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Abendwanderung zum Alteburger Markt

Wo in der Römerzeit ein Limes-Kastell und spätger eine Kapelle stand, findet heute dreimal im Jahr der historische Alteburger Markt statt

Der Ehrgeiz hat mich gepackt. Heute möchte ich unbedingt die 30 Wanderkilometer voll machen. Nach unserem Morgenspaziergang durch die Limburger Altstadt und unserer mittäglichen Limes-Tour rund um Idstein, breche ich deshalb am Abend noch einmal mit Doxi auf. Von unserem Stellplatz in Idstein wandern wir in östlicher Richtung aus dem Ort hinaus und durch den Wald hinauf zum Berg Heidkopf.

Unser Ziel ist der vier Kilometer entfernte Alteburger Markt. Er findet dreimal im Jahr an der Stelle statt, an der sich einst das römische Kastell Alteburg etwa anderthalb Kilometer südlich des Idsteiner Stadtteils Heftrich befand. Dieses Numeruskastell gehörte zur westlichen Taunus-Strecke des Obergermanisch-Raetischen Limes, der seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Das rechteckige Steinkastell besaß nach archäologischen Untersuchungen eine Abmessung von 78 mal 93 Metern und entsprach damit dem benachbarten Feldbergkastell, das wir morgen auf unserer Wanderung zum Großen Feldberg besuchen wollen . Das Lager unterhalb der Spitze des Heidkopfs diente der Überwachung eines alten Weges, der hier die Limeslinie kreuzte. Dieser Weg war im Mittelalter als „Alter Mainzer Weg“ bekannt und verband die Rheinebene mit dem seit bereits in römischer Zeit besiedelten Limburger Becken.

In nachrömischer Zeit wurde das aufgelassene Kastell als Steinbruch genutzt, unter anderem zum Bau einer 1178 an dieser Stelle errichteten Eremiten-Klause und der dazugehörenden Kapelle des Hl. Kilian.

Aus den an kirchlichen Festtagen abgehaltenen Jahrmärkten entwickelte sich der noch heute an drei Donnerstagen im Jahr hier stattfindende Alteburger Markt. Vom ehemaligen Kastell und den Sakralbauten ist nichts mehr zu sehen. Das hatte ich mir etwas anders vorgestellt, aber egal, die 30 Wanderkilometer haben wir mit dieser Abendtour erreicht. Es sind heute sogar 34 geworden. Ob ich aber auch in den kommenden Tagen so viel schaffen werden, wage ich zu bezweifeln. Denn das war schon ganz schön ansrengend heute 🙂 Und Doxi hat auch definitiv genug.

( MITI / )

Limes-Wanderung rund um Idstein

Rekonstruierter Limes-Wachturm

Wir beginnen unseren kleinen Taunus-Wander-Marathon mit einer ausgedehnten Tour, die uns von Idstein zu zahlreichen Zeugnissen des früheren römischen Grenzwalls Limes führt. Aus dem Tal im Ortszentrum von Idstein geht es zunächst steil bergauf zum Berg Rügert, wobei wir die Autobahn A3 unterqueren. Vom Rügert haben wir einen wunderbaren Blick hinunter ins Nachbartal nach Niederauroff.

In Niederauroff stärkt sich Doxi erst einmal an einem gusseisernen historischen Brunnen. Dann wandern wir durch ein liebliches Tal entlang des Auroffer Bachs von Niederauroff nach Oberauroff.

Dort beginnt an der hübschen Liebfrauenkirche unser langer Anstieg durch frisch ergrünten Buchenwald hinauf zum Berg Scheid und weiter über die frühgeschichtliche Handeslroute „Hünerscheid“ zum rekonstruierten Römerturm 3/15. Der Wachturm lag am Grenzwall Limes, der sich noch heute als begehbarer Erdwall durch den Wald zieht. Vor zweitausend Jahren bildete der Limes die bewachte und gesicherte Grenze zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Germanenstämmen im Osten. Heute markiert er die Grenze zwischen den Gemeinden Idstein und Taunusstein bzw. Glashütten.

Über eine aussichtsreiche Kuppe laufen wir zum Dorf Eschenhahn und weiter zum Roßbergkamm. Dahinter unterqueren wir erst die Autobahn A3 und dann die Schnellzugstrecke von Frankfurt nach Köln. Wir laufen durch das wasserreiche Wörsbachtal und erreichen schließlich nach 21 Wanderkilometern wieder unseren Startpunkt  in Idstein. Die starke Sonne und die zahlreichen Anstiege auf der Tour haben uns ganz schön eingeheitzt. Ein Vorgeschmack auf die kommenden Tage, die noch wärmer werden sollen.

( MITI / )

Mittelalterliches Idstein

Rathaus und Schiefes Haus am Marktplatz vor dem Schloss, das gerade eingerüstet ist

Wir haben Idstein erreicht, die erste Übernachtungsstation auf unserer Taunus-Tour. Der Ort ist die älteste Stadt im Rheingaukreises und verfügt über eine hübsche, sehenswerte Altstadt mit zahlreichen mittelalterlichen Fachwerksbauten. Sie befindet auf einem Höhenrücken zwischen den beiden Stadtbächen, dem Wolfsbach im Osten und dem Wörsbach im Westen,

Dieser Höhenrücken geht im Norden in den Sclossfelsen über, auf dem die frühere Burg, das Schloss und der Hexenturm angesiedelt sind. Auch wenn darin niemals Hexen eingesperrt waren, gab es in Idstein im 17. Jahrhundert zahlreiche Hexenprozesse mit etlichen Todesurteilen und unter der Folter verstorbenen.

Erst im Jahre 2014 wurden die Opfer durch das Stadtparlament moralisch und sozialethisch rehabilitiert. Heute erinnert eine Gedenktafel unterhalb des Hexenturms mit erschreckend vielen Namen an dieses dunkle Kapitel der Zeitgeschichte.

( MITI / )