung. Wir queren eine Bundesstraße und wandern auf der anderen Seite an der lokalen Försterei wieder in den Habichtswald hinein. Auf diesem Abschnitt laufen wir an mehreren markanten Felsformationen aus vulkanischem Gestein vorbei: Erst kommt der Marienfelsen, dann die Bilssteinklippen und schließlich die Porta Lapidara, eine natürliche Pforte aus LKW-großen Steinen, durch die der Wanderweg hindurchführt.

Unser nächstes Ziel ist der Bismarckturm von 1904, der einen fantastischen Blick hinunter nach Kassel und in das Umland bietet. Wenig später passieren wir die sogenannte „Teufelsmauer“, eine imposante natürliche Wand aus Basaltgestein.

Weiter geht es durch das romantische Firnsbachtal, wo Doxi erst einmal einen kräftigen Schluck aus dem Bach nimmt. Hinter der Waldgastschänke „Kleines Herbsthäuschen“ queren wir eine Kuhweide und steigen weiter hinauf zum höchsten Punkt des Habichtswalds am steinernen Aussichtsturm „Hohes Gras“, wo im Winter ein kleiner Skilift betrieben wird.

Am Golfplatz Kassel-Wilhelmshöhe vorbei geht es anschließend zurück zu unserem Startpunkt am Herkules. Irgendwie waren wir trotz der Hitze schnell unterwegs. Die Route ist im Wanderführer mit fünfeinhalb Stunden veranschlagt. Wir haben eine Dreiviertelstunde weniger benötigt.

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Zwei feindliche Burgen über dem Werratal

Zweiburgenblick im Werratal. Links die Burg Hanstein, rechts die Burg Ludwigstein (Foto lebrac | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Am frühen Abend starte ich mit Doxi von Lindewerra zu einer interessanten Wanderung zu zwei ehemals feindlichen Burgen auf thüringischer Seite hoch über dem Werratal. Wir folgen dabei der Tour 24 aus dem Rother Wanderführer „Kurhessen“.

Die Wanderwege hier im schönsten Abschnitt des mittleren Werratals entstanden erst nach der „Wende“ im Jahre 1990. Zuvor war die Gegend aufgrund ihrer unmittelbaren Grenzlage für DDR-Bürger über Jahrzehnte absolut tabu.

Am Ortsrand von Lindewerra geht es sogleich in den Wald, wo wir über eine Strecke von mehreren Kilometern Schritt für Schritt den Rücken des Hohebergs erklimmen. Am höchsten Punkt erreichen wir die „Teufelskanzel“, eine Sandsteinklippe mit fantastischer Aussicht hinunter nach Lindewerra und ins Werratal.

Weiter dem Höhenrücken folgend, erreichen wir bald den kleinen Ort Limbach unterhalb der Burgruine Hanstein. Leider ist die Burg um diese Uhrzeit bereits geschlossen und so müssen wir uns mit einem Blick von außen begnügen.

Etwas unterhalb des Ortes kommen wir an einem schönen Fischteich mit vielen Goldfischen vorbei, daneben eine Pferdekoppel. Eigentlich sollte hier laut GPS-Track der Einstieg in einen längeren Wegabschnitt hinunter zum Ort Werleshausen und der Burg Ludwigstein beginnen. Doch da ist nichts.

Mühsam arbeiten wir uns durch verwachsenes Gelände voran, versuchen ein ausgedehntes Brennnesselfeld einigermaßen unbeschadet zu passieren und folgen schmalen Tierpfaden einen dornenbewachsenen Hang hinab, bis wir glücklich wieder den vorgegebenen Track erreichen. Meine halbnackten Beine sehen ganz schön mitgenommen aus. Zum Glück passiert uns so etwas wirklich selten. Normalerweise sind die Rother Wanderführer sehr zuverlässig.

Nachdem wir den nächsten Hügel erklommen haben, kommt wieder das Werratal mit dem Ort Werleshausen und der Burg Ludwigstein in den Blick. Wir wandern hinab in den Ort. Weil sich der Tag bereits spürbar dem Ende zuneigt, verzichte ich auf den Aufstieg zur Burg. Stattdessen bleiben wir an der Werra.

Wir unterqueren die mächtige Eisenbahnbrücke über das Werratal, deren Sandstein jetzt im Abendlich rot leuchtet. Dann laufen wir entlang der hufeiseinförmigen Werraschleife auf Lindewerra zu, das wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Mehr als 30 Kilometer sind wir heute in großer Hitze gewandert und haben viel gesehen. Ich bin zufrieden, aber auch ganz schön k.o.

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An der schönen Werra

Doxi in der Werra. Hier war bis 1990 die innerdeutsche Grenze. Erst seit 1999 verbindet die neu erbaute Werrabrücke wieder das thüringischie Lindewerra mit Hessen.

Upps, wir haben rübergemacht. Von Kassel sind wir ins schöne Werratal gefahren und haben beim kleinen Ort Lindewerra die Werra überquert. Schon standen wir mit beiden Beinen in Thüringen.

Bis 1990 trennte der „Eiserne Vorhang“ hier die Menschen diesseits und jenseits des Flusses. Die im Krieg zerstörte Brücke wurde nicht wiederaufgebaut. Die gesamte Gegend war Sperrgebiet. Nur absolut linientreue DDR-Bürger durften überhaupt so nahe an der Staatsgrenze wohnen.

Ohne Passierschein kam man gar nicht erst in die Nähe des Flusses. Politisch Unzuverlässige, wie etwa die vielen Landwirte, die auch auf der anderen Seite der Werra Felder besaßen, wurden bereits im Jahre 1951 in andere Teile der DDR zwangsumgesiedelt.

Heute befindet sich an dieser Stelle ein wunderbarer kleiner Womo-Stellplatz und eine Anlegestelle für Wasserwanderer. Die Werra macht hier eine hufeisenförmige Schleife. Die vollständig bewaldeten Hänge schmiegen sich eng an den Fluss an, so dass sich ein landschaftlich reizvolles Bild bietet.

Es ist total heiß in diesen Tagen, und so genießen Doxi und ich es, durch den am Rand ganz seichten Fluss zu waten. Trotz der kleinen Brücke ist es sehr ruhig und beschaulich hier. Ein wunderbarer Ort, um die Natur zu genießen und ein wenig zu verweilen.

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Von Zierenberg auf den Schreckenberg

Blick vom Schreckenbergturm hinunter nach Zierenberg

Am späten Nachmittag fahren wir von Volkmarsen in das 20 Kilometer entfernte Zierenberg im Warmetal. Dort brechen wir vom Freibadparkplatz zu einer weiteren Wanderung aus dem Rother Wanderführer „Kurhessen“ auf.

Die Tour Nummer 3 führt uns zunächst in steilen Serpentinen auf den Schreckenberg hinauf. Dabei passieren wir die „Blauen Steine“, ein imposantes Geröllfeld, das nach der letzten Eiszeit entstanden ist. Oben auf dem Schreckenberg angekommen, erklimme ich den Schreckenbergturm, der 1911 als Ersatz für einen alten Wartturm an dieser Stelle errichtet wurde.

Der Ausblick von der Turmspitze über das Warmetal ist wirklich atemberaubend: Unten liegt Zierenberg, dahinter die Bergkette aus Rohrbeg, Großem Bärenberg und Großem Gudenberg.

Durch schönen Buchenwald geht es anschließend zur Ruine der Burg Schartenberg, eine der ältesten Burgen in Hessen, von der heute nur noch die Reste des imposanten Bergfrieds mit seinen 3,5 Meter dicken Mauern stehen. Weiter führt uns der Weg durch den Laarer Forst, bis wir über eine Strecke von 1,5 Kilometer hinunter ins Warmebachtal absteigen.

Parallel zum Bach führt ein schöner Feldweg mit Blick auf den Kegel des Schreckenbergs durch das Tal zurück nach Zierenberg, wo wir nach 14 Wanderkilometern wieder am Freibad eintreffen. Mehr als 30 Kilometer sind wir heute gewandert. Ganz schön viel, aber es waren auch wirklich zwei sehr schöne Touren.

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Rund um Volkmarsen

Klatschmohn am Feldrand auf der Scheider-Hochfläche

Von Bad Arolsen sind wir in das zehn Kilometer östlich gelegene Volkmarsen gefahren, wo wir an der Nordhessenhalle einen schönen kostenlosen Womo-Stellplatz direkt an der Twiste gefunden haben. Von dort brechen wir am Morgen zur Wandertour Nummer 2 aus dem Rother Wanderführer „Kurhessen“ auf.

Wir laufen zunächst durch das historische Zentrum des kleinen Ortes rund um die Kirche und das Rathaus. Dann geht es in südlicher Richtung hinauf auf das aus Muschelkalk entstandene Hochplateau der Scheid. Viele seltene Pflanzen und Tiere sind auf diesem Höhenrücken beheimatet. Zwischen landwirtschaftlich genutzten Feldflächen und von Insekten umschwärmten Magerrasenwiesen bieten sich uns hier herrliche Fernblicke auf die umliegenden Berge das Waldecker-Hügellandes.

Wir wandern durch den kleinen Ort Lütersheim am Rande der Hochfläche und steigen hinter dem Sportplatz steil in das Tal der Watter hinab. Der kleine Bach hat sich tief in den weichen Sandstein eingegraben und dabei bizarre Felsformationen geschaffen. Auf der gegenüberliegenden Bachseite sehen wir in der Felswand die Höhle „Hollenkammer“, die früher ein germanischer Kultort war und heute von Fledermäusen bewohnt wird.

Wir folgen dem idyllischen Bachlauf durch den Wald und kommen am Talausgang an der markanten Felsenlandschaft „Katte-Kurts-Klippen“ vorbei. Nun geht es über hochliegende Feldflächen wieder zurück nach Volkersheim, wo wir nach knapp 20 Wanderkilometern erneut unseren Startpunkt erreichen. Da es ziemlich heiß ist, kühlen Doxi und ich erst einmal unsere Füße im kühlen Wasser der Twiste. Was für eine Wohltat!

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Auf der Kugelsburg

Blick hinauf zur Ruine der Kugelsburg

An Burgen komme ich einfach schlecht vorbei. Als wir mit dem Womo in Volkmarsen Station machen, laufe ich mit Doxi als erstes zur Kugelsburg hinauf, die sich rund einen Kilometer östlich des Ortszentrums auf der Westkuppe des Kugelsbergs erhebt. Unterhalb der Burg fließt die Erpe vorbei, die hier in die Twiste mündet.

Die romanische Kernburg wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts im Auftrag des Klosters Corvey zur Sicherung eines Übergangs über die Twiste an der alten Straße Fritzlar – Paderborn errichtet. Der spätere Ausbau der Burg war ein Versuch, die Mainzer Expansionsbestrebungen in dieser Region zu unterbinden. Doch die anhaltende Rivalität der Erzbistümer Köln und Mainz sollte auch in den kommenden Jahrhunderten die wechselvolle Geschichte der Burg bestimmen.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Burg und die Stadt Volkmarsen 1632 von Hessischen Truppen geplündert und gebrandschatzt. Dies wiederholte sich im Siebenjährigen Krieg 1758 durch französische Truppen. Danach verfiel die Ruine und wurde im 19. Jahrhundert teilweise zur Materialgewinnung abgetragen.

Heute bewohnen in der warmen Jahreszeit Hobby-Ritter die Burg. Jedes Wochenende laden sie Groß und Klein zu Ritterspielen ein. Im Wald unterhalb der Burg stoßen wir an verschiedenen Stellen auf Tierattrappen, die Doxi ebenso neugierig wie vorsichtig beschnuppert. Doch von diesen Bären, Panthern und Gämsen geht keine Gefahr mehr aus. Die Ritter und ihre Knappen haben sie mit Pfeil und Bogen längst zur Strecke gebracht. Davon zeugen die vielen Einschusslöcher in ihren Körpern …

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Im Jagdforst des Grafen

Blick über den Schlossteich zur Rückseite des Residenzschlosses

Nördlich von Bad Arolsen erstreckt sich ein großes Waldgebiet, das früher den Grafen und Fürsten von Waldeck-Pyrmont als Jagdgebiet diente. Von ihrer Residenz verläuft noch heute eine Allee senkrecht zum Hauptflügel des Barockschlosses schnurgerade hinunter ins Tal der Bicke.

Auf der gegenüberliegenden Seite setzt sich die Allee als große Schneise durch den Wald fort. Man kann sich mühelos vorstellen, wie einst die Herren von Waldeck-Pyrmont hier auf der Jagd hoch zu Pferde durch den Wald galoppiert sind.

Diesem Weg folge ich mit Doxi auf unserer Abendwanderung, bis die Schneise mitten im Wald an einem eingezäunten Wildgehege endet. Wir wandern in westlicher Richtung weiter am Rand des Wildgeheges entlang, bis wir irgendwann abdrehen und in einem großen Bogen wieder Richtung Bad Arolsen zurücklaufen, damit wir nicht in die Dunkelheit kommen.

Immer wieder stoßen wir im Wald auf riesengroße Eichen, die mehrere hundert Jahre alt sein müssen. Richtige Baumriesen sind das. Ich staune, denn so etwas gibt es bei uns in den Wäldern am Niederrhein nicht.

Zwischen zwei Waldabschnitten kommen wir auf freiem Feld an einem Steinmetzbetrieb vorbei, der Gartenbrunnen herstellt. In einem Schaugarten sprudeln mehrere Dutzend Brunnen vor sich hin. Doxi ist ganz begeistert und würde am liebsten an jedem Brunnen kosten, aber so viel Zeit haben wir heute leider nicht …

Auf dem Rückweg kommen wir wieder durch das Tal der Bicke. Doxi stapft ein wenig durch den Bach, um anschließend wild über die angrenzende Wiese zu rennen. So macht sie es oft, nachdem sie ihre Füße nassgemacht hat. Bis ich die Kamera aufnahmebereit habe, hat sie bereits die ersten fünf Runden hinter sich. Trotzdem: süß sieht das aus.

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Am Twistesee

Der markante Überlauftrichter des Sees mit einem Cafe auf der Spitze

Mit Doxi wandere ich am Morgen von Bad Arolsen zum nahegelegenen Twistesee. Auf der knapp 17 Kilometer langen Wanderung folgen wir der Tour 1 aus dem Rother Wanderführer „Kurhessen“.

Über die baumgesäumte Fürstenallee wandern wir aus dem Ort hinaus und dann durch schönen Wald hinab in einen Talgrund. Gleich darauf steigen wir auf den nächsten Hügel auf und kommen zu einem Waldrandweg, der uns ins Twistetal führen soll.

Der Weg ist wegen des schlechten Streckenzustands gesperrt. Wir versuchen es trotzdem und bereuen es bald, weil der Weg auf langen Passagen dicht mit Brennnesseln bewachsen ist. Ein Ausweichen ist kaum möglich: Links geht es steil ins Tal hinunter, rechts versperren uns Felsen den Weg. Also schlage ich uns mit einem Stock mühevoll den Weg frei und bin froh, als wir endlich den Schotterweg durch das Twistetal erreichen.

Bald schon stehen wir an der Vorsperre zum Twistesee, wo Angel- und Jagdverbot herrscht und der BUND eine schöne Hütte für Vogelbeobachtungen eingerichtet hat. Kurz darauf erreichen wir den Ostrand des Twistesees, der an sonnigen Tagen viele Badefreunde und Wassersportler anzieht. Doch heute ist es dafür zu frisch.

Der Stauanlage am Twistesee wurde nach der Heinrichsflut von 1965 geplant und Anfang der 1980er Jahre in Betrieb genommen, nachdem es im Einzugsgebiet von Twiste und Diemel immer wieder zu schweren Hochwasserschäden gekommen war. Für die Gewässerregulierung wurde ein Staudamm errichtet, der die Twiste zum Stausee aufstaut.

Am Nordrand des Sees wandern wir Richtung Westen. Wir kommen an einem kleinen FKK-Abschnitt, einer Wasserski-Anlage und schließlich am großen Strandbad auf der anderen Seeseite vorbei. Überall das gleiche Bild: Nichts los heute.

Ganz anders dagegen auf dem Womo-Stellplatz am Nordwestrand des Sees. Alle 120 Stellplätze sind an diesem verlängerten Fronleichnams-Wochenende belegt. Das hatte ich schon vermutet und den Platz deshalb gar nicht erst angesteuert. Ist mir auch ein wenig zur viel los hier, um ehrlich zu sein.

Wir erreichen den direkt am See liegenden Ort Wetterburg oberhalb der Twiste, der früher von der gleichnamigen Burg überragt wurde. In dem noch existierenden Gebäudeteil befindet sich heute ein beliebtes Restaurant. Von dort geht es auf einer Strecke von rund vier Kilometern über Felder und durch schönen Wald zurück nach Bad Arolsen, wo wir den Schlossteich auf der Rückseite des Residenzschlosses erreichen.

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Residenzstadt Bad Arolsen

Frontansicht des Residenzschloss Arolsen

Wir sind mit dem Wohnmobil unterwegs in Kurhessen, dem nördlichen Teil des heutigen Bundeslandes Hessen rund um die Stadt Kassel. Heute besuchen wir die ehemalige Residenzstadt Bad Arolsen, deren Name auf das im Jahre 1131 gegründete ehemalige Augustinerinnen-Stift Aroldessen zurückgeht.

Bad Arolsen war von 1655 bis 1918 Residenzstadt der Grafen und Fürsten von Waldeck-Pyrmont und danach bis 1929 Hauptstadt des Freistaates Waldeck. Anschließend ging sie in die neugeschaffene Preußische-Provinz Kurhessen über.

Die Stadt liegt am Nordrand des nordhessischen Mittelgebirgsraums ungefähr 40 Kilometer nordwestlich von Kassel im Waldecker Land. Die Landschaft hat hügeligen Charakter mit ausgedehnten Laub- und Nadelwäldern.

Bad Arolsen ist seit 1946 Sitz des Internationalen Suchdienstes (ITS). Diese Institution wird vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz geleitet und von der Bundesrepublik Deutschland finanziert. Im Stadtgebiet haben sich mehrere Kliniken angesiedelt, die auf die Behandlung von Tinnitus spezialisiert sind.

Am Morgen besuchen wir die Altstadt rund um das schöne barocke Residenzschloss, das ab 1710 als dreiflügelige Anlage mit ausgedehntem Landschaftspark entstand. Bemerkenswert sind die vielen guterhaltenen Häuser und der barocke Stadtgrundriss rund um das Schloss. Das Straßenraster zeigt das für die damalige Zeit typische Schachbrettmuster.

Eine Besonderheit ist die im Jahre 1670 angelegte Große Allee, die auf etwa 1600 Meter Länge in Ost-West-Richtung verläuft. Sie ist sechsreihig mit rund 880 Eichen bepflanzt.

Unter Fürstin Emma zu Waldeck und Pyrmont wurde 1849 das damals modernste Staatsgrundgesetz in Deutschland erlassen. Ihre Tochter Prinzessin Emma zu Waldeck und Pyrmont wurde 1858 in Arolsen geboren. Sie wurde 1879 Königin der Niederlande und 1890 Regentin.

Das alles trägt dazu bei, dass sich Bad Arolsen bei Gästen aus Deutschland und den Niederlanden als touristischer Anziehungspunkt etabliert hat. Davon zeugen auch die vielen Restaurants und Gastwirtschafen auf der Schlossstraße. Gut, dass wir früh dran sind und den großen Besucherströmen vorauseilen.

Morgen findet vor dem Schloss ein großes Porsche Treffen statt, doch heute haben wir den Vorplatz des Schlosses fast für uns alleine. Eine gute Gelegenheit, Fotos von der schönen Anlage zu machen, auch wenn das Wetter heute nicht ganz so einladend ist.

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