Auf dem Kolonnenweg bei Heldburg

Heldburg im südlichsten Zipfel von Thüringen, auf drei Seiten von Bayern umschlossen

Heldburg im südlichsten Zipfel von Thüringen, auf drei Seiten von Bayern umschlossen

Wir sind im südlichsten Zipfel von Thüringen unterwegs. Das Heldburger Land liegt zwischen den Flüssen Helling, Kreck und Rodach. Es wird an drei Seiten umschlossen von den nördlichen Gebieten der bayerischen Bezirke Unter- und Oberfranken.

Nach der deutschen Teilung führte dies dazu, dass das Gebiet vollständig in die 1952 geschaffene Sperrzone an der innerdeutschen Grenze geriet. Die isolierte Lage behinderte Bewohner, Wirtschaft und Verkehr massiv, zumal die DDR in den Jahren 1952 und 1961 Zwangsaussiedlungen von „politisch unzuverlässigen Personen“ vornahm.

Über der Stadt erhebt sich ein 406 Meter hoher markanter Berg mit der Veste Heldburg, einer hochmittelalterlichen Höhenburg, die im 16. Jahrhundert als Schloss im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Aufgrund ihrer exponierten Lage ist sie auch „Fränkische Leuchte“ bekannt, als Pendant zur „Fränkischen Krone“, der in Sichtweite und nur rund 15 Km entfernten Veste Coburg. Auf der Veste Heldburg soll in diesem Jahr das Deutsche Burgenmuseum eröffnet werden. Im Moment wird dort aber noch  gebaut.

Sehenswert ist aber auch die Altstadt von Heldburg mit ihren restaurierten Fachwerkbauten aus der Frühen Neuzeit. Sie ist von einer Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umgeben.

Wir wandern auf dem Lutherweg zunächst hinauf zur Veste Heldburg und dann durch den Wald in Richtung der Nachbargemeinde Bad Colburg. Dabei folgen wir über mehrere Kilometer auf dem sogenannten Kolonnenweg der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Im Gegensatz zum Rest der Grenzanlage ist der Kolonnenweg auch heute noch weitgehend erhalten, da er aus einheitlichen, verwitterungsbeständigen Betonteilen hergestellt wurde.

Zu DDR-Zeiten diente der Kolonnenweg den DDR-Grenztruppen dazu, jeden Punkt der Grenze möglichst schnell mit Fahrzeugen zu erreichen. Zwischen dem Kolonnenweg und der eigentlichen Grenze befand sich dann noch der Kontrollstreifen und der eigentliche Grenzzaun.

Auf dem Weg passieren wir Billmuthausen, eine Gemeinde direkt an der innerdeutschen Grenze, die zwischen 1961 und 1978 von den DDR-Behörden nach und nach zerstört wurde. Heute erinnert eine Gedenkstätte an den Untergang des Ortes.

Oberhalb ist noch ein ehemaliger Grenzwachturm der DDR erhalten, der in den letzten Jahren vom Bund für Umwelt- und Naturschutz für die Überwinterung von Fledermäusen hergerichtet wurde.

Für mich ist es ein ganz besonderes Gefühl, hier auf dem ehemaligen Grenzstreifen unterwegs zu sein, da meine Familie viele Jahre durch die Grenze getrennt wurde. Wie schön, heute zu erleben, dass über die Deutsch-Deutsche-Teilung im wahrsten Sinne des Wortes Gras gewachsen ist.

( MITI / )