Sturm über dem Windtestfeld

Eine Siemens-Testanlage mit einem Rotodurchmesser von 93 Metern und einer Höhe von fast 140 Metern
Grevenbroich, 18. November 2016

Im Vordergrund: Eine Siemens-Testanlage mit einem Rotordurchmesser von 93 Metern und einer Höhe von fast 140 Metern

Ui, ist das ein Wind. Heute herrscht im Rheinland richtiger Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 90 Km/h. Auf den Straßen wirbelt das Laub umher und überall liegen schon abgebrochene Äste herum. Eine Waldwanderung scheint mir bei diesen Verhältnissen nicht unbedingt ratsam. Unternehmen wir doch lieber einen kleinen Spaziergang auf offener Feldfläche.

Also machen wir aus der Not eine Tugend und besuchen das größte Windkrafttestfeld auf unserem Planeten. Die Anlage befindet sich auf der Neurather Höhe, einer Abraumhalde aus dem Braunkohlebergbau südwestlich des Grevenbroicher Stadtteils Neurath in Nordrhein-Westfalen. Hier kann der Wind richtig ungestört durchblasen.

Auf dem Testfeld stehen einige der größten und modernsten Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 600 kW bis 2.500 kW. Die Anlagen werden dort getestet und nach internationalen Richtlinien vermessen, um ihre verschiedenen Komponenten zu optimieren. Nach abgeschlossener Arbeit werden die Anlagen wieder abgebaut und durch neue Prototypen ersetzt.

Schon von weitem sticht ein Windrad durch seine übergroße Höhe deutlich hervor: Die Siemens SWT-2.3-93 mit einem Rotodurchmersser von 93 Metern und einer Nennleistung von 2.300 KW. Sie ist die erste Windkraftanlage mit einem Hybridturm. Dabei bestehen die unteren 80 Meter des Turms aus Betonfertigteilen. Darauf sitzen noch einmal 53 Meter aus Stahlsegmenten. Ein echter Koloss. Alle anderen Windräder sehen dagegen echt pupsig aus. Und wie schnell sich die Rotoren bei diesem Wind drehen. Wahnsinn!

Gleich daneben, am Fuß der Halde, blicken wir auf die vier Blöcke des Neurather Braunkohlekraftwerks mit einer Bruttoleistung von 4.400 Megawatt. Es ist das größte Kraftwerk in Deutschland, das zweitgrößte Braunkohlekraftwerk Europas und mit einem Ausstoß von jährlich über 32 Mio. Tonnen auch die zweitgrößte CO2-Schleuder in Europa. Alte und neuen Energien in trauter Nachbarschaft sozusagen. Schön, dass wir das mal gesehen haben.

( MITI )